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Essensfreigabe bei unbek. Braunsporern erbeten *PIC*

Ingo, (vor 6211 Tagen)

Hallo Forum,

nach der Arbeit das Vergnügen, so sagt man ja. Bei mir läuft das heuer umgedreht. Nachdem bereits gestern
die Kür statt fand, und alle Arten hübsch bestimmt wurden, folgt nun die Pflicht.

Für meinen Montagsbeitrag erwähle ich gerne mal die einfachen Sachen, und mache viel Aufhebens drum.
Die etwas komplizierteren Sachen verschweige ich gekonnt. Muss ja nicht an die große Glocke gehängt
werden, wie ahnungslos ich in Wirklichkeit bin.

Die meisten haben bereits bemerkt, daß ich mich vor allem gerne bei den Hellsporen austobe.
Man könnte glatt den Eindruck gewinnen, hier gibt's nicht anderes.

Ich versuche es mal mit einem Alternativprogramm. Dafür habe ich hier die Bestimmungsliteratur
schlechthin – MHK Band IV.

Hübsche Rötelritterlinge hatte ich am vergangene Freitag, gleich nach meiner
Ankunft am Campingplatz, angetroffen. An der gleichen Stelle, wo vor zwei
Jahren die Irinas standen. Da sie noch sehr klein waren, wollte ich noch
abwarten, was daraus wird. Vielleicht sogar wasserfleckige oder horngraue.

Am Sonntag Nachmittag waren sie dann weit genug entwickelt.

[image]

Allerdings konnte ich meine Lepista-Theorie eben mal beerdigen. Geruch komplett Null. Geschmack auch.
Bis sich etwa zwei Minuten nach Kostprobe dann doch ein Nachgeschmack einstellte. Zunächst unbestimmbar,
aber auf jeden Fall irgendwie unangenehm. In Summe erinnerte das an einer Mischung von säuerlich,
leicht bitter und zudem auch noch zusammenziehend. Am ehesten vielleicht nach Erbrochenem.
Zudem steht auf den Lamellen des großen Exemplars deutlich Hebeloma geschrieben.
Oder irre ich mich da? Rein vom Äußeren her, vor allem wenn wenn farbenblind,
könnte man eben noch auf Tricholoma plädieren.
Die großen hellen Fälblinge (crustulinoforme oder so), die ich sonst oft fand,
rochen immer irgendwie auch. Vor allem unangenehm. Und im MHK? Fehlanzeige!

Im sauren Kiefernwald, auf Waldwegen, fand ich massenhaft dies:

[image]

Da habe ich nicht mal eine zwingende Idee zur Gattung. Sporenpulver hellbraun/zimtfarben.
Geruch und Geschmack ignoriert, dafür aber erkennbar büscheliges Wachstum. MHK?
Man ahnt es schon. Vielleicht etwas aus den Telamonienreich? Möglicherweise auch etwas aus
Hebeloma und Inocybe. Ich steh voll im Dunkel (sporer).

Dann noch etwas, wo ich im MHK eine hilfreiche Beschreibung fand:

[image]

Stangenpilze, Etwa bis 15 cm hoch. Mit Ring und der Lamellenfarbe deutet einiges auf Stropharia.
Dort auf S. semiglobata. Mitten auf einem sandigen Waldweg im Kiefernwald! Allerdings werden dort öfters
Pferde ausgeführt. Ein Restapfel war zwar nicht direkt erkennbar, aber vielleicht reicht denen der
hinterlassene Nährboden. Ganz glücklich bin ich aber nicht, was die Übereinstimmung der Beschreibung
mit meinem Fund anbelangt. Viel wahrscheinlicher ist, daß ich total daneben liege.
Vielleicht hilft ja Band 5 der BW Funga weiter. Wo bekomm' ich die noch?
Morgen versuche ich es mal mit Ritterlingen. Vielleicht fang" ich mal mit den braunen an. Die sind ja recht einfach.

Übrigens – hilfreiche Hinweise zur Artfindung, wenn es keine Umstände macht, gerne.

Grüßlis Ingo

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Re: Essensfreigabe bei unbek. Braunsporern erbeten

ziggi, (vor 6210 Tagen) @ Ingo

Moin Ingo,

zumindest was die Gattungen angeht, kann ich dir weiterhelfen bzw. dich bestätigen.
Das erste ist ganz klar ne Hebel-Oma, warum nicht crustiliniforme? Aber die sehen ja alle irgendwie gleich aus.
Beim zwoten seh ich nen Cortinarius, aber schon bei der Subgattung hapert's. Würd aber auch in Richtung Telamonia suchen.
Der dritte ist eine Stropharia, makroskopisch würd ich auch auf semiglobata tippen. Was stört dich am Fundort?

Schöne Grüße,

Markus

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Re: Essensfreigabe bei unbek. Braunsporern erbeten

Lothar, (vor 6210 Tagen) @ ziggi

Hallo Ingo und Markus,
ja, für mich sieht das auch nach einer Hebeloma aus. Es erscheint mir seltsam, dass sie keinen Geruch gehabt haben soll. Bild 2 ist eine Telamonia, mehr kann ich auch nicht sagen. Stropharia semiglobata würde ich zustimmen.
LG, Lothar

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Re: Dank an die Experten

Ingo, (vor 6210 Tagen) @ Ingo

Hallo Markus und Lothar,

vielen Dank für eure Meldungen. Da habe ich mir wohl doch keinen groben
Ausrutscher geleistet. Der Träuschling scheint, im Nachhinein betrachtet,
eindeutig. Auf dem Bild kann man bei genauem Hinschauen sogar Dungreste
erkennen. Irgendein Pferdeappel, von mehreren Dutzend Litern Regen breitgespült.

Und - Hurra, ich kann Telamonien und Klumpfüße auseinander halten. ;o))

Den Fälblingen wäre ich um ein Haar tatsächlich auf den Leim gegangen.
Tonfalbe stehen ein paar Meter weiter unter Linden. Und riechen wie sie sollen.
Die gezeigten waren tatsächlich ohne jede Spur von Geruch. Auch der Geschmack
war wie beschrieben. Vielleicht witterungsbedingt. Von der Optik her kommt
eigentlich nichts anderes in Frage.

LG Ingo

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Re: Dank an die Experten

Andreas ⌂, (vor 6209 Tagen) @ Ingo

Hallo Markus und Lothar,
vielen Dank für eure Meldungen. Da habe ich mir wohl doch keinen groben
Ausrutscher geleistet. Der Träuschling scheint, im Nachhinein betrachtet,
eindeutig. Auf dem Bild kann man bei genauem Hinschauen sogar Dungreste
erkennen. Irgendein Pferdeappel, von mehreren Dutzend Litern Regen
breitgespült.
Und - Hurra, ich kann Telamonien und Klumpfüße auseinander halten. ;o))
Den Fälblingen wäre ich um ein Haar tatsächlich auf den Leim gegangen.
Tonfalbe stehen ein paar Meter weiter unter Linden. Und riechen wie sie
sollen.
Die gezeigten waren tatsächlich ohne jede Spur von Geruch. Auch der Geschmack
war wie beschrieben. Vielleicht witterungsbedingt. Von der Optik her kommt
eigentlich nichts anderes in Frage.
LG Ingo

Hallo Ingo,

Fälbling als Gattung ist klar, und klar ist auch dass es keine Tonblassen sein können. Die hätten nämlich auffallend grobe Flocken an der Stielspitze, so etwa wie der Große Rettich-Fälbling (H. sinapizans). Deine Pilze sind fein bepudert, daher ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich um Hebeloma leucosarx=velutipes handelt. Es kommen aber auch noch Arten wie H. fragilipes oder eventuell sogar populinum in Frage, da muss man dann jedenfalls mikroskopieren und die Literatur von VESTERHOLT benutzen.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Dank an die Experten

ziggi, (vor 6209 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

Fälbling als Gattung ist klar, und klar ist auch dass es keine Tonblassen
sein können. Die hätten nämlich auffallend grobe Flocken an der
Stielspitze, so etwa wie der Große Rettich-Fälbling (H. sinapizans).

nicht, dass ich groß Ahnung von Fälblingen hätte. Aber nach meiner Vorstellung waren die tonblassen, zumindest jung, auch eher bepudert. Ungefähr so wie hier:
http://www.hlasek.com/hebeloma_crustuliniforme_am2385.html

Deine
Pilze sind fein bepudert, daher ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich
um Hebeloma leucosarx=velutipes handelt.

Der hat aber laut Bon einen eher nackten Stiel.

Nun frag ich mich aber doch, was da jedes Jahr und auch zur Zeit in rauhen Mengen auf den Wiesen wächst. Hab das immer unter tonblassen abgelegt, sollte aber vielleicht doch mal genauer nachschauen. Worauf muss ich denn achten?

Schöne Grüße,

Markus

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Re: Dank an die Experten

Ingo, (vor 6209 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

vielen Dank für deine Antwort. Ich wünschte, du hättest in den vergangenen
Wochen mehr Zeit gefunden, uns mit deiner Fachkompetenz zu erleuchten.
Allerdings - viele hier werden es auch wissen - du hast dein Hobby zum
Beruf gemacht und der Herbst dürfte für dich für Schwerstarbeit und
Zeitmangel stehen.

Mit deiner Eingrenzung zu den Falben kann ich auf jeden Fall gut leben.
Die Tonfalben stehen wirklich unweit und kommen einfach anders rüber.
Ich bin mir eigentlich auch sicher, dass, wenn sich genügend Leute mit
der Thematik beschäftigen würden, genügend Makromerkmale zusammen kämen,
um solche Arten auch makroskopisch gut abgrenzen zu können.

Gerade bei Boletus und Tricholoma hört man hier immer seltener:
...tja, ohne scharfes Glas....

Vielleicht setzt sich der Trend fort.

LG Ingo