Re: Herr Atrotomentosa wird vermisst!
Hallo Harald Andres
Du bringst es auf den Punkt.
Ein Punkt der hauptschuldig daran ist, dass ich mich seit Jahren nicht dazu überwinden kann in die Pilzmikroskopie einzusteigen. Wozu soll ich mich hunderte oder gar tausende von Stunden damit abmühen, mir ein Wissen in der Pilzmikroskopie anzueignen, wenn mir danach ständig das stolze Resultat meiner mühsamen Analysen von der UNO-Vollversammlung, oder irgend welchen anderen Institutionen, von einer Familie in die andere verschoben wird?
Da investiere ich meine Mikroskopierzeit lieber in Wanderzeit und nehme es mit der Bestimmung meiner Funde nicht so genau. Ich esse sie ja eh nicht und freue mich nur schon an deren Vielfalt und Erscheinungsformen.
P.S. Ich bin den Leuten am Mikroskop trotzdem tausend mal dankbar für Ihre Abreit! Ohne sie wäre ja das Chaos in der mykologischen Artenabgrenzung noch viel grösser.
Liebe Grüsse
Max
Hallo
Ich habe beunrihigende Neuigkeiten.
Herr Atrotomentosa wird laut neuesten Berichten vermisst.
Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautete, soll er nach der
Gattung Paxillus entführt worden sein.
Damit geht das Drama um den armen Pilz in eine neue Runde.
Die Sprecher der Gattung Tapinella gaben sich wortkarg: "Herr
Atrotomentosa hatte sich bei uns gut eingelebt, er war ein gemütlicher,
wortkarger Mitbewohner, der die Umstellung in eine neue Gattung
offensichtlich ohne bleibende Schäden überstanden hat - seine anfänglichen
Ausrufe, wenn man ihn mit Vornamen ansprach: '-tosus! nicht tosa!"
legten sich nach einiger Zeit und er wurde sehr ruhig und angepasst."
Von der Gattung Paxillus war keine offizielle Stellungname zu erhalten.
Zwei Vertreter jedoch, P.i. und P.f. (Namen d. V. bekannt) liessen verlauten:
"Von uns wollte jedenfalls niemand diesen dummen, alten Kerl zurück -
der hätte bei den blöden Tapinellen versauern können".
Es wird vermutet, dass Herr Atrotomentosa in der Gattung Paxillus zur Zeit
von der Aussenwelt abgeschirmt festgehalten wird.
Die Frage, ob ihm wohl die nötige psychologische Betreuung zukomme, wird von
Kennern der Szene nur mit Achselzucken und einem verächtlichen Grinsen
quittiert.
Weder Amnesty International noch offizielle Vertreter der Uno-Vollversammlung
waren bisher für eine Stellungname zu dem Fall zu erreichen.
Ein ungenannt bleiben wollender Vertreter der Gattung Tapinella allerdings
liess sich schliesslich zu dem Ausspruch hinreissen: "Das ist doch
nur ein Sturm im Waserglas. In einem halben Jahr wird irgend ein armer
Irrer ihn zu Tapinella zurückstecken, und das Thema ist beendet."
Stimmt: Nur - wie es dem armen Herrn Tapinella - pardon: Atrotomentosa dabei
geht - das scheint niemanden zu kümmern...
Gruss, Harald Andres