Hallo Christoph,
ich bin normalerweise immer so vorsichtig. Das schockt mich jetzt schon, denn
im BLV Pilzführer steht nichts von "giftverdächtig"! Werde den
Pilz nicht mehr anrühren. Ich denke, dass die geringe Menge (waren 4
Stückchen) mich überleben lassen. Aber warum ist er als essbar
gekennzeichnet?
Grus,
Marc
Hallo Marc,
Klumpfüße ohne Kenntnis der genauen Art zu verzehren ist tatsächlich eine Art Russisches Roulette. Weder die Artabgrenzungen innerhalb dieser Untergattung, noch die Inhaltsstoffe der meisten Arten sind bekannt.
Ich halte es für sehr fragwürdig, wenn in Pilzbüchern solche Arten als essbar freigegeben werden.
Ausnahmen davon gibt es, so der Semmelgelbe Schleimkopf und die Schleiereule. Es soll wohl auch der Reihige Klumpfuß ohne Schaden verzehrt werden können, aber schon da wird die Artbestimmung selbst für Fortgeschrittene oft recht diffiziel. Der auch des öfteren als essbar bezeichnete Anis-Klumpfuß dürfte auch schadenfrei verzehrt werden können, doch würde ich diesen Pilz nicht anraten, aufgrund seiner Zugehörigkeit in die gleiche Sektion wie die tödlich giftigen Dottergelben Klumpfüße. Zwar haben die dort vorkommenden Anthrachinone keine nachweislich direkt giftigen Folgen, doch habe ich auch schon mal wo gelesen, dass sie krebserregend sein sollen (Quelle weiß ich leider nicht mehr). In der Schweiz ist der Anis-Klumpfuß vom Pilzkontrolleur als nicht essbar nicht freizugeben.
Im DÄHNCKE "1200 Pilze" steht z.B. auch der Schwarzgrüne Klumpfuß (Cortinarius arovirens) als essbar drin, bei BRESINSKY & BESL "Giftpilze" ist dagegen zu lesen: "ob er [= C. atrovirens] wie C. splendens gefährliche Giftstoffe enthält ist unbekannt; wegen seiner nahen Verwandtschaft zu C. splendens sollte er als Speisepilz ebenfalls nicht verwendet werden". In der Schweiz darf dieser Pilz (und auch Dein C. elegantissimus übrigens!) nach den Vorschriften der VAPKO (Verband amtlicher Pilzkontrolleure) nicht zum Verzehr freigegeben werden.
Ich kann mich nur nachdrücklich dem Vorredner anschließen: Experimente mit Schleierlingen können nicht vorhersehbare, üble Folgen haben. Zuwenig ist in dieser Gattung bekannt, die in Mitteleuropa mit sicherlich 500-600 Arten vertreten ist, nach Meinung der französischen Cortinarien-Spezialisten sind es in Europa sogar etwa 2000 Arten.
In welchem BLV-Buch steht der übrigens als essbar drin? Das kann doch kein GERHARDT-Buch sein, oder? Sicherlich ist es von CETTO?
beste Grüße,
Andreas