Re: Inocybe cf aghardii
Guten Abend Andreas
Das nenne ich eine ausführliche Antwort
Habe mir schon gedacht, dass agardhii eine schwierige Art sein könnte. Diesen Komplex dulcamara/agardhii konnte ich in Schweden ziemlich häufig finden. Meistens waren die Funde komplett ohne ringähnliches Velum (für mich dann dulcamara), ab und zu besassen sie jedoch eines. Ein anderes Unterscheidungsmerkmal (falls meine denn echte agardhii sind) konnte ich auch nicht wirklich ausmachen. Ich sende hier nochmals 2 Bilder von Pilzen mit etwas üppigerem Velum. Leider kommt das Velum auf den Fotos wirklich schlecht zur Geltung, liegt ev. auch an meinem beschränkten fotogafischen Talent
Wäre irgendwie noch interessant zu wissen, ob dieser Komplex bereits genetisch untersucht wurde.
Beste Grüsse Svampskogen
Hallo Svampskogen,
die häufigsten in der Literatur zu findenden Abgrenzungen zum Typus dulcamara
basieren auf das variable und unterschiedlich stark ausgebildete Velum,
welches bei deutlicher Ausprägung den Hutrand oft behangen und (oder) den
Stiel ± kräftig wollig beringt bzw. im unteren Teil grob faserschuppig
erscheinen lässt. Kollektionen mit so einer ringförmigen Zone werden gern
Inocybe agardhii (LUND.) ORTON zugeschrieben. Neben diesem schwachen, wohl
mehr durch äußere Einwirkungen beeinflussten makroskopischen Merkmal, sind
bei diesem Taxon in einigen Publikationen auch die Sporen etwas schmaler,
teils apikal konischer als bei I. dulcamara wiedergegeben. So z.B. bei
WEHOLT (1983), BON (1988) und BIZIO & FERRARI (1999), deren Angaben
sich aber durchaus noch im vertretbaren Rahmen von I. dulcamara bewegen.
Interessanter Weise findet man bei STANGL (1989) über diese Sippe keinerlei
Angaben, obwohl es kaum vorstellbar, dass dieser hervorragende
Inocyben-Kenner nicht auch solchen Formen in Bayern begegnet sein sollte.
Da ist es schon eher wahrscheinlich, wenn auch jetzt spekulativ, dass er
diese Art als solche nicht akzeptierte. KRIEGLSTEINER (1991b) stufte sie
der allgemeinen Variabilität wegen, leider ohne auf spezifische Merkmale
weiter einzugehen, zur Varietät zurück. Überzeugende Abbildungen findet
man selten. Die in MOSER & JÜLICH (1985 ff.) und FERRARI (2006) sind
untypisch und zeigen sicher nicht diese Art (Varietät), da hier genau die
spezifischen Merkmale fehlen. Bei dem bei FERRARI (2006) auf Seite 314
unten abgebildeten Pilz, liegt vermutlich eine Verwechslung mit I.
leucoblema vor (?).
Letztendlich liegt es an Dir, ob Du diesen Fund bei agardhii oder dulcamara
einordnest. Ich plädiere zu Letzterem.
Gruß Andreas
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