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Frage an die Mikroskopierprofis

Stephan Weißer, (vor 5998 Tagen)

Wer kann mir kurz und bündig erklären, wie man ein Präparat zur Überprüfung von Kaulocystiden bei Risspilzen macht? Schon mal vielen Dank im Voraus.

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Re: Frage an die Mikroskopierprofis

Der Juergen, (vor 5998 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

ich nehme eine Rasierklinge und kratze von besagter Stelle am Stiel (apikel, mitte oder basal) ein bisschen was ab - wie man bei uns sagt; a Muckaseggele ... also ganz wenig, kaum sichtbar - dann wird in einen Wassertropfen auf dem Objektträger überführt.

Grüßle
Juergen

Wer kann mir kurz und bündig erklären, wie man ein Präparat zur Überprüfung
von Kaulocystiden bei Risspilzen macht? Schon mal vielen Dank im Voraus.

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Mehrere Methoden für Kaulos

Harald Andres Schmid, (vor 5997 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Stephan,
ich nehme eine Rasierklinge und kratze von besagter Stelle am Stiel (apikel,
mitte oder basal) ein bisschen was ab - wie man bei uns sagt; a
Muckaseggele ... also ganz wenig, kaum sichtbar - dann wird in einen
Wassertropfen auf dem Objektträger überführt.
Grüßle
Juergen

Hallo,
Bin zwar kein Mikroskopier-Profi, aber Risspilz-Fan.
Das Wichtigste ist, den Stiel nicht zu berühren.
Dann werden die Kaulos nicht zerquetscht.
Ich löse den Stiel vorsichtig vom Hut, am besten schneidet man ihn heraus, da er fest verwachsen ist und schnell zerfleddert, wenn man ihn abreisst, und legt ihn auf einem Objektträger als Ganzes unter das Mikroskop. Man benutzt es so als Lupe. Je nach Bauart kann man die schwächste oder zweitschwächste Vergrösserung nehmen, der Stiel muss einfach unter dem Objektiv Platz haben. Im Gegenlicht kann man nun die Kante von oben nach unten nach Kaulos absuchen. Der Vorteil gegenüber allen anderen Methoden ist, dass man einen genauen Eindruck bekommt, wie weit die Kaulos den Stiel hinunter reichen. Durch die starke Vergrösserung sieht man alles genauer als unter einer Stereo-Lupe, und es geht blitzschnell und absolut sicher.
Um die Kaulos genauer darzustellen, z.B. um einen Vergleich mit einer Mikro-Zeichnung zu haben, schneidet man dann von oben nach unten quer feinste Rädchen aus dem Stiel und präpariert sie. Man sieht dann einen runden Fleck als Präparat, von dem die Kaulos rundum schön abstehen.
Die Methode mit dem Schaben funktioniert zwar, man zerstört aber viel, es ist sehr zufällig, was man unter das Mik kriegt, und man bekommt keinen so guten Ueberblick, wo wieviele Kaulos wachsen und wann sie im Verlauf nach unten in Hyphenenden übergehen.
Eine andere Methode ist, ein flaches Stück aus der Stielrinde zu lösen und in Aufsicht anzusehen. Das ist schwierig, da man die Kaulos im Durchlicht gegen das Gewebe entdecken muss, ein reines Suchspiel, eine unsichere Sache, die viel Geduld erfordert (mit der Blende spielen!). Der Vorteil: Es ist die einzige funktionierende Methode auch bei schon angefassten Stielen, wenn die Kaulos zerquetscht sind.
Gruss, Harald Andres

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Re: Mehrere Methoden für Kaulos

arysch, (vor 5997 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo Harald Andres,
sehr interessant! Noch eine Frage: komme ich mit einem 10x Objektiv klar? Oder sollte man doch eine viel schwächere Vergrößerung nutzen (ich müsste dann so ein Objektiv besorgen...). Ich habe es noch nie ausprobiert, aber dachte, es wäre auch mit einem guten Stereomikroskop möglich (z. B. mit einer 40-60x Vergrößerung), die Kaulozystiden zu finden und dann aus dieser Fundstelle ein Präparat für Durchlicht vorzubereiten...
Herzliche Grüße, Artur.

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Re: Mehrere Methoden für Kaulos

HARZPILZCHEN, (vor 5997 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo,
Bin zwar kein Mikroskopier-Profi, aber Risspilz-Fan.
Das Wichtigste ist, den Stiel nicht zu berühren.
Dann werden die Kaulos nicht zerquetscht.
Ich löse den Stiel vorsichtig vom Hut, am besten schneidet man ihn heraus, da
er fest verwachsen ist und schnell zerfleddert, wenn man ihn abreisst, und
legt ihn auf einem Objektträger als Ganzes unter das Mikroskop. Man
benutzt es so als Lupe. Je nach Bauart kann man die schwächste oder
zweitschwächste Vergrösserung nehmen, der Stiel muss einfach unter dem
Objektiv Platz haben. Im Gegenlicht kann man nun die Kante von oben nach
unten nach Kaulos absuchen. Der Vorteil gegenüber allen anderen Methoden
ist, dass man einen genauen Eindruck bekommt, wie weit die Kaulos den
Stiel hinunter reichen. Durch die starke Vergrösserung sieht man alles
genauer als unter einer Stereo-Lupe, und es geht blitzschnell und absolut
sicher.
Um die Kaulos genauer darzustellen, z.B. um einen Vergleich mit einer
Mikro-Zeichnung zu haben, schneidet man dann von oben nach unten quer
feinste Rädchen aus dem Stiel und präpariert sie. Man sieht dann einen
runden Fleck als Präparat, von dem die Kaulos rundum schön abstehen.
Die Methode mit dem Schaben funktioniert zwar, man zerstört aber viel, es ist
sehr zufällig, was man unter das Mik kriegt, und man bekommt keinen so
guten Ueberblick, wo wieviele Kaulos wachsen und wann sie im Verlauf nach
unten in Hyphenenden übergehen.
Eine andere Methode ist, ein flaches Stück aus der Stielrinde zu lösen und in
Aufsicht anzusehen. Das ist schwierig, da man die Kaulos im Durchlicht
gegen das Gewebe entdecken muss, ein reines Suchspiel, eine unsichere
Sache, die viel Geduld erfordert (mit der Blende spielen!). Der Vorteil:
Es ist die einzige funktionierende Methode auch bei schon angefassten
Stielen, wenn die Kaulos zerquetscht sind.
Gruss, Harald Andres

Vielen Dank Harald Andres
für die hilfreichenden und umfänglichen Informationen

VG Hartmut

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Re: Frage an die Mikroskopierprofis *PIC*

Andreas 2, (vor 5997 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

für das "Wie", gab es ja schon schöne Tipps. Noch eine spezieller Hienweis für die Kaulos bei Risspilzen. Für die Bestimmung ist auch das Vorhandensein der kleinen, meist irgendwie keuligen Elemente - sogenannte Kauloparazystiden - wichtig.
Analoge Parazystiden findet man auch bei den meisten Risspilzen zwischen den metuloiden Cheilozyst.

Gruß Andreas

[image]

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Vergrösserung bei der "Trocken-Methode"

Harald Andres Schmid, (vor 5997 Tagen) @ arysch

Hallo Harald Andres,
sehr interessant! Noch eine Frage: komme ich mit einem 10x Objektiv klar?
Oder sollte man doch eine viel schwächere Vergrößerung nutzen (ich müsste
dann so ein Objektiv besorgen...). Ich habe es noch nie ausprobiert, aber
dachte, es wäre auch mit einem guten Stereomikroskop möglich (z. B. mit
einer 40-60x Vergrößerung), die Kaulozystiden zu finden und dann aus
dieser Fundstelle ein Präparat für Durchlicht vorzubereiten...
Herzliche Grüße, Artur.

Hallo, Arthur

Um "trocken" zu mikroskopieren, das heisst, ein Objekt wie unter einer Lupe zu betrachten, ist weniger die Vergrösserung entscheidend, sondern, ob (konstruktionsbedingt) beim entsprechenden Mikroskop Platz ist, ein dickes Objekt zwischen Objektiv und Objektträger zu legen.
Die oben beschriebene Methode, einen ganzen Stiel aufs Mal nach Kaulos abzusuchen, funktioniert bei mir mit dem 4x und 10x Objektiv, da ist genug Platz, also mit 40facher und 100facher Vergrösserung.
Evtl. liesse sich ein dickerer Stiel auch längs halbieren, damit er Platz hat.
Mit meiner Stereolupe kann ich bei der "Stielbereifung" nicht wirklich zwischen Hyphenenden am Stiel und wirklichen Kaulozystiden unterscheiden.
Bei 40facher Vergrösserung mit dem Mikroskop sieht man das mühelos.
Gruss, Harald Andres

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Re: Frage an die Mikroskopierprofis

Harald Andres Schmid, (vor 5997 Tagen) @ Andreas 2

Hallo Stephan,
für das "Wie", gab es ja schon schöne Tipps. Noch eine spezieller
Hienweis für die Kaulos bei Risspilzen. Für die Bestimmung ist auch das
Vorhandensein der kleinen, meist irgendwie keuligen Elemente - sogenannte
Kauloparazystiden - wichtig.
Analoge Parazystiden findet man auch bei den meisten Risspilzen zwischen den
metuloiden Cheilozyst.
Gruß Andreas

Hallo, Andreas
Interessant. Was man so alles übersieht.
Wo und wie werden die in der Literatur in den Schlüsseln genannt?
Gruss, Harald Andres

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Re: Frage an die Mikroskopierprofis

Andreas 2, (vor 5997 Tagen) @ Harald Andres Schmid

Hallo Harald Andres,
ausführlich schreibt Kuyper (Englisch)darüber. Bei Stagl ist es oft nicht so explizit hervorgehoben. In seinen guten Zeichnungen aber schon.
Gruß Andreas

Hallo, Andreas
Interessant. Was man so alles übersieht.
Wo und wie werden die in der Literatur in den Schlüsseln genannt?
Gruss, Harald Andres

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Vielen Dank an alle!

Stephan Weißer, (vor 5996 Tagen) @ Stephan Weißer

Dann will ich mal mein Glück versuchen. Einen fibrosa- oder patouillardi-Stiel kriege ich wahrscheinlich nicht drunter, aber rimosa-Stiele oder ähnliches wohl schon ;-)