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Re: Pilze der letzten Tage vierter Teil!

Christoph ⌂, (vor 5903 Tagen) 878 Beiträge @ Jürgen

Hallo Jürgen,

das Wort Referenz ist immer so ein hartes Schlagwort. Die Synonymisierung von Leccinum percandidum erfolgte doch ohne Sequenz des Typusmaterials. Wenn man alleine bedenkt, dass die Huthaut von leccinum pefcandidum glatt ist, die der Birkenrorkappe aber filzig bis schzppig, kann L. percandidum kein Albino der Birkenrotkappe sein.

Die Arbeit steht an manchen Punkten auf sehr wackeligen Füßen (z.B. selbst gesammeltes Material, welches für die Stammbäume verwendet wurde). Schau Dir mal genau an, welche Typen in den Stammbäumen wirklich auftauchen und welche Kollektionen kein Typusmaterial sind.

Die Artengruppe Lecc. percandidum / chioneum / roseotinctum sehe ich nicht bei L. versipelle s.l. Wie gesagt: allein die Huthaut, auch die weniger überstehende Huthaut an den Röhren (ich habe Lecc. percandidum mehrfach in Sibirien gesehen; zudem habe ich L. roseotinctum zweimal gefunden).

Auch Leccinum schistophilum mit L. palustris zusammenzuwerfen, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Das folgte dazu, dass der "echte" L. schistophilum z.B. mit Gröger nicht mehr bestimmbar ist.

Natürlich war die "Freude" bei vielen groß, dass man endlich wieder einfach Birkenpilze und Rotkappen bestimmen kann. Aber warten wir mal ab, bis eine Gegenstudie veröffentlicht wird (ebenfalls auf Sequenzen basierend).

Das hat jetzt aber wenig mit der hier vorgestellten weißen Rotkappe zu tun.

Aber zurück zum Thema...
Es mag sein, dass es wirklich eine Farbmangelmutante der Espenrotkappe ist. Aber um das zu prüfen, braucht man mehr Informationen. Interessant ist das Bräunen auf Druck am Hut, wie es z.B. für L. percandidum s.l. typisch ist (genauer gesagt schwärzt L. percandidum s.str. auf Druck am Hut).

LG
Christoph

P.S.: Nicht alle Ergebnisse von den Bakker zweifle ich an. Nur eben die, bei denen kein Typusmaterial in den Stammbäumen auftaucht. In dem Fall wurde vermutlich keine Sequenz aus dem Typus gewonnen (ich habe bei meinen Kremplingsstudien auch nicht geschafft, aus dem Tyous von Paxillus vernalis DNA zu amplifizieren - das gibt es immer wieder). Und den Bakker ist reiner Genetiker, kein Mykologe.

Hallo Peter,
in Bezug auf Leccinum in Mitteleuropa ist die Arbeit der Holländer - ich
beziehe mich jetzt auf Persoonia 18 (2005), 511-587 - halt zumindest
solange Referenz, bis etwaige Mängel in ihrem methodischen Ansatz
nachvollziehbar dargelegt und ihre vorrangig auf molekularbiologischen
Evidenzen basierenden taxonomischen Schlussfolgerungen mit neuen
Argumenten widerlegt sind.
Immerhin wurde doch von ihnen in recht großem Umfang auch Typusmaterial
untersucht.
Warum sie aber für die Espenrotkappe den neuen Namen
"albostipitatum" kreiert haben, obwohl Dörfelt & Berg den
alten, eindeutigen Persoonschen Namen "leucopodium" schon 1990
m.W. gültig in Leccinum kombiniert haben, wird mir ein Rätsel bleiben.
Grüße, Jürgen

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