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Morcheln von Amtes wegen *PIC*

Ingo, (vor 7129 Tagen)

Hallo Pilzfreunde,

im Moment ist hier ja weniger los als in den Wintermonaten – kein Wunder.
Ich möchte an dieser Stelle aber keine neue Jammerorgie bezüglich der anhaltenden
Trockenheit starten. Die ist ja nun mittlerweile im gesamten Sendegebiet angekommen.

Nein, mir haben die Funde meiner Frau keine Ruhe gelassen. So habe ich mich dann
gestern Abend nochmal auf den Weg gemacht, um ein paar Rindenmulchmorcheln
mal in Natura bewundern zu können.

Die größte Schwierigkeit bestand allerdings darin, das Amt selbst zu finden. Das mit den
Steuererklärungen hat bisher nämlich immer meine „bessere Hälfte“ erledigt.

Nachdem ich die Örtlichkeit endlich gefunden hatte, ließen die ersten Morcheln nicht mehr
lange auf sich warten.
Allerdings standen sie, bis auf ganz wenige Ausnahmen, nicht im Mulch selbst, sondern zwängten sich
durch die Ritzen zwischen den Bordsteinen durch. So kamen nochmal 36 komplett durchgetrocknete
Morcheln kamen zusammen.

Bild gefällig?

[image]

Die musste ich nun aber auch nicht mehr nachtrocknen, da sie bereits bei gröberem Druck bröselten.
Insgesamt etwa 150 g Trockenmorcheln kamen so in dieser Woche zusammen. Das ist gar nicht so schlecht
und wird eine gute Basis sein für die Flüssigwürze, die ich in diesem Jahr mal wieder kochen muss.

Nicht allein die Fressgier trieb mich an diesen Morchel-Zuchtplatz. Vielmehr wollte ich die Gelegenheit
nutzen, etwas zur Ökologie dieser Morchelform herauszufinden. Da ich ja stolzer “Pächter“ von
Brandenburgs vermutlich größter Morchelzuchtanlage bin, bot es sich an, die Formen mal einem Vergleich
zu unterziehen.

Punkt 1 – Bei dem in den Beeten befindlichen Mulch handelte es sich um Holzrindenreste, die zu etwa 90%
definitiv von Kiefern stammten. Kiefernzapfenreste in Mengen, jedoch nicht ein einziger Hinweis auf
längere Zapfen, wie man sie von der Tannenverwandtschaft kennt, ließen mich zu diesem Schluss kommen.
Der Rest des Mulches bestand aus Resten von Birkenpelle.
Eigentlich die gleiche Baummischung wie an den natürlichen Wachstumsstandorten im Wald.

Punkt 2 – die Form. Bei diesen Morcheln handelt es sich eindeutig um Spitzmorcheln. Allerdings
scheint mir die Form der Hutwaben deutlich von den Formen der Wildmorcheln abzuweichen.
Sie sind nahezu ausnahmslos engmaschiger, im Vergleich zu den anderen.
Nun könnte man ja behaupten, dass dies der Trockenheit geschuldet ist. Möglicherweise ist es so!
Allerdings waren die zwei bis drei halbfrischen Exemplare, die meine Frau unter der Woche
mitgebracht hatte, auch so engmaschig. Das hatte ich bei den Wildmorcheln so noch nie beobachtet.

Film ab:

[image]

Vielleicht ist hier ja Jemand im Forum unterwegs, der schon Ähnliches beobachten konnte.
Von anderen Pilzarten sind ja auch verschiedene Wuchsformen bekannt, ohne dass man dafür
verschiedene Arten erfunden hat. Bestes Beispiel: Moosmarone vs. Grasmarone. Ist in jedem
Fall immer Boletus badius.

Vielleicht bringen ja in Kürze molekulare Untersuchungen Licht ins Dunkel.
Aus verschiedenen Gesichtspunkten sollte allerdings zumindest die Anerkennung der Rindenmulchmorchel
als eigene Form drin sein, da diese mindestens zwei Unterschiede zur Wildform aufweist.
Erstens, ein ökologisches Merkmal – der eindeutig spätere Fruktuationszeitraum und zweitens,
ein rein biologisches Merkmal, die Unfähigkeit, Sporen auszubilden. Einen eigener Artrang
dürfte wohl nicht bestehen, da diese Morcheln irgendwo auch ihren Ursprung haben
müssen. Ich denke mal, dass sie von den Wildmorcheln abstammen, und eine Möglichkeit
zur Nährstoffaufnahme gefunden haben, welche aber zur Arterhaltung nichts weiter beiträgt.
Eine Sackgasse der Evolution halt.

Ich wäre ja persönlich dafür, diese Form als Zuchtpilz einzustufen, da sie überhaupt erst
durch die anhaltende Verbreitung der Holzhäxel ihre momentane Karriere starten konnte.

Damit verbunden, dürfen sich auch sämtliche Sammelbeschränkungen für diese Morchelform
erledigen. Schließlich könnte sich ja ei Jeder soviel Mulch in den Garten kippen, wie er möchte,
und dann mit den Resultaten anstellen, was er will - zum Beispiel auch Morcheln an das nächst
gelegene 2 – Sterne Bistro gegen Bares verhökern.

Naja - das sind aber nur meine persönlichen Ansichten zum Thema. Was an tatsächlichen Erkenntnissen
übrig bleibt, ist nur diese Eine:
Spitzmorcheln wachsen tatsächlich auch in Kiefernmulch. Nicht mehr, aber auch nicht weiniger.
Der Rest ist lautes Nachdenken.

Eine schöne Woche noch und Butter bei die Fische – äähh Regen bei die.....

Ingo

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Re: Morcheln von Amtes wegen

AK_CCM, (vor 7129 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

gute Idee: Einfach ein wenig spekulieren, wenn es draußen wenig hat. :-)

Punkt 2 – die Form. Bei diesen Morcheln handelt es sich eindeutig um
Spitzmorcheln. Allerdings
scheint mir die Form der Hutwaben deutlich von den Formen der Wildmorcheln
abzuweichen.
Sie sind nahezu ausnahmslos engmaschiger, im Vergleich zu den anderen.

ob die Waben jetzt engmaschiger sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Mir fiel aber auf, dass die Längsrippen nahezu bis zur Spitze durchgehen, wohingegen sie bei den Wildformen unregelmäßiger verlaufen. Kannst Du das bestätigen?

Aus verschiedenen Gesichtspunkten sollte allerdings zumindest die Anerkennung
der Rindenmulchmorchel
als eigene Form drin sein, da diese mindestens zwei Unterschiede zur Wildform
aufweist.
Erstens, ein ökologisches Merkmal – der eindeutig spätere
Fruktuationszeitraum und zweitens,
ein rein biologisches Merkmal, die Unfähigkeit, Sporen auszubilden.

Letztes Jahr habe ich RiMuMos zugesandt bekommen und im Rahmen von Christophs Mikroskopierkurs eindeutig feststellen können, dass die Fk. fertil waren. Auch eine Speisemorchel, die auf Mulch fruktifizierte, zeigte Schläuche und Sporen unter dem scharfen Glas.

Gruß, Andreas

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Hallo Ingo, oder M.fiskus Gruss Hans *oT*

Hans hurter, (vor 7128 Tagen) @ Ingo

- kein Text -

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Re: Morcheln von Amtes wegen

Hermann, (vor 7128 Tagen) @ Ingo

Ich möchte an dieser Stelle aber keine neue Jammerorgie bezüglich der
anhaltenden Trockenheit starten.

Aber ich... *heul* .. *jammer*

Man.. wieder kein Tropfen Regen. Hier hat es nun den ganzen Monat nicht einmal geregnet. Schön zu sehen am Flächenbrandindex:
http://www.agrowetter.de/Agrarwetter/fbidx.htm

*seufz*

Die nächsten Tage ist auch kein Regen in Sicht, ich komme mir schon vor wie in Süditalien. Im Garten hat der Mangold den Winter fast komplett überlebt und ich weiß nicht mehr, wohin mit dem ganzen Grünzeug. Dafür muss ich aber alles gießen.. *grmpf* Pilze sehe ich hier nur noch bei Aldi..

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Re: Morcheln von Amtes wegen

Ingo, (vor 7128 Tagen) @ AK_CCM

Hi Andreas

ob die Waben jetzt engmaschiger sind, vermag ich nicht zu beurteilen. Mir
fiel aber auf, dass die Längsrippen nahezu bis zur Spitze durchgehen,
wohingegen sie bei den Wildformen unregelmäßiger verlaufen. Kannst Du das
bestätigen?

Nur zum Teil. Ich habe schon so viele Wildmorcheln gesehen. Mit durchgehenden,
geraden Längstrippen, mit verbogenen Längstrippen, mit mäanderförmigen etc.
Auch gab es darunter Wildmorcheln mit engeren Waben. Allerdings nicht so
extrem und verbreitet wie bei diesen RiMuMo's. Allerdings ist mir bei den
Mulchmorcheln nicht aufgefallen, dass die Längstrippen nun besonders anders
waren, als die von Wildmorcheln. Man sollte für solche Untersuchungen wohl
besser frische Pilze begutachten.
Ich meine mal, dass der Felix hier neulich erwähnte, dass er da auch
irgendwelche Unterschiede bemerkte, ohne nun genau sagen zu können, welche.

Letztes Jahr habe ich RiMuMos zugesandt bekommen und im Rahmen von Christophs
Mikroskopierkurs eindeutig feststellen können, dass die Fk. fertil waren.
Auch eine Speisemorchel, die auf Mulch fruktifizierte, zeigte Schläuche
und Sporen unter dem scharfen Glas.

Erstaunliche Erkenntnisse. Die Speisemorcheln würde ich da mal ausnehmen.
Hier scheint es nun doch mehrere Arten mit verschiedenen Ökologieansprüchen
zu geben.
Bei den Mulchmorcheln müßte man auch sicher sein, ob es denn noch echte sind.
Was, wenn die Morcheln in den Folgejahren beginnen, die Umgebung vom Mulchplatz
interessant zu finden, dort dann dauerhaft seßhaft werden und beginnen, reife
Sporen zu entwickeln?.

Spannendes Thema allemal. Vielleicht können ja noch weitere Leute bestätigen,
dass sie in frischem Mulch vom Vorjahr fertile Morcheln fanden.

Gruß Ingo

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Re: Morcheln von Amtes wegen

Ingo, (vor 7128 Tagen) @ Hermann

Hallo nochmal,

interessanter Link, mit den beiden Übersichten. Die höchste Waldbrandstufe
haben wir hier in der Region bereits seit kurz nach Ostern. Ich kann mich
kaum an ein Jahr in der letzten Zeit erinnen,wo wir die mal nicht hatten.
In Zukunft wird es wohl für das Sommerhalbjahr eher zum Dauerzustand in
unserer Region werden.
Keine Schwarzmalerei, sondern die Ergebnisse klimatischer Studien für die Region
Ostbrandenburg / Lausitz mit nach Osten hin zunehmend kontinentalerem Klima.

Gute Pilzjahre werden dann wohl eher Seltenheitswert besitzen.
Sehr schlecht vor allem auch für die Landwirtschaft.

Dafür kann man sich dann aber den Urlaub im Süden klemmen. Die Gewässer
sollten bestimmt auch bald Badetemperaturen haben.

Grüsli Ingo

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Re: Morcheln von Amtes wegen *PIC*

elfi ⌂, (vor 7128 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,
bald werden die Italiener die Strände der Nord- und Ostsse
als Urlaubsziel wählen, um ihrem schlechten Wetter daheim
zu entfliehen!
Welche Pilze wachsen eigentlich in Palmenhainen??
Vielleicht mögen es manche heiß?
Grüße
elfi [image]