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Sequenzierungs-Fragen

pilzmel ⌂, (vor 6073 Tagen)

Hallo zusammen,
zwei kleine Anfragen.

Wenn ich plötzlich auf die Idee käme, einen Pilz sequenzieren zu lassen, was wäre denn dann die "first adress"? Im Netz sind zwar jede Menge Anbieter zu finden, aber eventuell hat jemand persönliche Erfahrungen?

Zwotens suche ich nach einem Programm für die Auswertung von Sequenzen (Vergleich untereinander, tree erstellen). Auch da ist im Netz eine Fülle vorhanden (ich bin nicht fertig mit durchforsten). Aber entweder nicht freeware, braucht eine offenherzige Registrierung, oder ich kriege das Dingens nicht zum Laufen. Vielleicht hat jemand einen Tipp?

Beste Grüße!
Andreas

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Re: Sequenzierungs-Fragen

Christoph ⌂, (vor 6073 Tagen) @ pilzmel

Hallo Andreas,

Sequenzieren an sich ist kein großes technisches Problem mehr, solange die Probe in gutem Zustand ist.

Die Frage nach der Software hingegen ist kniffelig. Egal, welche Software Du nutzen würdest, gäbe es das problem des Alignments. Hier helfen zwar manche Programme, aber man sollte immer manuell das Alignment prüfen. Es geht darum, die zu vergleichenden Basenpaarsequenzen passend zuzuordnen. Angenommen Spezies A fehlen zwei Basenpaare, dann hätte man eine Leserasterverschiebung. Die Sequenzen können bis auf die zwei fehlenden Buchstaben identisch sein, würden aber ab der Ausschneidestelle kaum Gemeinsamkeiten zeigen.

Gut so etwas bemerkt man leicht. Manchmal sind aber Abschnitte nur verdreht. Oder es gab eine Insertion (Verdopplung einer Sequenz, oder ein Mikrosatellit etc.pp.). Oder eine Mischung aus allem Möglichem. Sehr leicht erkennt man dann Ähnlichkeiten nicht mehr und die Arten erscheinen zu weit verwandtschaftlich entfernt.

Und dann noch die Auswertemethode... Maximum Likelyhood war früher beliebt, liefert aber offensichtlich keine wirklich guten, realitätsnahen Stammbäume (die Natur geht selten oder nur den kürzesten Weg von A nach B). Im Moment ist die Bayesian Algebra "in", die aber extrem komplex ist.

Kurzum: Sequenzieren nach Mochrezept: bei richtiger Hardware kein Problem. Drum wird es leicht sein, jemanden zu finden...
Auswertung der Basenpaarsequenzen: nicht einfach und m.E. nicht einfach so mal nebenher machbar. Da müssen Profis ran, damit was Gutes dabei rauskommt. Und auch unter den "Profis" gibt es die, die nach Standardverfahren vorgehen (was oft suboptimal ist) und diejenigen, die neue Erkenntnisse in der Mathematik mit einbeziehen.

Und unabhängig von all dem Ganzen: Welches Gen soll man überhaupt sequenzieren? Wieviele unterschiedliche Bereiche der DNA müssen sequenziert werden, damit Ergebnisse stabil bleiben und der Stammbaum nicht ständig kippt? LSU und SSU? Oder doch noch die "gute alte" ITS-Region? Oder... oder... oder... (ist oft von der betrachteten gattung abhängig). Und mit welchen Arten vergleicht man sie? Was zieht man als Außengruppe heran? Welche Daten liegen vor, um die genetische Uhr zu kalibrieren (für die Bayesian Analysis)?

LG
Christoph

Hallo zusammen,
zwei kleine Anfragen.
Wenn ich plötzlich auf die Idee käme, einen Pilz sequenzieren zu lassen, was
wäre denn dann die "first adress"? Im Netz sind zwar jede Menge
Anbieter zu finden, aber eventuell hat jemand persönliche Erfahrungen?
Zwotens suche ich nach einem Programm für die Auswertung von Sequenzen
(Vergleich untereinander, tree erstellen). Auch da ist im Netz eine Fülle
vorhanden (ich bin nicht fertig mit durchforsten). Aber entweder nicht
freeware, braucht eine offenherzige Registrierung, oder ich kriege das
Dingens nicht zum Laufen. Vielleicht hat jemand einen Tipp?
Beste Grüße!
Andreas

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Re: Sequenzierungs-Fragen

pilzmel ⌂, (vor 6072 Tagen) @ Christoph

Hallo Christoph,
vielen Dank für deine Meldung zur Sache!

Sequenzieren an sich ist kein großes technisches Problem mehr, solange die
Probe in gutem Zustand ist.

Die grundsätzliche Technologie habe ich ansatzweise verstanden. Sagen wir mal so: In diese und die folgende Auswertung bin ich soweit eingedrungen, dass vom kleinen Zeh meines linken Fußes nur noch zwei Drittel herausragen.

Die Frage nach der Software hingegen ist kniffelig. Egal, welche Software Du
nutzen würdest, gäbe es das problem des Alignments. Hier helfen zwar
manche Programme, aber man sollte immer manuell das Alignment prüfen. Es
geht darum, die zu vergleichenden Basenpaarsequenzen passend zuzuordnen.
Angenommen Spezies A fehlen zwei Basenpaare, dann hätte man eine
Leserasterverschiebung. Die Sequenzen können bis auf die zwei fehlenden
Buchstaben identisch sein, würden aber ab der Ausschneidestelle kaum
Gemeinsamkeiten zeigen.

Deshalb meine Formulierung "first adress". Wer also weiß, worauf es bei Pilzen ankommt...

Gut so etwas bemerkt man leicht. Manchmal sind aber Abschnitte nur verdreht.
Oder es gab eine Insertion (Verdopplung einer Sequenz, oder ein
Mikrosatellit etc.pp.). Oder eine Mischung aus allem Möglichem.

...bzw. editiert entsprechend?

Und dann noch die Auswertemethode... Maximum Likelyhood war früher beliebt,
liefert aber offensichtlich keine wirklich guten, realitätsnahen
Stammbäume (die Natur geht selten oder nur den kürzesten Weg von A nach
B). Im Moment ist die Bayesian Algebra "in", die aber extrem
komplex ist.

Auch so ne Krux. Alle Nase lang ändert sich der Weg zum Ziel.

Da müssen Profis ran, damit was Gutes dabei rauskommt.

Meine ich ja.

Und unabhängig von all dem Ganzen: Welches Gen soll man überhaupt
sequenzieren? Wieviele unterschiedliche Bereiche der DNA müssen
sequenziert werden, damit Ergebnisse stabil bleiben und der Stammbaum
nicht ständig kippt? LSU und SSU? Oder doch noch die "gute alte"
ITS-Region? Oder... oder... oder... (ist oft von der betrachteten gattung
abhängig). Und mit welchen Arten vergleicht man sie? Was zieht man als
Außengruppe heran? Welche Daten liegen vor, um die genetische Uhr zu
kalibrieren (für die Bayesian Analysis)?

Jetzt wäre der Moment zum Passen gekommen...
Mache ich aber nicht.

Beste Grüße!
Andreas

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Re: Sequenzierungs-Fragen

Christoph ⌂, (vor 6072 Tagen) @ pilzmel

Hallo Andreas,

nichts zu Danken! Ich würde mal bei Prof. Langer nachfragen. Er hatte ja angeboten, in manchen Fällen auch Sequenzieren zu lassen. Er kann vielleicht auch Verbindungen eröffnen, was die Auswertung der Sequenzen angeht.

LG
Christoph

Hallo Christoph,
vielen Dank für deine Meldung zur Sache!
Die grundsätzliche Technologie habe ich ansatzweise verstanden. Sagen wir mal
so: In diese und die folgende Auswertung bin ich soweit eingedrungen, dass
vom kleinen Zeh meines linken Fußes nur noch zwei Drittel herausragen.
Deshalb meine Formulierung "first adress". Wer also weiß, worauf es
bei Pilzen ankommt...
...bzw. editiert entsprechend?
Auch so ne Krux. Alle Nase lang ändert sich der Weg zum Ziel.
Meine ich ja.
Jetzt wäre der Moment zum Passen gekommen...
Mache ich aber nicht.
Beste Grüße!
Andreas