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Re: Galerinas: "Smith&Singer" - übersetzen?

UweL, (vor 6332 Tagen) 436 Beiträge @ Harald Andres Schmid

Hallo Harald-Andres,
wenn ich meine allerdings recht unmaßgebliche Meinung zum Thema äußern dürfte, bevor die Spezialisten etwas dazu sagen: ich denke, das Buch von Smith & Singer ist zweifellos eine großartige wissenschaftliche Leistung, aber ich frage mich, ob es a) mittlerweile nicht ein bißchen überholt ist und b) der Fokus einfach zu weit ist, also ob es für Deine Zwecke nicht zuviel "Nicht-Europäisches" enthält.
Anders ausgedrückt: Ich benutze zur Galeria-Bestimmung selten Smith & Singer, sondern meist
1. den Schlüssel von Marcel Bon in: Clé monographique des éspèces GALERO-NAUCORIOIDES. Documents mycologiques 21(1992): 1-84
2. den sehr übersichtlichen Schlüssel in Nordic Macromycetes (von Gro Gulden!), auch und gerade im Vergleich zu Bon.
3. die beiden in der Reihe "Fungi non delinati" erschienen Bände von Haan & Walleyn (Bd. 23 u. 33), die wirklich ausgezeichnet sind.
4. Schließlich gibt es im Internet noch Gerault, A.: Florule evolutive des basiomycotina du finistre: http://projet.aulnaies.free.fr/Florules/GASTEROMYCETES.pdf
5. Zuletzt sei auch auf den (im viel gescholtenen) Horak "Röhrlinge und Blätterpilze in Europa" veröffentlichen Galerina-Schlüssel hingewiesen werden, den ich persönlich vielfach auch sehr hilfreich finde. (Horak hat sich meines Wissens ja intensiv mit Galerina-Arten auseinandergesetzt.)
Kurz: Meine - wie gesagt - unmaßgebliche Meinung ist: es gibt eine Reihe guter neuerer Publikationen zu Galerina-Taxa in Europa, die Dein "Projekt" zwar nicht in Frage stellen, aber vielleicht etwas anders perspektivieren können.
Soviel, ganz kurz,
beste Grüße
Uwe

Hallo, zusammen

Ich habe ein Problem.
Ein Riesen-Problem.
Es ist in einem dicken Akten-Ordner abgelegt.
Es umfasst über 300 eng bedruckte A4-Seiten.
Plus Zeichnungen und Bilder.
In Englisch.
Und es lässt mir keine Ruhe.
Es ist der Galerina-Schlüssel von Smith&Singer.
Habe ich mir aus dem Internet geholt und ausgedruckt.
Letzes Jahr habe ich mit viel Freude Galerinas mikroskopiert.
Ich mag die Dinger.
Ich mikroskopiere sie auch gerne.
Ich hatte den Eindruck, ich hätte langsam etwas davon kapiert.
Zumindest bei den holzbewohnenden Arten.
Unbedarft, wie ich war.
Jetzt habe ich versucht, mich ein wenig in Smith&Singer einzulesen.
Fazit: Verheerend!
Ich werde sich nie wieder Galerinas mit B&K & Konsorten schlüsseln.
Es fiel mir schon beim flüchtigen Durchlesen von Smith&Singer wie Schuppen
aus den Haaren.
Warum?
Ich hatte oft das Problem, das z.B. bei verschiedensten Kolletionen sauber
geschlüsselter G. stylifera die Mikromerkmale doch sehr unterschiedlich
ausfielen.
Da gab es plötzlich Aufsammlungen mit palisadenartig entgstehenden Zystiden,
usw.
Ich versuchte mir selbst einen Reim darauf zu machen, entwickelte aufgrund
meiner geschlüsselten Aufsammlungen eigene Theorien.
Mit Smith&Singer löst sich das alles in Luft auf!
Bzw. in genau beschriebene Unterarten.
Var. sowieso und var. sowieso.
Das Werk ist großartig und sehr komplex und präzise und ausführlich.
Nur: Eine Heidenarbeit!
Englisch kann ich zwar leidlich gut, es ist aber nicht meine Muttersprache.
Ich musste mich da erst einlesen.
Ich musste erst dahinterkommen, das Hardwood nicht Hartholz bedeutet.
Sondern Laubholz.
Und Pinewood nicht Holz der Föhre meint, sondern generell Nadelholz meint.
Ein "Mount" ein Objekträger ist.
Und "mounted" präpariert heisst.
Es geht schnell ins sehr Spezielle: Smith&Singer haben auch am Mikroskop eine
ganz andere Vorgehensweise.
Ihre Beschriebe, wie Galerina-Sporen zu betrachten sind, sind sehr komplex,
sind nicht mit denen in herkömmlichen Schlüsseln zu vergleichen und gehen,
nur schon was das Betrachten von Sporen betrifft, über zweieinhalb
A4-Seiten: Die genauen Arten von Exospor, wie genau abgelöste Reste auf
der Spore verbleiben können, oder nicht, wie entstehen all die
verschiedenen Arten von Plage, wie werden sie definiert, was kann
kaliptrat alles genau bedeuten...
Alle diese Details schlüsseln sich dann auch entsprechend anders als in den
Werken, die ich bisher kenne.
Das gleiche bei Zystiden, HDS, usw.
Problem: Ich kann jetzt nicht mehr so tun, als hätte ich da nicht
reingeschaut.
Und kann sicher nicht mehr mit B&K & Co. Galerinas schlüsseln.
Andererseits ist es eine immense Arbeit, sich da einzuarbeiten.
Was jetzt?
Mit Galerinas aufhören!
Ein sehr vernünftiger Gedanke nach all dem, was ich jetzt weiss..
Alternative: Ich hatte nach ein paar Bier die wahnwitzige Idee, das Ding
für mich komplett ins Deutsche zu übersetzen...
Und - wenn wir schon dabei sind - auch für Euch...
Wie gesagt: 300 A4-Seiten enggeschriebenen Text.
"Wahnsinnige Idee" ist nett ausgedrückt...
2. Alternative: Den "Kleinen Smith&Singer" erstellen.
Das Original enthält japanische, Südamerikanische, usw.-Arten - ein
unglaubliches Material.
Das hiesse: Die Schlüssel soweit zusammenschrumpfen, dass die bei uns
vorkommenden und nach menschlichem Ermessen vorkommen könnenden oder durch
die KLimaerwärmung vielleicht eingeschleppt werdenden Arten
zusammengefasst sind.
Handlich und übersichtlich.
Das hiesse wohl, viele Schlüsselabschnitte gleich neu zu schreiben.
Nur: Es ergäbe sich ein neues Werk.
Ein reizvoller Gedanke.
Lang-Dumpf-Harald schreibt ein bahnbrechendes Galerinawerk, basierend auf
Smith&Singer: Münchhausen lässt grüssen...
Probleme: - Hat jemand ausser mir Interesse an so was? Das könnte eine
wesentliche Motivation sein, den Wahnwitz in Angriff zu nehmen. (Bitte
nicht...)
- Gibt es ein neueres Pilzbuch, oder eines in Vorbereitung, das die Inhalte
von Smith&Singer bereits integriert hat? *hoffnungsvollguck*
- Ist jemand von Euch bereits an dem Projekt dran und gibt den "Kleinen
Smith&Singer" Ende Sommer raus? *Begeistertguck".
- Die rechtliche Seite: Dürfte ich Smith&Singer einfach übersetzen und für
Euch zum Download ins Internet stellen?
Beziehungsweise: Dürfte ich Smith&Singer einfach "eindampfen", ein
nettes kleines Büchlein ("Harald Andres' kleiner Galerina-Führer für
Experten und Liebhaber") daraus ableiten und zum Download anbieten,
ohne Copyright-Probleme zu bekommen?
Beziehungsweise: Ginge das alles, solange ich die Illustrationen,
Mikrozeichnungen und Fotos nicht verwende? Oder klar definiere:
"Galerina-Schlüssel - Nach den Arbeiten von Smith&Singer"?
- Ist es vielleicht doch ein wenig sehr anmassend, ein Werk zu übersetzen,
bzw. neu zu schreiben, deren Arten ich zu 99 % nie selber mikroskopiert
habe? (Antwort: "ja!")
Anderseits: Gibt es eine Alternative? Muss sich jeder, der vielleicht noch
schlechter englisch kann als ich, selber durch das Werk quälen?
(Das Werk ist übrigens graphisch alles andere als übersichtlich konzipiert,
Untersektionen sind manchmal in fetterer Schrift dargestellt als
Hauptabschnitte, Titel von Sektionen sind oft verlorengegangen - man
findet sich - neben den sprachlichen Problemen - sehr schlecht bis gar
nicht im "Smith&Singer" zurecht, wenn man nicht intensiv damit
arbeitet.)
Was meint Ihr dazu?
Eigentlich hoffe ich, dass Ihr ganz viele grundsätzliche Einwände habt (habt
Ihr doch, oder?), oder Euch schenkelklopfend nicht mehr halten könnt vor
Lachen über meine anmassenden Pläne (werde ich nicht böse darüber) und das
Ganze folglich zu den Akten gelegt wird.
Falls doch ein Projekt daraus wird: Ich schaffte das nicht in ein paar Wochen
oder Monaten!
Der Stoff ist sehr komplex und verlangte eine grosse, langwierige Arbeit, vor
allem das allfällige Um- oder Neuschreiben von Schlüsseln.
Falls doch: Hätte jemand allenfalls Lust, die Sache zu supervisieren? Nach
und nach fertige Schlüsselabschnitte einzelner Untersektionen, usw. auf
Fehler und Ungereimtheiten und so weiter zu überprüfen?
Falls es auf ein "Umschreiben" von Schlüsseln hinausliefe, und
nicht einfach auf ein Kürzen, würde ich sowieso versuchen, das Ganze
"Dummie-Sicher" zu gestalten, also die Schlüssel so zu
konstruieren, dass man, wenn man falsch läuft, möglichst wieder auf den
rechten Weg geführt wird, durch entsprechende Zwischenfragen und
-Schritte, wie ich das vom "Gröger" her kenne, und teilweise aus
dem "Krieglsteiner".
Was jetzt?
Ich habe Euch nichts versprochen!
Ihr rät mir doch bitte ab, oder?
In bangem Erwarten Eurer Anworten: Euer getreuer Harald-Andres

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