Re: ps
Hallo vezi!
Ich denke, ich habe einen Ast mit Hymenoscyphus vernus gefunden.
Ich auch.
Den habe ich aus seiner wohltemperierten Umgebung herausgerissen, mehrere
Stunden, eingewickelt in Alufolie in meinem Rucksack erhitzt und auch
gebeutelt, wodurch es in den Paraphysen zu Reaktionen gekommen ist.
Genau, Erhitzen ist nicht gut. Durchsichtige Plastebecher mit etwas befeuchtetem Moos ausgepolstert und schattig transportiert ist günstiger.
Daß ich keine deutliche Rötung am Fruchtkörper feststellen konnte, als ich
den zerhackt habe, könnte daran liegen, daß es schon auf der Rucksacktour
zu Paraphysenreaktionen gekommen ist, der Fruchtkörper beim Test noch
kühlschrankkalt und auch nicht mehr ganz vital war.
Das mit der rötenden Reaktion ist nicht immer so wie man es vielleicht erwarten würde. Irreführend ist schon mal, das alle Welt bei Lachnum- oder Hymenoscyphusarten von einer Rötung spricht. Manche können das zwar sehr gut, schnell und deutlich bei Verletzung "wirklich röten", aber gerade bei Hymenoscyphus ist es manchmal nur ein leichtes Bräunen, das auch schon mal erst am nächsten Tag zu sehen ist. Dabei ist es sehr entscheidend, wie frisch die Becherchen sind. Angetrocknete z.B. tun sich manchmal recht schwer ihre Verfärbung zu zeigen.
Macht aber nichts, wenn man weiß, dass in der Regel die Verfärbung mit der Oxydation des Paraphysen- und Haar-/Endzelleninhaltes zusammenhängt, kann man beim Mikroskopieren noch richtig entscheiden, auch wenn makroskopisch nichts zu bemerken war.
Die Porusreaktion auf Lugol war allgemein recht schwach. Am Anfang dachte ich
sogar, daß gar keine stattgefunden hat, dann habe ich Asci gesehen, die
sich genau so verfärbt haben, wie Du beschrieben, bzw gezeigt hast:
Genau so kenne ich das auch.
Dass die Reaktion nur im Inneren (innerer Ascusring) stattfindet, hängt mit den verschiedenen Porus-Typen zusammen.
Mal ein Beispiel von Hymenoscyphus (Phaeohelotium) monticola.
![[image]](http://img693.imageshack.us/img693/351/hymenoscyphusmonticola1.jpg)
Auch hier ist die Reaktion sehr schwach, aber man erkennt, dass die blaue Färbung nicht bis zur Ascusspitze (äußerer Apikalring) reicht. Ganz typisch lassen sich hieraus schon schön Rückschlüsse auf die Gattung ziehen. Nicht selten wurden solche Reaktionen in der Vergangenheit auch übersehen, was natürlich heutzutage manchmal zu Unstimmigkeiten beim Vergleich mit der Originaldiagnose führt.
Ein
sanfter Punkt im Inneren. Aber dann habe ich eben auch Asci gefunden bei
der die Reaktion recht deutlich war. Und dann wusste ich nicht mehr
weiter: Ist das Lugol nicht überallhin gekrochen, habe ich nicht richtig
geschaut, ist das eine richtig oder das andere, pipapo, am Ende habe ich
mich der Bewertung der Intensität der Reaktion enthalten und nur
angegeben, daß eine stattgefunden hat und deutliche Beispiele dafür
gezeigt.
Gibt halt immer auch Ausnahmen, Tendenzen sind aber auch immer gut. 3 Tendenzen geben auch schon fast ein Merkmal ab.
Daß die Asci am oberen Ende oft gekrümmt sind ist mir auch aufgefallen.
Auch so eine Tendenz. Wenn du jetzt noch sagst, dass am Fundort Weiden oder Erlen standen wird die Bestimmung immer sicherer.
Meine Pilze haben keinen Haken. Es reicht doch wenn man bei Dutzenden von
Asci keinen Hakenfuß erkennen kann um das sagen zu können, oder muß man
ausdrücklich eine hakenlose Verbindung zu einer Basis finden?
Mir persönlich würde es nicht reichen. Es gibt durchaus Becher, deren basal glatt abgebroche Asci durchaus Haken haben. Bei Hymenoscyphus ist es oft sehr schwer an ausgewachsenen Asci Haken zu finden, weil deren Ascifüße meist ziemlich schlank sind. Ich suche immer nach jungen, da geht´s besser.
Genau wie bei der Suche nach Schnallen bei Basidios, immer muss man auch damit rechnen, dass die Schnalle/ der Haken gerade auf der Rückseite liegt. Hilfreich kann es sein, sich das Subhymenium anzuschauen, also die kurzen Zellen, aus denen unmittelbar die Fruchtschicht entspringt. Die unterscheidet sich nämlich vom Aufbau her auch bei den beiden Möglichkeiten.
Es ist wesentlich einfacher Haken zu beweisen, als keine Haken, weil man eben sehr viele anschauen muss, um das Risiko der Irrung gering zu halten.
VG Ingo W