Pilze Pilze Forum
Erweitert

Buchentäubling unter Kiefern & anderes Ungereimtes *PIC*

Hans-Jürgen, (vor 7274 Tagen)

Hallo Täublingsspezialisten,

in den letzten Tagen habe ich eine Reihe von Täublingen aufgelesen und zu bestimmen versucht - mit mehr oder weniger zweifelhaftem Erfolg. Daher in loser Folge einige Anfragen um Hilfe bei der Bestimmung.

Da ich mich noch nicht allzu lange gezielter nach Täublingen bücke, bitte ich um Nachsicht, wenn ich auch Allerweltsarten so begeistert und ausführlich vorstelle, als wären es die allergrößten Raritäten. Und ich bitte um Korrektur und Hilfe, wenn ich dabei auf völlig abseitigen Pfaden in die Irre gehe.

Fall 1 ist mir auf der Höhfeldplatte, will heißen: im lockeren Kiefernbestand, am letzten Wochenende untergekommen. Nachbarschaftlich verträgt man sich mit altersgrauen Milchlingen

[image]

Es geht also um diesen Herrn:

[image]

Meine Beschreibung:

Hut: DM 42 mm, flach ausgebreitet, Mitte eingesenkt, etwas höckerig. Oberfläche glatt, hell rosa, unregelmäßig nach Hellocker/Weiß ausblassend. Huthaut etwa zur Hälfte abziehbar. Rand scharf. Nicht ausgeprägt gerieft.

Lamellen: Weiß, dicht, vereinzelt gegabelt. Kaum Lameletten. Gerade angewachsen. Schneiden glatt, unter der Lupe fein bewimpert (Cheilos!). Sporenpulverfarbe fast rein Weiß (max. 5Y nach Pilze der Schweiz 6,S.15).

Fleisch: Weiß, unter der Huthaut rosa. Dick. Geruch unauffällig. Geschmack (im Stiel geprüft) mild [hmm ...]

Stiel 50 x 8-14 mm, nach oben zu verjüngt. Grob längsrinnig. Weiß. In der oberen Hälfte rosa überhaucht.

Die Chemie ergibt das folgende Bild:

[image]

Unten vlnr: FeSO4 (lachsrosa), Guajak (dunkel olivgrün), Phenol (weinbraun). Oben: Formalin ohne Reaktion.

Dann also unters dicke Glas geschoben und die Sporen besichtigt:

[image]

Zur besseren Beurteilung der Sporenornamentik (in Melzer):

[image]

[image]

Also: Rundlich elliptische Sporen, Ornament aus zahlreichen Warzen, die etwa zur Hälfte miteinander verbunden sind. Sporenmaße (64 Stück ausgezählt):
(6,4 -) 7,5 (-8,7) X (5,7 -) 6,7 (- 7,7); Q: (1,0 -) 1,1 (-1,4)

Und jetzt noch unter die Huthaut geschaut:

[image]

Man sieht dünne (2 - 4 µ), septierte Haare und dickere, zylindrische, aber eben nicht dick inkrustierte (wegen velutipes/aurora) Pileozystiden.

Dann hätte ich noch das zystidiole Gedrängel auf der Lamellenschneide zu bieten:

[image]

"Spindelig, apikal mit oder ohne Anhängsel, ... zahlreich" zitiere ich dazu aus Pilze der Schweiz 6,#159.

Denn mir fällt dazu nichts anderes ein als der Buchen-Speitäubling Russula mairei Sing. Dabei stimmt beides nicht: Weder gab es Buchen, noch muss man speiben, denn das Fleisch schmeckt mild. Und auch der rosa Hauch auf dem Stiel passt mir nicht ins Konzept.

Was meint Ihr?

Gruß und Dank
Hans-Jürgen

Eintrag gesperrt
8 Aufrufe

Re: Buchentäubling unter Kiefern & anderes Ungerei

Andreas ⌂, (vor 7274 Tagen) @ Hans-Jürgen

Hallo Hans-Jürgen,

das sieht mir sehr nach dem Blut-Täubling (Russula sanguinaria) aus.
Hab' aber nicht verglichen, ob das mit Deinen Mikromerkmalen passen könnte. Sieht aber schon sehr sicher nach ihm aus.

beste Grüße,
Andreas

Eintrag gesperrt
9 Aufrufe

Re: Buchentäubling unter Kiefern & anderes Ungerei

Gelbfieber, (vor 7273 Tagen) @ Andreas

Hallo und guten Morgen Andreas,

du bringst Russula sanguinaria ins Spiel – nicht schlecht.

Makroskopisch könnte es tatsächlich der Bluttäubling sein aber der soll nach meiner Literatur nach isoliertwarzig bzw. isoliertstachelig sein. Auf den Sporenbildern die Hans-Jürgen von seinem Fund gemacht hat, sehe ich aber eine leichte Warzigkeit mit überwiegend verbundenen Graten.

Wie viel „Wert“ sollte man bei Täublingssporen den Ornamenten deiner Meinung nach zumessen?
Sind die Ornamente der Sporen in der Literatur falsch beschrieben oder ist es nicht R. sanguinaria.?
Sind die weiteren mikroskopischen Merkmale die Jürgen gut in seinen Bildern darstellt für eine Russula Bestimmung auswertbar?

Fragen über Fragen

Eine gute Zeit
Gelbfieber

Eintrag gesperrt
8 Aufrufe

Re: Buchentäubling unter Kiefern & anderes Ungerei

Markus Wilhelm ⌂, (vor 7273 Tagen) @ Gelbfieber

Hallo zusammen,

aufgrund der Sporen glaube ich auch nicht an eine sanguinaria. Aber mit einem Einzelexemplar ist es immer sehr schwierig! Gerade in dieser Jahreszeit.
So vom Aussehen her könnte es auch ein Zinnobertäubling sein.

Mit vielen Grüssen, Markus

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

Re: Buchentäubling unter Kiefern & anderes Ungerei

Hans-Jürgen, (vor 7273 Tagen) @ Hans-Jürgen

Danke, Andreas, Uschi und Markus für Eure Einschätzungen,

auf sanguinaria wäre ich nie herausgekommen, weil ich auf der Schlüsselachterbahn immer schon bei Frage 4 (scharf oder mild) die andere Abzweigung genommen habe (so z.B. Horak).

Aus diesem Grunde habe ich auch emetica var. silvestris verworfen, obwohl sonst manches hinkommt.

Ganz generell finde ich sanguinaria makroskopisch plausibel, bloß müsste der ockergelbes Sporenpulver haben und er sollte halt scharf schmecken. Beides stimmt zu meinem Fund nicht. Zu Sporenornamenten sag ich mal lieber nix.

R. lilacea, die Markus vorschlägt (wenn auch sehr vorsichtig "dem Aussehen nach"), kommt makroskopisch schon auch in Frage. Hier stimmen Sporenpulverfarbe und Geschmack, aber mikroskopisch hapert's auch ganz schön. Ich hätte inkrustierte Primordialhyphen und nur sehr vereinzelt miteinander verbundene Sporenwarzen sehen müssen, die Guajak-Reaktion wird als "hellgrün" beschrieben (so jedenfalls BK).

Bleibt also Uschis Frage: Welche Eigenschaften zählen denn im Zweifelsfall am meisten?

Und die Frage an Markus: Welche Eigenschaften sind denn wetterwendisch? Kann Schärfe bei nasskaltem Wetter einfach ausbleiben? Kann sich Sporenpulver ver-/entfärben? Reagieren Sporenornamente auf Kälte (und sei es nur durch irreguläre Reifung)?

Lothar Krieglsteiner hat sanguinaria übrigens in unserem Gebiet "unter Kiefern auf Sandboden eher häufiger" gefunden, lilacea seltener und offenbar strenger an Buchen gebunden (Ähnliches Bild in G. Krieglsteiners Verbreitungsatlas).

Ich werde noch mal ne Nacht drüber schlafen. Vielleicht gibt mir Rudi demnächst wieder ein Wunderbecherchen. Dann klären sich die Dinge ohnehin ;-)

Vielen Dank und liebe Grüße
Hans-Jürgen

PS @ Uschi: Die angekündigte Otidea ist mir beim Trocknen leider dahingegangen. Trotzdem vielen Dank für Dein Angebot - komme bei passender Gelegenheit gerne darauf zurück.

Eintrag gesperrt
8 Aufrufe

Re: Buchentäubling unter Kiefern & anderes Ungerei

Markus Wilhelm ⌂, (vor 7272 Tagen) @ Hans-Jürgen

Hallo Hans-Jürgen,

ich meinte bei dem Wetter, dass vor allem Farben und Erscheinungsform oft anders sind, da die Pilze jetzt sehr lang stehen bleiben. Mikromerkmale bleiben zwar gleich, aber es bildet sich gerne 2-sporigkeit, und also auch grössere Sporen. Ich meinte¨übrigens nicht lilacea, sondern lepida.
Aber generell ist bei den Täublingen ein Einzelexemplar sehr heikel zu beurteilen!

Mit Grüssen, Markus

Eintrag gesperrt
13 Aufrufe

Danke, Markus! *oT*

Hans-Jürgen, (vor 7272 Tagen) @ Markus Wilhelm

- kein Text -