Hallo Klaas!
darf ich euch wieder mit einigen Funden und Fragen nerven?
Vor den Pilzen gleich schon Fragen: Seit meinem Chemie-Untericht ist schon
einige Zeit vergangen, daher hab ich Probleme, zwischen "Chlor,
Ammoniak, nitrös, alkalisch" zu unterscheiden. Gibt es dazu
alltagstaugliche Vergleichsmöglichkeiten?
Chlor, o.k. nach Schwimmbad, das bekomme ich noch hin.
Nitrös wäre dann wie an ner Dose Nitro-Verdünner zu schnuppern, oder wie? Und
die beiden anderen? Oder ist das eher zusammengenommen als allgemein
chemische Geruchs-Richtung zu verstehen?
Zu den "chemischen Gerüchen" der Pilze habe ich folgende Meinung:
Chlor riecht stechend und unangenehm. Echten Chlorgeruch gibt es aber nicht bei Pilzen. Der "Chlorgeruch" der Pilze ist der typische Geruch nach Schwimmbad, d. h. der Geruch nach Hypochloriger Säure, die beim Einleiten von Chlor ins Schwimmbadwasser entsteht.
Der Geruch von Nitroverdünner ist angenehm und keinesfalls nitrös. Nitrös ist der Geruch von konzentrierter Salpetersäure, der auf das in den braunen Dämpfen enthaltene Stickstoffdioxid zurückzuführen ist. Dieser Geruch ist ähnlich wie der Schwimmbadgeruch. Einen Nitratgeruch gibt es überhaupt nicht. Nitrate, die Salze der Salpetersäure sind geruchlos. Namen wie Nitrat-Helmling und Nitrat-Saftling sind also völlig falsch, da es sich bei diesen Pilzen um einen nitrösen Geruch handelt.
Ammoniakalisch ist ein Geruch nach Ammoniak = Salmiakgeist. Auch diesen Geruch gibt es bei Pilzen nicht. Der Ausdruck ammoniakalisch wird aber oft fälschlich gebraucht, wenn ein nitröser Geruch vorliegt.
Aminartig sind Gerüche nach Aminen, den organischen Abkömmlingen des Ammoniaks. Dazu gehören der fischartige Geruch nach Heringslake und der spermatische Geruch der Risspilze.
Die Bezeichnung "alkalischer Geruch" lasse ich mir gefallen, wenn damit der Waschküchengeruch nach Seifenlauge gemeint ist. (Natronlauge oder Kalilauge sind aber geruchlos.) Völlig abwegig ist diese Bezeichnung aber beim Alkalischen Rötling, bei dem ein nitröser Geruch vorliegt.
Auch einen Kampfergeruch habe ich bei Pilzen noch nie wahrgenommen. Der Kampfer-Milchling riecht nach Maggi und noch nicht einmal entfernt nach Kampfer. (Als Entschuldigung mag gelten, dass bei Vergabe des Namens noch niemand ahnen konnte, dass es mal eine Würze namens Maggi mit diesem Geruch geben könnte.)
Nummer 1
Diese Helmlinge stammen von letzter Woche, auf vergrabenen Holzresten/Ästchen
im moosigen Nadelwald.
Milchen wollten sie nicht, die Nase meiner Begleitung meinte (schwach)
alkalisch. Ich bin bei Mycena abramsii - Voreilender Helmling
hängengeblieben - kommt das hin?
Dann doch lieber nitrös, da ich den Pilz für den Zweisporigen Nitrat-Helmling (Mycena silvae-nigrae) halte. Den voreilenden Helmling gibt's meines Wissens nur im Laubwald.
Nummer 2
Diese Rötlinge (ja, sie haben rosa Sporenpulver) hatte ich dummerweise schon
versucht, den wahrscheinlichen Schmutzigen Rötelritterlingen im letzten
Beitrag unterzujubeln...
Hut bis ca. 5 cm, jung glockig, alt flach mit Buckel, teils
radialfaserig/seidig, dunkelbraun, beim Trocknen beige-braun ausblassend.
Lamellen frei, beigebraun wie der Stiel. Stiel hohl, brüchig, teils gedreht,
teils plattgedrückt. Geruch kaum, etwas süßlich.
Entoloma vernum - Frühlings-Glöckling, Frühlings-Giftrötling?
Entoloma sericeum - Dunkler Rasenrötling, Seidiger Rötling?
Hier noch ein paar aktuelle Fotos vom Standort auf einer Wiese. Kommt man
ohne Mikro näher an die Art ran?
Vom Bild her spricht nichts gegen den zweiten.
Nummer 3
Diese Woche im Moos am Rand eines Fichtenwaldes übergehend zu einer kleinen
Wiesenfläche.
Etwa 5 Exemplare, der größte Hut kleiner als 1 Cent, dunkelbraun (Trocken
z.T. fast weiß gefleckt), zum Rand hin heller braun und gerieft. Lamellen
breit angewachsen, entfernt, die Lamellen auf dem Foto sind nur scheinbar
gegabelt. Stiel dunkel wie der Hut, längsfaserig. Geruch stark nach Mehl.
Da weiß ich noch nicht einmal, in welcher Familie und Gattung ich zu
suchen habe...
Mir fällt dazu gar nichts ein. Ich glaube aber, Ingo liegt hier mit seiner Vermutung richtig.
Nummer 4
Ebensowenig kann ich mit denen hier von gestern anfangen, im
Kiefern-/Fichtenwald auf vergrabenen Holzstückchen.
Geruch würzig, etwas süßlich, erinnerte mich gestern abend irgendwie an
Stockschwämmchen?
Hut bis ca.2,5 cm, kegelig, braun, zum Rand hin weiß-seidig/filzig, Rand
leicht wellig, auf der Hutmitte fast alle mit einer stieldicken, dem Stiel
gleichfarbenen gelblichen Warze. Stiele hohl, faserig-brüchig. Lamellen
hellbraun, weißlich gefleckt.
Ich tippe hier auf einen Rötling. Seit Jahren finde ich etwas Ähnliches regelmäßig im Herbst in Fichtenwäldern auf vergrabenen und selten auch auf freiliegenden Ästchen. Bei der Bestimmung mit dem Moser lande ich stets im Nichts, nur wenn ich mir die spärlichen Cheilozystidenden weg- und eine ausgeprägte Papille dazudenke, komme ich zu Entoloma cuneatum, wenn ich mir aber den fehlenden Mehl- oder Trangeruch dazudenke (der bei dem Pilz aber immer fehlt), komme ich bei völliger Übereinstimmung der Mikromerkmale stets zu Entoloma hirtipes. Mit der Abbildung in PdS hat er keine Ähnlichkeit, aber von der Abbildung im Ryman/Holmasen ist er nicht zu unterscheiden. Eine Bestimmung mit dem Horak oder Gröger habe ich noch nicht versucht. Diese wird mir dann hoffentlich des Rätsels Lösung bringen.
Die rotbraune Färbung des Pilzes auf dem 4. Bild passt jedoch schlecht zu den 3 anderen Bildern und meiner Vermutung. Aber an Ingos Vorschlag (Phaeocollybia) glaube ich hier nicht.
Nummer 5
Helmlinge von gestern, bei Kiefern auf liegendem, morschen, (Kiefern-?)Stamm,
Geruch sehr stark nach Chlor(?),
Stiel gleichmäßig (heller) braun wie der Hut gefärbt. Irgendetwas um Mycena
alcalina/capillaripes/leptocephala/stipata/abramsii?
Gehts anhand der Bilder genauer?
Siehe Nr. 1
Viele Ostergrüße und ein lustiges Eiersuchen für alle, die beim Lesen bis hierher durchgehalten haben.
Schnuffel