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Satansröhrlinge in Brandenburg? *PIC*

Ingo, (vor 7061 Tagen)

Rosahütige Dickröhrlinge im Kiefernwald? Sommertrüffeln? Demnächst Kaiserlinge??? Gähn!!!
In den Fanggründen östlich von Berlin herrscht Normalität. Alltag sozusagen! Nach zwei Wochen
regelmäßiger Niederschläge: Nichts! Nicht mal ein Schwindling.

Schönen Abend übrigens – das hätte ich fast vergessen.

Nachdem ich meine Zeit nicht sinnlos mit irgendwelchem Geröhre vergeuden musste, hatte
ich endlich Zeit, mich den wirklich Aufsehen erregenden Funden zu widmen. Die fanden sich
wie so oft direkt auf dem Gelände unseres Campingplatzes. Genau dort, wo sich einige Rasen-
büschel nebst Pflanzenabfällen und einigen jungen Laubbäumen tummeln, konnte man Massen
von Pilzen beobachten. Wenn man sie denn sehen wollte.

Diese etwa:

[image]

Zählt mal durch. Ich glaube, so viele Röhrlinge gibt es momentan im gesamten Land Brandenburg nicht.
Ein ganzer, halber Hexenring voll... wovon eigentlich?

Näher ran mit dem Objektiv:

[image]

und noch etwas mehr von unten:

[image]

Jubel! Trichterlinge - noch dazu weiße. Dafür lasse ich doch jeden Satanspilz links liegen.
Weil diese Pilze sich ja ganz leicht schon vom Bild her bestimmen lassen, möchte ich an
dieser Stelle ein paar ergänzende Anmerkungen machen, die vielleicht nicht so ganz rüber kommen.

Hutdurchmesser: 4 bis max. 5 cm – im Schnitt 3 bis 3,5 cm; Höhe: bis zu 8 cm
Anmerkung: Die Hutoberfläche fühlte sich irgendwie fettig – speckig an. Die Fruchtkörper wirkten zwar
zerbrechlich, waren aber recht wehrhaft und elastisch.

An dieser Stelle noch zwei Nahaufnahmen, wobei vor allem die Lamellen dazu dienen könnten, die
Art zu entlarven:

[image]

[image]

Die Lamellen sind, wie man gut erkennen kann, deutlich herablaufend, untermischt, mit Gabelungen
und Querverbindungen! Der Hut ist bei allen Exemplaren deutlich bis tief trichterförmig.

Und jetzt das entscheidende Bestimmungsmerkmal: der Geruch.
Eindeutig und zu 100% Nebelkappe (Lepista nebularis) und nichts anderes.
Nur noch eine Spur konzentrierter als beim großen Verwandten. Einfach nur abartig!

Mit diesem Bestimmungsmerkmal sollte es eigentlich einfach sein, die Art zu entlarven – dachte ich.
Nachdem ich sämtliche Pilzliteratur, einschließlich BW Band 3 gewälzt hatte, bin ich nun so schlau wie zuvor.
Einzig bei RM Dähncke findet sich noch bei Krempentrichterlingen der Vermerk, dass es Sippen gibt, die
so ähnlich riechen können. Bei Aspropaxillus giganteus ist mir das allerdings noch nie aufgefallen.

Um nicht völlig im Dunkeln zu stehen, habe ich mich mit einer Allerweltsart ein wenig angefreundet, die
im Band drei der Großpilze BW unter Nummer 12.37 beschrieben ist.
Clitocybe phaeophthalma, der ranzige Trichterling.
Geruch: süsslich – ranzig: so wird der Geruch von Nebelkappen ja auch häufig umschrieben.
Obwohl der Geruch von Nebelkappen durchaus als Erkennungsmerkmal angeführt werden kann.
Der ist eigentlich unverwechselbar und durch nichts anderes zu beschreiben. Bei Lepiota cristata
funktioniert es ja auch.

Nun habe ich aber eine geringe Hoffnung, dass ich da doch etwas anderes erwischt habe.
Mein Bestimmungsversuch ist ja nur eine Annährung an eine beschriebe Art, die mit meinem Fund
noch die größte Schnittmenge aufweist. Alle anderen Trichterlinge, die in den BWP 3 beschrieben
sind, scheiden schon aufgrund ihrer Makromerkmale aus.

Genug damit - zum Schluss habe ich noch etwas einfaches für euch:

[image]

Vollkommen korrekt – lumpige Risspilze. Aber was hat denn der große im Vordergrund am Stiel?
Mollisien atwa? Spaß beiseite: Könnte es sich bei den Inocyben um die im MHK Band IV angegebene
rauhhaarigen Risspilz handelt, oder sind es am Ende hirschbraune Risspilze. Soviele Arten mit Schuppen
gibt es ja auch wieder nicht.

Ich würde mich wie immer über jeden richtungsweisenden Tipp freuen.

Viele Grüße ins Sendegebiet – Ingo

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Re: Satansröhrlinge in Brandenburg?

AK_CCM, (vor 7061 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

der Risspilz könnte Inocybe lacera sein.
Aber das ist nur eine Mutmaßung...

Gruß, Andreas

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Re: Satansröhrlinge in Brandenburg?

Thüringer-Holz, (vor 7061 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

Deine Überschrift ist sehr "anziehend"! :-)
So gehts!

Ich kann dir leider nicht bei deinen Trichterlingen helfen.
Auch bei Inocybe bin ich schwach.

Aber, dein Beitrag hat mich heute morgen wieder sehr erfreut, ich habe schön geschmunzelt.
Wieder großes Kino am Dienstag morgen!
Übrigens großes Kino: Der neue Bruce Willis (SL 4) ist sehr zu empfehlen. Wer die anderen "Stirb Langsam" mochte, wird nicht enttäuscht.

Grüße die A2 entlang nach Osten!

Felix

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Re: Satansröhrlinge in Brandenburg?

Florian_M, (vor 7061 Tagen) @ Ingo

Also ich hatte im Berliner Stadtforst auch schon einige Stunden verbracht ohne einen einzigen Pilz zu finden. Etwas nördlich von Berlin ist es aber um einiges besser. Am Sonntag habe ich in der Nähe von Oranienburg einige Maronen und reichlich Täublinge gefunden. Ich weiß nicht ob das was mit der Niederschlagsmenge zu tun hat oder ob da andere Kräfte wirken...

Viele Grüße---Florian

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Re: Jammerschade...

Ingo, (vor 7061 Tagen) @ Ingo

...dass niemand etwas zu den Mini - Nebelkappen sagen konnte.
Ich habe mich ml nach ein paar Bildern bei Google umgeschaut.
Könnte hinkommen. Nur der unvergleichliche Nebelkappengeruch ist
nirgens erwähnt. Vielleicht hat ja irgendwer schon an ranzigen
Trichterlingen geschnuppert, und kann eine gewisse Ähnlichkeit
"beführworten"

@AKCCM
Inocybe lacera gefällt mir auch sehr gut. Ein typischer Wirrkopf vielleicht.
Sandige, recht feuchte Kiefernwälder; Birken waren auch nicht fern.

@Felix
Allmächtiger! Hollywood-Kino im Vergleich mit dem Pilzeforum.
Hier im Forum geht es um Tatsachen. Und zwar nahezu LIVE!
Nebenbei, den Actionstreifen werde ich mir dann wohl im Winter
anschauen - auf DVD am heimischen Kamin.

Viele Grüße Ingo

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Re: Satansröhrlinge in Brandenburg?

Ingo, (vor 7061 Tagen) @ Florian_M

Also ich hatte im Berliner Stadtforst auch schon einige Stunden verbracht
ohne einen einzigen Pilz zu finden. Etwas nördlich von Berlin ist es aber
um einiges besser. Am Sonntag habe ich in der Nähe von Oranienburg einige
Maronen und reichlich Täublinge gefunden. Ich weiß nicht ob das was mit
der Niederschlagsmenge zu tun hat oder ob da andere Kräfte wirken...
Viele Grüße---Florian

Es hat nicht unbedingt mit der Niederschlagsmenge zu tun.
Mit Feuchtigkeit allerdings schon. Es nützt nicht viel, wenn
einmal in der Woche ein Sturzbach von 100 l heruntergeht.
Nach spätstens drei Tagen fängt der Sandboden an, auszutrocknen.
Besser sind regelmässige Niederschläge, die immer wieder für
Nachschub sorgen. Deine Beobachtungen kann ich aber bestätigen.

Mit jedem Kilometer (süd)östlich von Berlin nimmt die Chance ab,
fündig zu werden. in OHV sind halt, genau wie in Berlin City,
bereits seit knapp vier Wochen regelmäßige Niederschläge zu
verzeichnen. Währenddessen kam es häufiger vor, dass sich Gewitter
und Regenfronten im Berliner Raum immer weiter abschwächten, so
dass weiter östlich bedeutend weniger Niederschläge ankamen.

Bei meinem Sonntagsbesuch im Dreieck Spreeau konnte ich bereits
meine ersten Täublinge einsacken. Gerade mal 30 km von den Gebieten
mit der Null-Nummer entfernt.

Viele Grüße Ingo

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Re: Satansröhrlinge in Brandenburg?

Steininger, (vor 7061 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,
ich habe mich über deinen feinen Humor sehr amüsiert!
Dein "Montagskino" ist ja schon zur festen Einrichtung
geworden.

Grüße
Wolfgang

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Re: Inocybe

Andreas 2, (vor 7060 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

meine Vorredner haben sicher Recht, das ist mit großer Wahrscheinlichkeit (so sicher wie man sich bei rein makroskopischen Merkmalen eben bei Risspilzen sein kann) I. lacera. Gut ist auch der dunklere Stiel im unteren Bereich zu erkennen.

Gruß, Andreas