Pilze Pilze Forum
Erweitert

Montagskino mit Fragezeichen *PIC*

Ingo, (vor 7326 Tagen)

Hallo Forum !

In dieser Woche kann ich endlich mal wieder Bilder von freilebenden Pilzen präsentieren.
Nicht dass hier in unseren Kiefernwäldern irgendwas zu holen wäre. Bis auf wenige Ausnahmen
sind noch keine Großpilze erschienen. Vielleicht reichen ja die ca. 10 Liter pro qm aus der
Vorwoche, um noch irgendwas zu richten. Allerdings ist nun ja wieder warmes, trockenes
und vor allem auch wieder ostwindiges Wetter angesagt.

Glücklicherweise haben wir nördlich von Berlin auch Waldgebiete mit Buchenbeständen.
Bei Wandlitz zum Beispiel gibt es einen Rotbuchenbestand, der im Sommer 2002 von einem
Sommerorkan heimgesucht wurde. Der Sturm hatte seinerzeit sogar Menschenleben gefordert und
so nebenbei die Hälfte der gigantischen, alten Buchen entwurzelt. Ich meine sogar, dass es diese
Gewitterfront war, die damals nur von Meister Kachelmann richtig vorhergesagt wurde. Seitdem
werden alle größeren Niederschlagsgebiete in den lokalen Vorhersagen von Unwetterwarnungen
begleitet. Vielleicht kann sich einer von den Wetterexperten hier noch genauer erinnern.

Jedenfalls herrschen in diesem Waldstück mittlerweile, aus mykologischer Sicht, paradiesische Zustände.
Zwar wurden die dicken Buchenstämme weggeholt, aber es liegen immer noch Unmengen Bruchholz
herum. Ein Eldorado für die Freunde der Baumpilze. Ich kenne mich in diesem Metier nicht allzu gut
aus, möchte hier aber dennoch ein paar winzige Auszüge vom Artenreichtum präsentieren. Es ist
quasi wie in einer Pilzausstellung, wo jemand die Typenschilder eingesammelt hat.

Die ersten drei Arten habe ich allerdings bereits am Samstag im Kiefernbestand angetroffen.
Als erstes diese Körnchenschirmlinge hier:

[image]

Es spricht eigentlich viel für den Amiant Körnchenschirmling (Cystoderma amianthinum)
Da gibt es aber noch einige ähnliche Arten und Varianten, so dass ich dazu gerne Eure Meinung
wissen würde.

Das nächste Bild zeigt eindeutig Tintlinge (Coprinus spez.). Nicht mehr und auch nicht weniger!

[image]

Nach meinen Erfahrungen hier vom Bild her sicher nicht bestimmbar. Vielleicht immer noch Haustintlinge?

Des weiteren einen wunderschönen Porling auf einem Kiefernstumpen. Er hatte auf der Hutoberfläche
eine Art Pelz und sah so aus, als hätte jemand meine Plüschflunder an den Stamm genagelt.

[image]

In den 1200 Pilzen von RMD gibt es da auf Seite 331 einen Porling, der von der Beschreibung her
hinkommen könnte, den Kiefernporling (Phaeolus spadiceus). Ich hoffe, hier können die Trametenexperten
weiterhelfen.

Die nachfolgenden Bilder sind allesamt im besagten Buchenforst entstanden. Trameten und Porlinge
hätte ich dort massenhaft knipsen können. Ich habe mich aber mit diesem einen, hübschen Porling
begnügt. Die anderen laufen nicht weg und sind auch noch im Winter dort. Die richtige Zeit, um sich
mit so etwas auseinander zu setzen.

[image]

Der Pilz sieht aus wie frisch lackiert. Vielleicht ist es der Rotrandige Baumschwamm. Aber das ist
eher geraten. Ich komme auch mit meiner Literatur nicht allzu weit und für die BW Pilze Band 1 fehlte
mir heute die Geduld.

Der nächste Vertreter ist allerdings kein Baumpilz. Ich hätte den niemals gesehen, wenn ich nicht
gerade zwecks Fotos auf dem Boden herumgerobbt wäre. Meiner Meinung nach sollte er auf jeden
Fall in die Pfifferlingsverwandtschaft gehören.

[image]

Er schaut eigentlich nach einem Trompetenpfifferling (Cantharellus tubaeformis) aus. Mit diesem
schönen, gelblichen Stiel. Bei uns ist der Mangelware und für mich wäre es ein Erstfund.

Das nächste Bild zeigt keinen Habichtspilz, wie man auf den ersten Blick meinen könnte,

[image]

sondern wiederum einen Porling. Der stand wohl auf einem unterirdischen Holzrest und schaut von
unten so aus:

[image]

Mit meinen zaghaften Bestimmungsversuchen lande ich bei einem Porling namens
Sklerotienporling (Polyporus tuberaster). Wenn ich so was nochmal finde, werde ich mal schauen,
ob da auch ein Sklerotium ist.

Im weiteren Verlauf gab es auch ein paar Vertreter aus der Seitlingsfamilie zu beobachten.
Hier ein Foto von ein paar völlig überständigen Exemplaren, auf dem ich aber einen entscheidenden
Hinweis zur Artfindung zu erkennen glaube – am Stiel:

[image]

Nach meiner Ansicht sind das Rillstielige Seitlinge (Pleurotus cornucopiae). Allerdings ohne Gewähr!!!

Einen weiteren, rätselhaften Fund stellen für mich die nachfolgenden Schüpplinge dar.
Normalerweise gab es dort an den Buchen in anderen Jahren immer büschelweise von den
klebrigen, goldfarbenen Pholiatas zu bewundern. Diesmal nichts davon. Dafür aber diese hier:

[image]

Eigentlich führen alle Hinweise zum Tonfalben Schüppling (Pholiota lenta). Die Pilze wuchsen auch
nicht direkt an den Stämmen, sonder eher irgendwo daneben. Vielleicht handelt es sich auch um
ausgeblasste Vertreter einer farbenfroheren Art. Aber es waren insgesamt drei Exemplare, die
ziemlich verstreut standen. Eine Geschmacksprobe erbrachte beim Hutfleisch einen angenehm,
pilzigen Geschmack. Ein Siel war allerdings etwas bitter. Ich kann schon jetzt einen gewissen
Spruch erahnen, der da ungefähr so anfängt: Ohne Mikroskop......! ;-)

Bei den nächsten Pilzen ist dann aber (hoffentlich) Schluss mit Rätselraten.

Mit Vorliebe an Buchen fruktizieren die Wässrigen Faserlinge (Psathyrella hydrophilia)

[image]

Die Art nennt sich im Volksmund auch Weißstieliges Stockschwämmchen und ist essbar.

Ebenfalls an Holz konnte ich diese Speisepilze bewundern:
[image]

Das sind die berühmten Judasohren (Auricularia auricula-judae), auch Chinamorcheln
oder Holunderpilz genannt. Vielleicht erkennt ja jemand die Holzsorte.

Des Weiteren hatte ich das Glück, diesen Stachelbart vor die Linse zu bekommen.

[image]

Das sollte der Dornige Stachelbart (Creolophus cirrhatus) sein. Der Fruchtkörperumfang
lag so bei 25 cm. Ganz schön überständig schon, aber immerhin!

Nicht fehlen dürfen natürlich die Krausen Glucken. Dass die auch im Buchenwald wuchern;
mich hat es nicht gestört.

[image]

Sie wachsen nicht nur an den alten Kiefernstümpfen. Ich konnte auch wenigstens zwei Exemplare
ausmachen, die es mit Buche hielten. Insgesamt konnte ich acht Fruchtkörper ausmachen. Die
Hälfte davon war noch gut und kam in das Dörrgerät.

Die letzte Art, die ich in diesem Bericht zeigen möchte, hatte bereits gestern Abend als Rätsel
ihren Auftritt hier im Forum – diese hübschen “Elefantenohren“:

[image]

Es ist tatsächlich schon die Winterform vom Austernseitling. Die Theorie vom Frostschock, den
diese Art angeblich zum fruktizieren benötigt, kann man getrost ad Akta legen. Diese Fruchtkörper
hatten wohl schon zum Monatswechsel ihren Start gehabt. Da hatten wir noch trockene 27°C!
Ich glaube, der letzte Nachtfrost war irgendwann im April gewesen.

Ich bin heilfroh, dass ich gestern diesen Abstecher gemacht habe. Hier das Ergebnis meiner
zweistündigen Pilzwanderung:

[image]

Wie es in den Kiefernwäldern momentan aussieht, habe ich ja schon zur Genüge geschildert.
Ich freue mich, dass ich doch noch so viele verschiedene Arten angetroffen habe und hoffe, dass
Für viele Forumuser etwas Interessantes dabei ist.

Beste Grüße aus den spätsommerlichen Berlin!
Ingo

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Re: Montagskino mit Fragezeichen

Steininger, (vor 7325 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

ein rundum gelungener Bericht;hat mir sehr gut gefallen!

Dein Trompeten-Pfifferling könnte auch ein Starkriechender Leistling sein,da die Leisten nur wenig ausgeprägt sind.Solltest du den schon gefunden haben,dann hoffe ich,dass ich falsch liege,zumal du ja auch den Geruch nicht erwähnt hast.
Gruß
Wolfgang

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Montagskino mit Fragezeichen

Ingo, (vor 7325 Tagen) @ Steininger

Dein Trompeten-Pfifferling könnte auch ein Starkriechender Leistling
sein,da die Leisten nur wenig ausgeprägt sind.Solltest du den schon
gefunden haben,dann hoffe ich,dass ich falsch liege,zumal du ja auch den
Geruch nicht erwähnt hast.
Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

schon möglich. Den habe ich bisher aber auch noch nie gesehen.
Geruch war nicht erkennbar, weil schon zimlich trocken und fest.
Irgendwelcher nennenswerte Geschmack auch nicht. Auch war der
Stiel schon ganz schön zäh.
Die Hutoberfläche war ziemlich glatt und dunkelocker-bräunlich gefärbt.

Ich dachte mehr daran, dass hier Jemand die Art identifizieren
könnte, der sie gut kennt. Schließlich sollen die Trompenenpfiffis
im Süden ortshäufig sein und gerne gesammelt werden.

Grüße Ingo

Eintrag gesperrt
14 Aufrufe

Re: Montagskino mit Fragezeichen

zuehli ⌂, (vor 7325 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

zwei der Glucken im Korb sehen aber recht breitblättrig aus - kein Wunder, daß die nicht an Kiefern wuchsen.

Gruß Harald

Eintrag gesperrt
10 Aufrufe

Re: Montagskino mit Fragezeichen

Rudi, (vor 7325 Tagen) @ zuehli

Hallo Harald,

zwei der Glucken im Korb sehen aber recht breitblättrig aus

die tun nur so!

Grüße Rudi

Eintrag gesperrt
11 Aufrufe

Re: Montagskino mit Fragezeichen

Ingo, (vor 7325 Tagen) @ zuehli

Hallo Ingo,
zwei der Glucken im Korb sehen aber recht breitblättrig aus - kein Wunder,
daß die nicht an Kiefern wuchsen.
Gruß Harald

Hallo Harald,

schön wär's, wenn da breitblättrige gewesen wären.
Die Art gehört bei mir aber immer noch zu den "Missing Mushrooms".
Die großen im Korb standen beide an einem Kiefernstrunk, wo sie seit
Jahren regelmäßig erscheinen. Ab und zu war aber schon mal wer vor
mir da.

Aber nebenbei - wie sieht es denn mit den anderen, gezeigten
Arten aus. Liege ich da einigermaßen richtig.
Bei den Porlingen, der Pholiota und der Cystoderma war ich mir
eigentlich nicht sicher. Das die Tintlinge für die Katz sind, war
eh klar.

Gruß Ingo

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Re: Montagskino mit Fragezeichen

Werner, (vor 7325 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

schön wär's, wenn da breitblättrige gewesen wären.
Die Art gehört bei mir aber immer noch zu den "Missing Mushrooms".
Die großen im Korb standen beide an einem Kiefernstrunk, wo sie seit
Jahren regelmäßig erscheinen. Ab und zu war aber schon mal wer vor
mir da.

Ich denke auch, daß das normale Krause Glucken sind. Die typischen braunen, dünnen Ränder sprechen dafür. Und umgebogen sehen die auch immer wieder mal aus.

Aber nebenbei - wie sieht es denn mit den anderen, gezeigten
Arten aus. Liege ich da einigermaßen richtig.
Bei den Porlingen, der Pholiota und der Cystoderma war ich mir
eigentlich nicht sicher. Das die Tintlinge für die Katz sind, war
eh klar.

Der Porling könnte theoretisch ein junger P. squamosus sein. Wenn der säuerlich-gurkenartig gerochen hat, ist er's. Ansonsten ist es schon tuberaster.

Die Cystoderma kann man schwer beurteilen. Der Wahrscheinlichkeit nach liegst Du richtig. Denn amianthinum ist z.Zt. Massenpilz, zumindest hier. Ein klein bißchen dunkel ist der Hut schon, aber das liegt schon noch in der Variationsbreite. Wenn man das denn ganz genau wissen wollte, müßte man den mikroskopieren.

Fomitopsis pinicola ist sicher auch richtig. Und C. tubaeformis auch, lutescens ist viel freudiger im Stiel gefärbt und hat undeutlichere Leisten. Trotzdem wäre es immer gut, wenn man eine ganze Kollektion auch von oben sehen könnte.

Ansonsten waren das halt ein bisserl viele Fragen auf einmal. Besser ist es immer, sich viel Zeit für eine Art zu nehmen und die dann komplett mit Geruch,Geschmack, Standort, Verfärbungen, Besonderheiten etc. zu kommentieren. Geschmack sollte man natürlich auslassen, wenn man die tödlich giftigen Arten nicht ausreichend kennt.

Gruß,

Werner

Eintrag gesperrt
14 Aufrufe

Re: Montagskino mit Fragezeichen

Ingo, (vor 7325 Tagen) @ Werner

Hallo Werner,

vielen Dank erst mal für Dein Posting. Wie schon mal geschrieben, freue
ich über jede Reaktion auf die Beiträge, wie sicher auch all die Anderen
hier, die sich die Mühe geben, Beiträge auszuarbeiten und ins zu Forum stellen.

In erster Linie liegt es mir am Herzen, das Pilzwachstum in unserer, ein wenig
unterbelichteten Region zu präsentieren. Eigentlich war das bisher auch nicht
weiter schwierig, weil dies mal wieder ein ziemlich dürftiges Pilzjahr ist.

In den Kiefernwäldern war, bis auf den Zeitraum von Ende August bis so Mitte
September wenig bis nichts los. In diesem Zeitraum war aber auch das Forum
bestens frequentiert, wie die "Einschaltquoten" im betreffenden Zeitraum belegen.

Das deute ich als Hinweis, dass in den Stoßzeiten viele Leute hier im
Forum mitlesen, die nicht über das große Pilzwissen verfügen. Ich erinnere
mich da besonders an den Beitrag, der etwa "Steinpilze in Massen..." lautete.

Da waren zum Teil auch Anfragen mit Handyfotos unterwegs, die sich die Leute
durch die Lektüre jedes noch so einfachen Pilzbilderbuches für 3,-€ hätten
selbst beantworten können.

Nun leben wir aber im Zeitalter der neuen Medien, wo für eine gewisse
Zielgruppe das Lesen von Büchern aus der Mode gekommen zu sein scheint,
und die Internetrecherche zur Gewohnheit geworden ist.
Man kann also davon ausgehen, dass zu diesen Zeiten ein Großteil der
Besucher hier einfach nur wissen wollte, was in welcher Gegend so an
lohnenswerten Speisepilzen zu holen ist.

Mittlerweile sind die Zugriffe auf die Bildbeiträge aber deutlich zurück-
gegangen. Man vergleiche mal nur die Zugriffszahlen auf die Postings von
Karl-Heinz und Peter hier im Forum.
Es werden wohl noch einige sammelwütige Pilzfreunde dabei sein, aber den
Großteil sollten nun wieder die registrierten Nutzer bilden und die
Pilzfreunde, die sowieso aus Interesse alles mit verfolgen, und sich bisher
nur noch nicht geoutet haben. Ich selbst war ja auch so einer. Habe ich doch
seit 2000 hier sechs Jahre lang nach Wissen schmarotzert, bis ich mich dann
auch entschlossen habe, etwas zurückzuzahlen.

Die Pilze im Laubwald am vergangenen Wochenende haben mich einfach so
überrannt. Ich habe niemals damit gerechnet, dass ich Aupis, Judasohren und
die Cantharelle finden würde. Ich war sozusagen im Foto-Dauerstress und
hoffe, dass man es den Bildern nicht so sehr ansieht.
Mir war nun mal daran gelegen, meine Funde möglichst zeitnah zu präsentieren,
um zu zeigen, dass auch hier etwas geht. Zu einer gründlichen Bestimmung
fehlte mir leider auch die Zeit, so dass ich diese nur nach den Beschreibungen
in meiner Bestimmungsliteratur durchführen konnte.

Du hast sicher recht, dass ich bei meinen Beschreibungen nicht gründlich genug
war. Aber ich hatte so im Hinterkopf den Gedanken, dass Ihr mich schon
zurechtstutzen würdet, wenn ich irgendwo total daneben liegen würde.

Wenn sich die Gelegenheit ergibt, werde ich auch wieder auf die eine
oder andere Art in einem Extra Beitrag eingehen. Einige Male hat das ja
auch schon geklappt.
Allerdings habe ich auch noch einige "Leichen" im Keller, die ich bis heute
noch nicht vorzukramen gewagt habe. Ich sage da nur Schirmlingskompost.
Und das, wo einige Funde aus dem Sommer noch nicht mal sicher bestimmt sind.

Beste Grüße! Ingo

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Montagskino mit Fragezeichen

Werner, (vor 7325 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

unterbelichteten Region zu präsentieren. Eigentlich war das bisher auch nicht
weiter schwierig, weil dies mal wieder ein ziemlich dürftiges Pilzjahr ist.

Wie bitte? Also hier in der Münchner Gegend war es ein sehr gutes Pilzjahr. Selbst die Steinpilzfraktion kam auf ihre Kosten. Und Raritäten gab es so viele, daß vieles unbestimmt liegenblieb.

Das deute ich als Hinweis, dass in den Stoßzeiten viele Leute hier im
Forum mitlesen, die nicht über das große Pilzwissen verfügen. Ich erinnere
mich da besonders an den Beitrag, der etwa "Steinpilze in
Massen..." lautete.

Das ist immer so. Da gibt's dann auch 200+X Steinpilzfotos, so wie im Frühjahr die Morchelfotos ...

Da waren zum Teil auch Anfragen mit Handyfotos unterwegs, die sich die Leute
durch die Lektüre jedes noch so einfachen Pilzbilderbuches für 3,-€ hätten
selbst beantworten können.

Naja, nicht unbedingt. Totale Anfänger haben halt überhaupt keinen Überblick darüber, was es denn überhaupt geben KÖNNTE. Und wenn ich nicht weiß, daß es andere rotporige Röhrlinge als die Hexenröhrlinge und den Satan gibt (dünne Pilzbüchlein haben nicht viel mehr drin), ist es schon gut, wenn ich frage. Auf irgendeinem Gebiet sind wir ja alle Anfänger - siehe US-Mushrooms. Und da kann ich dann schlecht behaupten, das IST Boletus xy, den ich von hier kenne, weil ich gar nicht weiß, ob es nicht eventuell dort einen verdammt ähnlichen Doppelgänger gibt. Nur so mal als Beispiel.

Nun leben wir aber im Zeitalter der neuen Medien, wo für eine gewisse
Zielgruppe das Lesen von Büchern aus der Mode gekommen zu sein scheint,
und die Internetrecherche zur Gewohnheit geworden ist.

Das ist schon wahr. Das hat seine positiven Seiten, weil die Welt kleiner geworden ist. Andererseits steht auch unheimlich viel Mist im Internet, weil jeder, der ein Basiswissen Computer hat, irgendwas einstellen kann. Andererseits kann man mit der nötigen Skepsis einiges recherchieren, was man zuhause vielleicht nicht in der Literatur hat.

Man kann also davon ausgehen, dass zu diesen Zeiten ein Großteil der
Besucher hier einfach nur wissen wollte, was in welcher Gegend so an
lohnenswerten Speisepilzen zu holen ist.

Sicher doch. Ist ja auch irgendwie legitim. Andererseits muß man ja weder Steinpilz- noch Psilocybe-Fundstellen verraten - ich mache das u.a. deswegen nicht, weil ich nicht will, daß Heerscharen meine Pilzstellen zertrampeln. Auch wenn ich die Steinpilze (die eher selten, dafür die Maronen) und die Psilos stehenlasse. Aber das was daneben steht will ich auch nicht zertrampelt sehen. Hier in der Münchner Gegend sind das oft die Flockenstieligen Hexenröhrlinge - manche reißen da 5 Stück nebeneinander raus und schmeißen die in die Gegend. Nicht daß ich die für meinen Teller vermisse, aber ärgern tut mich das immer wieder.

Die Pilze im Laubwald am vergangenen Wochenende haben mich einfach so
überrannt. Ich habe niemals damit gerechnet, dass ich Aupis, Judasohren und
die Cantharelle finden würde. Ich war sozusagen im Foto-Dauerstress und
hoffe, dass man es den Bildern nicht so sehr ansieht.

Ach, das geht uns allen so. Außer so Fotoliebhabern wie Karl-Heinz, die ich dafür bewundere. Ich habe aber auch nicht die Nerven, all das notwendige Zeugs mitzuschleppen und für jeden Pilz eine halbstündige Fotopause einzulegen. Mir ist es bloß wichtig, daß man möglichst die wesentlichen Merkmale erkennt und keine groben Farbstiche etc. ins Bild kommen.

Du hast sicher recht, dass ich bei meinen Beschreibungen nicht gründlich
genug
war. Aber ich hatte so im Hinterkopf den Gedanken, dass Ihr mich schon
zurechtstutzen würdet, wenn ich irgendwo total daneben liegen würde.

Klar. Nur gibt es halt 5 Arten von Fotopilzen. 1. die, die man auch auf einem Handyfoto notfalls noch erkennen kann (wenige) 2. die, die man auf einem brauchbaren Foto ohne Beschreibung erkennen kann (einige) 3. die, die man auf einem Foto mit brauchbarer Beschreibung erkennen kann (relativ viele) 4. die, die man auf einem Foto samt brauchbarer Beschreibung mit Mikrobeschreibung bestimmen kann (wieder einige) und 5. die gänzlich unbestimmbaren, die immer einen cf.-Namen behalten werden - es sei denn, man schreibt selbst eine Monografie :-)

Allerdings habe ich auch noch einige "Leichen" im Keller, die ich
bis heute
noch nicht vorzukramen gewagt habe. Ich sage da nur Schirmlingskompost.
Und das, wo einige Funde aus dem Sommer noch nicht mal sicher bestimmt sind.

Wem geht das nicht so. Nur wird es oft verdammt schwierig, etwas kompliziertere Arten "nachzubestimmen", wenn man die wesentlichen Daten nicht gleich aufgenommen hat. Sogar Exsikkate nützen manchmal nicht so arg viel mehr, weil manche Mikromerkmale auch vergänglich sein können. Ganz abgesehen von Dingen wie Geruch, Geschmack, Begleitbäume etc.

Gruß,

Werner

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

Re: Montagskino mit Fragezeichen

Ingo, (vor 7324 Tagen) @ Werner

Hallo Werner,

vielen Dank für den interessanten Schriftwechsel.
Bei einigen Punkten habe ich mich wohl undeutlich ausgedrückt.
Daher noch mal nachgafasst:

Wie bitte? Also hier in der Münchner Gegend war es ein sehr gutes Pilzjahr.
Selbst die Steinpilzfraktion kam auf ihre Kosten. Und Raritäten gab es so
viele, daß vieles unbestimmt liegenblieb.

Unsere Gegend hier ist leider nicht mit dem Münchner Umland vergleichbar.
Wir liegen mit jedem Kilometer östlich immer kontinentaler. Die Langzeit-
prognosen sagen lange, heiße und trockene Sommer voraus.
Das kommt hier immer etwas zu kurz, weil kaum jemand aus der Gegend hier
etwas dazu schreibt. Sehr gut eignen sich auch die Postings von Andreas Melzer,
um sich ein Bild zu machen.

Naja, nicht unbedingt. Totale Anfänger haben halt überhaupt keinen Überblick
darüber, was es denn überhaupt geben KÖNNTE. Und wenn ich nicht weiß, daß
es andere rotporige Röhrlinge als die Hexenröhrlinge und den Satan gibt
(dünne Pilzbüchlein haben nicht viel mehr drin), ist es schon gut, wenn
ich frage. Auf irgendeinem Gebiet sind wir ja alle Anfänger - siehe
US-Mushrooms. Und da kann ich dann schlecht behaupten, das IST Boletus xy,
den ich von hier kenne, weil ich gar nicht weiß, ob es nicht eventuell
dort einen verdammt ähnlichen Doppelgänger gibt. Nur so mal als Beispiel.

Ich meinte hier eigentlich die Leute, die picts von Blätterpilzen reinstellen
und dann fragen, um welchen Röhrling es sich handelt. Pilzfreunde, die
Kenntnis von Rotporer haben, zähle ich da schon zu den Pilzkennern.

Wem geht das nicht so. Nur wird es oft verdammt schwierig, etwas
kompliziertere Arten "nachzubestimmen", wenn man die
wesentlichen Daten nicht gleich aufgenommen hat. Sogar Exsikkate nützen
manchmal nicht so arg viel mehr, weil manche Mikromerkmale auch
vergänglich sein können. Ganz abgesehen von Dingen wie Geruch, Geschmack,
Begleitbäume etc.

Das war eigentlich ein Anspiel auf meine Lepiotafunde dieses Sommers.
Sowohl Bilder als auch Exsikkate habe ich noch hier und das Biotop
ist bestens bekannt.
Schaue mal bitte unter "Eine Seltenheit und die Verwechslungsgefahr"
und nachfolgende Berichte.

LG Ingo

Eintrag gesperrt
15 Aufrufe

Re: Montagskino mit Fragezeichen

Stephan Weißer, (vor 7325 Tagen) @ Ingo

Bei dem Körnchenschirmling kommt auch der rostrote in Frage, welcher sehr gern bei Kiefern wächst.

Eintrag gesperrt
14 Aufrufe

Re: Montagskino mit Fragezeichen

Ingo, (vor 7325 Tagen) @ Stephan Weißer

Bei dem Körnchenschirmling kommt auch der rostrote in Frage, welcher sehr
gern bei Kiefern wächst.

Hallo Stephan,

Der Amiant scheint ja auch gerne bei Kiefern zu wuchern.
Die endgültige Aufklärung wird uns leider versagt bleiben,
weil ich nichts davon mitgenommen habe.

Viele Grüße, Ingo

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

Dienstagsantworten

Thüringer-Holz, (vor 7325 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

super Beitrag. Es lohnt sich dann doch mal die eigenen "Hauswälder" zu verlassen.

Amiant Körnchenschirmling ist richtig!

Die anderen sind blasser oder rot bis ziegelrot, wir hatten auf der Ausstellung alle beisammen.

Das nächste Bild zeigt eindeutig Tintlinge (Coprinus spez.). Nicht mehr und
auch nicht weniger!

vielleicht Glimmertintlinge, aber wie gesagt.....ist Raterei

Den Trompetenpfifferling hast du richtig angesprochen.

Weiterhin schöne Funde, behalte deinen Camping-Kompost mal im Auge, die Saftlingswiese zeige ich dir, lässt sich bestimmt mal einrichten.

Mfg Felix

Eintrag gesperrt
12 Aufrufe

Re: Donnerstagsreaktionen

Ingo, (vor 7324 Tagen) @ Thüringer-Holz

Hallo Felix,

schönen Dank für die Antworten und Dein Angebot.
Sicher könnte ich mal vorbei schauen, wenn es meine Zeit zuläßt.
Ich glaube aber nicht, dass mir schneebedeckte Wiesen zu irgendwelchen
neuen Erkenntnissen verhelfen können. ;-)

Viele schöne Funde noch! Ingo

Eintrag gesperrt
14 Aufrufe

schneebedeckte Wiesen

Thüringer-Holz, (vor 7323 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

na ja, beschreie es nicht. Werde am Dienstag nochmal auf die Saftlingswiese fahren, ich brauche ein Beleg der gezeigten braunen Wiesenkoralle.

MfG Felix