Hallo Schnuffel,
du hast im Ausgangstext etwas überlesen. Die Beschwerden treten im geschilderten Fall nicht innerhalb von zwei Wochen, sondern seit über einem Jahr auf. Das ist mehr, als eine kurzfristige "Virulenz". Das deutet auf ein bleibendes Gedächtnis des Körpers hin oder auf einen immer noch aktiven Erregerherd.
Ob die Biester nun stechen, saugen, beißen oder knutschen, ist nicht so wichtig. Tatsächlich sind die Werkzeuge aber umgearbeitete Kieferteile. Lass es mich so sagen: "Gestochen wird mit dem Arsch, gebissen wird vorne!" Natürlich beissen Zecken nicht mit Oberkiefer und Unterkiefer zu, sondern verwenden ihren umgebildeten Unterkiefer zum Sägen, um ihren Saugrüssel einsenken und zum "Pumpen" verwenden zu können. Letzteres macht die Aktion so gefährlich. Die ersten 3 bis 6 Stunden pumpen sie das Blut in sich hinein. Danach "kotzen" sie die flüssigen Teile des Wirtsblutes in die Wunde zurück. Dabei schwemmen sie die in sich sitzenden Krankheitserreger mit dem Serum in ihr Opfer zurück. Erst wenn sie eine vom Immunsystem des Opfers nicht mehr bekämpfbare Menge ihrer Erreger in dessen Blutbahn gespuckt haben, erkrankt es.
Zum Entfernen der Zecken:
An sich ist die Idee der Zeckenkarte genial, weil durch die Zuspizung ihres Schlitzes scheinbar für jede Zeckengröße geeignet. Im Weichteilbereich und bei alternder Haut ist sie jedoch nur bedingt nützlich, da die Haut zu sehr nachgibt. Man kann die Viecher deshalb oft nicht richtig fassen und der Zug mit der Karte führt zum Entleeren des Hinterleibs, weil man abrutscht. Die Zecke stirbt zwar, aber spuckt im Todeskampf alle ihre Erreger in den Wirt. Sehr kleine Zecken (Nympfenstadium) sind besonders schwer einzuklemmen, da sie nicht nur mit dem Kopf, sondern fast mit dem halben Körper in der Oberhaut verschwinden.
Nach Austestung vieler Zeckenhilfen bin ich immer noch der Meinung, dass das beste Instrument eine qualitativ hochwertige, zugespitzte, abgewinkelte Splitterpinzette ist. Man muss nur richtig damit umgehen können. Nach der Operation ist zu kontrollieren, ob die gesamte Zecke entfernt wurde (Lupenkontrolle, ob die Zecke nach Entfernung vorne herum noch vollständig ist - wenn nicht, Herausoperierng der noch fehlenden Teile). Anschließend sollte man die Wunde immer desinfizieren.
Fazit:
Wenn man die Biester spätestens nach 3 bis 4 Stunden entfernt hat, hat man im Regelfall eine ernste Infektion verhindert. Also immer gleich nach dem "Pilzgang" den edlen Korpus inspizieren. Wie schon in einem vorhergehenden Beitrag erwähnt, kann das regelmäßige Tragen von Gummistiefeln das Befallsrisiko um mindestens 90% minimieren.
Ich hoffe, meine Tipps helfen euch und ihr bleibt gesund!
Mit lieben Grüßen, Peter Pilzmann.
Hallo Shanna,
Du brauchst Dich deswegen nicht zu beunruhigen. Der nach dem Zeckenstich
auftretende Juckreiz beruht meines Ermessens nicht auf einer Immunreaktion
gegen irgendwelche beim Stich übertragene Krankheitserreger, sondern ist
Folge der gegen die injizierten Körpersäfte des Blutsaugers
(blutgerinnungshemmende Stoffe u. a.) gerichteten Immunreaktion.
Ich kann bei mir seit Jahren ein ähnliches Phänomen feststellen, allerdings
nur bei Neubefall innerhalb etwa 2 Wochen. Trotz hunderter Zeckenstiche
hatte ich noch nie eine Borreliose oder FSME. Dies liegt aber vielleicht
nur daran, dass ich die ausgewachsenen Tierchen beim Herumkrabbeln auf der
Haut spüre und nur die noch nicht infizierten Nymphen ungehindert
zustechen können.
Übrigens, die Zecke beißt nicht, sie sticht mit ihren Mundwerkzeugen (wie
andere Blutsauger, z. B. Mücken, Flöhe, Wanzen). Nur der Vampir beißt,
saugt aber nicht, sondern leckt. ,-)))
Gruß - Schnuffel