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Täublingsjahr

Heinz Ebert ⌂, (vor 7344 Tagen)

2006 wird bei mir mit Sicherheit als "Täublingsjahr" in Erinnerung bleiben. Vor drei Wochen habe ich schon in Frankreich ein Gericht - rein aus Täublingen - zubereitet, wovon wir zu fünf Personen gegessen haben.
Am letzten Samstag hatte ich eine Speisepilzveranstaltung mit fast 90 Personen, deren gefundene Pilze in meiner großen Pfanne (http://www.ag-pilzkunde-vulkaneifel.de/seminar_pilzpfanne.htm) zubereitet wurden, und auch da waren Täublinge der Hauptbestandteil.
Das Highlight habe ich heute erlebt, als ich in Daun/Eifel mit ca. 60 Kollegen zum Pilzesuchen war: so viele Täublinge auf einem Haufen habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen (und ich sammle schon lange Zeit Pilze). Dazu kamen noch Krause Glucken, ein riesiger Eichhase, Egerlinge usw.
In der Pfanne landeten schließlich etwa 30 Arten, und der Hauptbestandteil waren eben Täublinge.
Da ich ein Feinschmecker bin (der lange nicht alles isst, was bei Cetto oder Dähncke als essbar bezeichnet wird), hatte ich heute ein Geschmackserlebnis der besonderen Art!
Nehmet einfach die Gelegenheit wahr und probiert mal ein Gericht NUR aus Täublingen. Das ist ein kulinarisches Erlebnis.
UND NOCH EIN HINWEIS: Speisepilze sucht man in "normalen Jahren" hauptsächlich in Fichten. Aber dieses Jahr ist es (zumindest in der Eifel) anders. Die meisten findet man jetzt in den Laubwäldern. Vermutlich speichert der humose Boden die Feuchtigkeit länger als die sauren und dünnen Bodenschichten der Nadelholzkulturen.
Auf jeden Fall ist der Laubwald-Pilz-Aspekt bestimmt 20 Jahre lang nicht mehr so gut gewesen wie heuer.
Mir jedenfalls wird das Jahr 2006 als Täublingsjahr in Erinnerung bleiben, und heute (60 Teilnehmer), und letzten Samstag (ca. 90 Teilnehmer), und hoffentlich auch in den nächsten zwei Wochen (Eifeler Pilzseminare) hatten wir ganz tolle Pilzvorkommen, bei denen allerdings das übliche Artenspektrum (z.B. Steinpilz) nicht vorhanden war.
Die Täublinge sind eben die "Stars" von diesem Jahr, und da kaum jemand Täublinge kennt, ja noch nicht einmal die "Täublingsregel" (Stielprobe + Geschmacksprobe), sammelt sie auch keiner - wie schön.
Mich würde interessieren, wie es in anderen Gegenden aussieht. Ist es dort genauso? Gibt es dort auch so viele Täublinge? Ist dort im Nadelwald (-forst) genausowenig?
Ich bin jedenfalls völlig begeistert von diesem Pilzjahr.
Liebe Grüße aus der Vulkaneifel, Heinz Ebert

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... da läuft ja einem das Wasser im Mund zusammen

Blausprödler, (vor 7344 Tagen) @ Heinz Ebert

Hallo Heinz,

ich habe eben deine Webseite mit der Pilzpfanne betrachtet ... da läuft ja einem das Wasser im Mund zusammen.
Die 1 m Edelstahlpfanne hast du bestimmt selbst konstruiert. Aber wie bringst du genügend Hitze hinein? So wie ich es sehen kann steht sie nur auf Holzklötze mit etwas Glut darunter. Legst du immer wieder Glut nach oder genügt die Glut bis alles fertig ist?
Na ja was soll´s - euer Pilzrezept ist so ähnlich wie ich immer die Pilzsuppe für Freunden mache. Außer dem Rauchfleisch ist alles identisch - muss ich auch mal dazu tun - Lächle!

Ja und mit dem Täublingen stimme ich dir auch voll zu - sie sind die besten Speisepilze und werden kaum gesammelt. Sie bleiben fest und werden nie schwammig!
Bei uns im Ostbayerischen Wald gibt es dieses Jahr auch so viele Täublinge wie noch nie. Vor allem Frauentäublinge sind dieses Jahr der Massenpilz.

Bayerische Grüße

Wolfgang

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Re: ... da läuft ja einem das Wasser im Mund zusam

Werner Stangl, (vor 7344 Tagen) @ Blausprödler

Hallo Heinz,
ich habe eben deine Webseite mit der Pilzpfanne betrachtet ... da läuft ja
einem das Wasser im Mund zusammen.
Die 1 m Edelstahlpfanne hast du bestimmt selbst konstruiert. Aber wie bringst
du genügend Hitze hinein? So wie ich es sehen kann steht sie nur auf
Holzklötze mit etwas Glut darunter. Legst du immer wieder Glut nach oder
genügt die Glut bis alles fertig ist?
Na ja was soll´s - euer Pilzrezept ist so ähnlich wie ich immer die Pilzsuppe
für Freunden mache. Außer dem Rauchfleisch ist alles identisch - muss ich
auch mal dazu tun - Lächle!
Ja und mit dem Täublingen stimme ich dir auch voll zu - sie sind die besten
Speisepilze und werden kaum gesammelt. Sie bleiben fest und werden nie
schwammig!
Bei uns im Ostbayerischen Wald gibt es dieses Jahr auch so viele Täublinge
wie noch nie. Vor allem Frauentäublinge sind dieses Jahr der Massenpilz.
Bayerische Grüße
Wolfgang

Auch ich bin ein großer Täublingsfreund, weil sie oft so nett stehen gelassen werden, v.a. diese häßlichen mit den grünen Feldern am Hut. *g*

Hatte ebenfalls heuer mehrere reine Täublingsmahlzeiten, allerdings sind Täublinge bei uns im Wald in der Steiermark sowieso immer ziemlich gut vertreten. Vor allem gibt es keine andere (kulinarisch interessante) Gattung, die so stabil von Juni bis jetzt fast durchgehend da ist.

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Re: Täublingsjahr

Pilzthomas, (vor 7344 Tagen) @ Heinz Ebert

Hallo Heinz,

tolle Sache Deine Pilzveranstaltung. Bei der Ausrüstung vermute ich, dass Du so was regelmäßig machst.
Ich für meinen Teil hatte dieses Jahr meine erste reine Täublingsmahlzeit mit Freunden während unseres Urlaubs in Nordhessen:
Frauentäubling
Violettfüßiger Pfirsichtäubling
Speisetäubling
Super lecker, knackig und nussig-würzig.
Ein Erlebnis!

Gerade der Frauentäubling ist dieses Jahr auch in Wäldern häufiger anzutreffen, wo ich ihn sonst nur selten getroffen habe. Sowohl in meiner hessischen Heimat als auch hier im Oldenburger Land.

Gruß
Thomas

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Re: Täublingsjahr

Armin Groß, (vor 7343 Tagen) @ Heinz Ebert

Hallo Heinz,
Zu dem Laubwald-Pilz-Aspekt mit dem Massevorkommen an Täublingen muss ich dir recht geben.
Was mir zu den Täublingen speziell aufgefallen ist, war und ist noch das massenhafte Auftreten der grüne Form des Frauentäublings was man so unter pelteraui versteht. In solchen Mengen habe ich diese Form früher noch nie gesehen.
Was auch noch in Mengen in Kalkwälder auftrat war der rotstielige Ledertäubling R. olivacea.
Wenn wir schon bei Besonderheiten sind, so ist mir beim Hallimasch auch etwas aufgefallen. Ein massenhaftes Vorkommen des Hallimaschs in manchen Jahren ist nichts besonderes. Üblicherweise kommt der Hallimasch aber stark büschelig an oder in der Nähe von Stämmen, Wurzeln oder lebenden Bäumen. Dieses Jahr überzog er zusätzlich den kompletten Laubwald wie gesät mit einer Vielzahl einzelner oft großen Einzelexemplaren.
Es hatte den Anschein, als sei es eine Art, die überall im Laubwald erschient, ohne direkten Bezug zu Bäumen und Holzresten.
Gibt es Erklärungen für so ein Verhalten ? Daraus überspitzt abzuleiten, dass unser Wald jetzt komplett krank ist, wäre schon etwas abwegig, aber eine logische Erklärung dazu fällt mir auch keine ein. Mich würde interessieren ob jemand dieselbe Beobachtungen gemacht hat.

Vielleicht kommt jetzt noch der große Nadelwald- Aspekt, ist ja noch relativ früh im Pilzjahr...
Gruß Armin

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Re: Täublingsjahr

MANatwork, (vor 7343 Tagen) @ Armin Groß

Hallo Armin, ich kann deine Beobachtung bezüglich der Hallimasch bestätigen !
Auch hier bei uns im Bergischen, ein häufigeres Vorkommen in Laubwäldern !
Dazu noch viel zu früh für unsere Region ! Normalerweise kommt er bei uns nur einmal im Jahr, und dann erst im Oktober !
Und wenn, dann eigentlich nur der Zwiebelfüßige, heuer ist aber auch der Honiggelbe sehr stark vertreten !

Gruß Stefan

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Re: Täublingsjahr

Der Juergen, (vor 7343 Tagen) @ Heinz Ebert

Hallo Heinz,

hab mit Vergnügen Deinen kleinen Bericht gelesen.

Mich würde interessieren, wie es in anderen Gegenden aussieht. Ist es dort
genauso? Gibt es dort auch so viele Täublinge? Ist dort im Nadelwald
(-forst) genausowenig?
Ich bin jedenfalls völlig begeistert von diesem Pilzjahr.
Liebe Grüße aus der Vulkaneifel, Heinz Ebert

Dieses Pilzjahr ist seltsam; alles scheint auf den Kopf gestellt: Der August war ein Feuerwerk der Arten, der September ein Desaster (Die Ulmer haben ihre Pilzausstellung ersatzlos gestrichen), so trocken wars. Bei uns findet man zur Zeit nur vergammelte Hallimasche, dazwischen noch ein paar andere Holzbewohner; der Rest vertrocknete Mumien! Aber der August hatte es in sich, und tatsächlichen waren die Täublinge die Könige. Ich habe noch nie soviele Weißtäublinge gesehen wie dieses Jahr (Russula delica und Konsorten), auch der rotstielige (trickreiche!) Ledertäubling (Russula olivacea) war vor allem mit Riesenexemplaren vertreten.

Grüßle
Juergen

p.s.: Was ist denn eigentlich die "Stiel-Regel"?

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Re: Täublingsjahr

Imberaureus, (vor 7343 Tagen) @ Heinz Ebert

Ich gebe Dir Recht, das Täublinge mit zu den besten Speisepilzen gehören. Die ganzen Röhlringe darf ich schon gar nicht mehr in Pfanne werfen. Da meutert die Familie.

Hier im Norden Zürichs haben wir gestern ausschließlich Täublinge gefunden, die nicht genießbar waren. Das hat keine Spaß gemacht, sich dauernd die Fresse zu verbrennen. Und zwar nur in Nadelwädern. Keine Täublinge in Laubwäldern gesehen.
Das einzige Essbare waren dann eine Handvoll Schiefknollige Anis-Champignons (Agaricus essetei). Damit war wenigstens ein keiner Jagderfolg gegeben;)

Weiter guten Appetit, Norbert

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Re: Täublingsjahr

tari, (vor 7342 Tagen) @ Imberaureus

Das einzige Essbare waren dann eine Handvoll Schiefknollige Anis-Champignons

hallo, ich hätte da mal eine frage zu den anis-champignons! wie stark ist der anis geruch bei jüngeren exemplaren? wir hatten nämlich letztens mal welche auf dem tisch, die wir nicht als den "gemeinen" champignon und ich glaube auch nicht als den karbol-egerling identifiziert hatten. vielleicht haben wir uns das daraufhin auch nur eingebildet, aber ich meinte, im geruch eine mehr oder weniger deutliche anis-note zu vernehmen, wenn man tief eingeatmet hat.

wird der geruch bei anis-egerlingen eigentlich noch (viel) stärker, sobald sich der hut etwas öffnet? (..oder ist der geruch bei älteren pilzen allgemein intensiver als bei jungen oder noch geschlossenen exemplaren)???

freue mich über antwort!!

tari

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Re: Täublingsjahr

Imberaureus, (vor 7342 Tagen) @ tari

hallo, ich hätte da mal eine frage zu den anis-champignons! wie stark ist der anis geruch bei jüngeren exemplaren?

Die Reiferen der Gesellschaft hatten ein kräftigeren Anisgeruch und auch Geschmack als jungen Hüpfer. In der daraus zubereiteten Pasta mit Speck und Kirschtomaten waren die Scheiben aber nicht mehr auseinander zu halten. Sie hatten alle einen deutlichen aber sehr angenehm harmonisch Anisgeschmack.

Das Besondere bei den Exemplaren war, das der Stiel ab dem wurzelnden Stielbereich ca. 40-50° abknickte. Und zwar bei jedem Exemplar. Hatte leider keine Kamera mit, und erst zu Hause durch Zufall gelesen, das es sich da um eine spezielle Art handelt (Welcher Pilz ist nicht Speziell?;)). Die werden doch wohl standorttreu bleiben und mich in den nächsten Tagen wieder beglücken. Dann werde ich Fotos nachreichen.

wird der geruch bei anis-egerlingen eigentlich noch (viel) stärker, sobald
sich der hut etwas öffnet? (..oder ist der geruch bei älteren pilzen
allgemein intensiver als bei jungen oder noch geschlossenen exemplaren)???

Anis-Egelinge? Kann ich nichts zu sagen. kann mich nicht dran errinnern sie mal gesehen zu haben. (und wenn dann höchstens in der Kindheit). Heißt keine Errinnerung dran.

Ich hoffe geholfen zu haben.

Norbert

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Re: Täublingsjahr ...und Stielprobe

Kattugla, (vor 7343 Tagen) @ Heinz Ebert

Ist hier, im Hintertaunus ähnlich.
Ich war mir bislang nur nicht sicher, ob das daran liegt, daß ich mittlerweile genauer hingucke und mein Sammelspektrum erweitert habe, aber Fakt ist tatsache, daß ich noch vor zwei, drei Wochen kaum durch meinen angestammten Lieblingswald marschieren konnte, ohne nicht beinahe auf die Täublinge draufzutreten.

Frauentäublinge habe ich in diesem Jahr zum ersten Mal probiert und bin begeistert!

In meiner Kinderzeit in der knochentrockenen Niederlausitz (genau, Kiefernmeer, Sandmeer und sonst nichts mehr) haben wir massenhaft Blutreizker gesammelt, die wachsen hier so gut wie überhaupt nicht, und da bgrüße ich halt jeden Pilz freudig, der in der Pfanne knackig bleibt. Und auch noch so lecker ist. Röhrlinge sammle ich zum Frischverzehr kaum noch.

Zur Stielprobe: gehe ich da recht in der Annahme, daß es um das Testen der Brüchigkeit des Stiels bei Täublingen und Milchlingen geht?
Ich glaube mich zu erinnern, daß der Stiel nicht - wie den anderen, ähnlichen Nichttäublingen - faserig bricht, sondern "krümelig"?

...ah ja, zum Hallimasch: mich hat das auch verwirrt, daß ich ebenfalls üppige Exemplare weit entfernt von Baumstümpfen gefunden habe.
Ein bißchen im Gras gewühlt ergab sich aber immer darunter mindestens ein morscher Ast, auf dem der scheinbare "Ausreißer" saß...

Grüße von Kattugla
(die vorgestern endlich auch ein paar vertrocknete Pfifferlinge entdeckt hat - hier ist Pfiffi-Notstandsgebiet...)