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Steinpilze... *PIC*

Harald Andres Schmid, (vor 7068 Tagen)

…gibt es hier keine mehr:

[image]

Es war ein mir liebgewordenes Plätzchen.
Steinpilze, Mehlräslinge, seit vielen, vielen Jahren.
Ein schöner Ort.
Ein letztes Relikt, das noch nicht den Maschinen zum Opfer gefallen ist.

Dachte ich.
Darum freute ich mich letzten Sonntag, mal wieder hinzugehen, nur um so ein wenig zu schauen.
Ich habe fast geweint.
Ich habe darüber ja früher schon mal berichtet.
Siehe hier:

Beitrag 114858

Ich will Euch damit nicht langweilen.
Aber wem sollte ich mich denn anvertrauen?
Der Wahnsinn scheint Methode zu haben.
Hektar um Hektar werden über die Jahre komplett verwüstet.
Methodisch.
Jetzt wieder das hier.

Auch wenn mir das niemand glaubt:
Es geht mir gar nicht so sehr um Steinpilz & Co.
Man baut eine persönliche Beziehung auf, zu solchen Orten.
Ich bin einfach gern in den schönen Wäldern.
Man geht auch mal schon im Frühjahr hin, einfach um ein wenig zu schauen.
Ein paar Moospolster zu streicheln, den altbekannten Bäumen guten Tag zu sagen.

Wer sagte es einst so schön?
„Der Wald ist ein hosentaschenwarmer Gnadenort von eigenartiger Ambivalenz.“
In der Umgebung von Baden, wo ich wohne, ist nicht einmal mehr die Ambivalenz geblieben.

Das obige Bild ist eigentlich verharmlosend.
Man sieht das Ausmass der Zerstörung nicht.
Tief ist der Boden umgepflügt von den schweren Maschinen.
Die Haufen liegen hüfthoch.
Rechts und links haben sie in diesem Falle einiges stehengelassen, wie das Bild zeigt.
Manchmal verschonen sie nur ein paar wenige Bäume.
Die schieben dann verzweifelt Wache über der Oednis, überblicken mit ihren zerzausten Kronen hilflos die Zerstörung.

Es ist nicht so, dass Neues entstünde, über die Jahre.
Das ist eine Mär.
Keine Kleintiere tummeln sich vergnügt, nichts raschelt und lebt hier, keine Vögel singen.

Im Gegenteil:
Die Hitze liegt im Sommer bleiern und totenstill über den verwesenden Haufen.
Es sind schauerliche Orte geworden, unbelebt.
Still, beängstigend, fremd, eine unangenehme Umgebung, die man schnell wieder verlässt. Auch die Füchse sind lieber in der Stadt.
Einzig hie und da das schaurige Klirren einer entschlossen Fett verbrennenden Phalanx von Nordic-Walkerinnen auf den sauber geschotterten Wegen, die die Zerstörungsgebiete quer durchschneiden.
Das passt gut. Das Bild ist vollständig.
Von ferne das Dröhnen schwerer Maschinen und das Krachen stürzender Bäume.

Ich verstehe diese Welt nicht mehr, gehöre da nicht hin.

Wie hatten wir doch damals Angst vor dem Waldsterben!
Es ist nicht so eingetreten, wie gedacht.
Die schrecklichsten Vorstellungen, wie es nach dem Waldsterben aussehen könnte, werden jedoch hier übertroffen.
Aber von Menschen gemacht.

Ich bleibe fern. Pilze betrachte ich vielleicht noch an den Wiesen und Böschungen.
Ich habe auch keine Lust, in eine andere Gegend der Schweiz umzuziehen, wo es noch nicht so schlimm ist, nur um mich weiter mit Pilzen beschäftigen zu können.

Nicht überall sieht es so aus. Trotzdem.
Ich bin ratlos.
Vielleicht werde ich in Zukunft halt wieder mehr auf die Berge steigen und die Pilze Pilze sein lassen.

Euer Harald Andres

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Re: Steinpilze...

Winerius, (vor 7068 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo Harald Andres,

dir scheinen ja in letzter Zeit die Waldbesitzer wirklich böse mitzuspielen.
Wohl dem ,der vor seiner Haustür ein Naturschutzgebiet oder wenigstens eine kleine Naturwaldparzelle hat. Ihm bleiben solche Bilder weitestgehend erspart, zumindest in diesen Bereichen ist man vor solch bösen Überraschungen noch sicher.
Alle anderen bleibt nichts anderes übrig, als an aufforstende Waldbauern oder die natürliche Sukzession zu Glauben und die ganze Sache zu ertragen, bis auf den kahlen Flächen wieder das erste Grün erscheint.
Solange mit Holz gutes Geld verdient wird, sind solche Bilder an der Tagesordnung.

Mit freundlichen Grüßen
Werner

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Re: Steinpilze...

Andreas W, (vor 7068 Tagen) @ Winerius

Hallo,

wenn's man die Waldbauern wären. In meiner Umgebung sind es hauptsächlich die Wälder die sich Staatsforst schimpfen. Die privaten Wälder sehen häufig (nicht immer) besser aus.

Abgesehen davon, daß solche Wälder am ehesten einer Müllhalde ähneln, ist das
Problem beim Pilzesammeln in solchen verunstalteten Wäldern vor allem die Verletzungsgefahr durch in die Höhe ragende Äste. Ich kann mir kaum vorstellen, daß es dem Wild anders geht als uns.

schöne Grüße

Andreas

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Re: Steinpilze...

tom66, (vor 7068 Tagen) @ Andreas W

Hallo,
wenn's man die Waldbauern wären. In meiner Umgebung sind es hauptsächlich die
Wälder die sich Staatsforst schimpfen. Die privaten Wälder sehen häufig
(nicht immer) besser aus.
Abgesehen davon, daß solche Wälder am ehesten einer Müllhalde ähneln, ist das
Problem beim Pilzesammeln in solchen verunstalteten Wäldern vor allem die
Verletzungsgefahr durch in die Höhe ragende Äste. Ich kann mir kaum
vorstellen, daß es dem Wild anders geht als uns.
schöne Grüße
Andreas

Hallo Zusammen

Ich kenne das Problem auch, besonders bei meinen Morchel- und Steiniplätzen. Es kommt die Waldbauern einfach günstiger ganze Flächen abzuholzen als nur einzelne Bäume. Das Problem dabei ist, dass wir aktive Sammler diese Plätze erst in einem nächsten Leben wieder besuchen werden können. Erstens wird der Boden durch Erosion, Hitze, Wasser usw. relativ grossflächig geschädigt und das nächste was dann wächst sind meterhohe Brombeersträucher. Ja ja, das liebe Geld macht noch alles kaputt.

Gruss

Tom66

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Re: Steinpilze...

interhias ⌂, (vor 7068 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Servus Harald Andres,

üble Sache, dass in deiner Gegend die Wälder so kaputt gemacht werden.

Bei uns in Oberbayern sieht es nicht so schlimm aus, trotz der Umwandlung der Forstbehörde in einen reinen Wirtschaftsbetrieb.

Zwar beklage ich auch ab und an den Verlust oder die Verschandelung eines einst schönen Schwammerlreviers, aber wüstes Abholzen ist nur in Ausnahmefällen der Grund (z.B. wurde am Alpenrand eine wunderbare private Schafweide mit lockerem Tannenbestand komplett platt gemacht, offensichtlich zur Holzgewinnung).
In den meisten Fällen aber handelt es sich um die Beseitigung von Käfernestern in Fichtenbeständen, was sich im Verlauf dieses Sommers zu einer Sisyphus-Arbeit auswachsen dürfte.

Gruß aus München
Hias

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Du sprichst mir aus dem Herzen ... *PIC*

Mäxle, (vor 7068 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo Harald

Es vermag Dich wohl nicht zu trösten, aber mir geht es genauso. Mein über alles geliebter Wald, in dem "meine" Eichhasen wuchsen (neben Flockis, Pfiffis u.a.) wurde derart ausgeholzt und zerstörerisch behandelt, dass es wohl Jahre dauern wird, bis er sich auch nur einigermassen wieder erholt. Die gefällten Baumriesen türmen sich die Waldwege entlang, Rinde und Geäst bleibt im Wald zurück und wird - tiefe Furchen hinter- lassend - in den Boden gewalzt. Ein trauriger Anblick. Gut, dass Max letztes Jahr noch Gelegenheit hatte, einen Prachtseichhasen zu fotografieren - es gibt sie einfach nicht mehr!

[image]

In Abständen von ca. 5m sieht der ganze Wald so aus - ich kann es heute noch nicht fassen. Es fällt mir schwer, andere Wälder, in denen ich auch unterwegs war, aufzusuchen, da sich die Zerstörungswut in den letzten 2 Jahren durch alle Wälder zieht und man diese ohne Verletzungsgefahr gar nicht mehr betreten kann (ich hatte mir ja letzten Herbst bereits das Handgelenk gebrochen!). Die Freude am Pilzsammeln ist mir vorerst vergangen. Vielleicht legt sich das ja bis zum Herbst wieder - es gibt momentan ohnehin nicht viel, ausser den Eichhasen, die ich mir nun aber auch nur noch auf Fotos anschauen kann.

Recht aufmunternde Grüessli vom mit Dir leidenden Mäxle.

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Lieber Harald Andres,deswegen habe ich letzhin....

Hans hurter, (vor 7068 Tagen) @ Harald Andres Schmid

…gibt es hier keine mehr:
Es war ein mir liebgewordenes Plätzchen.
Steinpilze, Mehlräslinge, seit vielen, vielen Jahren.
Ein schöner Ort.
Ein letztes Relikt, das noch nicht den Maschinen zum Opfer gefallen ist.
Dachte ich.
Darum freute ich mich letzten Sonntag, mal wieder hinzugehen, nur um so ein
wenig zu schauen.
Ich habe fast geweint.
Ich habe darüber ja früher schon mal berichtet.
Siehe hier: Beitrag 114858
Ich will Euch damit nicht langweilen.
Aber wem sollte ich mich denn anvertrauen?
Der Wahnsinn scheint Methode zu haben.
Hektar um Hektar werden über die Jahre komplett verwüstet.
Methodisch.
Jetzt wieder das hier.
Auch wenn mir das niemand glaubt: Es geht mir gar nicht so sehr um Steinpilz
& Co.
Man baut eine persönliche Beziehung auf, zu solchen Orten.
Ich bin einfach gern in den schönen Wäldern.
Man geht auch mal schon im Frühjahr hin, einfach um ein wenig zu schauen.
Ein paar Moospolster zu streicheln, den altbekannten Bäumen guten Tag zu
sagen.
Wer sagte es einst so schön?
„Der Wald ist ein hosentaschenwarmer Gnadenort von eigenartiger Ambivalenz.“
In der Umgebung von Baden, wo ich wohne, ist nicht einmal mehr die Ambivalenz
geblieben.
Das obige Bild ist eigentlich verharmlosend.
Man sieht das Ausmass der Zerstörung nicht.
Tief ist der Boden umgepflügt von den schweren Maschinen.
Die Haufen liegen hüfthoch.
Rechts und links haben sie in diesem Falle einiges stehengelassen, wie das
Bild zeigt.
Manchmal verschonen sie nur ein paar wenige Bäume.
Die schieben dann verzweifelt Wache über der Oednis, überblicken mit ihren
zerzausten Kronen hilflos die Zerstörung.
Es ist nicht so, dass Neues entstünde, über die Jahre.
Das ist eine Mär.
Keine Kleintiere tummeln sich vergnügt, nichts raschelt und lebt hier, keine
Vögel singen.
Im Gegenteil: Die Hitze liegt im Sommer bleiern und totenstill über den
verwesenden Haufen.
Es sind schauerliche Orte geworden, unbelebt.
Still, beängstigend, fremd, eine unangenehme Umgebung, die man schnell wieder
verlässt. Auch die Füchse sind lieber in der Stadt.
Einzig hie und da das schaurige Klirren einer entschlossen Fett verbrennenden
Phalanx von Nordic-Walkerinnen auf den sauber geschotterten Wegen, die die

auf den Ausspruch "Dem Förster ist's scheissegal...."von Markus geantwortet !
Diese Zerstörung stelle ich seit Jahren in der Schweiz,Elsass und Schwarzwald fest.Die Traktoren und Maschinen werden immer wie grösser und es gibt Leute die reden vom Verbot den Wald zu betreten!Ich kann Dir grossflächige Stellen zeigen wo die Fichtenäste noch nach Jahren so liegen wie bei Dir.Traurig traurig kein Moos oder Flechten können gestreichelt werden und der Freudenjauchzer bleibt einem im Halse stecken. Traurige Grüessli Hans

Zerstörungsgebiete quer durchschneiden.
Das passt gut. Das Bild ist vollständig.
Von ferne das Dröhnen schwerer Maschinen und das Krachen stürzender Bäume.
Ich verstehe diese Welt nicht mehr, gehöre da nicht hin.
Wie hatten wir doch damals Angst vor dem Waldsterben!
Es ist nicht so eingetreten, wie gedacht.
Die schrecklichsten Vorstellungen, wie es nach dem Waldsterben aussehen
könnte, werden jedoch hier übertroffen.
Aber von Menschen gemacht.
Ich bleibe fern. Pilze betrachte ich vielleicht noch an den Wiesen und
Böschungen.
Ich habe auch keine Lust, in eine andere Gegend der Schweiz umzuziehen, wo es
noch nicht so schlimm ist, nur um mich weiter mit Pilzen beschäftigen zu
können.
Nicht überall sieht es so aus. Trotzdem.
Ich bin ratlos.
Vielleicht werde ich in Zukunft halt wieder mehr auf die Berge steigen und
die Pilze Pilze sein lassen.
Euer Harald Andres

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Re: Steinpilze...

Der Juergen, (vor 7068 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo Harald Andres,

ich kann Deine Wut und Deinen Frust sehr gut nachvollziehen! In meiner Gegend wird gerade auch sehr viel Holz aus den Wäldern geholt, und das auch mit diesen Holzerntemaschinen. Selbst in relativ naturnahen Buchenwäldern kommen diese schweren Geräte zum Einsazt, was mir völlig unverständlich ist. Sparzwang der Kommunen, Rationalisierung? ... nur noch das Geld zählt, sonst nix mehr.

Grüßle
Juergen

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Re: Steinpilze...

Hermann, (vor 7068 Tagen) @ Harald Andres Schmid

So sieht es hier in weiten Teilen aus. Besonders übel: In der Rheinebene ist lockerer Sandboden häufig, die Wälder erinnern nun streckenweise eher an Sanddünen mit eingestreuten Bäumen. Überall tiefe Furchen im Boden, die Decke alle paar Meter aufgerissen und der Erosion preisgegeben. Hatten wird das Thema nicht gerade vor ein paar Monaten schon hier?

Klar, daß geliebte Plätze auch mal abgeholzt werden, ist in Nutzwälder halt normal. Aber ich kann mich nicht erinnern, so krasse Verwüstungen schon früher gesehen zu haben, daß beobachte ich - zumindest bewußt - erst seit ein paar Jahren. So schlimm wie dieses Jahr.. das hat mich auch überrascht. Mir hat's 3-4 gute "Pilzstellen" zerlegt, unter anderem die einzige Stelle, an der ich bisher auch mal Morcheln fand.. *grummel*
An einigen Stellen im Odenwald kann man überhaupt nicht mehr laufen, da liegt meterhoch der Astschnitt zwischen die Bäumen, da wäre auch mit der Machete kein durchkommen mehr. Das Bild von dir - glaub mir - ist harmlos dagegen. In einem Buchenwald wurde systematisch durchgepflügt, da sah es auch... brrrr.. mir ist echt die Galle hochgekommen. Ich hab sicher nichts gegen kommerzielle Nutzung der Wälder. Aber nicht auf dieser Art.

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Re: Steinpilze...

psittacus, (vor 7068 Tagen) @ Harald Andres Schmid

…gibt es hier keine mehr:
Es war ein mir liebgewordenes Plätzchen.
Steinpilze, Mehlräslinge, seit vielen, vielen Jahren.
Ein schöner Ort.
Ein letztes Relikt, das noch nicht den Maschinen zum Opfer gefallen ist.
Dachte ich.
Darum freute ich mich letzten Sonntag, mal wieder hinzugehen, nur um so ein
wenig zu schauen.
Ich habe fast geweint.
Ich habe darüber ja früher schon mal berichtet.
Siehe hier: Beitrag 114858
Ich will Euch damit nicht langweilen.
Aber wem sollte ich mich denn anvertrauen?
Der Wahnsinn scheint Methode zu haben.
Hektar um Hektar werden über die Jahre komplett verwüstet.
Methodisch.
Jetzt wieder das hier.
Auch wenn mir das niemand glaubt: Es geht mir gar nicht so sehr um Steinpilz
& Co.
Man baut eine persönliche Beziehung auf, zu solchen Orten.
Ich bin einfach gern in den schönen Wäldern.
Man geht auch mal schon im Frühjahr hin, einfach um ein wenig zu schauen.
Ein paar Moospolster zu streicheln, den altbekannten Bäumen guten Tag zu
sagen.
Wer sagte es einst so schön?
„Der Wald ist ein hosentaschenwarmer Gnadenort von eigenartiger Ambivalenz.“
In der Umgebung von Baden, wo ich wohne, ist nicht einmal mehr die Ambivalenz
geblieben.
Das obige Bild ist eigentlich verharmlosend.
Man sieht das Ausmass der Zerstörung nicht.
Tief ist der Boden umgepflügt von den schweren Maschinen.
Die Haufen liegen hüfthoch.
Rechts und links haben sie in diesem Falle einiges stehengelassen, wie das
Bild zeigt.
Manchmal verschonen sie nur ein paar wenige Bäume.
Die schieben dann verzweifelt Wache über der Oednis, überblicken mit ihren
zerzausten Kronen hilflos die Zerstörung.
Es ist nicht so, dass Neues entstünde, über die Jahre.
Das ist eine Mär.
Keine Kleintiere tummeln sich vergnügt, nichts raschelt und lebt hier, keine
Vögel singen.
Im Gegenteil: Die Hitze liegt im Sommer bleiern und totenstill über den
verwesenden Haufen.
Es sind schauerliche Orte geworden, unbelebt.
Still, beängstigend, fremd, eine unangenehme Umgebung, die man schnell wieder
verlässt. Auch die Füchse sind lieber in der Stadt.
Einzig hie und da das schaurige Klirren einer entschlossen Fett verbrennenden
Phalanx von Nordic-Walkerinnen auf den sauber geschotterten Wegen, die die
Zerstörungsgebiete quer durchschneiden.
Das passt gut. Das Bild ist vollständig.
Von ferne das Dröhnen schwerer Maschinen und das Krachen stürzender Bäume.
Ich verstehe diese Welt nicht mehr, gehöre da nicht hin.
Wie hatten wir doch damals Angst vor dem Waldsterben!
Es ist nicht so eingetreten, wie gedacht.
Die schrecklichsten Vorstellungen, wie es nach dem Waldsterben aussehen
könnte, werden jedoch hier übertroffen.
Aber von Menschen gemacht.
Ich bleibe fern. Pilze betrachte ich vielleicht noch an den Wiesen und
Böschungen.
Ich habe auch keine Lust, in eine andere Gegend der Schweiz umzuziehen, wo es
noch nicht so schlimm ist, nur um mich weiter mit Pilzen beschäftigen zu
können.
Nicht überall sieht es so aus. Trotzdem.
Ich bin ratlos.
Vielleicht werde ich in Zukunft halt wieder mehr auf die Berge steigen und
die Pilze Pilze sein lassen.
Euer Harald Andres

Hallo Andres - es tut mir in der Seele weh, wenn ich diese Bilder sehe und deinen sehr beeeindruckenden Text lese.
Ich habe ihn meiner Tochter vorgelesen - auch wenn wir pubertätsbedingt nicht immer einer Meinung sind, so hat es uns traurig gemacht.

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Re: Steinpilze...

Spessart-Räuber, (vor 7067 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo Harald-Andres,

es ist einfach nur tragisch, was seit einiger Zeit in unseren Wäldern passiert - so auch bei uns im Spessart.

Zu den massenhaft von "Kyrill" gefällten Bäumen wurden im Frühjahr dann noch zig gesunde, stehengebliebene Bäume gefällt, weil die wohl im letzten Herbst zur Fällung markiert wurden - ich glaube nicht, dass das nach "Kyrill" und seinen Auswirkungen nochmals vom Forstamt überdacht wurde - was für ein Blödsinn.

Auch werden die Zeitabschnitte, in denen ganze Waldstücke wegen Holzfällung für den Publikumsverkehr gesperrt werden immer häufiger und länger.

Ich war am Sonntag auch sehr traurig, als ich feststellen musste, dass eine meiner besten Pfiffi-Stellen (ein etwa 300 Meter langer Hang, entlang eines Waldweges) völlig sinnlos durch einen Bagger, der da wohl gerade einen Kanal für eine Wasserleitung grub, begradigt wurde - ausser glattgedrücktem Lehm ist da nichts mehr! Ich hätte weinen können, als ich das sah!

So, jetzt möchte ich aber noch die Gelegenheit nutzen und dir in aller Form für diese schönen, emotionalen und rührenden Zeilen danken!!!
Du hast das in Worte gefasst, was viele von uns denken und wie sich viele von uns fühlen - ich hatte Gänsehaut als ich deine Zeilen zum 1. Mal gelesen hatte, weil sie so zutreffend sind.

Liebe Grüße und alles Gute,

Thorsten