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Katastrophe *PIC*

Thomas Pruß, (vor 6653 Tagen)

Moin zusammen,
am letzten Donnerstag ist hier in NF beinahe die Welt untergegangen. Zwei Unwetterzellen zogen über den Kreis, eine Dritte konnte ich auf der Heimfahrt beobachten, die in Dithmarschen und hier besonders in Heide etliche Zerstörungen anrichtete:
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(Foto Kontrast-verstärkt)
Die Sicht geht von der Brücke über den Nord-Ostsee-Kanal bei Hochdonn Richtung WSW. Rechts von der Mitte kann man am Horizont die Windräder bei Brunsbüttel gerade noch erahnen. Die Zelle zieht langsam von links ins Bild.
Als wir auf Höhe St. Michaelisdonn waren, hatte die Zelle bereits den gesamten Horizont erfasst. Es war eine fast strukturlose schwarze Wolkenwand, in die mächtige Hagelschauer eingebettet waren (Bilder konnte ich aus dem fahrenden Zug nicht machen). Mit einer Frequenz von mehr als hundert Blitzen/Minute flackerten Gewitter, meist in den Wolken. Erdblitze waren dagegen selten. Das Licht in den Hagelzellen schimmerte olivgrün und ließ nichts Gutes erwarten.
Als wir in Heide ankamen, fing es gerade an zu tröpfeln, doch auf der Weiterfahrt gerieten wir voll in den Kern des Unwetters. Die Sicht war auf etwa 20 m begrenzt und was man von der Landschaft sehen konnte war wie in ein algentrübes Aquarium getaucht. In Lunden öffneten wir kurz die Türe: Der Regen fiel senkrecht wie aus einer Duschbrause – es war absolut windstill. Zu dieser Zeit aber fegten keine 20 km weiter zurück enorme Windböen durch Heide und fällten dort zahlreiche Bäume.
In Friedrichstadt angekommen, fiel der Regen so dicht, dass ich auf den 5 m zwischen Zug und Auto bis auf die Haut durchnässt wurde. Dabei war das nur ein müder Abklatsch von dem, was am frühen Nachmittag über uns hinweg gezogen war:
Innerhalb einer halben Stunde fielen in Seeth mehr als 50 l Regen/qm, allerdings regnete es auch gut anderthalb Stunden lang bei der ersten Zelle, anderthalb Stunden bei der zweiten, die ebenfalls so viel Wasser brachte und gute 3 Stunden bei der dritten, die ich erlebte. Die dritte brachte auch noch gute 40 l Wasser/qm/halbe Stunde. Die Straßen in Seeth waren randvoll mit Wasser und glichen reißenden Kanälen. In den Ecken lagen kirschgroße Hagelkörner von den beiden ersten Zellen, und so sah unsere Terrasse aus als ich heim kam:

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Das Wassers stand bündig mit der Terrassentür. Zum Glück ist die dicht, und die Kinder hatten von innen Handtücher davor gelegt, so dass wir keinen Wassereinbruch hatten.
(Das Foto musste ich stark bearbeiten, denn es war fast so dunkel wie in der Nacht, dabei war es erst 19.45 Uhr).

Hier noch mal die Terrasse aus der Fisch-Perspektive (in der Tat fand ich einen meiner Goldfische aus dem Gartentümpel am nächsten Tag 15 m weiter vor der Hintertüre unseres Blumenladens. Der konnte da einfach so hin schwimmen, das Wasser stand über knöchelhoch auf der Terrasse).
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Unser Brunnen war randvoll, so dass das Wasser nicht ablaufen konnte.

Hagel lag noch zwei Tage später in geschützten Stellen. Diese Hagelkörner fotografierte ich am Freitag beim Aufräumen.
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Der Hagel hat große Maisschläge und Getreidefelder vollkommen vernichtet, und die Köge an der Eider hatten wahrscheinlich seit den Sturmfluten vor dem Bau der Eiderabdämmung bei Nordfeld nicht mehr so viel Wasser gesehen. Immer noch steht dort ein großer See, obwohl alle Pumpwerke an den Sielzügen seit Donnerstag auf Hochtouren laufen.
Aber so viel Glück wie wir hatten nicht alle: In Schwabstedt an der Treene war die Straße am Fluss überflutet. Das Wasser hatte sich den direkten Weg vom Geesthang durch die Häuser gesucht. In Drage wurde der Heizölkeller eines Altenheims geflutet, die Öltanks schwammen auf. Und bei einem Landwirt hatte ein Blitzschlag die ISDN-Anlage durchs Wohnzimmer geschossen. Allein aus einer Ferienwohnung pumpte die Feuerwehr 50 Kubikmeter Wasser ab.
Bei so viel Wasser und gemäßigten Temperaturen wie sie schon seit etwa 3 Wochen bei uns herrschen, hätte man meinen sollen, dass die Pilze förmlich explodierten.
Und so machte ich mich hoffnungsfroh am Sonntag auf den Weg. Das Ergebnis war pilztechnisch ebenfalls eine Katastrophe:
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Die Ästchen-Zwergschwindlinge (Marasmiellus ramealis) waren wirklich die einzigen Pilze, die ich bei einer einstündigen Durchmusterung des Ostenfelder Waldes finden konnte. Allerdings wuchsen die in Massen überall dort, wo tote Bromberranken lagen.
Ich muss mich also weiter gedulden, bis die Pilze sich endlich dazu durch ringen zu wachsen.
Vielleicht erwächst ja aus diesen Unwetter-Katastrophen noch was Gutes
Grüßlis
Thomas

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Alter, was geht denn bei Euch ???

Jogi, (vor 6653 Tagen) @ Thomas Pruß

Solche Szenarien habe ich oft im Fernsehen gesehen, aber wir hier in
Ostfriesland sind bislang (teu, teu, teu) verschont geblieben...

Grüße

Jogi

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Re: Alter, was geht denn bei Euch ???

Thomas Pruß, (vor 6652 Tagen) @ Jogi

Moin Jogi,
wir kennen hier solche Szenarien eigentlich auch nur aus dem TV. Normalerweise fehlt es in dem "Land zwischen den Meeren" aufgrund der großen Wasser- und geringen Landmasse an Konvektion, um solche Unwetter zu starten. Aber die Zellen entwickelten sich ja +/- in eurer Gegend und hatten dann genügend Schwung, um über die Nordsee zu kommen.
Allerdings gibt es in Schleswig-Holstein übers Jahr gesehen auch einige Tornados. Das ist aber nicht ungewöhnlich, und die meisten entwickeln sich mehr in Richtung Landesmitte und im Süden, sprich: Im Kreis Neumünster, Plön, Steinburg oder dem Herzogtum Lauenburg. Ohnehin zählt Norddeutschland (nördliches NRW, NDS, SH, Sa-An, McPomm und BRB) zu den tornadoreichsten Gebieten Europas. Zitat aus der Unwetterseite von Thomas Sävert (sehr, sehr lesenswerte Seiten übers Wetter unter http://www.saevert.de/index.html : "Nach bisherigen Berichten ging man davon aus, dass bei uns in Deutschland nur selten mal ein Tornado vorkommt oder die Tornados wurden als vermeintlich harmlose Windhosen bezeichnet, schwächer als die Tornados in den USA. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Pro Jahr richten mehrere dutzend Tornados in Deutschland Schäden an. Etwa 5 bis 10 Tornados erreichen bei uns die Stufe F2 (ab 185 km/h) auf der Fujita-Skala. Im langjährigen Mittel muss etwa alle zwei Jahre mit einem Tornado der Stärke F3 und alle 20 Jahre mit einem F4-Tornado gerechnet werden. Ein F5-Tornado ist zumindest nach den bisher vorliegenden Daten ein Jahrhundertereignis. Bisher sind mindestens zwei Fälle in den Jahren 1764 (Mecklenburg) und 1800 (Sachsen) bekannt.
Ich konnte bei uns in den letzten 10 Jahren 2 Tornados der Stärke F 0 und F 1 beobachten. Und jeden Sommer gibt es Gewitterzellen, die durch interessante Funnels auffallen (Funnels sind "Tornados, die den Boden nicht erreichen). Alles in allem kann man auch ohne Unwetter sagen, dass das Wettergeschen an der NF-Küste ziemlich abwechslungsreich ist.
Grüßlis
Thomas

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Gestern bei uns

zuehli ⌂, (vor 6652 Tagen) @ Jogi

Gestern zog bei uns mit heftigsten Regenfällen auch ein Tornado durch. In einem Wetzlarer Stadtteil hat er den Tennisplatz plattgemacht. Alle Zäune umgedrückt. Bäume sind angeflogen gekommen und etliche Dächer sind abgedeckt. Die Stühle vom Restaurant sind bis ins Nachbardorf geflogen. Was mich besonders beeindruckt hat, ein großer (!) Container wurde auf den Kopf gedreht und fünf Meter von seinem Standplatz gewirbelt. Sah aus wie nach einem Bombenangriff. Die Windhose ist dann weiter nach Gießen gezogen und dort weiteres Unheil angerichtet.

Unglaublich!
Gruß Harald

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Re: Gestern bei uns

Thomas Pruss, (vor 6652 Tagen) @ zuehli

Moin Harald,
gibt’s Fotos von dem Tornado/von den Schäden? Gerade die Schadenfotos sind wichtig um die Intensität des Tornados bestimmen zu können.
Die Jungs und Mädels im WZ-Forum würden sich freuen, ebenso der Thomas Sävert und die von TorDach.
Grüßlis
Thomas

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Re: Gestern bei uns

zuehli ⌂, (vor 6652 Tagen) @ Thomas Pruss

Moin Thomas,

da waren ein paar die fotografiert haben, ich hatte meine Kamera aber nicht dabei...

Hier der kurze Bericht.

Gruß Harald

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Wie man sieht...

zuehli ⌂, (vor 6652 Tagen) @ Thomas Pruss

... das war ordentlich!
Ich hoffe das Piwos Haus unbeschadet davon gekommen ist, er ist nämlich in Urlaub.

Besten Dank für den Link, Thomas.

Gruß Harald

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Re: Wie man sieht...

Thomas Pruß, (vor 6651 Tagen) @ zuehli

Ich hoffe das Piwos Haus unbeschadet davon gekommen ist, er ist nämlich in
Urlaub.

Ach du Sch…! Na, dann hoffen wir mal alle das Beste. Zum Glück ist so eine Tornadoschneise nicht sehr breit, und da sollten die Chancen, dass Piwos Haus – wo immer das steht – schadlos davon gekommen ist, groß sein.
Grüßlis
Thomas

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Sehr angenehm!

Thomas Pruss, (vor 6651 Tagen) @ zuehli

Moin Harald,
das ist ja mal ein sehr gut geratener Bericht über einen Tornado: keine Sensationshascherei, keine Panikmache. Und vor allem sind die Fakten richtig.Dem HR muss Respekt zollen.
Grüßlis
Thomas

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Erbarmen,...

zuehli ⌂, (vor 6651 Tagen) @ Thomas Pruss

... die Hesse komme!
Ja, da kann man sehen, daß zumindest der Hessische Rundfunk es besser auf die Reihe kriegt als die hessischen Politiker. Da steht uns ja noch was bevor...

Beste Grüße
Harald