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Umfrage zu Giftigem im Garten

Alis ⌂, (vor 6355 Tagen)

Liebe Pilzfreunde,

ich habe vor einiger Zeit öffentlich folgendes geäußert:
"Gefährliche Giftpilze sind in Gärten seltener als giftige Pflanzen."
Der Hintergrund war, dass ich etwas der Volksmeinung entgegenwirken wollte, dass Pilze erst mal gefährlich sind. Und man bei Pflanzen sich anscheinend weniger Sorgen macht. Da zertreten besorgte Eltern Rindenmulchmorcheln und Andere haben vergeblich versucht, ein Massenaufkommen von voreilenden Ackerlingen auszureißen. Ich will natürlich mögliche Gefährdungen durch Pilze nicht verharmlosen. Aber ich habe erst ein einziges Mal Knollenblätterpilze in der Stadt auf einem Rasenstück gefunden. Und wenn ich mich recht entsinne, ein Mal eine Frühjahrslorchel. Ansonsten eher nur Heudüngerlinge und Ähnliches.
Dagegen überall Maiglöckchen, und auch Goldregen, Eiben und Ähnliches nicht selten.
Wie ist da eure Erfahrung?
Habe ich mich da vertan, (ist es regional unterschiedlich) oder seht ihr das auch so?

Infos zu Giftpflanzen gibt es zum Beispiel hier:
http://www.giftinfo.uni-mainz.de/gift_de/pflanzen/Index_Pflanzen.html
die Mainzer Pflanzenliste bietet eine tabellarische Übersicht.
Diese habe ich erst später entdeckt und mir dann auch das empfohlene Büchlein dazu gekauft. Es hat mich erstaunt, dass auch einige recht giftigen Pflanzen in der Praxis nicht so viel Schaden anrichten, weil meist nur geringe Mengen aufgenommen werden.
Beispiel Maiglöckchen: in der Statistik der GIZ Mainz gab es nur in 9 Prozent der Fälle Symtome, bei Goldregen 28 Prozent. Dazu wird beim Goldregen bemerkt, dass die vielen Fälle ohne Symtome auf schnelle ärztliche Hilfe zurückzuführen sind.

Gruß Alis

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Re: Umfrage zu Giftigem im Garten

Iris, (vor 6355 Tagen) @ Alis

Hallo Alis,

also bekannte Giftpilze wie z.B. die Knollenblätterpilze habe ich bisher auch in keinem Garten gefunden (und wir sind schon öfter umgezogen). Allerdings bereiten mir die „Kleinen Braunen“ die immer wieder im Rasen auftauchen da eher Kopfschmerzen. Da wüsste ich die Giftigkeit nicht einzuordnen. Man hört und liest ja immer wieder von bösen Verwechslungen, wenn Jugendliche Psilos sammeln.

Sonst sehe ich es ähnlich wie Du. Da meine beiden Kinder jetzt auch den Garten erforschen habe ich mich jetzt auch noch mal mit Giftpflanzen beschäftigt und war z.B. überrascht, dass der Lebensbaum (Thuja) sehr giftig ist (und Eibe, Efeu und Buchsbaum haben wir auch noch im Garten). Ich bin nur froh, das meine Beiden nicht zu sehr dazu neigen alles in den Mund zu stecken. Allerdings habe ich bei Deinem link erst mal einen Schreck bekommen als ich Gänseblümchen gelesen habe. Das ist aber zum Glück dann ja doch recht ungefährlich.

Viele Grüße

Iris

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Re: Umfrage zu Giftigem im Garten

Lothar, (vor 6355 Tagen) @ Iris

Hallo Alis,
ich finde auch, dass da viel Panikmache im Spiel ist. Wenn man so bedenkt, was wir (incl. der Kleinen) so ganz im "Normalbetrieb" so alles an Giftstoffen aufnehmen. Natürlich ist auch im Garten durchaus mit giftigen Pilzen, z.B. aus den Gattungen Inocybe und Galerina, zu rechnen. Insofern will ich das Problem auch nicht völlig verharmlosen. Diese Pilze sind aber eher klein und es gehört schon einiges dazu, dass ein kleines Kind tatsächlich einen kompletten Fruchtkörper oder gar mehrere davon vertilgt. (Grüne oder weiße) Knollenblätterpilze in Gärten habe ich noch nie gesehen, aber wenn Eichen oder Buchen im Garten sind, ist das natürlich nicht ausgeschlossen. ... Trotzdem: der Nachbarshund und vor allem der Straßenverkehr sind m.E. deutlich gefährlicher.
LG von Lothar

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Re: Umfrage zu Giftigem im Garten

Wolfgang P., (vor 6355 Tagen) @ Alis

ich habe vor einiger Zeit öffentlich folgendes geäußert: "Gefährliche
Giftpilze sind in Gärten seltener als giftige Pflanzen."

Hallo Alis,

grundsätzlich stimme ich Dir zu. Allerdings habe ich selbst Lepiota lilacea im Garten (wie wohl fast jeder hier im Rhein-Main-Gebiet).

Für Entwarnung gibt es also ebensowenig Anlass wie für die allgemein anzutreffende Panik.

Grüße,

Wolfgang

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Re: Umfrage zu Giftigem im Garten

Thomas Pruß, (vor 6355 Tagen) @ Alis

Moin Alis,
ich stimme dir zu. Wenns um Pilze geht, werden die Mamis hektisch, dass aber Goldregen und Efeu um einiges giftiger sind, wird entweder ausgeblendet (hach, die sind doch sooo schöön!), bzw. ist gar nicht bekannt. Um einiges giftiger meint natürlich in gleicher Menge: Von einem Heudüngerling geht man nicht tot, aber die gleiche Menge Efeu oder Eibe macht schon ganz schön Schaden. Als meine Schwägerin völlig aufgelöst zu mir kam, weil mein kleiner Meffe einen halben Heudüngerlingshut gegessen hatte, wies ich sie auf die wirklich giftigen Sachen im Garten hin, und sie war bass erstaunt.
Entwarnung bei den Pilzen zu geben ist zwar etwas stark ausgedrückt, aber man sollte die Kirche doch im Dorfe lassen.
Grüßlis
Thomas

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Re: Umfrage zu Giftigem im Garten

Lothar, (vor 6355 Tagen) @ Thomas Pruß

Hallo Thomas,
also mir ist überhaupt nicht bekannt, dass der Heudüngerling giftig sei (allenfalls roh unverträglich mit leichtem Magen-Darm-Effekt). Giftstoffe sind m.W. in dieser Art nicht nachgewiesen. Jedenfalls kein Psilocybin - falls man diese Substanz ernsthaft als Gift bezeichnen möchte (o.k. - für kleine Kinder ist sie vielleicht nicht harmlos. Allerdings dürfte auch für Babys 1 Frk. als Schwellendosis auch bei Psilocybe semilanceata kaum genügen).
Da gibts dann doch ein paar wirklich gefählichere Pilze in Gärten (wie ich schon erwähnte z.B. aus den Gattungen Inocybe oder Galerina).
LG von Lothar

Moin Alis,
ich stimme dir zu. Wenns um Pilze geht, werden die Mamis hektisch, dass aber
Goldregen und Efeu um einiges giftiger sind, wird entweder ausgeblendet
(hach, die sind doch sooo schöön!), bzw. ist gar nicht bekannt. Um einiges
giftiger meint natürlich in gleicher Menge: Von einem Heudüngerling geht
man nicht tot, aber die gleiche Menge Efeu oder Eibe macht schon ganz
schön Schaden. Als meine Schwägerin völlig aufgelöst zu mir kam, weil mein
kleiner Meffe einen halben Heudüngerlingshut gegessen hatte, wies ich sie
auf die wirklich giftigen Sachen im Garten hin, und sie war bass erstaunt.
Entwarnung bei den Pilzen zu geben ist zwar etwas stark ausgedrückt, aber man
sollte die Kirche doch im Dorfe lassen.
Grüßlis
Thomas

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Re: Umfrage zu Giftigem im Garten

Hagen Graebner, (vor 6354 Tagen) @ Lothar

Hallo zusammen,

Ich glaube, das Grundproblem ist, das bei Pilzen immer erstmal die Frage kommt: Kann man den essen? Macht bei Pflanzen keiner.

Wenn ich mich in meinem Garten so umsehe (und in denen der Nachbarschaft) steht da schon einiges an giftigen/giftverdächtigen Pflanzen: Stechapfel, Zaunrübe, Fingerhut, Klatschmohn, Raukenblättigres (?) Kreuzkraut, Goldregen, Kirschlorbeer, ...strenggenommen auch Tomaten und Kartoffeln.

Panik gibt es aber auch mit Pflanzen- ich erinnere mich an die Geschichte, dass vor einigen Jahren irgendwo Panik herrschte, weil angeblich auf Kinderspielplätzen Giftweizen ausgestreut worden wäre -es waren dann Efeu-Samen.
In unserer Zeitung wurde das Jakobskreuzkraut neulich mit einem Artikel gewürdigt mit der Überschrift: "Killerpflanze breitet sich in Deutschland aus "

Andererseits wird das wunderlichste Zeug als Wildgemüse gemampft. Irgendwie scheint ein allgemeiner "naturwissenschaftliche" Analphabetismus zu herrschen, aber ich weiß nicht, ob das jemals besser war.

Ich glaube, da kann man nur reden, reden, reden - ...und nicht aufgeben.

Gruß

Hagen

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Re: Umfrage zu Giftigem im Garten

Pilzmann, (vor 6354 Tagen) @ Alis

Liebe Alis,

in Marburg werden Freund Herbert und ich zwar selten aber wenn, dann überwiegend in die Kinderklinik gerufen. Kinder stecken halt vieles in den Mund. Manches schlucken sie dann auch runter.

Der sicherste 100 qm-Garten ist halt der, auf dem man 100 qm Beton angepflanzt hat. Aber selbst da gibt es noch jede Menge Schürfwunden und sukzessive Tetanus. Die beste Lebensversicherung für Kinder ist allezeit die ständige Wachsamkeit liebevoller Eltern! Wenn aber mal ein Pilzchen angebissen wurde ist die wichtigste Regel: „Don’t panic!“ oder um es auf Deutsch zu sagen: „Ruhe bewahren!“

Die Giftigkeit eines Pilzes, einer Pflanze ist nie absolut, sondern bemisst sich nach der Menge des aufgenommenen Rohmaterials und dessen Inhaltsstoffe (Gewichtsanteile pro Kilogramm der „Testperson“. Selbst ein Drittel abgebissenen und m. E. nach erheblich giftigen Grünen Schwefelkopfes rechtfertigen keine prophylaktische Magenauspumpung. Der, die kleine Patient(in) sollte auf jeden Fall sorgfältig beobachtet werden, um bei gravierenden Beeinträchtigungen schnell behandelt werden zu können. Ist jedoch nicht klar, wie viel der, die Kleine verspachtelt hat, muss der Arzt, die Ärztin letztendlich die Entscheidung treffen, was zu unternehmen ist. Natürlich in Ansehung der vom Pilz- oder Pflanzenberater festgestellten Art / Gattung und der möglichen Aufnahmemenge.

In allen von mir in den letzten 12 Jahren assistierten Pilzvergiftungsfällen bei kleinen Kindern waren keine intensiven ärztlichen Bemühungen erforderlich – allenfalls bei den nervlich angegriffenen Eltern. Die Aufnahmemengen waren zu gering.

Bei schwer giftigen Pilzen (z. B. Grünen und Weißen Knollenblätterpilzen, Häublingen, diversen kleinen Schirmlingen, weißen Trichterlingen, Lorcheln u. a. m.) sollte man jedoch sorgfältig feststellen, wie viel Material in den Darmtrakt gewandert ist, um ggf. auch größere medizinische Eingriffe zu befürworten. Ein hinzugezogener Pilzberater wird dem Arzt, der Ärztin aber hoffentlich die notwendigen Hinweise geben können.

Für besorgte Eltern bietet sich dazu die Möglichkeit an, gefährliche Fruchtkörper aus dem Garten, vom Spielplatz abzusammeln, bevor das Kind einen Fehler machen kann. Beim Grünzeug wird das schon schwieriger. Da hilft dann nur Aufpassen.

Mit hoffentlich hilfreichen Grüßen, Peter!

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Re: Umfrage zu Giftigem im Garten

Stephan Weißer, (vor 6353 Tagen) @ Alis

Als Vater einer vierjährigen Tochter hätte ich noch folgende zusätzlichen Ideen zur Vergiftungs-Vorbeugung:

- so lange das Kind noch wirklich klein ist und alles in den Mund steckt, nicht alleine und frei die Natur erforschen lassen, sondern sich daneben stellen und das Kind jederzeit im Auge haben (anstrengend? vielleicht, aber auf jeden Fall sicherer und obendrein pädagogisch wertvoller...).

- sobald das Kind grundlegende Zusammenhänge versteht, also etwa wenn es in den Kindergarten kommt, kann man ihm durchaus mit einfachen sachlichen Worten erklären, dass es schreckliches Bauchweh bekommen kann, wenn es Blumen, Blüten, Blätter oder Pilze einfach so isst, ohne dass es zuvor den Eltern gezeigt wurde. Meine Tochter hat das sofort kapiert, und bis heute hat sie noch nichts Zweifelhaftes in den Mund gesteckt. Bei den Pilzen habe ich ihr erklärt, dass man sie zwar essen könne, aber immer nur gekocht, nie roh. Auch das hat funktioniert.

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Re: Umfrage zu Giftigem im Garten

Hagen Graebner, (vor 6334 Tagen) @ Alis

Dazu habe ich heute zufällig was gefunden:

http://www.uni-muenster.de/imperia/md/content/pharmazeutische_biologie/studi-seminare/g...

Auch wenn die Daten schon von 2004 sind, waren die ersten beiden Diagramme für mich sehr interessant. Pilze machen nur einen kleinen Teil der Vergiftungen aus, Pflanzen viel mehr und bei den Pilzvergiftungen ist der Anteil von Kindern unter 9 Jahren deutlich kleiner als bei Pflanzen. Wollte ich Euch nur mal zeigen.

Gruß

Hagen

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Re: Umfrage zu Giftigem im Garten

Iris, (vor 6334 Tagen) @ Hagen Graebner

Hallo Hagen,
danke für den Interessanten link.
Viele Grüße
Iris