Re: Bestandssituation Saftlinge
Hallo Ingo,
mit Sicherheit bin ich nicht der kompetenteste Berichterstatter zu diesem Thema, da ich kein richtiger Wiesenpilzjäger bin. Aber immerhin bin ich bei uns (Raum Leipzig) viel unterwegs und kriege auch ein wenig mit, was Andere so finden.
Was Saft- und Ellerlinge angeht, gehören wir hier in NW-Sachsen wohl schon klar zum beklagenswerten Norddeutschland. Dabei muss man nicht einmal so weit fahren, um etwas mehr finden zu können. Nur 60 km Luftlinie ist das Saale-Unstrut-Land mit seinen Kalktrockenrasen entfernt. Auch die Chemnitzer etwas weiter im Süden haben – soweit ich weiß – ganz ordentliche Saftlingsbiotope.
Häufig ist bei uns nur Hygrocybe conica ss.l. Camarophyllus pratensis und virgineus und Hygrocybe persistens sind zerstreut bis sehr zerstreut, H. psittacina ist schon eine echte Seltenheit (persönlich nur 2 Fundorte aus dem Leipziger Stadtgebiet).
Biotope mit mehr als 5 Arten (was etwa nach Boertmann 2000 S. 18 gerade mal die Schutzkategorie „Of local importance“ verdienen würde) gibt es bei uns m.W. nicht. Dabei haben wir einige Habitate, in denen eine Reihe durchaus bemerkenswerter Wiesenpilze vorkommt. Dazu gehören interessanterweise sogar nährstoffreiche Standorte mitten im Auwald, wo man z.B. Camarophyllopsis- und Dermoloma-Arten im Gestrüpp zwischen Rubus caesius und Aegopodium podagraria finden kann. Kleinräumig gibt es Sandtrockenrasen auf Moränen, die ebenfalls interessante Wiesenpilze beherbergen. Dann gibt es die Rekultivierungsgebiete des Braunkohlentagebaus mit ihren teils riesigen offenen Flächen auf sehr nährstoffarmen Böden. Aber gerade mit den Saftlingen funktioniert bei uns irgendetwas nicht so richtig.
Viele Grüße.