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Funde von heute [+Bestimmungshilfe], 4 Bilder *PIC*

Karsten, (vor 5493 Tagen)

Servus allerseits,

ich hoffe ich störe und nerve hier nicht mit meinen Neulingsfragen, aber da ich mich bis vor kurzem quasi nur mit Röhrlingen und Parasolpilzen befasst hatte, und ich auch keine einzige Person kenne, die sich besser mit Pilzen auskennt als ich, ist das Forum hier meine einzige Anlaufstelle.

Ich war heute wieder im Wald und habe folgende Zeitgenossen entdeckt. Vielleicht könnt ihr mir ja auf die Sprünge helfen:

Nummer 1 -- Täublinge für mich absolutes Niemandsland. rosea? olivacea? sardonia?

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Nummer 2 -- Erneut Niemandsland. ochroleuca?

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Nummer 3 -- Doch nicht etwa mein erster Pfifferling?

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Nummer 4 -- Hydnum repandum?

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Vielen lieben Dank erneut... :-)
Karsten

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Re: Funde von heute [+Bestimmungshilfe], 4 Bilder

Stephan Weißer, (vor 5493 Tagen) @ Karsten

Täublinge für mich absolutes Niemandsland. rosea? olivacea? sardonia?

ohne Geschmacksangabe nicht zu sagen, zumindest müsste man wissen, ob scharf oder mild

Nummer 2 -- Erneut Niemandsland. ochroleuca?

könnte sein, aber siehe oben

Nummer 3 -- Doch nicht etwa mein erster Pfifferling?

Nur ein falscher Pfifferling, schade

Nummer 4 -- Hydnum repandum?

Sieht eher nach Hydnum rufescens aus

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Nachgefragt

Joschi Siembida ⌂, (vor 5493 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

Hydnum rufescens

ist das doch ne eigene Art oder nur ne Varietät? Wie siehst Du das als Stachelexperte?

Gruß Joschi

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Re: Nachgefragt

Stephan Weißer, (vor 5493 Tagen) @ Joschi Siembida

Bei mehreren Autoren ist Hydnum rufescens als Varietät von Hydnum repandum runtergestuft. Ich halte das, ohne beide je mikroskopiert oder mit Chemikalien beschmiert zu haben, für verschiedene Arten. Folgende Unterschiede sind mir aufgefallen:
- H. repandum bildet wesentlich kompaktere, fleischige Fruchtkörper mit breitem Stiel aus (selbst schon bis 18 cm Durchmesser beobachtet), die Fruchtkörper von H.rufescens sind dagegen stets grazil
- die Hutfarbe von H. repandum würde ich als zart isabellfarben bis morgenrötlich beschreiben, H. rufescens ist dagegen plump orangebraun - H. repandum ist ein deutlich schönerer, edler aussehender Pilz
- H. repandum finde ich in Laubwäldern auf besseren Böden (z. B. Waldmeister-Buchenwald), H. rufescens dagegen im Nadelwald unter Fichte/Tanne/Kiefer
- H. repandum hat meist kurze weiße Stoppeln, die am Stiel leicht herablaufen, H. rufescens dagegen kräftigere, blassorange Stoppeln, die kaum je am Stiel herbalaufen
- H. repandum schmeckt schon jung anfänglich bitter, nach längerem Kauen scharf und ist für meinen Geschmack ungenießbar, H. rufescens dagegen ist immer mild und lecker

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Re: Nachgefragt

Joschi Siembida ⌂, (vor 5493 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

Danke für Deine Gegenüberstellung. Bis auf den letzten Punkt stimme ich Dir zu.

- H. repandum schmeckt schon jung anfänglich bitter, nach längerem Kauen scharf und ist für meinen Geschmack ungenießbar, H. rufescens dagegen ist immer mild und lecker

Das hab ich irgendwie andersherum in Erinnerung. *grübel* Da werd ich wohl mal wieder welche mitnehmen müssen und probieren.

Von H. repandum hatte ich bisher nur vier Fundstellen hier im Kreis KL. Zwei sind mitlerweile Wegebaumaßnahmen zum Opfer gefallen.

Gruß Joschi

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Re: Nachgefragt

Stephan Weißer, (vor 5492 Tagen) @ Joschi Siembida

Nein, da bin ich mir ganz sicher. Ich habe in diesem Herbst ganz bewusst immer wieder geschmackliche Tests gemacht, bei allen Hydnum-repandum- und Hydnum-rufescens-Funden, die mir unterkamen.

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Re: Nachgefragt

Schnuffel, (vor 5492 Tagen) @ Stephan Weißer

Nein, da bin ich mir ganz sicher. Ich habe in diesem Herbst ganz bewusst
immer wieder geschmackliche Tests gemacht, bei allen Hydnum-repandum- und
Hydnum-rufescens-Funden, die mir unterkamen.

Hallo Stephan,

ich kann Deine Erfahrung nur bestätigen. In den beiden vergangenen Wochen habe ich mehrfach Hydnum rufescens im Alleingericht gegessen und keine Spur von Bitterkeit festgestellt, obwohl einige große und ältere Exemplare dabei waren. Er ist durchaus vergleichbar mit dem Pfifferling, kommt aber nicht ganz an diesen heran; es fehlt ein gewisser Pfiff. Dafür ist er aber etwas weichfleischiger.

Gruß - Schnuffel

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Re: Nachgefragt *PIC*

Joschi Siembida ⌂, (vor 5488 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo Stephan,

Ich habe in diesem Herbst ganz bewusst immer wieder geschmackliche Tests gemacht,...

ok, da hab ich Dich etwas misverstanden. Bin hier vom Pilzgericht ausgegangen und nicht der Geschmacksprobe im Feld. Obwohl es keinen? Unterschied machen sollte.

Wie es der Zufall will hatte ich letzten Sonntag das Glück beide Arten an der selben Stelle zu finden.

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Im Fichtenhochwald mit einzelnen jungen Buchen über Bundsandstein fand ich zuerst einen großen Trupp H. rufescens. Zwei Meter daneben aber noch einen mehrfach Fruchtkörper (rechts) H. repandum.

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Also rein ins Körpchen für einen Vergleich zuhause. Tja, der viel überraschend aus. Beide schmeckten gut. Keine Spur bitter. *kopfkratz* Da werd ich in Zukunft wohl öfters nen Test im Wald machen müssen.

Gruß Joschi

Kleine bildliche Zugabe:

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Schwarzgebänderter Harzporling Ischnoderma benzoinum

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Tränender Saumpilz Lacrymaria lacrrymabunda

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Re: Nachgefragt

Gernot, (vor 5493 Tagen) @ Stephan Weißer

Hallo,

Hydnum rufescens ist auch genetisch eine gute Art (siehe Ostrow & Beenken in ZMykol 70(2) sowie Grebenc et al. bzw. Grebenc et al. in Anales del Jardín Botánico de Madrid, Vol. 66, Núm. 1, 2009, "Ribosomal ITS diversity among the European species of the genus Hydnum (Hydnaceae)"). Makroskopisch sollte man diese Art jedoch nicht mehr bestimmen, da es mit Hydnum ellipsosporum einen ohne Mikroskop kaum (nicht?) zu unterscheidenden Doppelgänger gibt. Ein Blick auf die Sporen schafft jedoch relativ schnell Klarheit (rundlich bei H. rufescens und auch H. repandum, ellipsoid bei H. ellipsosporum). Übrigens zeigt die zweite Arbeit von Grebenc et al., dass sich unter H. rufescens und H. repandum einige "kryptische Arten" verstecken könnten, die genetisch zu trennen sind aber morphologisch keine (bekannten) Unterschiede aufweisen. Es bleibt also noch spannend in dieser Gruppe.

Schöne Grüße
Gernot

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Re: Nachgefragt

Stephan Weißer, (vor 5492 Tagen) @ Gernot

Aber ist das denn legitim, nur wegen abweichender Sporenform (oder gar nur abweichender Q-Werte) eine weitere Art aufzustellen? Es muss da doch auch makroskopische Abweichungen geben, auch wenn sie nur sehr subtil sind.

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Re: Funde von heute [+Bestimmungshilfe], 4 Bilder

Karsten, (vor 5493 Tagen) @ Stephan Weißer

ohne Geschmacksangabe nicht zu sagen, zumindest müsste man wissen, ob scharf
oder mild

Hmm... ich habe ehrlich gesagt ein bisschen Skrupel um bei Pilzen (von denen ich noch wenig Ahnung habe) direkt an Ort und Stelle 'ne Kostprobe zu nehmen, vor allem wenn mir mein Pilzbuch neben einer der Kandidaten (sardonia) einen Totenkopf abgebildet hat und bei Verwendung nur "giftig" steht. Abgesehen davon habe ich auch keinerlei Ahnung oder Bezugspunkt, was denn jetzt als "mild" gilt. Ich müsste wohl mal mit einem Experten auf Pilztour gehen, nur wüsste ich da leider nicht mit wem.

An sonsten bin ich auch sehr gespannt auf deine Antwort an Joschi.

Vielen Dank für deine Antwort!

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Geschmacksprobe

Joschi Siembida ⌂, (vor 5493 Tagen) @ Karsten

Hallo Kartsten,

Kostprobe

Du sollst es ja nicht runter schlucken! Es geht hier um eine Geschmacksprobe. Danach wird wieder ausgespuckt (so wie Wein eben ;-) ) Bei den Täublingen ist das zur Bestimmung wichtig. Im schlimmsten Fall hast du Sambal Oelek auf der Zunge. Brennt wie Hölle - vergeht aber wieder. :-)

Gruß Joschi

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Re: Geschmacksprobe

Karsten, (vor 5493 Tagen) @ Joschi Siembida

Du sollst es ja nicht runter schlucken! Es geht hier um eine Geschmacksprobe
. Danach wird wieder ausgespuckt (so wie Wein eben ;-) ) Bei den
Täublingen ist das zur Bestimmung wichtig. Im schlimmsten Fall hast du
Sambal Oelek auf der Zunge. Brennt wie Hölle - vergeht aber wieder. :-)

Haha, okay, gut zu wissen!

Ich war heute indisch essen und hab das schärfste Curry genommen. Sambal Olek kann ich gut vertragen, Brechreiz eher weniger. :-)

Werde morgen früh wieder im Wald sein. Wenn Täublinge dabei sind, werde ich euer Verfahren mal ausprobieren.

Danke für die netten Antworten. Als Neuling ist es hier ein wenig einschüchternd, daher sind mir die Fragen und Bestimmungshilfen ein wenig peinlich, aber bis jetzt waren hier ja alle sehr zuvorkommend. :-)

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Re: Geschmacksprobe

Joschi Siembida ⌂, (vor 5493 Tagen) @ Karsten

Werde morgen früh wieder im Wald sein. Wenn Täublinge dabei sind, werde ich euer Verfahren mal ausprobieren.

Dann mal viel Erfolg. Leider sind die Biester selbst mit Geruchs und Geschmacksprobe nur schwer zu Bestimmen. Bis auf ne Handvoll sind das weiterhin erst mal nur einfache Täublinge für mich. :-)

Gruß Joschi

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Reine Neugierde :-)

HoBi, (vor 5492 Tagen) @ Karsten

Als Neuling ist es hier ein wenig
einschüchternd, daher sind mir die Fragen und Bestimmungshilfen ein wenig
peinlich, aber bis jetzt waren hier ja alle sehr zuvorkommend. :-)

Hallo Karsten,

was wirkt denn hier auf Dich einschüchternd? Würde mich einfach mal interessieren...

LG

Sabine

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Re: Funde von heute [+Bestimmungshilfe], 4 Bilder

phragmobasidie, (vor 5492 Tagen) @ Karsten

Hallo Karsten,

Russula sardonia wohl kaum, dafür ist die Huthaut zu stumpf.
Olivacea ist eine gute Idee, oder aber einer der Heringstäublinge;
olivacea ist in der Regel ein größerer Pilz.

Hier hätten Eisensulfat und Phenol zur Überprüfung makrochemischer Reaktionen weitergeholfen.

Wenn Du so sehr scharf isst, schmeckst Du (mäßig) scharfe Täublinge vielleicht gar nicht so sehr.
Muss nicht sein, ist aber denkbar.
Ein Stückchen Lamellen, von der Größe in etwa 0,5cm mal 0,5cm kauen bis es scharf wird, dann ausspucken.
Sonst bis eine Minute lang weiterkauen, manchmal stellt sich die Schärfe erst spät ein.

Den Respekt vor dem Reinbeißen in unbekannte Pilze finde ich absolut richtig.
Bei Täublingen sind Geschmacksproben dann natürlich schon unerlässlich.
Eigentlich sagt man so: Wenn man einen Täubling sicher als solchen erkannt hat, darf man ihn probieren.

Grüße
Robin