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Das Hautkopf-Imperium schlägt zurück ;-) *PIC*

Kattugla, (vor 6186 Tagen)

Guten Abend Forum,

ich hatte es am letzten Mittwoch ja schon vermutet, heute bestätigten sich meine schlimmsten "Befürchtungen": die Hautköpfe auf "meinem" Waldhang haben sich entschieden, mich durch schiere Masse zum Resignieren zu bringen. :-)
Kaum ein Schritt möglich, ohne welche zu zertreten... meine Güte...
Mitgewachsen ist auch die noch offene Frage, ob sich da nicht doch ein paar edlere Gesellen unter die Halbblütler (gibt es eigentlich bei den Pilzen Skinheads mit Migrationshintergrund??? *...kchhhkchhhkchhhh...*) gemogelt haben.

Dieser Anblick wiederholte sich in Meterabständen:

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Cortinarius semisanguineus, so wie es sich gehört.

Auch die hier waren endlich wieder da:

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Leuchtendes Orange mitten auf die Zwölf, wenn keine Gegenwehr auftaucht, behaupte ich Cortinarius cinnamomeus. Längst nicht so reichlich wie im letzten Jahr (da machten die Zimthautköpfe ein Viertel des Dermocybenbestands auf dem Hang aus), aber da.

Und nun wieder die schon bekannten Dazwischenmogler:
deutlich dunklerer Hut, zwar helles Velum, das aber auch genausogut pastellfarben sein könnte (ich habe es schon gelber gesehen) und die zwei verschiedenen Geschwister, die gerademal einen Meter voneinander entfernt standen, im direkten Vergleich:

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Im Schnitt sind auch Fleisch und Lamellen deutlich dunkler, als ich es gewöhnt bin und mit einem Farbstich ins Purpur.

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C. phoenicus dürfte aber immernoch keine helle Cortina haben. Oder doch???

Ach ja, wilde Natur bot sich auch noch:

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...und ein Tagpfauenauge wärmte sich in den Novembersonne die Flügel:

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Ansonsten bin ich schon fast dankbar, dass hier aktuell die Hälfte meiner Reviere von Jägern, Sauen und Hirschen belegt ist (obwohl die "Durchgang verboten, Jagd!"-Schilder schon ziemlich frustrierend sein können), ich bräuchte sonst tatsache Urlaub. ;-)

hautkopfschnibbelnde und Dörrgerät im Dauerbetrieb habende Grüße
Kattugla

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Re: Das Hautkopf-Imperium schlägt zurück ;-)

Wolfgang P., (vor 6186 Tagen) @ Kattugla

Im Schnitt sind auch Fleisch und Lamellen deutlich dunkler, als ich es
gewöhnt bin und mit einem Farbstich ins Purpur.
C. phoenicus dürfte aber immernoch keine helle Cortina haben. Oder doch???

Von semisanguinea gibt es verschiedene chemische Rassen. Vielleicht auch eine, die hier durch viel Dermoglaucin phoenicea vortäuscht? Nach Hoiland ließe sich phoenicea auch durch die Sporengröße und Form abgrenzen, das würde sich bei den zwei Pilzen mal lohnen (min. 30 Sporen messen!).

Ob Deines wirklich das gleiche sein soll wie die typische phoenicea mit stämmigem Wuchs aus dem Laubwald?

Wäre auf jeden Fall spannend zu untersuchen, mit Hautköpfen würde ich mich auch gerne mehr beschäftigen, wenn ich mal wieder Zeit habe (also so ab 2020...).

Gruß,

Wolfgang

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...was ist Dermoglaucin?

Kattugla, (vor 6186 Tagen) @ Wolfgang P.

...spannend. Was macht das, und wovon hängt es ab?
Meine ertragreichen Hautkopf-Reviere für die o.g. Arten sind allesamt trockener, lichter Nadelwald, Südwesthanglage und sauer, mit eingestreuten Eichen - und die letzteren scheinen wirklich wichtig zu sein.

Wir sind morgen nochmal da - für die zweite Hälfte, für die es heute nicht mehr gereicht hat.
Falls mir noch einer der dunkleren Kandidaten unterkommt, sichere ich mal ein (komplettes) Exsikkat. Und verspreche, es nicht zum Wollefärben zu verwursten.
Bedarf bitte per Mail anmelden...

Zu den Saftlingen komme ich - glaube ich - auch erst ca. 2020. Ich kenne hier mind. 3 Wiesen, die mehr bieten als H. conica... *rotwerd*

Grüße
Kattugla

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Re: ...was ist Dermoglaucin?

Wolfgang P., (vor 6186 Tagen) @ Kattugla

...spannend. Was macht das, und wovon hängt es ab?

Hallo Kattugla,

die Hautköpfe enthalten alle zwei Dutzend Farbstoffe in verschiedenen Zusammensetzungen, die sich chemisch alle sehr ähnlich sind, nämlich Anthrachinone (http://de.wikipedia.org/wiki/Anthrachinon) mit verschiedenen Randgruppen (meist -CH3 und -OCH3 in verschiedenen Stellungen).

Dermoglaucin ist einer davon - ein brauner, der mit NH3 graublau wird, wenn ich mich recht erinnere. Ich hab' als Schüler 1984 eine Facharbeit über diese Farbstoffe geschrieben, und da ist mir das Dermoglaucin bei phoenicea und manchen semisanguinea-Kollektionen im Gedächtnis geblieben.

Wenn Du einen Pilz ein paar Minuten in Brennspiritus legst, lösen sich diese Farbstoffe heraus, und Du erhältst eine rote (wenn mit Lamellen: Dermocybin) oder goldbraune Lösung (nur Stiel und Huthaut: Flavomannin, Dermolutein, ... ). Das lässt Du auf einem weißen Küchenkrepp eintrocknen und prüfst mal mit UV-Licht und mit NH3-Dampf, dann wirst Du die Palette der Farbstoffe entdecken.

Warum einige Pilze nun den einen oder anderen Farbstoff mehr oder weniger machen? Naja, warum produzieren einige Menschen mehr Haut- oder Haarpigmente?

Belege an mich?? Nee, lass mal gut sein. Wenn, dann müsste ich die nicht nur mikroskopisch, sondern auch chemisch untersuchen, und dazu hab' ich gar nicht mehr die Ausrüstung. Das mit dem 2020 war leider ziemlich ernst gemeint.

Gruß,

Wolfgang

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...bisschen Farbchemie zur Diffenrentialdiagnose

Kattugla, (vor 6186 Tagen) @ Wolfgang P.

Hallo Kattugla,
die Hautköpfe enthalten alle zwei Dutzend Farbstoffe in verschiedenen
Zusammensetzungen, die sich chemisch alle sehr ähnlich sind, nämlich
Anthrachinone (http://de.wikipedia.org/wiki/Anthrachinon) mit
verschiedenen Randgruppen (meist -CH3 und -OCH3 in verschiedenen
Stellungen).
Dermoglaucin ist einer davon - ein brauner, der mit NH3 graublau wird, wenn
ich mich recht erinnere. Ich hab' als Schüler 1984 eine Facharbeit über
diese Farbstoffe geschrieben, und da ist mir das Dermoglaucin bei
phoenicea und manchen semisanguinea-Kollektionen im Gedächtnis geblieben....

C. semisanguineus und C. phoenicus enthalten von den Anthrachinonen:
Emodin (als Glycosid)

Physcion

Dermoglaucin

Dermocybin

Dermonlutein

Dermorubin

5-Chlordermolutein

5-Chlordermorubin
(Schweppe, Handbuch der Naturfarbstoffe, 1993)

Laut Schweppe unterscheiden sich C.phoenicus und C. semisanguineus lediglich bei der Farbreaktion auf (Beize beim Färben) Zinnsalze. (C. phoenicus rot, C. semisanguineus braunrot).
Zinnacetat habe ich da. Ich teste das mal im Direktvergleich aus...

Jetzt bin ich sowas von neugierig...

schonmal danke für den Tip - 2020 ist schon bald. *grins und leucht*
Kattugla

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Re: ...bisschen Farbchemie zur Diffenrentialdiagno

Wolfgang P., (vor 6185 Tagen) @ Kattugla

Laut Schweppe unterscheiden sich C.phoenicus und C. semisanguineus lediglich
bei der Farbreaktion auf (Beize beim Färben) Zinnsalze. (C. phoenicus rot,
C. semisanguineus braunrot).
Zinnacetat habe ich da. Ich teste das mal im Direktvergleich aus...

... wenn's denn so einfach wäre...

Leider braucht man zumindest mal ein Dünnschicht-Chromatogramm und die Literatur von Hoiland: Opera Botanica 71 (1983).
Er hatte Silicagel-Plättchen und Ethylformiat:Ameisensäure:Toluol 50:15:35 als Laufmittel verwendet, um die Farben aufzutrennen. Ich hatte damals noch ältere Literatur und Papierchromatogramme mit Pyridin und irgendwas als Laufmittel.

Und dann sollte man sich eben nicht auf die Literatur verlassen, weil die verschiedenen chemischen Rassen außerhalb von Skandinavien nicht erforscht sind. Deswegen müssen unbedingt die mikroskopischen Merkmale (insb. Sporengröße und Huthautaufbau) parallel betrachtet werden.

Gruß,

Wolfgang