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Neuigkeiten von den Kompostschirmpilzen *PIC*

Ingo, (vor 7296 Tagen)

Hallo Pilzfreunde!

Aus gegebenem Anlass möchte ich mich heute noch einmal mit den Funden von unserem
Campingkompost melden. Immerhin sind die Funde bereits seit drei Monaten Geschichte.
Bereits seit gut zwei Monaten tut sich pilzmäßig auf dem Haufen zwar nichts mehr, aber
ich hatte ganz übersehen, dass ich die beiden letzten der insgesamt fünf dort aufgefundenen
Arten noch gar nicht vorgestellt habe. Da nun die Zeit der Pilzschwemmen für dieses Jahr
vorbei zu sein schein, halte ich nun den Zeitpunkt für günstig, die beiden letzten Vertreter
endlich ins Bestimmungs-Rennen zu schicken.

Noch einmal zur Erinnerung:
Da war mal ein von den lieben Campern angelegter und sorgsam mit Naturdünger
versorgter Haufen mit Pflanzenabfällen. Hauptsächlich bestehend der aus Kiefernnadeln
und Kienäpfeln, untermischt mit den Resten von Blattpflanzen.

Anfang August erschienen dort, inmitten einer heißen Trockenperiode, mehrere rare
Schirmlingsarten, die ich hier zum Teil ausführlich vorgestellt habe.

Zum Ersten konnte ich zweifelsfrei den Büscheligen Egerlingsschirmpilz,
(Leucoagaricus americanus) bestimmen.
Zur Erinnerung, den Link findet ihr hier.

Die zweite Art war für mich mangels geeigneter Literatur nicht bestimmbar. Dank der
Hilfe von Andreas Gminder und des entscheidenden Tipps von Harald Zühlsdorf
konnte auch diese Art zu 95% zweifelsfrei als Leucoagaricus meleagris identifiziert werden.
Für die Art existiert im (Schweizer) Deutschen sogar ein aktueller Namen:
Perlhuhn – Egerlingsschirmling!
Diese Art ist übrigens gar nicht so selten, wie ich ursprünglich geglaubt hatte.
Allein in der Region Berlin/Brandenburg sind bereits zwei Funde in der Datenbank
verzeichnet, wie mir von der PABB versichert wurde. Wer weiß schon, wie hoch
da noch die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Funde ist.

Auch zu diesem Fund nochmal der passende Link.

Eine Dritte, eher unscheinbare Art erwies sich bei näherem Hinsehen als Faltenschirmling.
Auch hier gelang es Andreas und Harald, in Etwa die Art zu bestimmen. Allerdings ist
diese Bestimmung noch etwas unsicher, da auch noch diverse Blumentopfschirmlinge
in Frage kommen könnten. Gut hinkommen könnte hier der Mehlige Faltenschirmling
(Leucocoprinus cretaceus). Zur entgültigen Bestimmung habe ich Andreas Gminder
die Exsikkate zugeschickt. Mal sehen, ob die Bildbestimmungen auch mikroskopisch
abgesichert werden können.

Nicht unterschlagen möchte ich an dieser Stelle das auf diesem Kompost
gefundene Samthäubchen, welches ebenfalls in Jena seiner Bestimmung harrt. Allerdings
bei Herrn Hausknecht.
Der Vollständigkeit halber hier auch noch einmal der Link zu diesem Beitrag.

Nicht schlecht staunte ich, als ich eine Woche später dort eine ganze Gruppe dieser
Faltenschirmlinge antraf. Sie waren zwar schon im Vergehen begriffen, aber ein Bild
davon möchte ich trotzdem noch zeigen:

[image]

Nun aber zum vierten Schirmlingsvertreter:
Hier ein Gruppenbild der drei Exemplare:

[image]

Leider hat hier der Weißabgleich etwas versagt, daher hier

[image]

ein Bild, welches die Hutoberfläche gut zeigt.

Das folgende Bild zeigt sehr schön die “bewollten“ Stiele dieser Kollektion.

[image]

Man kann auch gut erkennen, dass die Fruchtkörper aus einer gemeinsamen Wurzel
zu wachsen scheinen.

Interessant – unter dem völlig weißen Pflaum war die Grundfarbe des Stiels eher ockerfarben,

[image]

und eine Riefelung am Hutrand war auch nicht so recht erkennbar:

[image]

Von der Größe her gehörten die Pilze nicht zu den kleinen Schirmlingen, wie die beiden
folgenden Bilder deutlich machen:

[image]
[image]

Dabei ist anzumerken, dass sich die bis zu 16 cm langen Stiele der Fruchtkörper
zu über 50% im Substrat befanden. Voll aufgeschirmt hätten sie mindestens einen
Hutdurchmesser von 8 cm erreicht.

Zum Abschluss noch einen Blick auf den hohlen, am Rand deutlich gilbenden Stiel und
auf die Lamellendetails.

[image]
[image]

Ergänzende Hinweise: Geruch schwach aber typisch nach Schirmpilz (M. procera).
Die anderen Details scheinen eigentlich in den Bildern gut erkennbar zu sein.

Eigentlich eine lösbare Aufgabe, habe ich mir so gedacht. Leider ein Irrtum.
Am ehesten könnte eine Art passen, die in den BWP Band 4 beschrieben ist.
Dort ist auf Seite 103 unter 5.3 ein Pilz namens Wurzelnder Egerlingsschirmling
(Leucoagaricus barsii) aufgeführt. Allerdings ohne weitergehende Makrobeschreibungen.

Vielleicht ist die gezeigte Art ja in einer Lepiota-Monographie oder im Candusso drin.
Ich hoffe ganz stark, dass auch in diesem Fall wieder unsere Spezialisten weiter
helfen können.

Liebe Grüße aus Berlin – Ingo.

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Re: Neuigkeiten von den Kompostschirmpilzen

Andreas ⌂, (vor 7296 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

der Wurzelnde Egerlingsschirmling ist das nicht, den kenne ich recht gut. Da wird mit Markus Wilhelm bestimmt zustimmen, der kennt ihn noch besser.

Ich würde Deinen Pilz relativ zweifelsfrei als Leucocoprinus cretatus bestimmen wollen - wenn da nicht diese Gelbfärbung der Stielrinde und -oberfläche wäre. Vermutlich ist es dennoch diese Art, aber man könnte sich durchaus überlegen, ob dein Fund dann nicht eine abtrennbare Varietät wäre.
Natürlich müßte mene Meinung aber mikroskopisch abgesichert werden.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Neuigkeiten von den Kompostschirmpilzen

pilzmel ⌂, (vor 7296 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,
der Haufen würde ja fast einen Status als KFND (Kleinflächen-Naturdenkmal) verdienen. Das Samthäubchen ist auf alle Fälle Conocybe anthracophila. Meiner Meinung liegt dein Fund auf genau zwischen den beiden Varietäten (anthracophila und ovispora). Antwort steht noch aus (na klar, war ja mitten in der Saison).
Beste Grüße! Andreas

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Re: Was ein Durcheinander mit den ollen...

Ingo, (vor 7296 Tagen) @ Andreas

... Schirmpilzen.

Hallo Andreas, schönen Dank erstmal für die Arteingrenzung.

Bei Google Bild sind unter L.cretatus einige sehr interessante
Aufnahmen dabei, die wohl tatsächlich die von mir gefundene Art zeigen.
Es sind übrigens auch welche mit ein paar schönen, gelben Stielen dabei.

Diese Art nennt sich zu Deutsch Kreideweißer oder Mehliger Faltenschirmling.
in der Fachsprache Leucocoprinus cretatus oder Leucocoprinus cretaceus.
Letztere Bezeichnung wird momentan in der Datenbank bei Pilzbestimmung
verwendetet.
Erstaunlicherweise geben die Bilder, die man unter L.cretaceus bei Google
findet, nicht allzuviel her. Ich meine sogar, dass da einige Vertreter der
dritten, von mir vorgestellten Schirmlingsart (L. cepistipes) dabei sind -
- was auch nicht verwunderlich ist, bei der Ähnlichkeit der Fachbezeichnungen.

Komplett auf den Holzweg geraten kann man, wenn man sich hauptsächlich am
deutschsprachigen Artnamen orientiert. So wie mir im gestrigen Beitrag geschehen.

Oder ist Dir oder Jemand anderem hier aufgefallen, dass ich die Bestimmung
der angefragten Art in meinem Beitrag vorweggenommen habe?

So teilte ich ganz munter mit, dass es sich bei der dritten, im August von
Dir und Harald identifizierten Art wohl um Leucoagaricus cretaceus, den
Mehligen Faltenschirmling gehandelt haben dürfte.
Und das, obwohl Ihr beide übereinstimmend mitgeteilt habt, dass es sich mit
hoher Wahrscheinlichkeit um Leucoagaricus cepistipes handelt.
Zu Deutsch: Zwiebelfüßiger Egerlingsschirmpilz.

Nunja, Beide sind in den BWP Band 4 auch hintereinander aufgeführt und wenn man
sich die Exemplare so anschaut: Ich finde, die im August gezeigte dritte Art
(die kleinen mit den Hutfalten) mit der bemehlten Hutoberfläche wäre als
"Mehliger Faltenschirmling" bestens bezeichnet.
Während für die großen, gestern vorgestellten Vertreter der vierten Art doch
der Name "Zwiebelfüßiger Faltenschirmling" auch gar nicht so schlecht wäre, oder?

So kann man doch zimlich schnell auf Glatteis geraten.
Oder ist doch noch irgendetwas verkehrt oder durcheinander?

Schönen Tag noch - Ingo

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Re: Was ein Durcheinander mit den ollen...

zuehli ⌂, (vor 7296 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

na, ich würde da mal die deutschen Bezeichnungen außen vor lassen.
Auch hier bin ich der Meinung, daß es sich um Leucocoprinus cretatus handelt. Die Beflockung des Huts und des Stiels lassen diese Wahrscheinlichkeit groß erscheinen. Die gelbliche Verfärbung des Stiels vermag ich da jetzt nicht zu beurteilen. Allerdings habe ich auch schon bei anderen Schirmlingsartigen div. Verfärbungen an den Fk beobachtet, die in der Literatur nicht dokumentiert sind.

Gruß Harald

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Re: Was ein Durcheinander mit den ollen...

Ingo, (vor 7295 Tagen) @ zuehli

na, ich würde da mal die deutschen Bezeichnungen außen vor lassen.

Hallo Harald!

So war es auch nicht gemeint. Ich wollte nur mal wieder auf unsere liebe
Pilzliteratur hinweisen, die an dem Durcheinander nicht ganz unschuldig ist.
So habe ich mir in den BWP Band 4 vor der Veröffentlichung meines Beitrages
so oft die betreffenden Pilzkarteien angeschaut, dass ich zu guter Letzt selber
nicht mehr durchgesehen habe.
Außerdem sollte ich für solche Fälle besser mein "Lieblingsspielzeug"
links liegen lassen. In RMD 1200 Pilze auf Seite 532 wird eindeutig eine
Art gezeigt, die der aus meinem gestrigen Beitrag verblüffend ähnelt.
Als Zwiebelstieliger Faltenschirmling - L. cepaestipes übrigens!

Wenn man da keine weiterführende Literatur hat, gerät man garantiert
auf den Holzweg.

Beste Grüße Ingo

p.s. Kannst Du Dich vielleicht noch ann den großen, silbergrauen
Scheidenstreifling aus meinem Beitrag Anfang September erinnern, für den Du
Amanita mairei vorgeschlagen hattest.
Die Leute hier von der PABB meinen, dass es sich dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit
um Amanita supravolvata, eine schwierig von A. mairei abzugrenzende Art, gehandelt
haben könnte. Diese wurde in unserer Region jedenfalls schon häufiger gefunden
- so etwa fünf mal.

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Re: Neuigkeiten von den Kompostschirmpilzen

Ingo, (vor 7295 Tagen) @ pilzmel

der Haufen würde ja fast einen Status als KFND (Kleinflächen-Naturdenkmal)
verdienen.

Hallo Andreas,

könnte es sein, dass du ein wenig neidisch ;-) auf das armselige Häufchen bist?
Man hat lange ja auch schon einige Zeit nichts mehr von deinem Experimentier-
haufen erfahren. Möglicherweise muss ich über den Winter dort Wache halten.
Immerhin hätte der Kompost im Sommer noch auf einen Kleintransporter gepaßt.
Mittlerweile wurde der Haufen aber wieder mit Unmengen von Pflanzenabfällen
gefüttert, so dass nun ein Tieflader vonnöten wäre.

Ich bin jedenfalls schon gespannt, was sich dort im kommenden Jehr so zeigen wird.

LG Ingo

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Re: Was ein Durcheinander mit den ollen...

zuehli ⌂, (vor 7295 Tagen) @ Ingo

p.s. Kannst Du Dich vielleicht noch ann den großen, silbergrauen
Scheidenstreifling aus meinem Beitrag Anfang September erinnern, für den Du
Amanita mairei vorgeschlagen hattest.
Die Leute hier von der PABB meinen, dass es sich dabei mit hoher
Wahrscheinlichkeit
um Amanita supravolvata, eine schwierig von A. mairei abzugrenzende Art,
gehandelt
haben könnte. Diese wurde in unserer Region jedenfalls schon häufiger
gefunden
- so etwa fünf mal.

Aha, diese Art ist mir überhaupt nicht geläufig. Kannst Du dazu ein paar Information liefern?

Gruß Harald

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Wurde verboten

pilzmel ⌂, (vor 7295 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,
mein Häufchen existiert noch, aber ohne Pilze. Ist zwischenzeitlich mal eingefroren. Momentan herrscht aucht nicht grade kuscheliges Tintlings-Wetter. Ich hatte ernsthaft erwogen, die Angelegenheit indoor zu betreiben, aber die Widerstände waren sehr massiv. Dabei dachte ich gar nicht ans Wohnzimmer. Der Keller hätte es ja auch getan, seufz.
Beste Grüße! Andreas

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Re: Würde ich ja gerne, aber...

Ingo, (vor 7294 Tagen) @ zuehli

ich habe das auch zum ersten Mal gehört.

Bei Google gibt es da auch nicht viele Informationen.
Nach Internetinformationen handelt es sich um eine Art, die vorwiegend
in sandigen Kiefernwäldern an der französischen Atlantikküste gefunden wurde.
Dort gibt es noch den ergänzenden Hinweis, dass sie auch in Polen und in
Deutschland vorkommt.

Immerhin scheint dem Andreas Gminder der Name auch geläfig zu sein.
Da gab es mal im Frühherbst dieses Jahres einen Thread, wo er diese Art bei
einer Bildbestimmung empfohlen hat. Ich weiss nur nicht, in welchem Zusammenhang

Den Korrekturhinweis erhielt ich von Dr. Martin Schmidt, dem Leiter
des PABB. Er meinte, dass A. mairei in Brandenburg bisher noch nicht gefunden
wurde, wohl aber A. supravolvata. Ergänzend gab er mir noch den Hinweis, dass
beide Arten mikroskopisch nicht getrennt werden können.
Vielleicht ein Mißverständnis, denn dass würde bedeuten, dass die Arten identisch sind,
es sei denn, sie sind eindeutig makroskopisch trennbar.

Oder er meinte eigentlcih, dass die Arten lediglich mikroskopisch trennbar sind.

Am besten, Du wendest Dich an Dr. Schmidt oder an Andreas. Der sollte eigentlich
wissen, woher er seine Information hat.