Re: Hysterangium (?)
... mit bläulichgrüner Gleba und an der Luft porphyrbraun verfärbender,
hellgrauer, solider, leicht ablösbarer Peridie. Fundort: Jungfichtenforst
über basischem Lehm, nicht weit von der Mäandertrüffel entfernt.
Hat schon jemand rausgefunden, um welche Art es sich handelt, oder muss es
beim "spec." bleiben? Mir selbst fehlt leider geeignete
Literatur.
Hallo Stephan, Felix, Peter und alle anderen Interessierten,
( @ Peter – die Telekom mag Leute nicht, die kündigen. Ich bekomme die mails per pop3 nicht mehr von deren Server. Deshalb meine späte Reaktion...)
Aber zum Hysterangium – das Thema ist spannend! Ihr habt nichts über die Peridienstruktur geschrieben, aber man kann wohl davon ausgehen, dass es sich um textura globosa/angularis handelt, da in Peters Foto der Fruchtkörper links oben so schöne Trockenrisse zeigt.
Damit und mit den Sporenmaßen gelangt man unweigerlich zu H. coriaceum/crassum. Die Sporenmaße bringen keine absolute Sicherheit. Gross meint, dass H. coriaceum var. coriaceum eine kleinsporige Form von H. crassum sei. Begründen tut er das aber nicht. Er versteigert sich sogar dahinein zu behaupten, H. coriaceum wäre eine Jungendform von H. crassum. Ihm fehlten wohl hinreichende Funde, um das zu beurteilen. Geht man von seinem eigenen Schlüssel aus, so trennt er in den Sporenmaßen folgendermaßen:
H. coriaceum (11/4µ)
H. crassum (12-14/4-5,5µ)
Damit wäre Euer Pilz H. crassum. Interessant ist aus meiner Sicht die Violettfärbung der Peridie bei Verletzung und im Schnitt. Man sollte mal darauf achten, ob das nur bei Funden der Fall ist, die bei Fichte gemacht werden. Im Laubwald färbt m.E. der Pilz nämlich nicht so.
Einen solchen Picea-Fund kann ich auch aufweisen. Zum besseren Vergleich die Fotos mal „zusammenmontiert“.
Vergleicht man weiterhin mal die Abbildungen in Montecchi/Sarasini von H. coriaceum mit dem vorliegenden, so fällt schon die Bräunung dort von coriaceum ins Auge. Das macht der vorliegende Pilz nicht. Hesse schreibt von seiner Art, dass sie am Licht und durch „das blosse Anfassen fleischrot“ werden würde. Nun ist das mit Farbbenennungen so eine Sache. H. coriaceum habe ich in Spanien mit denselben Merkmalen wie die Italiener sie beschreiben gefunden. Euer Fund ist auch deshalb nicht H. coriaceum. Und Peter hat dankenswerterweise noch eine Sporenaufnahme gemacht - die Sporenform weist ebenfalls den Weg weg von H. coriaceum. Schreibt H. crassum auf das Etikett. Das sollte so o.k. sein.
Ansonsten vielleicht noch zum deutschen Namen. Weshalb man einen Pilz, der vom Autor wegen seiner Eigenschaft, dass sich die Peridie wie Leder vom Fruchtkörper abziehen lässt und deshalb coriaceus heisst nun im Abbildungsverzeichnis „Doppelschichtig“ genannt wird, ist nur Kopfschütteln wert...
Viele Grüße
und nie nachlassende Schürfkräfte
Gunnar
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