Hallo Schnuffel,
meiner Meinung ist im Glimmer-Tintling kein Coprin nachgewiesen worden. Du
scheinst andere Bücher zu haben, in denen anderes steht. Kannst Du mir
sagen, wer das behauptet?
beste Grüße,
Andreas
Hallo Andreas,
bis auf den Artikel von Laatsch und vielleicht noch das erste Buch hast Du sicher alle anderen.
In Roth-Frank-Kormann, Giftpilze-Pilzgifte, ecomed Verlagsgesellschaft (1990), S. 62 steht:
Nach Alkoholgenuss sind auch C. alopecia Lasch, Hundsräude-T. und C. micaceus (Bull. ex Fr.) Fr., Glimmer-T. giftig.
In M. Bon, Pareys Buch der Pilze, S. 727 steht unter Glimmer-T:
In Verbindung mit Alkohol giftig wie C. atramentarius.
In E. Gerhardt, Der Große BLV-Pilzführer, S. 346 steht unter Glimmer-T.:
Giftig in Verbindung mit Alkohol, sonst ungiftig.
In H. E. Laux; Der große Kosmos Pilzführer S. 290 steht unter Glimmer-T.:
Kein Speisepilz; in Verbindung mit Alkohol schwach giftig.
In Michael/Hennig, Handbuch für Pilzfreunde, I. Band, VEB GUSTAV FISCHER VERLAG JENA (1958), S. 50 steht:
Merkwürdige Vergiftungen zeigten sich nach dem Genuss des Falten-T. (C.atramentarius) und des Glimmer-T. (C. micaceus), wenn während oder nach der Mahlzeit Alkohol genossen wurde.
In einem Artikel von H. Laatsch, "Wie giftig sind unsere Speisepilze" – Teil 1 – in "forum mikrobiologie 10/90, S. 460" finden sich auf S. 463 quantitative Angaben über den Coprin-Gehalt:
"In einem Screening von etwa 20 Spezies der Gattung Coprinus wurde Coprin zunächst nur in C. quadrifidus, C. variegatus und C. insignis (= C. alopecia) gefunden. [HATFIELD, G.M.: Toxic mushrooms. Toxic Plants, [Symp.], Meeting Date 1977, Kinghorn, A. Douglas (eds.), Columbia Univ. Press, Irvington-on-Hudson, N.Y., 7-58 (1979)], bei einer erneuten Überprüfung jedoch in wechselnden Mengen auch im Schopftintling (C. comatus, 26 mg/kg Frischgewicht), C. picaceus (34 mg/kg),C. disseminatus (30 mg/kg und C. micaceus (26 mg/kg) nachgewiesen; kein Coprin (<12 mg/kg) war dagegen in C. xanthothrix enthalten. [LAATSCH, H., MATTHIES, L.: in Vorbereitung]"
Als Vergleichswert wird C. atramentarius (130 mg/kg) genannt.
Nach diesem Artikel weisen Glimmer- und Schopftintling 20 % des Coprin-Gehalts des Faltentintlings auf. Der Glimmertintling wird jedoch (auch ohne Bezug auf Alkoholgenuss) mancherorts als schwach giftig bezeichnet (Z. B. S. Ryman/I. Holmåsen, Pilze, S. 426).
In R. Lüder, Grundkurs Pilzbestimmung, S. 308 steht:
Auch der Glimmer-Tintling galt lange Zeit als giftig in Verbindung mit Alkohol.
Möglicherweise liegt dieser Aussage der obige Befund zu Grunde, dass der Glimmer-T. und der nie verdächtigte Schopf-T. den gleichen Coprin-Gehalt aufweisen.
Mein Vorschlag. Bei lästigem Besuch mal Glimmer-Tintlinge mit Alkohol für die Gäste servieren.
Gruß - Schnuffel