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Risspilz (Inocybe cf. tjallingiorum) *PIC*

interhias ⌂, (vor 6104 Tagen)

Hallo zusammen,

schon wieder ein Risspilz, diesmal ein Frühsommerfund aus der Fröttmaniger Schotterheide, wo immer die Bälle landen, wenn Uli Hoeneß nochmal einen Elfer schießt:

Gehört zu den ganz stielbereiften Arten, hat glatte Sporen mit abgerundetem Apex und wächst bei Salix. Beim Versuch, diesen Risspilz zu schlüsseln (Stangl, Funga Nordica) komme ich in der Nähe von I. tjallingiorum heraus und die von Erminio Ferrari beschriebene Kollektion 37/04 hat auch eine gewisse Ähnlichkeit. Leider habe ich den Kuyper nicht und auch sonst keinen Plan von dieser Art. Wer weiß Rat?

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Beschreibung und Mikros:
Funddaten: 04.07.2009; MTB 7735-4-3-2, 490 m; München, Fröttmaninger Heide, Magerwiese auf Kalkschotter, beweidet (Schafe, Ziegen), auf Erde bei Salix spec. und Salweide, gesellig (>10 Fk); Hut: bis 2,2 cm breit, jung stumpfkegelig, später gewölbt mit stumpfem Buckel, fein befasert, auch ein wenig filzig, zum Rand hin etwas gröber, aber kaum aufreißend, dunkelbraun bis dattelbraun, am Rand kaum heller; Stiel: bis 4 x 0,4 cm, zylindrisch, basal schwach verdickt, an der Spitze satt cremefarben, stielabwärts gelbbraun bis haselnussbraun, bis über die Mitte feinst bereift, zur Basis hin Bereifung undeutlich, mehr faserig werdend; Lamellen: aufsteigend und abgerundet schmal angewachsen, bauchig,jung grauweiß, später graubraun und zuletzt olivocker; Schneiden konvex, weißflockig; Fleisch: im Hutkern weiß, sonst wässerig grau, im Stiel schmutzig cremefarben; Geruch: schwach spermatisch; Cheilozystiden: sehr variabel, sublageniform (Hälse nie ausgeprägt lang) bis fusiform, oft auch keulig, metuloid, aber oft ohne Kristalle, dickwandig, in KOH blass gelblich, Maße: ca. 40-60 x 12-17, Wandstärke am Bauch um 1 µm, am Hals 2-2,5; Pleurozystiden: sublageniform bis fusiform (wie die Cheilos), Maße ca. 48-60 x 11-16, Wandstärke am Bauch um 1 µm, am Hals 2-2,5; Stielbekleidung: Echte Kaulozystiden auch unterhalb der Stielmitte vorhanden, variabel geformt (lageniform, breit fusoid, keulig), metuloid, im unteren Stielbereich z.B. 38x14, 53x15, 42x15, im oberen Stielbereich z.B. 54x14, 60x19, Wandstärke ca. 1-1,5; Basidien: überwiegend 4-sporig, z.B. 29x8, 33x10; Sporen: ellipsoid bis subamygdaloid, Apex zumeist deutlich rundlich, glatt, Maße 8,5 x 5,3 (7,5-10 x 4,5-6,5), Q=1,60 (1,42-1,89), 20 Sp. gemessen;

Cheilozystiden:
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Pleurozystiden:
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Sporen am Hymenium:
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Grüße aus München
Hias

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Re: Risspilz (Inocybe cf. tjallingiorum) *PIC*

Andreas 2, (vor 6104 Tagen) @ interhias

Hallo Hias,

solche Pilze konnte ich an ähnlichen Standorten schon häufig beobachten. An einer Stelle hatte ich sie standorttreu 7 Jahre lang, oft jährlich in mehreren Schüben und konnte somit die Variationsbreite gut studieren. Lange war ich mir unsicher und traute mich nicht diese Pilze zu benennen. Erst in den letzten Jahren bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass es sich hier nur um I. tjalligiorum handeln kann.

Hier eine zusammenfassende Beschreibung vom oben genannten Fundort. Mir liegen zwischenzeitlich aber auch noch andere Funde von ähnlichen Standorten vor.

Inocybe tjallingiorum Kuyper

Hut von 12 bis 28 mm, jung fast halbkugelig, später konisch-konvex bis flachkonvex (nur selten vollkommen flach ausgebreitet oder gar niedergedrückt), ohne oder mit +/- deutlichem, abgerundetem, nur selten warzigem Buckel, Rand jung fast eingerollt bis abgeknickt, aber fast immer abgerundet bleibend; Mitte meist kahl (aber matt) oder filzig, auch fein faserig bis feinschollig aufreißend, dunkelbraun, braun bis haselbraun, nach außen schwach radial faserig-filzig, seltener bis grob faserig (so gar komplett filzig, faserschuppig oder fast rimos möglich), kaum heller als die Hutmitte (Y90, M80, C70 / Y90, M70, C60 / Y90, M60, C60 / Y99, M70, C80 nach Küppers) ; vor allem jung mit dünnen, silbrig-weißlichen bis grauen Velumfasern bedeckt, diese im Alter meist vollkommen fehlend; Cortina an jüngsten Frk. teilweise vorhanden.
Lamellen normal gedrängt, 1 : 1 bis 1 : 3 untermischt, selten gegabelt, gerade bis bauchig, ausgebuchtet,  angewachsen; erst weißlich, dann lange grau, später olivbräunlich bis olivbraun; Schneide jung weiß bewimpert bis fast flockig, eben.
Stiel 15 bis 35 / 1,5 – 5,5 mm, meist zyl., aber auch zur Spitze oder nach unten etwas verdickt, Basis nicht bis deutlich verdickt, aber nie gerandet knollig gesehen; jung weißlich bis blass bräunlich, Spitze später meist gelbbräunlich bis fleischrosabräunlich, Mitte eher rot- bis dunkelrotbraun, zur Basis oft wieder heller (ausnahmsweise auch fast weißlich bleibende, aber auch komplett dunkelbraune Stiele beobachtet), Basis weiß(lich) durch Myzelfilz, komplett (bis zur Mitte deutlich) bereift, im unteren Teil auch  grauweißlich dünn überfasert; mittleres IS zwischen 9 bis 14 (bei vielen Frk. fast immer 11).
Fleisch im Hut weißlich, im Stiel vor allem im Randbereich (rot-)bräunlich; Geruch im frischem Schnitt von kaum wahrnehmbar bis deutlich spermatisch.
Sporen von (7,5) 8,0 – 10,5 (11) / (4,5) 5,0 – 6,2 (6,5) Q (1,2) 1,5 – 1,9 (2,1) µm; im Mittel 8,5-9,2 / 5,3-5,6 Qm 1,6-1,8 Vm 130-150 µm3; mit abgerundetem bis schwach konischem Apex.
Basidien fast ausschließlich 4 – sporig gesehen, schlank keulig, 20 – 32 / 7 – 10 µm.
Pleurozystiden fusi-, subutri- bis sublageniform, (25) 35 – 65 (75) / (8) 10 – 18 (20) µm mit durchschnittlich 1,5 – 2,5 µm dicken, fast farblosen bis gelben Wänden.
Cheilozystiden von den Pleurozystiden kaum verschieden, gedrängt stehend und mit keuligen bis birnenförmigen dünnwandigen Parazystiden untermischt.
Kaulozystiden bis weit unter Stielmitte zu beobachten, (im unteren Stielbereich) meist lageni- bis utri-, seltener fusiform, am Hals oft etwas wellig (wie Pleurozyst. von I. obscurobadia), 25 – 75 / 10 – 20 µm (an der Stielspitze oft etwas schlanker), Wand meist etwas dünner und weniger gelb; Kauloparazyst. dünnwandig, stumpf bis schlank keulig.

Funddaten: viele Kollektionen von 1995 bis 2002 von (April) Mai bis Oktober, Thüringen, Gera, Türkengraben, MTB 5138/14, ca. 230 m ü. NN, wenig exponierter Nordhang, Pioniergehölze, vorwiegend Weide, aber auch Kiefer, Birke, Espe, Ahorn auf nacktem, teils bemoostem, lehmigen Boden. Nach 2002 fehlend!

Bemerkung:

Als sehr konstant ist das bis weit unter die Stielmitte gut ausgebildete „Kaulohymenium“ einzustufen. Jedenfalls war das bei allen untersuchten Proben der verschiedenen Kollektionen der Fall. So dass Arten der Cortinatae ausgeschlossen werden können. Cortina an kleinsten Fruchtkörpern, sind nach meinen Beobachtungen auch bei den meisten Spezies der Marginatae vorhanden. Der durchschnittliche IS war ziemlich konstant und lag zwischen 9 bis 14. Der manchmal sehr dunkel werdende Stiel könnte auf I. tenebrosa deuten. Da gibt es aber grundlegende Abweichungen: keine keuligen Pleurozystiden, die Stielbasis selbst immer weißlich oder zumindest heller als die Stielmitte, nie himbeerrötliche Farbtöne am Myzel oder Stielbasis, Kaulozyst. im unteren Stielbereich nicht braun oder bräunlich inkrustiert.
Inocybe leiocephala unterscheidet sich durch eine fettig wirkende Hutmitte (nach feuchtem Wetter), im Mittel größere Sporen und Hymenialzystiden. Außerdem habe ich I. leiocephala bisher fast nur bei Fichten und selten so kleinwüchsig beobachtet.
I. splendens var. phaeoleuca hat ebenfalls größere Sporen und weiß (hell) bleibende Stiele.

Gruß Andreas

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Re: Risspilz (Inocybe cf. tjallingiorum)

interhias ⌂, (vor 6102 Tagen) @ Andreas 2

Servus Andreas,

herzlichen Dank für die ausführlichen Infos zu der Art!

Beste Grüße
Hias

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Re: Risspilz (Inocybe cf. tjallingiorum)

Helmut, (vor 6102 Tagen) @ Andreas 2

Servus Andreas und Hias,

tolle, hervorragend dokumentierte Funde! Mit der Bestimmung ging es mir auch lange ähnlich wie Euch (und geht es mir z. T. immer noch). Irgendwas passt meistens nicht zur Originalbeschreibung bei Kuyper (1986). Sowohl Stangl (1989) als auch Ferrari (2006) führen verschiedene Aufsammlungen, die sich makro- und mikroskopisch unterscheiden unter dem selben Artnamen. Da hätte ich Probleme damit.

Leider finde ich die Art (oder Arten) recht selten und meist nur mit wenigen Fruchtkörpern, weshalb ich lange Probleme hatte, ein klares Artkonzept für mich zu finden. Aufgrund Eurer detaillierten Dokumentation und Beschreibung bin ich schon der Meinung, dass die Funde gut zur Originalbeschreibung passen. Lediglich die Stielfarbe beschreibt Kuyper als komplett weißlich bis ockerlich "when young", später in der unteren Hälfte wie I. vulpinella. Frischmaterial hat er wohl wenig gesehen, da "very rare in the netherlands", weswegen eine größere Variabilität in der Stielfarbe durchaus im Rahmen des Möglichen liegt.

Was überzeugt, sind die abgerundeten (nicht konischen) Sporenenden sowie die Form, Größe und Wandstärke der Hymenialzystiden. Das "cf." dürfte hier überflüssig sein.

Gruß

Helmut

Hallo Hias,
solche Pilze konnte ich an ähnlichen Standorten schon häufig beobachten. An
einer Stelle hatte ich sie standorttreu 7 Jahre lang, oft jährlich in
mehreren Schüben und konnte somit die Variationsbreite gut studieren.
Lange war ich mir unsicher und traute mich nicht diese Pilze zu benennen.
Erst in den letzten Jahren bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass es
sich hier nur um I. tjalligiorum handeln kann.
Hier eine zusammenfassende Beschreibung vom oben genannten Fundort. Mir
liegen zwischenzeitlich aber auch noch andere Funde von ähnlichen
Standorten vor.
Inocybe tjallingiorum Kuyper
Hut von 12 bis 28 mm, jung fast halbkugelig, später konisch-konvex bis
flachkonvex (nur selten vollkommen flach ausgebreitet oder gar
niedergedrückt), ohne oder mit +/- deutlichem, abgerundetem, nur selten
warzigem Buckel, Rand jung fast eingerollt bis abgeknickt, aber fast immer
abgerundet bleibend; Mitte meist kahl (aber matt) oder filzig, auch fein
faserig bis feinschollig aufreißend, dunkelbraun, braun bis haselbraun,
nach außen schwach radial faserig-filzig, seltener bis grob faserig (so
gar komplett filzig, faserschuppig oder fast rimos möglich), kaum heller
als die Hutmitte (Y90, M80, C70 / Y90, M70, C60 / Y90, M60, C60 / Y99,
M70, C80 nach Küppers) ; vor allem jung mit dünnen, silbrig-weißlichen bis
grauen Velumfasern bedeckt, diese im Alter meist vollkommen fehlend;
Cortina an jüngsten Frk. teilweise vorhanden.
Lamellen normal gedrängt, 1 : 1 bis 1 : 3 untermischt, selten gegabelt,
gerade bis bauchig, ausgebuchtet,  angewachsen; erst weißlich,
dann lange grau, später olivbräunlich bis olivbraun; Schneide jung weiß
bewimpert bis fast flockig, eben.
Stiel 15 bis 35 / 1,5 – 5,5 mm, meist zyl., aber auch zur Spitze oder nach
unten etwas verdickt, Basis nicht bis deutlich verdickt, aber nie gerandet
knollig gesehen; jung weißlich bis blass bräunlich, Spitze später meist
gelbbräunlich bis fleischrosabräunlich, Mitte eher rot- bis
dunkelrotbraun, zur Basis oft wieder heller (ausnahmsweise auch fast
weißlich bleibende, aber auch komplett dunkelbraune Stiele beobachtet),
Basis weiß(lich) durch Myzelfilz, komplett (bis zur Mitte deutlich)
bereift, im unteren Teil auch  grauweißlich dünn überfasert;
mittleres IS zwischen 9 bis 14 (bei vielen Frk. fast immer 11).
Fleisch im Hut weißlich, im Stiel vor allem im Randbereich (rot-)bräunlich;
Geruch im frischem Schnitt von kaum wahrnehmbar bis deutlich spermatisch.
Sporen von (7,5) 8,0 – 10,5 (11) / (4,5) 5,0 – 6,2 (6,5) Q (1,2) 1,5 – 1,9
(2,1) µm; im Mittel 8,5-9,2 / 5,3-5,6 Qm 1,6-1,8 Vm 130-150 µm3; mit
abgerundetem bis schwach konischem Apex.
Basidien fast ausschließlich 4 – sporig gesehen, schlank keulig, 20 – 32 / 7
– 10 µm.
Pleurozystiden fusi-, subutri- bis sublageniform, (25) 35 – 65 (75) / (8) 10
– 18 (20) µm mit durchschnittlich 1,5 – 2,5 µm dicken, fast farblosen bis
gelben Wänden.
Cheilozystiden von den Pleurozystiden kaum verschieden, gedrängt stehend und
mit keuligen bis birnenförmigen dünnwandigen Parazystiden untermischt.
Kaulozystiden bis weit unter Stielmitte zu beobachten, (im unteren
Stielbereich) meist lageni- bis utri-, seltener fusiform, am Hals oft
etwas wellig (wie Pleurozyst. von I. obscurobadia), 25 – 75 / 10 – 20 µm
(an der Stielspitze oft etwas schlanker), Wand meist etwas dünner und
weniger gelb; Kauloparazyst. dünnwandig, stumpf bis schlank keulig.
Funddaten: viele Kollektionen von 1995 bis 2002 von (April) Mai bis Oktober,
Thüringen, Gera, Türkengraben, MTB 5138/14, ca. 230 m ü. NN, wenig
exponierter Nordhang, Pioniergehölze, vorwiegend Weide, aber auch Kiefer,
Birke, Espe, Ahorn auf nacktem, teils bemoostem, lehmigen Boden. Nach 2002
fehlend!
Bemerkung: Als sehr konstant ist das bis weit unter die Stielmitte gut
ausgebildete „Kaulohymenium“ einzustufen. Jedenfalls war das bei allen
untersuchten Proben der verschiedenen Kollektionen der Fall. So dass Arten
der Cortinatae ausgeschlossen werden können. Cortina an kleinsten
Fruchtkörpern, sind nach meinen Beobachtungen auch bei den meisten Spezies
der Marginatae vorhanden. Der durchschnittliche IS war ziemlich konstant
und lag zwischen 9 bis 14. Der manchmal sehr dunkel werdende Stiel könnte
auf I. tenebrosa deuten. Da gibt es aber grundlegende Abweichungen: keine
keuligen Pleurozystiden, die Stielbasis selbst immer weißlich oder
zumindest heller als die Stielmitte, nie himbeerrötliche Farbtöne am Myzel
oder Stielbasis, Kaulozyst. im unteren Stielbereich nicht braun oder
bräunlich inkrustiert.
Inocybe leiocephala unterscheidet sich durch eine fettig wirkende Hutmitte
(nach feuchtem Wetter), im Mittel größere Sporen und Hymenialzystiden.
Außerdem habe ich I. leiocephala bisher fast nur bei Fichten und selten so
kleinwüchsig beobachtet.
I. splendens var. phaeoleuca hat ebenfalls größere Sporen und weiß (hell)
bleibende Stiele.
Gruß Andreas