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Das letzte Geleit *PIC*

Ingo, (vor 6846 Tagen)

Hallo Pilzfreunde,

eigentlich gehört diese Notiz an den Beitrag "Der Letzte Kreuzzug" vom vergangenen
Sonntag angehängt. Allerdings würde ich damit diejenigen Pilzfreunde vor den Kopf
stoßen, die keinen Bock haben, sich durch die Threadenden zu hangeln, aber Interesse
an substantiellen Botschaften haben.

Irgendwie hatte ich ja so etwas wie einen Vorschlag zur Taxonomie der Arten
Tricholoma striatum und Tricholoma batschii unterbreitet. Beides Arten mit
Pseudoringzone.

Ein wenig offen blieb die Thematik mit der Typusart dieser Sektion.
Tricholoma albobrunneum - weissbrauner Ritterling.
Wo kommt er her, wo geht er hin, und überhaupt, was tut er gerade?!

Hier ist das Bild zur Namensgebung von Persoon:

[image]

Sehen die vielleicht aus wie die Exemplare von Schäffer? Vergleicht man die
abgebildete Art mit den von mir aufgefundenen Ritterlingen, die bei mir unter
T. stans gehen, sind schon mehr Ähnlichkeiten vorhanden.

Allerdings habe ich diese niemals büschelig und mit solch verdrehten Stielen
angetroffen. Mein Eindruck ist, dass der gute, alte Persoon hier eine andere Art zeigt.
Nämlich Tricholoma ustale, den Brandigen Ritterling. Etwas ähnlich können auch
Gelbblättrige Ritterlinge oder Raslinge aussehen.

Hier ein Auszug aus der gängigen Literatur:

R.M. Dähncke 1200 Pilze: (Persoon.: Fries) Kummer / Syn. striatum (Schff.) Quelet

BW Pilze Band 3: (Persoon 1801: Fries 1821) Kummer 1884 / T. striatum (Schff. 1762)

Schön durchgemischt, nicht wahr?
Beide Abbildungen sind als Ursprung angegeben. Für die selbe Art.
Etwas besser: F. Gröger: (Persoon: Fries) Kummer
allerdings mit Ringzone beschrieben!

Wäre es nicht möglich, daß der Namensgeber, auf den sich die meisten Autoren
heutzutage berufen, T. ustale oder Ähnliches darstellt?

A. Riva und M. Bon jedenfalls haben dieses Abbild nicht als Urmutter für diese
Art akzeptiert, Und sie werden ihre Gründe gahabt haben.

Persönlich kann ich das zwar nicht einschätzen. Folgen kann ich dieser
Vorgehensweise aber schon.

Vielleicht werde ich demnächsst eine Kerze anbrennen, und dem albobrunneum
gebührend gedenken.

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Re: Das letzte Geleit

Andreas ⌂, (vor 6846 Tagen) @ Ingo

Hallo Ingo,

nur in Kürze und ohne etwas selbst nachgeschlagen zu haben:
Wenn der name von Fries sanktioniert ist (was ja hier der Fall ist), dann musst das Pferd von der Seite her aufzäumen. Maßgeblich ist dann, was hat FRIES darunter verstanden. Welche Tafeln zitiert er, auf wen beruft er sich? Und wenn aus seiner beschreibung klar hervorgeht, welche Art gemeint ist und wenn diese Interpretation sich seit Fries relativ konstant bis heute erhalten hat, dann MUSS der Friesschen Interpretation gefolgt werden, auch wenn bezweifelt werden kann dass Fries die Art im Sinne des Originalautors versteht.
Ein solches Beispiel wäre Boletus erythropus (Persoon : Fr.). Die Interpretation von Fries als Flockenstieliger Hexenröhrlign ist unzweifelhaft und wurde fast einheitlich so auch bis heute akzeptiert. Nur dass dummerweise die Persoonsche tafel, auf der der name ja gründet, vermutlich den Glattstieligen Hexenröhrling darstellt ... Da dies aber erstens nicht völlig zweifelsfrei ist und zweitens der Stabilität der Nomenklatur mehr gedient ist, den Namen erythropus für den Flocki beizubehalten (auch wenn falsch interpretiert), so soll das auch so gemacht werden.

Ob Tricholoma albobrunneum auch so ein klarer Fall ist? Ich bezweifle es. Vermutlich werden die meisten Mykologen die sich mit der Gattung auseinandersetzen, das Taxon als "nomen dubium" oder als "nomen confusum" verwerfen wollen. Man muss jeden Fall eizeln abwägen, schauen was der Stabilität der Nomenklatur mehr dienlich ist. Und in diesem Fall sollte man auch bedenken, wie sicher denn die Bestimmung der Typustafel ist. Man kann sicher sagen, dass es sich um keine der Arten mit abgesetzter Stielspitze handelt. Mehr aber nicht, jedenfalls nicht vom Bild her. Aber vielleicht gibt der text mehr Hinweise? Oder spätere Veröffentlichungen des Autors, die erkennen lassen was er damit meinen könnte? Muss man alles berücksichtigen.

Sehr langwierige Recherchen nach alten Originalquellen, die schwer zu erreichen sind. Um dann nach drei jahren aus eigener Anschauung sagen zu können: Dieses Taxon ist zu konfus um es sinnvoll anwenden zu können ....
Aber wenn man sich nicht auf die Meinung der Monografien verlassen will, dann geht's halt nicht anders. Und natürlich ist es durchaus legitim, auch die Interpretationen der Großen auf die Prüfwaage zu legen.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Das letzte Geleit

Ingo, (vor 6846 Tagen) @ Andreas

nur in Kürze ...

Hallo Andreas,
danke für die "kurze" Antwort. Mir ist auch schon aufgefallen, dass sich solche
Themen nicht in zwei normal langen Absätzen abhandeln lassen.
Ich habe überhaupt so meine Zweifel, ob das Ganze, selbst für das Fachpublikum
hier, verständlich ist.

und ohne etwas selbst nachgeschlagen zu haben: Wenn der name von
Fries sanktioniert ist (was ja hier der Fall ist), dann musst das Pferd
von der Seite her aufzäumen. Maßgeblich ist dann, was hat FRIES darunter
verstanden. Welche Tafeln zitiert er, auf wen beruft er sich? Und wenn aus
seiner beschreibung klar hervorgeht, welche Art gemeint ist und wenn diese
Interpretation sich seit Fries relativ konstant bis heute erhalten hat,
dann MUSS der Friesschen Interpretation gefolgt werden,

Gerade das scheint hier das Problem zu sein.
Nicht wenige Autoren sind der Ansicht, dass Fries 1821 den T. striatum von
J.Ch.Schäffer zum albobrunneum umtituliert hatte.
Andere tendieren dazu, dass er die Persoon'sche Version sanktionierte.
Ganz raffiniert sind die Autoren, die das so oder ähnlich ausdrücken:
T.albobrunneum (Persoon: Fr)Kummer 1884 / T. striatum (Schff)

Ganz haarig wird der Fall, wenn diese Konfusitäten dazu führen, dass
der albobrunneum von Persoon mit dem heutigen T. stans vermixt wird.
Man sollte nicht außer acht lassen, dass Stans eine Erfindung von
Elias Fries himself ist. Irgendwann um 1870 hatte er aus T. pessundatum
eine Variante montana und als neue Art Tricholoma stans heraussortiert.

Aber wenn man sich nicht auf die Meinung der Monografien verlassen will, dann
geht's halt nicht anders.

Hab' ich auch nicht gemacht. Im Gegenteil. Ich finde die Ansichten
aus der RIVA Monographie sehr passend. Auch wenn man dort die Interpretation
der "Alten Männer" mitunter in Frage stellt. Schließlich scheint sich der Autor
immens mit der Situation auseinander gesetzt zu haben.

Leider sind die weitergehenden Erläuterungen zur Taxonomie der Arten nur
in italienisch verfasst. Vielleicht habe ich mal die Zeit, ein kostenloses
Übesetzungsprogramm zu suchen.

Soweit bin ich aber ganz zufrieden mit den Ergebnissen, die mir das
Ritterlingsbuch beschert hat.

Grüsslis Ingo