Re: Die Unbekannten nerven
Moin zusammen,
sorry, wenn ich ständig auf meinen beiden Sandkistenpilzen rumreite, aber
deren Bestimmung liegt mir – so weit irgend möglich – doch sehr am Herzen.
Nach Pilzpeters Tipp mit Cortinarius pulchripes (ich übersetz’ das mal mit
„Schönfüßigem Schleierling“) habe ich noch mal in dieser Richtung
geforscht. Leider kann ich Peters Tipp nicht verifizieren, denn diesen
Pilz habe ich im Bon und meinen anderen Büchern nicht gefunden. Dafür aber
den C. flexipes (bei Pätzold/Laux, im Bon: C. paleaceus – wer hat Recht?),
der auch ganz gut passte, und der von Wolfgang ins Spiel gebracht wurde.
Ich werde diesen Pilz also erst mal unter „Gürtelfuߓ ablegen und schauen,
ob ich noch weitere Exemplare finde.
Doch zu diesem Zeitgenossen aus der Sandkiste kam ja nur wenig:Und wenn schon jemand wie Andreas fast „die Waffen streckt“, dann traut sich
jemand wie ich, der von den Inocyben so viel Ahnung hat wie von
sibirischem Obertonschnarchen gar nicht mehr ran.
Ich habe deshalb gestern abend einfach mal die Behauptung aufgestellt, dass
das kein Risspilze sind. Das war ’ne gute Idee, denn dadurch gelangte ich
zu den Schüpplingen (war reine Intuition!). Der Bon führt einen bei den
Schüpplingen im Schlüssel leicht in die Irre mit „meist holzbewohnende
Art“ und „büscheliges Wachstum“. Hier überliest man dann leicht das Wort
„meist“. Langer Rede kurzer Sinn: Ich bin beim Erdboden-Schüppling
(Pholiota muricella) gelandet, einem sehr nahen Verwandten des
Gras-Schüpplings (P. graminis). Beide Arten wachsen nicht auf Holz und
nicht büschelig, sondern auf dem Boden und in Gruppen.
Meine Frau und ich haben die Fotos nach allen Regeln der Kunst interpretiert
und auch die Aufzeichnungen aus dem Feld noch mal zu Rate gezogen. Und so
bin ich mir fast sicher – so weit das ohne Mikro möglich ist – den
Erdboden-Schüppling gefunden zu haben.
Nun wäre das eine kleine Sensation, denn Bon schreibt: „…seltene, wenig
bekannte Art, deren Auftreten sorgfältig dokumentiert werden sollte“.
Da die Gürtelfüße und die Schüpplinge an einem Ort wachsen, werde ich
versuchen, auch von denen Belegexemplare zu finden.
Grüßlis
Thomas
Hallo Thomas,
wenn Dir die Bestimmung wenig markanter Arten am Herzen liegt, dann ist ein Mikroskop unerläßlich. Spezialisten bleiben selbst damit oft geteilter Meinung. Mein Mikro arbeitet mit diversen Verfahren, unterstützt von einer Cocktailbar Chemie und trotzdem endet meine Pilzbestimmung nicht selten wie das Hornberger Schießen. Das ist gut so, so bleibt das Metier spannend. Man kann natürlich auch alle Zweifel aussperren und sich zufrieden den Bart streichen nach einer Bestimmung. Wahrscheinlich ist Deine Fast-Sicherheit beim nächsten Erdboden-Schüpplingsfund dank neuer Erkenntnisse deutlich geschrumpft.
Gruß - Waldschrat