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Re: Orbilia aprilis

Ingo Wagner, (vor 6459 Tagen) 4.044 Beiträge @ zotto

Hallo zusammen
da muss ich mich doch auch mal melden (Dank an Guy, der hier ab und zu
reinschaut). Also meine Augen sind sicher nicht besser als andere,
zumindest haben die Muskeln schon stark nachgelassen, sodass ich seit
Jahren mit dreierlei Brillen herumfuchtle. Zudem besitzt mein Mikroskop
(noch) keine LED (nur das Bino), dafür aber eine 50W Halogen. Aber ich
kann bestätigen, dass ich die SBs (= spore bodies, nicht SCBs, die gibts
nur in Paraphysen und Excipulumszellen) auch in Evis Mikroskop sauber sehe
(ein Pyramiden-Zeiss Standard mit 20 W Halogen). Warum man auf deinen
übrigens wirklich sehr guten Mikrofotos keine SBs sieht, hat einen
einfachen Grund: die Sporen sind tot. Das ist leider hin und wieder der
Fall, auch bei frischgesammelten Pilzen. Aber halt, man sieht sie auf dem
mittleren weniger vergrößerten Bild, wo die Sporen noch in den Asci sind.
Es liegt nicht selten auch an der Präpariermethode und dem verwendeten
Medium, wenn man keine SBs sieht. Man braucht dazu nicht gleich KOH oder
Lactophenol nehmen. Manche schwören z.B. auf L4, das aber auch recht rasch
zum Absterben der Zellen führt. Also, liebe Pilzfreunde, bitte Frischpilze
nur in Leitungswasser präparieren (oder destilliertes Wasser, oder
physiologische Kochsalzlösung von mir aus, letzteres ist aber völliger
Unsinn, weil Pilze Zellwände haben). Und wenig quetschen, damit auch die
Asci und Paraphysen vital bleiben. Am besten sind Handschnitte mit der
Rasierklinge, natürlich unterm Bino gemacht (20x), sonst kriege auch ich
keine hin.
Auf meinem Bild von O. aprilis (aus Hirschau-Oberpfalz, auf ansitzendem
Betula-Ast) dürfte wohl jeder die SBs erkennen. Das Foto ist bei kaum
abgeblendetem Kondensor gemacht (mit der Coolpix 4500 bei minimalem Zoom,
also recht geringer vergrößerung), ohne Kontrasthilfsmittel (zugegeben,
ich habe den Kontrast der Aufnahme etwas erhöht). Tatsache ist, dass die
SBs der Orbilien oft einen höheren Kontrast haben als die Sporenwand
selber! Auch muss erwähnt werden, dass ich ein Phako-100x-Objektiv habe,
allerdings ohne aktiven Phako (den benütze ich nie). Von diesem schwarzen
Ring im Phako-Objektiv mag eine ganz geringe Kontraststeigerung herrühren.
Also, das A und O ist, die Fähigkeit zu erleren, zwischen tot und lebendig zu
unterscheiden (individuell an jeder Zelle bzw. Spore) und vitale Präparate
hinzukriegen (was letzteres sehr einfach ist). Dass die Unterschiede
zwischen vital und tot oft krass sind, sieht man an diesem Beispiel.
Ingo, deine Bilder sind teilweise mit Kongorot eingefärbt, oder? Interessant
ist die Anfärbung des Apikalverdickung der Asci, das ist nicht sehr
gewöhnlich, dass das so klappt.
Also viel Spaß beim Ausprobieren!
Zotto

Hallo Zotto!

Schön, dass du wieder mal vorbeischaust, könntest du ruhig öfter machen! Ich weiß, die Zeit....
Dank auch für deine hilfreichen Ausführungen!

Über die sehr klare Anfärbung der Apikalverdickung sowohl bei vinosa als auch bei aprilis habe ich mich auch gewundert. Allerdings schaue ich Mollisien und Orbilien noch nicht so lange auch mikroskopisch an, deshalb fehlen mir da Erfahrungswerte. Ich denke aber, besonders empfänglich für diese Anfärbung mit Kongorot waren noch nicht ausgewachsene Asci.
Vielleicht liegt´s ja auch an den strengen Minustemperaturen dieses Winters?
Zumindest haben die gefundenen Orbilien dem frostigen Wetter recht gut getrotzt im Gegensatz zu einigen anderen Ascos.

VG Ingo W

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