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Orbilia aprilis *PIC*

Ingo Wagner, (vor 6472 Tagen)

Hallo!

Heute wieder eine Orbilia, Orbilia aprilis (April-Knopfbecherchen). Makroskopisch fällt die gezackte Außenseite auf, damit fallen schon mal die glatten Orbilien weg.
[image]
gefunden an ansitzendem Aststück von Weide, wahrscheinlich gut verbreitet.

Mit Sporen, die vom Kopfteil allmählich in den Schwanzteil übergehen, gelangt man in die Gruppe um vinosa. Glücklicherweise schließen sich Nachbararten auch anders aus, so dass ich die SCBs (cytoplasmic bodies) in den Sporen nicht nach ihrer Form beurteilen muss (könnte ich auch gar nicht, viel zu klein).
Mikroskopisch hat er kleinere Sporen als Orbilia vinosa (Weinrotes Knopfbecherchen).
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VG Ingo W

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Re: Orbilia aprilis

Lothar, (vor 6471 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

Deine heutige Orbilia aprilis (die ich auch schon ein paarmal fand) möchte ich zum Anlass für ein Lob nehmen. Deine Beiträge zu Ascomyceten mit den sehr ausgiebigen Mikrodarstellungen sind mit das Beste, was das Forum hier zu bieten hat (und ich muss zugeben, ich lade sie mir jedes Mal herunter ;-) *g*).

Apropos spore bodies: immerhin kann man auf Deinem Bild erkennen, dass diese nicht stark verlängert, sondern grob in etwa rundlich sind. Aber Du hast recht: bei Orbilia kommt man oft an die optische Auflösungsgrenze des mikroskopbewehrten Auges - es sei denn, man heißt Zotto!

LG von Lothar

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Re: Orbilia aprilis

Ingo Wagner, (vor 6471 Tagen) @ Lothar

Hallo Ingo,
Deine heutige Orbilia aprilis (die ich auch schon ein paarmal fand) möchte
ich zum Anlass für ein Lob nehmen. Deine Beiträge zu Ascomyceten mit den
sehr ausgiebigen Mikrodarstellungen sind mit das Beste, was das Forum hier
zu bieten hat (und ich muss zugeben, ich lade sie mir jedes Mal herunter
;-) *g*).

Höre ich gerne, da ich auch an den Lesezahlen sehe, dass meine Winzlinge nicht zu den begehrtesten Pilzen gehören.

Apropos spore bodies: immerhin kann man auf Deinem Bild erkennen, dass diese
nicht stark verlängert, sondern grob in etwa rundlich sind. Aber Du hast
recht: bei Orbilia kommt man oft an die optische Auflösungsgrenze des
mikroskopbewehrten Auges - es sei denn, man heißt Zotto!

Hast du eine Ahnung mit was für einen Mikroskop der Zotto arbeitet, dass er soviel sieht? Denn ich habe ja schon Probleme bei Sporen unter 3-4my, die ordentlich auszumessen, aber darin noch SCBs in Form, Größe und Farbe beurteilen? Ist mir irgendwie ein Rätsel.

VG Ingo W

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Re: Orbilia aprilis

Lothar, (vor 6471 Tagen) @ Ingo Wagner

Hast du eine Ahnung mit was für einen Mikroskop der Zotto arbeitet, dass er
soviel sieht?

Frag mich lieber, mit was für Augen er kuckt. Vermutlich hat die natürliche Selektion der Mykologen bei ihm für eine neue Mutation in Richtung von ca. 15fach verbesserem Mikroskopsehen geführt.
Er hat sicher kein besseres Mikroskop als "Du und ich".

Ist mir irgendwie ein Rätsel.

Mir manchmal auch.

Lothar

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:-) *oT*

Ingo Wagner, (vor 6471 Tagen) @ Lothar

- kein Text -

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Re: Orbilia aprilis

Andreas ⌂, (vor 6470 Tagen) @ Ingo Wagner

Höre ich gerne, da ich auch an den Lesezahlen sehe, dass meine Winzlinge
nicht zu den begehrtesten Pilzen gehören.
Hast du eine Ahnung mit was für einen Mikroskop der Zotto arbeitet, dass er
soviel sieht? Denn ich habe ja schon Probleme bei Sporen unter 3-4my, die
ordentlich auszumessen, aber darin noch SCBs in Form, Größe und Farbe
beurteilen? Ist mir irgendwie ein Rätsel.
VG Ingo W

Hallo Ingo,

Zotto hat ein Zeiss Mikroskop, etwas älterer Bauart, den Typ weiß ich aber nicht. Er hat es schon vor Ewigkeiten auf LED-Beleuchtung umgebastelt, bzw. Guy Marson hat das gemacht, wenn ich's richtig weiß.
Ich glaube ein guter Teil der Qualität ist einfach genügend Licht in den hohen Vergrößerungen und da ist Zottos Mikroskop top. Dazu ein optimal eingestellter Kondensor, genaue Zentrierung etc., da kann man einiges rausholen.
Die Lichtqualität schwankt übrigens beim selben Mikroskoptyp auch ein wenig, habe ich zumindest den Eindruck, denn ich habe schon mehrere CH2 z.B. benutzt und habe das Gefühl, dass keines so hell ging wie meines.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Orbilia aprilis *PIC*

zotto, (vor 6449 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo!
Heute wieder eine Orbilia, Orbilia aprilis (April-Knopfbecherchen).
Makroskopisch fällt die gezackte Außenseite auf, damit fallen schon mal
die glatten Orbilien weg.

gefunden an ansitzendem Aststück von Weide, wahrscheinlich gut verbreitet.
Mit Sporen, die vom Kopfteil allmählich in den Schwanzteil übergehen, gelangt
man in die Gruppe um vinosa. Glücklicherweise schließen sich Nachbararten
auch anders aus, so dass ich die SCBs (cytoplasmic bodies) in den Sporen
nicht nach ihrer Form beurteilen muss (könnte ich auch gar nicht, viel zu
klein).
Mikroskopisch hat er kleinere Sporen als Orbilia vinosa (Weinrotes
Knopfbecherchen).

VG Ingo W

Hallo zusammen

da muss ich mich doch auch mal melden (Dank an Guy, der hier ab und zu reinschaut). Also meine Augen sind sicher nicht besser als andere, zumindest haben die Muskeln schon stark nachgelassen, sodass ich seit Jahren mit dreierlei Brillen herumfuchtle. Zudem besitzt mein Mikroskop (noch) keine LED (nur das Bino), dafür aber eine 50W Halogen. Aber ich kann bestätigen, dass ich die SBs (= spore bodies, nicht SCBs, die gibts nur in Paraphysen und Excipulumszellen) auch in Evis Mikroskop sauber sehe (ein Pyramiden-Zeiss Standard mit 20 W Halogen). Warum man auf deinen übrigens wirklich sehr guten Mikrofotos keine SBs sieht, hat einen einfachen Grund: die Sporen sind tot. Das ist leider hin und wieder der Fall, auch bei frischgesammelten Pilzen. Aber halt, man sieht sie auf dem mittleren weniger vergrößerten Bild, wo die Sporen noch in den Asci sind.

Es liegt nicht selten auch an der Präpariermethode und dem verwendeten Medium, wenn man keine SBs sieht. Man braucht dazu nicht gleich KOH oder Lactophenol nehmen. Manche schwören z.B. auf L4, das aber auch recht rasch zum Absterben der Zellen führt. Also, liebe Pilzfreunde, bitte Frischpilze nur in Leitungswasser präparieren (oder destilliertes Wasser, oder physiologische Kochsalzlösung von mir aus, letzteres ist aber völliger Unsinn, weil Pilze Zellwände haben). Und wenig quetschen, damit auch die Asci und Paraphysen vital bleiben. Am besten sind Handschnitte mit der Rasierklinge, natürlich unterm Bino gemacht (20x), sonst kriege auch ich keine hin.

Auf meinem Bild von O. aprilis (aus Hirschau-Oberpfalz, auf ansitzendem Betula-Ast) dürfte wohl jeder die SBs erkennen. Das Foto ist bei kaum abgeblendetem Kondensor gemacht (mit der Coolpix 4500 bei minimalem Zoom, also recht geringer vergrößerung), ohne Kontrasthilfsmittel (zugegeben, ich habe den Kontrast der Aufnahme etwas erhöht). Tatsache ist, dass die SBs der Orbilien oft einen höheren Kontrast haben als die Sporenwand selber! Auch muss erwähnt werden, dass ich ein Phako-100x-Objektiv habe, allerdings ohne aktiven Phako (den benütze ich nie). Von diesem schwarzen Ring im Phako-Objektiv mag eine ganz geringe Kontraststeigerung herrühren.

Also, das A und O ist, die Fähigkeit zu erleren, zwischen tot und lebendig zu unterscheiden (individuell an jeder Zelle bzw. Spore) und vitale Präparate hinzukriegen (was letzteres sehr einfach ist). Dass die Unterschiede zwischen vital und tot oft krass sind, sieht man an diesem Beispiel.

Ingo, deine Bilder sind teilweise mit Kongorot eingefärbt, oder? Interessant ist die Anfärbung des Apikalverdickung der Asci, das ist nicht sehr gewöhnlich, dass das so klappt.

Also viel Spaß beim Ausprobieren!

Zotto

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Re: Orbilia aprilis

Ingo Wagner, (vor 6449 Tagen) @ zotto

Hallo zusammen
da muss ich mich doch auch mal melden (Dank an Guy, der hier ab und zu
reinschaut). Also meine Augen sind sicher nicht besser als andere,
zumindest haben die Muskeln schon stark nachgelassen, sodass ich seit
Jahren mit dreierlei Brillen herumfuchtle. Zudem besitzt mein Mikroskop
(noch) keine LED (nur das Bino), dafür aber eine 50W Halogen. Aber ich
kann bestätigen, dass ich die SBs (= spore bodies, nicht SCBs, die gibts
nur in Paraphysen und Excipulumszellen) auch in Evis Mikroskop sauber sehe
(ein Pyramiden-Zeiss Standard mit 20 W Halogen). Warum man auf deinen
übrigens wirklich sehr guten Mikrofotos keine SBs sieht, hat einen
einfachen Grund: die Sporen sind tot. Das ist leider hin und wieder der
Fall, auch bei frischgesammelten Pilzen. Aber halt, man sieht sie auf dem
mittleren weniger vergrößerten Bild, wo die Sporen noch in den Asci sind.
Es liegt nicht selten auch an der Präpariermethode und dem verwendeten
Medium, wenn man keine SBs sieht. Man braucht dazu nicht gleich KOH oder
Lactophenol nehmen. Manche schwören z.B. auf L4, das aber auch recht rasch
zum Absterben der Zellen führt. Also, liebe Pilzfreunde, bitte Frischpilze
nur in Leitungswasser präparieren (oder destilliertes Wasser, oder
physiologische Kochsalzlösung von mir aus, letzteres ist aber völliger
Unsinn, weil Pilze Zellwände haben). Und wenig quetschen, damit auch die
Asci und Paraphysen vital bleiben. Am besten sind Handschnitte mit der
Rasierklinge, natürlich unterm Bino gemacht (20x), sonst kriege auch ich
keine hin.
Auf meinem Bild von O. aprilis (aus Hirschau-Oberpfalz, auf ansitzendem
Betula-Ast) dürfte wohl jeder die SBs erkennen. Das Foto ist bei kaum
abgeblendetem Kondensor gemacht (mit der Coolpix 4500 bei minimalem Zoom,
also recht geringer vergrößerung), ohne Kontrasthilfsmittel (zugegeben,
ich habe den Kontrast der Aufnahme etwas erhöht). Tatsache ist, dass die
SBs der Orbilien oft einen höheren Kontrast haben als die Sporenwand
selber! Auch muss erwähnt werden, dass ich ein Phako-100x-Objektiv habe,
allerdings ohne aktiven Phako (den benütze ich nie). Von diesem schwarzen
Ring im Phako-Objektiv mag eine ganz geringe Kontraststeigerung herrühren.
Also, das A und O ist, die Fähigkeit zu erleren, zwischen tot und lebendig zu
unterscheiden (individuell an jeder Zelle bzw. Spore) und vitale Präparate
hinzukriegen (was letzteres sehr einfach ist). Dass die Unterschiede
zwischen vital und tot oft krass sind, sieht man an diesem Beispiel.
Ingo, deine Bilder sind teilweise mit Kongorot eingefärbt, oder? Interessant
ist die Anfärbung des Apikalverdickung der Asci, das ist nicht sehr
gewöhnlich, dass das so klappt.
Also viel Spaß beim Ausprobieren!
Zotto

Hallo Zotto!

Schön, dass du wieder mal vorbeischaust, könntest du ruhig öfter machen! Ich weiß, die Zeit....
Dank auch für deine hilfreichen Ausführungen!

Über die sehr klare Anfärbung der Apikalverdickung sowohl bei vinosa als auch bei aprilis habe ich mich auch gewundert. Allerdings schaue ich Mollisien und Orbilien noch nicht so lange auch mikroskopisch an, deshalb fehlen mir da Erfahrungswerte. Ich denke aber, besonders empfänglich für diese Anfärbung mit Kongorot waren noch nicht ausgewachsene Asci.
Vielleicht liegt´s ja auch an den strengen Minustemperaturen dieses Winters?
Zumindest haben die gefundenen Orbilien dem frostigen Wetter recht gut getrotzt im Gegensatz zu einigen anderen Ascos.

VG Ingo W

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Re: Orbilia aprilis

zotto, (vor 6449 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Zotto!
Schön, dass du wieder mal vorbeischaust, könntest du ruhig öfter machen! Ich
weiß, die Zeit....
Dank auch für deine hilfreichen Ausführungen!
Über die sehr klare Anfärbung der Apikalverdickung sowohl bei vinosa als auch
bei aprilis habe ich mich auch gewundert. Allerdings schaue ich Mollisien
und Orbilien noch nicht so lange auch mikroskopisch an, deshalb fehlen mir
da Erfahrungswerte. Ich denke aber, besonders empfänglich für diese
Anfärbung mit Kongorot waren noch nicht ausgewachsene Asci.
Vielleicht liegt´s ja auch an den strengen Minustemperaturen dieses Winters?
Zumindest haben die gefundenen Orbilien dem frostigen Wetter recht gut
getrotzt im Gegensatz zu einigen anderen Ascos.
VG Ingo W

Hallo Ingo

Orbilia vinosa und aprilis sind trockentolerante Arten, die völliges Austrocknen über Mionate aushalten. Solche Fähigkeiten sind gerne mit Frosttoleranz gepaart. Selbst wenn die Fk. feucht sind, macht das den Pilzen nichts aus. Guy machte mal mit verschiedenen Ascos einen Frosttoleranz-Versuch bei Minus 20° für ein paar Stunden in einer Thermoskanne. Dabei hat selbst Ciboria caucus völlig überlebt, wenn sich die Minustemperaturen langsam einstellten.

Gruß Zotto