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gekalkter Wald

Kattugla, (vor 5977 Tagen)

Hallo, liebe Pilzgemeinde,

eine Nachfrage an die Ökologiekundigen: im letzten Winter war es bei uns nach 10 Jahren wieder soweit - zwischen Januar und März waren über den heimischen Wäldern Hubschrauber unterwegs, die die Wälder flächendeckend gekalkt haben.
Was tut das mit der Pilzflora kurz- und mittelfristig, wenns überhaupt was tut?
Muss/ darf ich mich drauf einstellen, Arten zu finden, die ich hier vorher noch nicht gesehen habe? Oder tut das den geliebten filzigen Gelbfüssen, zahlreichen Cortinarien und anderen kleinen Preziosen garnix?

beste Grüße aus dem Taunus
Kattugla

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Re: gekalkter Wald

Ingo Wagner, (vor 5977 Tagen) @ Kattugla

Hallo Kattugla!

Muss/ darf ich mich drauf einstellen, Arten zu finden, die ich hier vorher
noch nicht gesehen habe?

Das Pilz- und Pflanzenartenspektrum wird sich leicht verschieben zugunsten der Arten, die etwas Kalk mögen. Bewohner krachsaurer Habitate werden wahrscheinlich etwas zurückgehen.
Schätze, für so richtige "Kalkbewohner" dürfte die gestreute Kalk-Menge aber zu gering sein.

Nun kann man solche menschliche Eingriffe tolerieren und sich über neu auftretende Arten freuen, oder aber den schwindenden Arten nachtrauern, man kann die Notwendigkeit für die "Gesundung des Waldes" verteidigen oder sonstige Positiv- oder Negativpunkte ins Feld räumen.

Am besten, du berichtest, dann wissen wir es genau.

VG Ingo W

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Re: gekalkter Wald

Stephan Weißer, (vor 5977 Tagen) @ Ingo Wagner

Schätze, für so richtige "Kalkbewohner" dürfte die gestreute
Kalk-Menge aber zu gering sein.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich nach dem Kalken eines sauren Fichtenwaldes Kalkbewohner einstellen. Denn da müssten zunächst einmal Sporen von Kalkbewohnern da sein. Wo sollen die herkommen, wenn die nächsten Kalkfichtenwälder mindestens 300 km Luftlinie weit weg sind? Der einzige Pilz, der durch eine Kalkung gewinnt, ist wahrscheinlich der Hallimasch, har har!

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Re: gekalkter Wald

Ingo Wagner, (vor 5977 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan!

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich nach dem Kalken eines sauren
Fichtenwaldes Kalkbewohner einstellen.

Nun, ich denke, das hat Kattugla schon beantwortet:
ich hatte zuerst an einen zufälligen "Ausreisser" gedacht - finde ich in diesem Jahr immer mehr Netzstielige Hexenröhrlinge, wo ansonsten eigentlich nur - wenn überhaupt - Flockis zu finden waren.

Denn da müssten zunächst einmal
Sporen von Kalkbewohnern da sein. Wo sollen die herkommen, wenn die
nächsten Kalkfichtenwälder mindestens 300 km Luftlinie weit weg sind?

Das weiß ich natürlich nicht, wie weit die nächsten Kalkwälder von Kattugla weg sind. Aber fliegt eine Vulkanaschewolke in günstigen Wind- und Höhenverhältnissen durch halb Europa, so traue ich das den Pilzsporen natürlich auch zu.

Der
einzige Pilz, der durch eine Kalkung gewinnt, ist wahrscheinlich der
Hallimasch, har har!

Keine Ahnung, wie du das meinst.

VG Ingo W

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Re: gekalkter Wald

schdaipilz, (vor 5977 Tagen) @ Ingo Wagner

Keine Ahnung, wie du das meinst.

hallo

na der hallimasch macht doch die bäume kaputt die man mit der kalkung retten wollte !!

mfg schdaipilz

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Re: gekalkter Wald

Ingo Wagner, (vor 5977 Tagen) @ schdaipilz

hallo
na der hallimasch macht doch die bäume kaputt die man mit der kalkung retten
wollte !!
mfg schdaipilz

Hallo!

Stehe immer noch auf dem Schlauch: wieso freut sich dann der Hallimasch, wenn gekalkt wird?

VG Ingo W

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Re: gekalkter Wald

Stephan Weißer, (vor 5977 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,
das war zugegebenermaßen ein blöder Spruch von mir. Denk dir einfach nichts dabei.

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Re: gekalkter Wald

Kattugla, (vor 5977 Tagen) @ Stephan Weißer

Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich nach dem Kalken eines sauren
Fichtenwaldes Kalkbewohner einstellen. Denn da müssten zunächst einmal
Sporen von Kalkbewohnern da sein. Wo sollen die herkommen, wenn die
nächsten Kalkfichtenwälder mindestens 300 km Luftlinie weit weg sind?...

Genau in die Richtung ging meine Überlegung ja auch. Ist ja schließlich nicht so, dass da einer einen Schalter umlegt und plötzlich alle Kalkliebhaber, die vorher auf Standby im Boden gewartet haben, nach oben schießen.
Das mit den Netzis wundert mich allerdings schon etwas.

Dazu kommt, dass ich an den Wegrändern, da wo geschottert ist, immer mal wieder Kalkbewohner gefunden habe. Also sooo weit weg sind die Sporenlieferanten nicht.

Ich kenne von Bekannten Berichte, wo gutmeinende Schwiegereltern über die Ürlaubszeit einen Garten in Pflege bekommen haben und nicht nur peinlich genau jeden Stein von Moos befreit haben, sondern auch tapfer alle Beete mit Bärlauch und anderen Küchenkräutern gekalkt haben. Da wuchs dann auf Jahre hinaus erstmal nichts dergleichen mehr.
Wenn ich mir einen ähnlichen Effekt für das Ökosystem Wald vorstelle, wird mir ganz übel... :-(

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Re: gekalkter Wald

Der Juergen, (vor 5977 Tagen) @ Kattugla

Hallo Kattugla

hier mal die rauskopierte Zusammenfassung eines Artikels über Walddüngung:

"... Stickstoffdüngung führt zu einem Rückgang in der Zahl der Ektomykorrhizen und in Arten- und Individuenzahl der Mykorrhizasymbionten. Auch auf den Streuabbau und auf die Arten- und Individuenzahl der saprophytischen Pilze wirkt sich Stickstoffdüngung meistens negativ aus, obwohl einige Arten fast nur in Wäldern mit einer stickstoffreichen Streuschicht gefunden worden sind. Kalkung führt ebenfalls zu einem Rückgang in der Arten- und Individuenzahl der Ektomykorrhizapilze. Die Auswirkung auf die saprotrophe Mykoflora scheint abhängig zu sein vom Stickstoffgehalt der Streuschicht. Bei niedrigem Stickstoffgehalt der Streuschicht wirkt sich Kalkung positiv, bei höherem Gehalt aber negativ aus. Mykofloristische Aufnahmen zeigen eine deutliche Ähnlichkeit nach Stickstoffdüngung und Kalkung. Nach Anwendung von Phosphor, Kalium oder Magnesium werden meistens nur schwache und nicht signifikante Auswirkungen auf die Pilze beobachtet."

KUYPER, TH. W. (1989): Auswirkungen der Walddüngung auf die Mykoflora. Beitr. z. Kenntn. d. Pilze Mitteleuropas - AMO, S. 5-20.

Grüßle
Juergen

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Re: gekalkter Wald

Kattugla, (vor 5977 Tagen) @ Der Juergen

Kalkung führt ebenfalls zu einem
Rückgang in der Arten- und Individuenzahl der Ektomykorrhizapilze. Die
Auswirkung auf die saprotrophe Mykoflora scheint abhängig zu sein vom
Stickstoffgehalt der Streuschicht. Bei niedrigem Stickstoffgehalt der
Streuschicht wirkt sich Kalkung positiv, bei höherem Gehalt aber negativ
aus. Mykofloristische Aufnahmen zeigen eine deutliche Ähnlichkeit nach
Stickstoffdüngung und Kalkung. Nach Anwendung von Phosphor, Kalium oder
Magnesium werden meistens nur schwache und nicht signifikante Auswirkungen
auf die Pilze beobachtet."
KUYPER, TH. W. (1989): Auswirkungen der Walddüngung auf die Mykoflora. Beitr.
z. Kenntn. d. Pilze Mitteleuropas - AMO, S. 5-20....

...das ist ja in Maßen besch...eiden. Hmm. Wenn ich mal überlege, wie dicht der Wald hier mit Brennesseln, Attich und Fingerhut bewachsen ist, läßt das auf hohen Stickstoffgehalt schließen und nicht viel Gutes ahnen.
Allerdings - ich hatte zuerst an einen zufälligen "Ausreisser" gedacht - finde ich in diesem Jahr immer mehr Netzstielige Hexenröhrlinge, wo ansonsten eigentlich nur - wenn überhaupt - Flockis zu finden waren.
Ich schau mal, wie sich das entwickelt.
Ob ich diese Art der Walddüngung überhaupt irgendwie bewerte, also gut oder nicht so gut finden soll, lass ich mal aussen vor, dazu weiss ich darüber einfach zu wenig.
Schonmal herzlichen Dank für den Ausflug in die Fachliteratur. ;-)

beste Grüße
Kattugla

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Re: gekalkter Wald

Der Juergen, (vor 5977 Tagen) @ Kattugla

Hallo Kattugla,

Ob ich diese Art der Walddüngung überhaupt irgendwie bewerte, also gut oder
nicht so gut finden soll, lass ich mal aussen vor, dazu weiss ich darüber
einfach zu wenig.

Da bin ich ganz unverschämt und anmaßend, und halte die Kalkdüngung von Forsten für die Ausgeburt eines kranken, nachhaltig auf Gewinnmaximierung eingestellten Gehirns. *g*

Grüßle
Juergen

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Re: gekalkter Wald

Pilzthomas, (vor 5977 Tagen) @ Der Juergen

Hallo Jürgen, hallo Kattugla,

auch wenn ich den Gesundheitszustand der Försterhirne nicht so pauschal beurteilen möchte, gebe ich Dir Recht: Das Kalken ist - gerade in den von Natur aus kalkarmen Landschaften - ein dermaßen heftiger Eingriff, dass er m.E. nicht zu rechtfertigen ist. Da muss auch gerade im Wald an Naturschutz und Nachhaltigkeit gedacht werden. Die Verschiebungen im Arteninventar bzw. im Kokurrenzgefüge (z.B. auch bei Moosen) sind teilweise gravierend.

Gruß
Thomas

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Re: gekalkter Wald

Der Juergen, (vor 5977 Tagen) @ Pilzthomas

Hallo Thomas,

auch wenn ich den Gesundheitszustand der Försterhirne nicht so pauschal
beurteilen möchte,

Da hast Du völlig Recht; ich auch nicht, allerdings ist der Gesundheitszustand der Hirne fraglich, die diese Maßnahme erfunden haben - wahrscheinlich aus der Not heraus, und immer wieder anordnen. Förster sind ja mancherorts, wo die Fichtenplantagen die Landschaft dominieren - ich wills mal so drastisch sagen - bessere Erntehelfer.

Grüßle
Juergen

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Re: gekalkter Wald

hansuwe, (vor 5976 Tagen) @ Kattugla

Was tut das mit der Pilzflora kurz- und mittelfristig, wenns überhaupt was
tut? Muss/ darf ich mich drauf einstellen, Arten zu finden, die ich hier vorher
noch nicht gesehen habe? Oder tut das den geliebten filzigen Gelbfüssen,
zahlreichen Cortinarien und anderen kleinen Preziosen garnix?
beste Grüße aus dem Taunus
Kattugla

Hallo Kattugla,
ist schon mal im Forum diskutiert worden. Guck mal hier:
Beitrag 127413

Pilzige Grüsse
hansuwe