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Pilze verwechselt, 2 Tote

Thomas Pruß, (vor 6308 Tagen)

Moin zusammen,
es geht wieder los! Diese Meldung kam über t-online rein:
Zitat Anfang: "
Pilze verwechselt - zwei Tote
Erschienen am 23. Juli 2009
Die Verwechslung von Speisepilzen mit einer giftigen Pilzsorte hat in Serbien zwei Menschen das Leben gekostet, 20 weitere werden in Krankenhäusern behandelt. Vier der Vergifteten schweben in Lebensgefahr, berichteten Belgrader Zeitungen am Donnerstag.
Die Erkrankten aus dem Westen des Landes hatten statt wohlschmeckender Täublinge ähnlich aussehende, giftige Grüne Knollenblätterpilze gegessen.
"
Zitat Ende

Ganz zu Anfang bin ich auch mal bei einem Grünen Speisetäubling (Russula heterophylla) drauf reingefallen: Ich hielt ihn für einen merkwürdig gewachsenen Grünen Knollenblätterpilz, bis ich ihn in der Hand hielt.

Bedenklich, dass immer wieder Sorten mit Arten verwechselt werden.
Grüßlis
Thomas

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Re: Pilze verwechselt, 2 Tote

Melli, (vor 6308 Tagen) @ Thomas Pruß

Bedenklich, dass immer wieder Sorten mit Arten verwechselt werden.

Hallo Thomas,

für bedenklich (und etwas mehr als das) halte ich die Verwechslung eines Giftpilzes mit einem Speisepilz - aber dass Nicht-Biologen/Nicht-Mykologen/Nicht-Gärtner die Begriffe "Art" und "Sorte" nicht auseinanderhalten könne, finde ich eher normal. Du hast natürlich recht, wenn du kritisierst, dass wenigstens der Verfasser dieser Pressemeldung ein wenig genauer hätte recherchieren können - aber mal ehrlich: schlampiger Journalismus ist doch leider auch eher normal... ;-)

Liebe Grüße
Melanie

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so weit muss man nicht laufen...

Stephan Weißer, (vor 6308 Tagen) @ Thomas Pruß

... denn in unserem Krankenhaus liegt zur Zeit jemand mit Verdacht auf Knollenblätterpilzvergiftung im künstlichen Koma. Ich wurde als Pilzsachverständiger am Dienstag aus dem Schwimmbad geholt, konnte aber nicht viel helfen, da sich der Patient die mutmaßliche Pilzvergiftung bereits Mitte letzter Woche zugezogen hatte und seit letzten Samstag auf der Intensiv liegt. Der Verlauf sieht allerdings stark nach Knolli aus.

Schon am letzten Sonntag bekam ich bei der Beratung einen Korb voller "Tödlicher" vorgelegt. In diesen Tagen erfahre ich, dass PSV zu sein mehr heißt als Täublingsbestimmung und Diskussion über Boletenverfärbung. Ihr merkt sicher, wie mir das auch persönlich zu schaffen macht.

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Re: Pilze verwechselt, 2 Tote

Thomas Pruß, (vor 6308 Tagen) @ Melli

Moin Melanie,
aber mal ehrlich: schlampiger Journalismus ist doch leider auch

eher normal... ;-)

Kann ich ein Lied von singen … ;-)

Grüßlis
Thomas

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Re: so weit muss man nicht laufen...

Thomas Pruß, (vor 6308 Tagen) @ Stephan Weißer

Moin Stephan,
Empathie ist schön und richtig, aber du musst dir solche Fälle nicht persönlich "reinziehen". Du kannst ja schließlich noch weniger als nichts dafür, dass sich dieser Patient vergiftet hat. Oder kennst du den Patienten persönlich?
Ich hatte vor ein paar Jahren diesen Fall: Ein Apother-Ehepaar (!) hatte ich mitgenommen zur Pilzexkursion. Die beiden waren schwer begeistert und machten sich ein paar Tage später selbst auf die Socken. Ich hatte meinen Exkursionsteilnehmern eingeschärft, mir die Pilze zu bringen, wenn sie auf eigene Faust los zögen, damit meine Frau oder ich die vorher kontrollieren konnten.
Die beiden standen denn auch prompt in unserem Laden und präsentierten stolz ihre Beute. Ich war zu dieser Zeit noch in Hamburg, aber meine Frau verfiel umgehend in Schnappatmung als sie sah, was da im Korb lag. Die beiden hatten fröhlich drauf los gesammelt und nebenher so viele Knollis und anderen Giftkram eingesackt, dass sie locker ganz Friedrichstadt in den Orkus hätten schicken können.
Da wurde mir im Nachhinein auch mulmig zu Mute, und ich machte mir auch Vorwürfe. Aber später überlegte ich mir, dass solche Vorwürfe vollkommen unberechtigt sind: Man kann die Leute nur beraten so gut es geht und ihnen nahe legen, in Zweifelsfällen die Pilze stehen zu lassen oder vorzulegen.
Grüßlis
Thomas

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Re: Pilze verwechselt, 2 Tote

Peter W., (vor 6308 Tagen) @ Melli

Langsam denke ich, es ist besser für mein Herz (und vielleicht auch für eures) sich da nicht mehr aufzuregen. Was die Zeitungsfritzen da so schreiben, wissen die oft selber nicht.

Sorten, ist da noch das kleinste Übel, obwohl ich gegen das Wort allergisch bin. Nadelholztäubling statt Nadelholz – Häubling (trotz Hinweis auf Haube von mir), Pilze wachsen unter Lerchen statt Lärchen (armer Vogel) usw. Noch schlimmer finde ich das weglassen von Informationen: Beispiel: Frage: Wann treten Vergiftungserscheinungen auf, Antwort: Nach wenigen Stunden bis 12 – 14 Tagen (Ra(h)uköpfe): Text im Artikel: Vergiftungen treten nach 12-14 Tagen auf. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Gruß Peter

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Re: Pilze verwechselt, 2 Tote

Der Juergen, (vor 6308 Tagen) @ Thomas Pruß

Hallo Thomas,

Bedenklich, dass immer wieder Sorten mit Arten verwechselt werden.

Ja, sehe ich auch immer wieder, ist aber fast nicht mehr schlimm, wenn man die anderen Verunglimpfungen liest. Letztes Jahr lautete die Schlagzeile eines Artikels über eine unserer Pilzausstellungen:

Mehr als 80 Pilzarten entdeckt!

... und GEMEINT war "gesammelt, gefunden" Der Artikel an für sich war gar nicht schlecht geschrieben, sogar die von uns absichtlich lancierten, deutschen zungenbrecherischen Pilznamen hatte die Redakteurin richtig wiedergegeben ... und wir haben ihrs wirklich schwer gemacht:-)

Grüßle
Juergen

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Re: so weit muss man nicht laufen...

Iris, (vor 6308 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

ich habe auch schon mit einem Pilzsachverständigen zusammen einen Pilzkurs mit Exkursion gemacht. Dabei wurde den Teilnehmern sowohl theoretisch, als auch praktisch, mehrfach der Unterschied zwischen Gelben Knollenblätterpilzen und Champignons erklärt. Ein Ehepaar hat trotzdem wieder Gelbe Knollenblätterpilze mitgebracht, die dann wieder aus dem Korb geholt wurden. Genau dieses Ehepaar musste früher aufhören und ging den Weg wieder zurück. Andere Kursteilnehmer berichteten uns dann, dass sie auf dem Rückweg (aller Wahrscheinlichkeit nach) wieder Gelbe Knollenblätterpilze gesammelt haben. Da weiß man dann auch nicht, was man noch alles erzählen soll ...

Viele Grüße

Iris

... denn in unserem Krankenhaus liegt zur Zeit jemand mit Verdacht auf
Knollenblätterpilzvergiftung im künstlichen Koma. Ich wurde als
Pilzsachverständiger am Dienstag aus dem Schwimmbad geholt, konnte aber
nicht viel helfen, da sich der Patient die mutmaßliche Pilzvergiftung
bereits Mitte letzter Woche zugezogen hatte und seit letzten Samstag auf
der Intensiv liegt. Der Verlauf sieht allerdings stark nach Knolli aus.
Schon am letzten Sonntag bekam ich bei der Beratung einen Korb voller
"Tödlicher" vorgelegt. In diesen Tagen erfahre ich, dass PSV zu
sein mehr heißt als Täublingsbestimmung und Diskussion über
Boletenverfärbung. Ihr merkt sicher, wie mir das auch persönlich zu
schaffen macht.

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Re: Pilze verwechselt, 2 Tote

Pilzmann, (vor 6305 Tagen) @ Thomas Pruß

Hallo Thomas,

wer kann kein Lied von fachlich mäßig begabten Journalisten singen. Von mir hat mal einer allen Ernstes verlangt, mich für sein "Star-Foto" bäuchlings ins nasse Gras zu legen, um einen Fruchtkörper mit der Lupe zu betrachten. Ich hab ihn gefragt, ob er "noch ganz dicht" ist, oder ob er mich im ganzen Landkreis als Idioten outen wolle?

Auf der anderen Seite muss ich aber auch mal sagen, dass es sone und solche gibt. In Marburg habe ich auch schon etliche der geschmähten Spezies erlebt, die meine Informationen nicht nur sehr gut verarbeitet hatten, sondern sogar bereit waren, mir vorab Korrektur-Abdrucke zu mailen und meine Verbesserungsvorschläge auch noch vor dem Druck einzuarbeiten. "Mit die Menscher ist's halt wie mit die Leut!"

Liebe Grüße an alle, Peter!

Moin Melanie,
aber mal ehrlich: schlampiger Journalismus ist doch leider auch
Kann ich ein Lied von singen … ;-)
Grüßlis
Thomas

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Re: Pilze verwechselt, 2 Tote

Ingo Wagner, (vor 6305 Tagen) @ Pilzmann

Hallo Peter!

Auf der anderen Seite muss ich aber auch mal sagen, dass es sone und solche
gibt. In Marburg habe ich auch schon etliche der geschmähten Spezies
erlebt, die meine Informationen nicht nur sehr gut verarbeitet hatten,
sondern sogar bereit waren, mir vorab Korrektur-Abdrucke zu mailen und
meine Verbesserungsvorschläge auch noch vor dem Druck einzuarbeiten.

Ich glaube, da bist du an eine Minderheit geraten. Sag bloß, der hat tatsächlich Korrektur-Abdrücke geschickt? Und hat dann auch noch die Vorschläge mit eingearbeitet?

Ich will da wahrhaftig keinem Journalisten zu nahe treten, habe da aber bezüglich des "Pilzjournalismus" eher eine negative Meinung.

VG Ingo W

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Re: Pilze verwechselt, 2 Tote

Pilzmann, (vor 6305 Tagen) @ Ingo Wagner

Lieber Ingo,

ich streite ja deine Vorbehalte zum Pilzjournalismus und die vieler anderer gar nicht ab. Ein Negativbeispiel habe ich doch selbst geschildert. Bei drei von vier Artikeln über meine Exkursionen oder angefragten Herbst-Artikeln über Pilze würde ich auch am liebsten über den Balkon springen. In den Teppich beißen kann ich leider nicht (uralter, fest verklebter Teppichboden). Während einer letztendlich 12-wöchentlichen Wochenend-Kolumne vor einigen Jahren stand die Serie mittendrin sogar vor dem Aus, weil mir die zuständige Redakteurin erklärte, die Pressefreiheit sei die Freiheit der Redakteure, selbst darüber zu befinden, was sie wie schreiben und eine Vorab-Korrektur ihrer Artikel sei für sie so etwas wie Zensur. Ich habe ihr daraufhin klar machen können, dass Fehler in der Formulierung durchaus zu Gesundheitsschäden oder gar Todesfällen führen könnten und sie gefragt, wie gut die Haftpflichtversicherung ihres Betriebes für Redaktionsfehler sei. Bei fachlichen Fehlinformationen würde ich keinerlei Haftung übernehmen. Und schon ging's!

Bei Einmal- = Wegwerf-Artikeln ist es wirklich ein Problem. Hier hat man manchmal das Gefühl, die Freiheit der Presse bestünde darin, bar aller Fakten, meist herbstliche Unterhaltung zu produzieren. Unsere Pilzkunde tritt dabei als pures Wissensgebiet zurück. Motto: Ich weiß nix, also schreibe ich darüber!

Aber, wie gesagt, es gibt mehr als nur eine Ausnahme. Sorgfältige Journalisten nehmen die Sache und einen selbst durchaus ernst und schreiben entsprechend. Hilfreich dabei ist, wenn mal Schmalspurkolporteuren die Illusion nimmt, man täte alles, nur um in die Zeitung zu kommen. Von einer solchen Geilheit der Befragten leben die Kolumnen. Macht man dem Reporter klar, dass alles was er schreibt, auf seine Kappe geht, werden sorgfältige Schreiber nachdenklich und es entwickelt sich "eine wunderbare Freundschaft". Alle anderen kannst du eh' "in der Pfeife rauchen" und als kompetente Berichterstatter aussortieren. Sehr schön berichten übrigens VolontärInnen, die noch echtes Engagement verspüren!

So, schon wieder viel zu lang - aber trotzdem,

mit liebem Gruß, Peter!

Hallo Peter!
Ich glaube, da bist du an eine Minderheit geraten. Sag bloß, der hat
tatsächlich Korrektur-Abdrücke geschickt? Und hat dann auch noch die
Vorschläge mit eingearbeitet?
Ich will da wahrhaftig keinem Journalisten zu nahe treten, habe da aber
bezüglich des "Pilzjournalismus" eher eine negative Meinung.
VG Ingo W