Cäsiumgehalt
Wer kann etwas zum Thema Cäsiumgehalt in Maronenröhrlingen sagen? Soll man das Thema einfach vergessen oder wie damit umgehen? Vielen Dank der werten Pilzforum-Gemeinschaft und Gruss aus'm Süden!
Thomas118, (vor 6996 Tagen)
Wer kann etwas zum Thema Cäsiumgehalt in Maronenröhrlingen sagen? Soll man das Thema einfach vergessen oder wie damit umgehen? Vielen Dank der werten Pilzforum-Gemeinschaft und Gruss aus'm Süden!
Gernot Friebes, (vor 6996 Tagen) @ Thomas118
Wer kann etwas zum Thema Cäsiumgehalt in Maronenröhrlingen sagen? Soll man
das Thema einfach vergessen oder wie damit umgehen? Vielen Dank der werten
Pilzforum-Gemeinschaft und Gruss aus'm Süden!
Hallo Thomas,
die Werte aus dem Jahr 2005 für Süddeutschland schauen beim Maronen-Röhrling wie folgt aus (in Becquerel pro KG):
Maronen-Röhrling (Xerocomus badius): 193 (Minimal: 7,3 - Maximal: 1150)
Als Vergleich:
Steinpilz (Boletus edulis): 61 (Minimal:0,08 - Maximal: 150)
Pfifferling (Cantharellus cibarius): 52 (Minimal 0,2 - Maximal: 259)
Besonders belastet sind neben dem Maronen-Röhrling noch der Rotfuß-Röhrling (Xerocomus chrysenteron), der Reifpilz (Rozites caperatus), Violette Lacktrichterlinge (Laccaria amethystea), Sprödblättler (Russulacae), Gold-Röhrling (Suillus grevillei) und Birkenpilze (Leccinum scabrum), um nur ein paar zu nennen. Wenn du ein ungutes Gefühl beim Maronen-Röhrling hast, dann solltest du die Huthaut abziehen, da in ihr das meiste Cäsium gelagert wird.
Schöne Grüße
Gernot
Mathias, (vor 6996 Tagen) @ Gernot Friebes
- kein Text -
Gernot Friebes, (vor 6996 Tagen) @ Mathias
Hallo Mathias,
ich habe unten gerade einen Nachtrag geschrieben. Zu diesen Informationen habe ich leider keine Quelle, das wollte ich eigentlich in meiner erste Antwort noch dazu schreiben. Ich weiß, dass es blöd ist, Informationen ohne Quelle einfach so hinzuschmeißen, deshalb wollte ich noch auf den Beitrag im anderen Forum verlinken.
Schöne Grüße und nichts für ungut
Gernot
olly, (vor 6996 Tagen) @ Gernot Friebes
Hallo Gernot,
was ist die zulässige (unbedenkliche) Menge? Ich meine, wenn wir im Supermarkt Pfifferlinge aus Weissrussland kaufen, dann sind sie sicherlich mehr mit Cäsium belastet als die deutschen, oder?
Danke!
olly
Nein, das ist nicht unbedingt so. Die radiaktive Wolke nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl zog zunächst Skandianvien und von dort südwärts über Deutschland. Entscheidend ist vor allem, wo es danach geregnet hat.
So ist Litauen etc. wesentlich weniger Tschernobyl-belastet als Deutschland, obwohl es geographisch natürlich viel näher liegt.
Auch in Deutschland gibt es große Unterschiede. So ist der Norden fast unbelastet während Teile von Bayern und Baden-Württemberg immer noch hohe Cäsium-Konzentrationen aufweisen.
Inwieweit der Konsum von Maronenröhrlingen nun wirklich gesundheitsschädlich ist, kann ich nicht beurteilen. In einigen Büchern steht, man solle ganz darauf verzichten. Ein befreundeter Biologe meint aber, dass überhaupt keine Gefahr besteht.
Gruß
Carabus
Hallo Gernot,
was ist die zulässige (unbedenkliche) Menge? Ich meine, wenn wir im
Supermarkt Pfifferlinge aus Weissrussland kaufen, dann sind sie sicherlich
mehr mit Cäsium belastet als die deutschen, oder?
Danke!
olly
olly, (vor 6996 Tagen) @ Carabus
Nein, das ist nicht unbedingt so. Die radiaktive Wolke nach dem
Reaktorunglück von Tschernobyl zog zunächst Skandianvien und von dort
südwärts über Deutschland. Entscheidend ist vor allem, wo es danach
geregnet hat.
So ist Litauen etc. wesentlich weniger Tschernobyl-belastet als Deutschland,
obwohl es geographisch natürlich viel näher liegt.
Auch in Deutschland gibt es große Unterschiede. So ist der Norden fast
unbelastet während Teile von Bayern und Baden-Württemberg immer noch hohe
Cäsium-Konzentrationen aufweisen.
Inwieweit der Konsum von Maronenröhrlingen nun wirklich gesundheitsschädlich
ist, kann ich nicht beurteilen. In einigen Büchern steht, man solle ganz
darauf verzichten. Ein befreundeter Biologe meint aber, dass überhaupt
keine Gefahr besteht.
Gruß
Carabus
Hallo Carabus,
hmmm... wenn man bedenkt, wie viele Menschen gerade aus Weissrussland wegen der zu hohen Belastung zwangsumgesiedelt werden, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass Deutschland mehr belastet ist als Ukraine & Co. Dass die Wolke(n) sich nicht direkt über Tschernobyl entleerten, ist bekannt. Ich habe aber Bedenken, Pilze aus dem Osten zu kaufen - gerade weil ich selbst von Drüben bin.
Als sich das Unglück ereignete, wohnte ich noch in Russland. Am 1. Mai - vier Tage nach der Kathastrophe - fand wie immer eine Militärparade auf dem Roten Platz vor dem Kreml statt. Dafür wurde traditionel - wie so oft - schönes Wetter künstlich hergestellt, indem bestimmte Ladungen Sprengstoff in die Athmosphäre gejagt wurden, um Regenfälle herbeizuführen. Das Geld war es Wert den Genossen. Deswegen hat es auch kurz davor geregnet. Was wir nicht wussten, war die Tatsache, dass es Cäsium geregnet hat. Am 1. Mai kam ein Freund von uns vorbei - der verbotenerweise westliche Sender abgehört hat - und teilte uns mit, dass es in der Ukraine eine Reaktorexplosion gegeben hat. Und die Auswirkungen seien schlimmer als in Heroshima. Wir schüttelten ungläubig mit dem Kopf. Doch am nächsten Tag kam die Rede im Fernsehen. Der Druck aus dem Westen wurde dem lieben Gorbi doch zu gross.
Danach kamen die ganzen Einzelheiten raus. Und die Mutter einer Freundin von mir arbeitete damals als Endokrinologin im Krankenhaus. Die Stationen waren monate- und jahrelang überfüllt: Schilddrüsenkrebs etc.
Ich weiss nicht, ob deutsche Pilze bedenklich belastet sind oder nicht. Ich weiss nur, dass sie sicherlich nicht mehr belastet sind, als die ukrainischen und (weiss)russischen.
Hier habe ich einen Link gefunden:
http://www.umweltinstitut.org/download/umweltinstitut_pilze_und_wild.pdf
Leider nur für den Freistaat.
Ich hätte gerne noch etwas vergleichbares für NRW gehabt.
Grüsse an Alle!
olly
Gernot Friebes, (vor 6996 Tagen) @ olly
Hallo Olly
was ist die zulässige (unbedenkliche) Menge?
Das kann man so denke ich nicht sagen, da es ja auch darauf ankommt, welche Pilze man isst.
Ich meine, wenn wir im Supermarkt Pfifferlinge aus Weissrussland kaufen, dann : sind sie sicherlich mehr mit Cäsium belastet als die deutschen, oder?
Denke schon, dafür müsste es sicher auch Studien geben.
Schöne Grüße
Gernot
Gernot Friebes, (vor 6996 Tagen) @ Gernot Friebes
Ich habe vergessen zu schreiben, dass ich für diese Informationen leider keine Quelle habe, sondern sie von hier übernommen habe: http://www.pilzforum.eu/board/schadstoffbelastung-der-pilze-t-233.html Deshalb sind natürlich alle Angaben ohne Gewähr
. Hier noch 2 Links zu diesem Thema, die ich auf die Schnelle gefunden habe:
http://lra-toelz.de/110805.1042.0.html
http://www.environmental-studies.de/Radiooekologie/Radiocaesium/Cs_2/cs_2.html
Schöne Grüße
Gernot
Karl-Heinz , (vor 6996 Tagen) @ Thomas118
guckst Du auch hier:
http://www.dgfm-ev.de/www/de/publikationen/poster6.php3
Jens , (vor 6996 Tagen) @ Thomas118
Hallo Thomas,
wie bereits in den Beiträgen angeklungen ist, schwankt der Cäsiumgehalt von Wildpilzen regional. Ich sag mal, vergessen sollte man das Thema nicht. Aber Grund zur Panik besteht ebenfalls nicht.
Für Sachsen-Anhalt gab es vor einigen Jahren Untersuchungen. Maronen waren demnach auch hier die am meisten belasteten Pilze. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse findet man zB. hier: http://freenet-homepage.de/LVPS/Merkblaetter2.html
In diesem Jahr soll die Untersuchung der Cäsium-Belastung von Maronen übrigens wieder aufgenommen werden.
Gruß Jens
Wer kann etwas zum Thema Cäsiumgehalt in Maronenröhrlingen sagen? Soll man
das Thema einfach vergessen oder wie damit umgehen? Vielen Dank der werten
Pilzforum-Gemeinschaft und Gruss aus'm Süden!
Thomas118, (vor 6996 Tagen) @ Thomas118
Vielen Dank allen, die mir so schnell, kompetent und "gut verlinkt" weitergeholfen haben! Grüsse Thomas
Harald Andres Schmid, (vor 6996 Tagen) @ Thomas118
Hallo
Die spannendste Frage zum Thema geht bei solchen Diskussionen immer unter:
Wieweit können wir das Cäsium überhaupt aufnehmen?
Bzw. wird der Körper mit radiaktiven Stoffen belastet, oder geht es nur um eine kurzfristige "Strahlenbelastung"?
Der Witz an Pilzen ist ja der:
Sie sind kein Nahrungsmittel.
Dies deshalb, weil wir sie nicht im herkömmlichen Sinne verdauen können.
Die Zellwände bestehen aus Chitin, da haben wir keine Enzyme für.
Wir schlucken die Pilzstücke und scheiden sie, so klein wie wir sie gekaut haben, wieder aus.
Eine mögliche Theorie ist deshalb diese:
Das Cäsisum gelangt kaum in den Körper, es kann nicht aus den Pilzen gelöst werden.
Die Strahlenbelastung ist nur für die Zeit des "Durchflusses" gegeben.
So die Theorie eines mir befreundeten Biologen.
Mein Gegenargument, dass wir ja das Gift der Knollenblätterpilze beim Verzehr auch aufnehmen könnten, entkräftete er mit einem verblüffenden Argument:
Gemessen daran, wie giftig das Amanitin der Knollenblätterpilze für den menschichen Organismus sei, müssten wir eine schier ungeheure Menge Giftpilz essen, um uns tödlich zu vergiften:
Mindestens 50 Gramm Frischpilz für einen erwachsenen Menschen.
Das deute darauf hin, dass wir das Gift kaum aufnähmen, denn ein kleines Stück würde langen, wenn wir es nur verdauen könnten.
Was nun?
Ich habe weder im Internet noch in der Literatur viel Sinnvolles, schon gar nichts wissenschaftlich Belegtes zum Thema gefunden.
Die Theorie scheint mir aber doch zu faszinierend, um sie einfach in den Wind zu schlagen.
Stellen wir uns doch die langen Gesichter der Radioaktivitäts-Pilz-Abstinenten vor, wenn plötzlich rauskäme:
Radioaktiv belastet sind Pilze schon, aber es spielt für den Menschen keine Rolle!
Weiss jemand was zum Thema?
Gruss, Harald Andres
Joachim, (vor 6996 Tagen) @ Harald Andres Schmid
Hallo Harald,
fast alle Menschen haben noch das Enzym um Chitin zu verdauen,
beziehungsweise die Chitinzellwände zu "öffnen"
Es gibt aber auch Menschen die das Enzym nicht haben, ich habe
einen Bekannten der bekommt sofort Probleme wenn nur einen "Krümel"
Pilz, z. B. in einer Tütensuppe zu sich nimmt.
Ob ein Pilz auch ein Nahrungsmittel ist kommt darauf an ob man die Pilze
sehr klein schneidet und sie gut kaut.
Mit freundlichen Grüßen
Joachim
Hallo
Die spannendste Frage zum Thema geht bei solchen Diskussionen immer unter:
Wieweit können wir das Cäsium überhaupt aufnehmen?
Bzw. wird der Körper mit radiaktiven Stoffen belastet, oder geht es nur um
eine kurzfristige "Strahlenbelastung"?
Der Witz an Pilzen ist ja der: Sie sind kein Nahrungsmittel.
Dies deshalb, weil wir sie nicht im herkömmlichen Sinne verdauen können.
Die Zellwände bestehen aus Chitin, da haben wir keine Enzyme für.
Wir schlucken die Pilzstücke und scheiden sie, so klein wie wir sie gekaut
haben, wieder aus.
Eine mögliche Theorie ist deshalb diese: Das Cäsisum gelangt kaum in den
Körper, es kann nicht aus den Pilzen gelöst werden.
Die Strahlenbelastung ist nur für die Zeit des "Durchflusses"
gegeben.
So die Theorie eines mir befreundeten Biologen.
Mein Gegenargument, dass wir ja das Gift der Knollenblätterpilze beim Verzehr
auch aufnehmen könnten, entkräftete er mit einem verblüffenden Argument:
Gemessen daran, wie giftig das Amanitin der Knollenblätterpilze für den
menschichen Organismus sei, müssten wir eine schier ungeheure Menge
Giftpilz essen, um uns tödlich zu vergiften: Mindestens 50 Gramm
Frischpilz für einen erwachsenen Menschen.
Das deute darauf hin, dass wir das Gift kaum aufnähmen, denn ein kleines
Stück würde langen, wenn wir es nur verdauen könnten.
Was nun?
Ich habe weder im Internet noch in der Literatur viel Sinnvolles, schon gar
nichts wissenschaftlich Belegtes zum Thema gefunden.
Die Theorie scheint mir aber doch zu faszinierend, um sie einfach in den Wind
zu schlagen.
Stellen wir uns doch die langen Gesichter der
Radioaktivitäts-Pilz-Abstinenten vor, wenn plötzlich rauskäme: Radioaktiv
belastet sind Pilze schon, aber es spielt für den Menschen keine Rolle!
Weiss jemand was zum Thema?
Gruss, Harald Andres
Wolfgang P., (vor 6996 Tagen) @ Harald Andres Schmid
Die spannendste Frage zum Thema geht bei solchen Diskussionen immer unter:
Wieweit können wir das Cäsium überhaupt aufnehmen?
Bzw. wird der Körper mit radiaktiven Stoffen belastet, oder geht es nur um
eine kurzfristige "Strahlenbelastung"?
Cäsium wird vom Körper zwar aufgenommen, weil der Körper es mit Kalium "verwechselt". Es wird jedoch nicht in irgendwelchen Organen angereichert (also anders als Iod oder Strontium, die daher eine viel viel gefährlichere Strahlen-Belastung erzeugen), sondern kommt nur in die Blutbahn und wird mit einer biologischen Halbwertszeit von 60 - 110 Tagen wieder ausgeschieden (ich glaube, durch die Niere).
http://www.onmeda.de/lexika/strahlenmedizin/biologische_halbwertszeit.html
Wenn man dann noch bedenkt, dass Kalium, das man ganz natürlich immer und überall aufnimmt, durch das radioaktive K-40 für etwa 50 Bequerel Grundbelastung sorgen, kann man alles, was durch ein paar Waldpilze dazukommt, getrost vergessen.
Grüße
Wolfgang Prüfert
Melli, (vor 6996 Tagen) @ Harald Andres Schmid
Hallo,
ich habe zwar selbst keine Ahnung, war aber im August bei Walter Pätzold im Seminar, und der hat das genau so erklärt wie Harald Andres. Wenn ich da also in meine eilig mitgekritzelten Aufschriebe blicke, finde ich da folgendes:
Die Caesium-Moleküle werden (z.B. anstelle von Kalium) vor allem in die aus Chitin bestehenden Zellwände (genauer gesagt wohl die Zellwandfarbstoffe) eingebaut. Die können vom menschlichen Magen-Darm-Trakt kaum aufgespalten und daher auch nicht aufgenommen werden (abgesehen von kleineren Mengen, die z.B. beim Kauen freigesetzt werden, aber den größten Teil der Zellen kriegt man mit unserem Mundwerkzeug ja nicht klein). In Zahlen ausgedrückt sei das so: Die Inkorporierbarkeit von Caesium in Pilzen liegt bei 1 - 4 %, im Vergleich dazu bei Hülsenfrüchten bei ca. 10 % und bei Fleisch bis zu 40 %. Wenn nach dem Genuss von Pilzen also etwas strahlt, ist es die Kloschüssel (Orginalzitat W.P. *hi hi*).
Wie gesagt, nicht auf meinem Mist gewachsen - für eventuelle Fehler beim Erstellen des Seminarmitschriebs übernehme ich keine Haftung... 
Liebe Grüße
Melli
Joachim, (vor 6996 Tagen) @ Thomas118
Hallo Thomas
der Pilzverein Pilzfreunde und Naturschützer Odenwald e.V.
führt schon seit Jahren Beprobungen von Wildpilzen im Odenwald und Bergstrasse
in Zusammenarbeit mit der Uni Gießen durch. Es liegen auch noch neuere Prüfergebnisse vor, diese werden noch dieses Jahr auf meiner
HP: http://www.notizbrett.de veröffentlicht.
Mit freundlichen Grüßen
Joachim
DURCHGEFÜHRTE PROBEN VON PILZEN UND PILZERZEUGNISSEN
DURCHGEFÜHRTE PROBEN VON PILZEN UND PILZERZEUGNISSEN
DIE VON DER AMTLICHEN LEBENSMITTELÜBERWACHUNG IN HESSEN FÜR DIE JAHRE 1996 BIS 1999 DURCHGEFÜHRTEN PROBEN VON PILZEN UND PILZERZEUGNISSEN. DIE MEISTEN BEPROBTEN WILDPILZE STAMMEN AUS DEM ODENWALD, DARUNTER ZAHLREICHE AUS MOSSAUTAL
(PWS)
zunächst geben wir eine Übersicht über die in den Jahren 1996 bis 1999 beprobten Pilze und Pilzerzeugnisse:
HÖCHSTWERT FÜR PILZE LIEGT BEI 600 Bq/kg FG (Frischgewicht)
Was die radioaktive Belastung von Nahrungsmitteln angeht, so betragen die festgesetzten Höchstwerte für Cäsium 134 und 137 für Milch 370 Bq/l und für andere Lebensmittel 600 Bq/kg bzw. Bq/l. Diese Werte werden auch auf Lebensmittel, die nicht aus Drittländern stammen, sinngemäß angewandt.
Der schon 1995 und davor zu beobachtende Rückgang der Tschernobyl-Folgen in allen untersuchten Lebensmitteln setzte sich auch 1996 fort. Es war keine Probe infolge erhöhter künstlicher Radioaktivität zu beanstanden. Es werden deshalb nur noch bestimmte Lebensmittel bei ihrer Einfuhr auf eine radioaktive Kontamination untersucht. Hierbei handelt es sich z.B. um Fleisch von Wild, bestimmtes Obst und Gemüse, Pilze, Tee und Gewürze.
Vergleichsweise werden dazu auch ausgewählte Proben im Lebensmittelhandel entnommen.
HOHE WERTE BEI POLNISCHEN PFIFFERLINGEN
Bei polnischen Pilzkonserven lag die höchste gemeinsame Konzentration (Cäsium 134 und Cäsium 137) bei 220 Bq/kg.
1997 wurden von 52 Pilzproben und Proben von Pilzerzeugnissen 10 Proben beanstandet (19,2 Prozent). Bei frischen Champignons entsprach die Kennzeichnung nicht der Verordnung über gesetzliche Handelsklassen für frisches Obst und Gemüse. Bei einer Pilzkonserve fehlte die Los-Kennzeichnung.
Champignons aus Glaskonserven waren verschimmelt und Dosenchampignons grau verfärbt. Die bei getrockneten Pilzen angegebene Spitzenqualität traf nicht zu. Bei weiteren Pilzerzeugnissen entsprachen die Angaben im Verzeichnis der Zutaten nicht den Anforderungen der Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung.
Frische und verarbeitete Pfifferlinge wurden auf ihre Radioaktivitätsbelastung überprüft. Die Cäsium-134-Konzentrationen lagen unter 10 Bq/kg FG. Die Cäsium-137-Konzentrationen schwankten zwischen 56 und 486 Bq/kg.
Der in den Vorjahren zu beobachtende Rückgang der Tschernobyl-Folgen in allen untersuchten Lebensmittelproben setzte sich auch 1997 fort. Es war keine Probe infolge erhöhter künstlicher Radioaktivität zu beanstanden.
SCHWERPUNKTTHEMA WILDPILZE
Wie auch 1996 war die Strahlenbelastung von Pilzen im Herbst 1997 ein Schwerpunktthema. Nachdem die Cäsium-137-Aktivität in heimischen Pilzen rückläufig ist, liegt ein besonderes Interesse an osteuropäischer Ware. Bei den entnommenen Proben wurden keine Radioaktivitätskonzentrationen über 600 Bq/kg festgestellt. Eine Probe Pfifferlinge wies eine Aktivität von 486 Bq/kg Cäsium-137 auf.
Auch 1998 wurden Pilze aus Importen und dem Handel auf radioaktive Kontamination untersucht, vorwiegend galt das Augenmerk Pilzimporten aus Osteuropa. Die Strahlenbelastung von Pilzen im Herbst war deshalb wieder Schwerpunktthema. Da die Cäsium-137-Aktivität in heimischen Pilzen rückläufig ist, liegt ein besonderes Interesse an osteuropäischer Ware. Nachdem in anderen Mitgliedstaaten der EU Überschreitungen der höchstzulässigen Radioaktivität in Speisepilzen, insbesondere Pfifferlinge aus Osteuropa festgestellt wurde, hat die Bundesfinanzverwaltung 1998 die Vorführung aller Einfuhren dieser Art bei den Lebensmittelüberwachungsbehörden angeordnet. Bei den in Hessen eingeführten Sendungen sowie bei dem im Lebensmittelhandel entnommenen Proben wurden keine Aktivitätskonzentrationen über 600 Bq/kg festgestellt. In einigen Proben konnte Cs-137 bis zu 122 Bq/kg festgestellt werden.
HAUPTAUGENMERK: SPEISEPILZE AUS OSTEUROPA
Auch 1999 galt wieder den Speisepilzen aus Osteuropa das Hauptaugenmerk der Lebensmitteluntersuchungsämter. Bei Waldpilzen wurde beprobt des Verdachts auf überhöhte Radioaktivität wegen.
Aus anderen Gründen als aus Radioaktivitäts-Belastung wurden von gezogenen 83 Pilzproben drei beanstandet, das sind 3,6 Prozent. Getrocknete Pilze aus einem Chinarestaurant waren staubig-schmutzig und mit zahlreichen lebenden Reismehlkäfern befallen. In einem aus einem Beutel Tiefkühl-Champignons zubereitetem Pilzgericht fand sich ein Stück schmutziger Schnur nebst etlichen Faserresten. Champignons I. Wahl waren unfrisch, überlagert und entsprachen somit auch nicht den (fakultativen) Qualitätsnormen für Kulturchampignons.
KEINE ERHÖHTE RADIOAKTIVE BELASTUNG IM HIESIGEN BEREICH
18 Pilzproben wurden auf Radioaktivität geprüft. Der Grenzwert beträgt für diese Warengruppen 600 Bq/kg (Cs-134 und Cs-137). In fünf Proben bzw. 28 Prozent der untersuchten Pilze war die Aktivitätskonzentration von Cs-137 größer als 100 Bq/kg. Eine Probe wies 822 Bq/kg Cs-137 auf. Die Probe wurde jedoch nicht beanstandet, da die Messunsicherheit aufgrund der geringen Probemengen zu hoch war. Bei den Proben mit höherer Radioaktivität handelte es sich um Pfifferlinge, die aus osteuropäischen Ländern eingeführt worden waren. Waldpilze aus dem hiesigen Bereich (Einzugsbereich des Hessischen Amtes für Lebensüberwachung) wiesen keine erhöhte radioaktive Belastung auf.
Die Untersuchungen für das Jahr 2000 liegen noch nicht vor. Das entsprechende Jahrbuch erscheint 2001.
mit freundlicher Genehmigung des Vereins der Pilzfreunde und Naturschützer Odenwald e.V.
Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten. 