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Drei Pilzchen und ein Fall für Lonco *PIC*

Jürgen Endres, (vor 5898 Tagen)

Hallo zusammen,

hier ein paar Pilzbestimmungen von mir, die ich als eher wage erachte. Für Bestätigungen, Korrekturen oder Kommentare wäre ich dankbar!
Am Schluß gibt's dann noch einen Fall für Lonco!

1. Mycena laevigata cf
Bei diesen schönen Helmlingen deutet eigentlich alles darauf hin, daß es sich um Mycena laevigata, Schlüpfrige Helmlinge handelt. Die Merkmale mit denen man die Art, laut der Mycena-Page von Arne Aronsen, von anderen Arten der Sektion Fragilipedes abgrenzen kann sind: Elfenbeinfarben, 3cm Hutdurchmesser, glatte Huthyphen und Stielrandhyphen mit Auswüchsen. Es passt eigentlich alles, bis man anfängt die Sporen zu vermessen.
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Gewachsen sind sie auf, oder bei, einem sehr morschen, armdicken Ast neben einer Kiefer in einem Mischwald. Kann man eigentlich Nadel- oder Laubholz mikroskopisch unterscheiden?

Die Cheilozystiden, lang, schlank, spindlig. Bei mir manchmal gegabelt und selten bizzar geformt. PdS stellt bei M.laevigata auch eine gegabelte Zystide dar. Passt also so halbwegs.
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HDS. Glatte Hyphen, verzweigt.
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Stielrandhyphen mit Auswüchsen. Bei mir selten. Es gab auch Stielendzellen mit Auswüchsen am Ende.
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Und hier die Sporen. In Wasser/Lugol/Melzer. Die messen etwa 8-10x6-7,5. Das ist deutlich grösser und kugeliger als bei PdS und auf der Mycena-Page angegeben.
Ein bischen Abweichung bei den Sporenmassen ist ja immer drin. Reif/Unreif, Herbar/Frisch, MessungenauigkeitHin/undher, aber, wenn es so deutliche Unterschiede gibt, gerade auch im Längen/Breitenverhältniss, dann ist's wohl ein Totschlagargument: Es kann nicht Mycena laevigata sein. Es ist nicht nicht Mycena laevigata. Aber was dann? Hat jemand eine Idee?
Würde jemand so freundlich sein und mir verraten, was der Robich zum Thema M.laevigata zu sagen hat?
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2. Helvella pezizoides
Diese Lorchel habe ich gestern bei einem Fischweiher im Grillkohlenwegschüttplatz des Fischweiherbesitzers gefunden. Leider ein bischen zu früh: Alle Asci waren noch unreif und ich hab keine einzige Spore zu Gesicht bekommen.
Aber das ist nicht schlimm, weil man die zwei in Frage kommenden Arten nicht mikroskopisch unterscheiden kann, sondern über ihre Farben, die Behaarung und Form.
Nach einem Nachmittag Brüten und Vergleichen, denke ich, daß ich ziemlich sicher bin, daß ich Helvella pezizoides gefunden habe. Die Eigenschaften der zwei Arten würde ich nachdem, was ich heute gelernt habe, vereinfachend so zusammenfassen wollen:
H. nigricans: Schwarzfarben, glatte Aussenseite, nicht eingerollte Ränder
H. pezizoides: Braunfarben, beflaumte Aussenseite und Stiel, eingerollte Ränder.
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3.Thelephora anthocephala
Der Blumenartige Warzenpilz.
Ich habe keine Vorstellung von dem Aussehen dieses Pilzes, weil die Abbildung in PdS schwammig ist, und die Abbildungen im Internet unzuverlässig, aber die mikroskopischen Merkmale stimmen alle sehr gut und so würde ich meinen Fund mit Thelephora anthocephala benennen wollen, wenn niemand etwas dagegen hat.
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Er hat ein bischen anders gerochen als das Moos, aber nicht intensiv oder unangenehm.

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Die Sporen: Tolle Dinger. Die spektakulärsten Kugeln seit es mein Mikroskop gibt. Links in Wasser, rechts in Lugol.
Typisch 8-9x5-7µm Stacheln: 0,7-1,1µm
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Unten Tramahyphen. Keine Verfärbung in KOH.

4. Ein Fall für Lonco!
Raupen sind ja etwas ekeliges, (wurde ich dazu erzogen so zu denken, anhand der allgegewärtigen Kohlweißlingsraupen auf unserem Blumenkohl früher oder ist das im Menscheninstinkt schon drin?), aber dieses Exemplar ist wegen
- dem übergroßen Kopf,
- den komischen Öffnungen am Hinterkopf, die man automatisch als große Augen interpretiert,
- der gemütlichen Seeelephantenschnauze
- den Stummelfüßchen, die sich unbeholfen an den Grashalm klammern,
- dem dackelförmigen Hinterteil und
- dem Stummelschwänzchen
fast schon auf eine Disney-Bambi-artige Weise *NIEDLICH* !
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Auf den sonst so hilfreichen Bestimmungsseiten nach Bildern des Lepiforums habe ich die Raupe nicht gefunden. Vielleicht haben wir ja Glück und es fehlt da noch. Ist zwar unwahrscheinlich, daß ich einen seltenen Fund gemacht habe, aber
in diesem Herbst ist ja alles ein wenig anders, nicht wahr?

Einen schönen Sonntagabend wünscht
vezi

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Re: Drei Pilzchen und ein Fall für Lonco

Gulistan ⌂, (vor 5898 Tagen) @ Jürgen Endres

3.Thelephora anthocephala
Der Blumenartige Warzenpilz.
Ich habe keine Vorstellung von dem Aussehen dieses Pilzes, weil die Abbildung
in PdS schwammig ist, und die Abbildungen im Internet unzuverlässig, aber
die mikroskopischen Merkmale stimmen alle sehr gut und so würde ich meinen
Fund mit Thelephora anthocephala benennen wollen, wenn niemand etwas
dagegen hat.

Er hat ein bischen anders gerochen als das Moos, aber nicht intensiv oder
unangenehm.

Die Sporen: Tolle Dinger. Die spektakulärsten Kugeln seit es mein Mikroskop
gibt. Links in Wasser, rechts in Lugol.
Typisch 8-9x5-7µm Stacheln: 0,7-1,1µm

Unten Tramahyphen. Keine Verfärbung in KOH.

Hallo,
Ich habe einig Jahre gebraucht um den Pilz an seinen Namen zu helfen. Er wächst bei mir Quasi neben der Haustür. Er bildet Mycorhiza mit Eichen. Er sieht meines Erachtens so aus: http://waarneming.nl/waarneming/view/49590450 Bei Deinem Foto sieht er doch anders aus, aber es gibt natürlich auch noch mehr Thelephoras.
Hoffentlich hilft Dir das weiter, weil die Thelephora sind gar nicht so einfach.
Viele Grüsse Christiane

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Re: Drei Pilzchen und ein Fall für Lonco

Jürgen Endres, (vor 5897 Tagen) @ Gulistan

Hallo,
Ich habe einig Jahre gebraucht um den Pilz an seinen Namen zu helfen. Er
wächst bei mir Quasi neben der Haustür. Er bildet Mycorhiza mit Eichen. Er
sieht meines Erachtens so aus:
http://waarneming.nl/waarneming/view/49590450 Bei Deinem Foto sieht er
doch anders aus, aber es gibt natürlich auch noch mehr Thelephoras.
Hoffentlich hilft Dir das weiter, weil die Thelephora sind gar nicht so
einfach.
Viele Grüsse Christiane

Hallo Christiane!

Das Bild hilft mir leider nicht weiter. Ich denke daß Du die Form repens neben Deiner Haustüre hast. Die wächst so spitzzulaufend, korallenartig, wie auf Deinem Bild zu sehen. Das ist sicher nicht dasselbe wie mein Fund.

Es gibt laut PdS noch die Form incrustans resupinata, die 20mm lange rötliche Lappen bildet, die stark weiß befranst sind. Das klingt gut. Das klingt genau nach meinem Fund. Ein scharfes Bild von der Form wäre toll ;-)

Ich glaub, ich laß die Bestimmung lieber sein. Nur aufgrund der wenigen Mikromerkmale und dieser Beschreibung ist das zu gewagt.

Danke für Deine Antwort!

lg vezi

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Re: Drei Pilzchen und ein Fall für Lonco

Saftling, (vor 5898 Tagen) @ Jürgen Endres

Hallo Jürgen,

die Raupe ist der Mittlere Weinschwärmer (Deilephila elpenor).

LG
Dieter

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Re: Drei Pilzchen und ein Fall für Lonco

Jürgen Endres, (vor 5897 Tagen) @ Saftling

Hallo Jürgen,
die Raupe ist der Mittlere Weinschwärmer (Deilephila elpenor).
LG
Dieter

Hallo Dieter!

Ja, das ist der. Danke fürs Zeigen!

Ich hab den in der Bestimmungshilfe des Lepiforums selber nicht gefunden, weil in der Bilderübersicht zum Raupensuchen ein kleines Untermenü fehlt.

Wenn man die Falter sucht und die Familie Sphingidae anklickt, dann kommt ein Untermenue, das in die Unterfamilien Smerinthinae, Sphinginae und Macroglossinae aufteilt.
Wenn man die Raupen sucht, dann kommt dieses Untermenue nicht, sondern man landet direkt bei Sphinginae. Da ist dann zwar ein Link mit dem man zu Macroglossinae weiterkommt, aber den hab ich übersehen.

Den Schwärmer würd ich gern mal vor die Linse bekommen, aber der ist ja nachtaktiv...

lg vezi

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Re: Drei Pilzchen und ein Fall für Lonco

KlausBüchler, (vor 5897 Tagen) @ Jürgen Endres

Kann man eigentlich Nadel- oder Laubholz

mikroskopisch unterscheiden?

Hallo Jürgen,
schau mal hier: http://tintling.at/pdf/pilzmikroskopie.pdf
in Folge 19: "Substraterkennung von Holzpilzen
mit dem Mikroskop"
wird dies von Zehfuß erklärt.
Gruß
Klaus

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Re: Drei Pilzchen und ein Fall für Lonco

Jürgen Endres, (vor 5897 Tagen) @ KlausBüchler

Kann man eigentlich Nadel- oder Laubholz
Hallo Jürgen,
schau mal hier: http://tintling.at/pdf/pilzmikroskopie.pdf
in Folge 19: "Substraterkennung von Holzpilzen
mit dem Mikroskop"
wird dies von Zehfuß erklärt.
Gruß
Klaus

Hallo Klaus,

Laub- und Nadelholz scheinen ja tatsächlich deutlich anders aufgebeut zu sein. Das schau ich mir bei Gelegenheit mal an. Ich hab da schon so eine total morsche Gelegenheit mit einem Becherchen dran im Kühlschrank;-)

Die Idee, mit zwei zusammengepressten Rasierklingen gleichzeitig zu schneiden, so wie das am Schluß des Dokumentes beschrieben wird, ist auch vielversprechend. Hutdeckschichtschnitte sind die schwierigsten, finde ich...

Danke für den Verweis!

lg vezi