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Merkwürdiges Leccinum - Rotkappe oder Birkenpilz? *PIC*

Stephan Weißer, (vor 7051 Tagen)

Gestern habe ich am Sportplatz in Waldenburg einen merkwürdigen Raustielröhrling gefunden, der sich mittels der mir zur Verfügung stehenden Literatur nicht recht bestimmen lässt:

[image]

Beschreibung:

Hut - bis 10 cm breit gefunden, feinfilzig - wildlederartig, bei älteren Exemplaren in der Hutmitte mit sehr feinen braunen Schüppchen bedeckt, Hutsaum leicht überhängend, Hutfarbe eigenartig blassrötlich - orangebräunlich, bei jungen Exemplaren hell graubraun (Abgebildeter Pilz = Übergangsstadium)

Röhren - auch bei ausgewachsenen Exemplaren kaum schwammig, Porenmündungen hell cremefarben, an Druck- und Fraßstellen gelbbräunlich verfärbend

Stiel - relativ stämmig, auch bei ausgewachsenen Exemplaren noch lange saftig, schwarzgraue, relativ grobe Schuppung, Steilzeichnung teilweise felderig aufgerissen

Fleisch - jung zart, lange saftig, Stiel nur wenig holzig, Geschmack wässerig-fade, Verfärbungen: in der unteren Stielhälfte Madenfraßgänge leuchtend grünblau, beim Durchschneiden Hutfleisch und Stielansatz nach ca. 2 Minuten schwach rosa, nach 10 Minuten immer noch so, untere Stielhälfte sehr schwach gelbgrünlich verfärbend, aber nicht violettschwarz werdend.

Standort:
parkartig aufgelichtete Mähwiese mit einigen ca. 30-jährigen Birken und älteren Eichen, auf dieser Wiese noch viele typische Eichen-Russulae (z. B. pectinata, graveolens, pseudointegra), die Pilze bildeten einen Halbkreis um eine Birke (50 cm Abstand), allerdings auch Eichen in der Nähe.

Wer hat Rat?

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Re: Merkwürdiges Leccinum - Rotkappe oder Birkenpi

Thüringer-Holz, (vor 7051 Tagen) @ Stephan Weißer

Hi,

besonders deine Beschreibung der Verfärbung deutet für mich auf den Pappel-Rauhfuß hin. Da stand bestimmt irgendwo eine (Zitter)-Pappel/Espe.

LG Felix

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Re: Merkwürdiges Leccinum - Rotkappe oder Birkenpi

coco, (vor 7051 Tagen) @ Stephan Weißer

hallo stephan,

kommt mir vor wie eine etwas unbunte birkenrotkappe. bin gespannt, ob und was die kenner sagen.

gruss coco

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Ganz normaler Birkenpilz (L. scabrum) *oT*

Jürgen, (vor 7051 Tagen) @ coco

- kein Text -

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Mit blaugrünen Flecken an der Stielbasis?!? *oT*

Andreas ⌂, (vor 7051 Tagen) @ Jürgen

- kein Text -

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danke kenner :) *oT*

coco, (vor 7051 Tagen) @ Jürgen

- kein Text -

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Genau lesen! Da steht GELBgrünlich

Jürgen, (vor 7051 Tagen) @ Stephan Weißer

und zwar sehr schwach. Das dürfte das sein, was z.B. bei L. melaneum ss. str. auch immer wiedr in der Steilrinde zu sehen ist. Hat nichts mit dem blaugrün von L. brunneogriseolum etc. zu tun.

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War jetzt selber etwas voreilig

Jürgen, (vor 7051 Tagen) @ Stephan Weißer

nachdem Stephan auch von blaugrünem Madenfraß schreibt - das wäre schon erklärungsbedürftig, wobei ich gerne genau gesehen hätte, wie das im Schnittbild aussieht. L. duriusculum ist aber m.E. trotzdem auszuschließen (keine Pappel angegeben, Fleisch nur schwach rötend, aber nicht violett verfärbend). Habitus, Farben und Standort sind ganz typisch für scabrum.

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Re: Merkwürdiges Leccinum - Rotkappe oder Birkenpi

Stephan Weißer, (vor 7050 Tagen) @ Stephan Weißer

Nach längerem Blättern fand sich noch eine Ergänzung, die Jürgen vielleicht weiterhilft:

Das Werk "Großpilze BW" (Band 2, S. 262) kennt als Variante des Leccinum scabrum ein "(L. rigidipes)" (sic!) das wie folgt beschrieben wird: "HDS mit großer Anzahl kurzgliedriger Elemente in den Endhyphen, Stielbasis meistens mit blaugrünen Tönen, Trama im Normalfall schwach rosalich verfärbend. Hut fahl- bis gelblich-rotbraun, braunrot, lohfarben, Stielschüppchen fast schwarz, zum Stiel kontrastierend..."

Diese Beschreibung trifft's meinem im Feld gewonnenen Eindruck nach genau. Es handelt sich damit wohl doch um einen Birkenpilz.

Weiter heißt es dazu noch: "Bei sehr hellem Hut kommen weitere Sippen (L. aerugineum, L. alboroseolum) in Betracht." Demnach gibt es wohl fahlhütige, rosaverfärbende Birkenpilze mit blaugrünen Stielfarben. Wieder was dazugelernt.

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Re: Merkwürdiges Leccinum - Rotkappe oder Birkenpi

Jürgen, (vor 7050 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,
effektiv weiterhelfen würden nur Schnittbild, Mikrobild der Huthaut und Sporenmaße. Solange unklar ist, wie diese "blaugrünen Madenfraßgänge" aussehen, und solange diese Türkis-Farbe nicht auch ausdrücklich für Stielrinde und/oder Stielbasis vermerkt wird, sehe ich keinen Grund, diesen Fund anders als L. scabrum "anzusprechen". L. rigidipes Orton ist nach neuen DNA-Analysen des Typusmaterials durch Den Bakker nicht von L. scabrum ss. Lannoy & Estades zu trennen.
Grüße, Jürgen

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Re: Merkwürdiges Leccinum - Rotkappe oder Birkenpi

Stephan Weißer, (vor 7050 Tagen) @ Jürgen

o.K. ich schau mal, ob da nochmal ein vermadetes Exemplar nachgewachsen ist!
Irgendwann später melde ich mich auch nochmal mit einem merkwürdigen Rotfußröhrling aus Bad Kreuznach. Einstweilen vielen Dank für deine Hilfe!

Gruß zurück
Stephan

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Re: Merkwürdiges Leccinum - Rotkappe oder Birkenpi

Jürgen, (vor 7050 Tagen) @ Stephan Weißer

Noch eine Anmerkung zu L. rigidipes: Der Schlüssel in der Großpilzflora BW ist irreführend (sorry, Andreas). Die "Art" hat nicht, wie dort angegeben, "meist" blaugrüne Töne am Stiel, sondern vielmehr nur - gemäß der Beschreibung in Lannoy & Estades (1995) - "rarement", also selten.