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Mollisia atlantica? *PIC*

Jürgen Endres, (vor 5404 Tagen)

Hallo!

Am Mittwoch habe ich an der Unterseite und in den Spalten eines schenkeldicken, bröckelmorschen, liegenden Holzstück von vermutlich Erle, drei (mindestens) Arten von hübschen Becherchen gefunden.

Mit dem Weichbecherchen habe ich jetzt Bestimmungsprobleme. Und zwar deutet der Schlüssel von Andreas Gminder auf Mollisia atlantica hin. Die sollten aber laut Andreas in einem Beitrag auf Ascofrance nicht in Deutschland wachsen sondern nur am Atlantik.
Also werde ich wohl irgendwo einen Fehler reingebracht haben. Ich komme nur nicht drauf...

Schaut mal:
Es gibt kein Subikulum. (Hyphenmatte, auf der der eigentliche Pilz wächst?)
Das Subhymenium besteht aus länglichen, hyalinen Hyphen.
Das Excipulum (Die äussere Schicht/die Haut?) besteht aus sehr dunklen kugeligen Elementen, die am oberen Rand ein wenig längsgestreckt sind.
Keine Haare.

Keine Reaktion der Fruchtschicht auf KOH. Zumindest wird es nicht gelb.

Die Asci haben Haken und die Porusreaktion auf Lugol ist deutlich blau.

Die Sporen messen 8,6-10,6 x 2,3-2,6. Sie sind schon im Ascus septiert und zwar nicht öfter als einmal. Ölgehalt 0.

In Quetschpräperaten habe ich Kristalle gesehen. In den ungequetschten Scheiben konnte ich allerdings nicht entdecken, wo die sich befinden. Es könnten also auch Verunreinigungen gewesen sein.

Hat jemand einen Rat?

Grüße
Jürgen

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Re: Mollisia atlantica?

Andreas ⌂, (vor 5404 Tagen) @ Jürgen Endres

Hallo Jürgen,

könnte durchaus sein, die art wurde auch schon in Deutschland gefunden (Mönchengladbach, Hessen). Aber atlantisch scheint sich trotzdem zu sein. Du solltest mal die Becherchen langsam abtrocknen lassen udn schauen, wie sich die Farbe verändert. Sporenmaße wären auch ganz gut ;-))

beste Grüße,
Andreas

Hallo!
Am Mittwoch habe ich an der Unterseite und in den Spalten eines
schenkeldicken, bröckelmorschen, liegenden Holzstück von vermutlich Erle,
drei (mindestens) Arten von hübschen Becherchen gefunden.
Mit dem Weichbecherchen habe ich jetzt Bestimmungsprobleme. Und zwar deutet
der Schlüssel von Andreas Gminder auf Mollisia atlantica hin. Die sollten
aber laut Andreas in einem Beitrag auf Ascofrance nicht in Deutschland
wachsen sondern nur am Atlantik.
Also werde ich wohl irgendwo einen Fehler reingebracht haben. Ich komme nur
nicht drauf...
Schaut mal: Es gibt kein Subikulum. (Hyphenmatte, auf der der eigentliche
Pilz wächst?)
Das Subhymenium besteht aus länglichen, hyalinen Hyphen.
Das Excipulum (Die äussere Schicht/die Haut?) besteht aus sehr dunklen
kugeligen Elementen, die am oberen Rand ein wenig längsgestreckt sind.
Keine Haare.
Keine Reaktion der Fruchtschicht auf KOH. Zumindest wird es nicht gelb.
Die Asci haben Haken und die Porusreaktion auf Lugol ist deutlich blau.
Die Sporen messen 8,6-10,6 x 2,3-2,6. Sie sind schon im Ascus septiert und
zwar nicht öfter als einmal. Ölgehalt 0.
In Quetschpräperaten habe ich Kristalle gesehen. In den ungequetschten
Scheiben konnte ich allerdings nicht entdecken, wo die sich befinden. Es
könnten also auch Verunreinigungen gewesen sein.
Hat jemand einen Rat?
Grüße
Jürgen

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Re: Mollisia atlantica?

Jürgen Endres, (vor 5404 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas!

Sie trocknen vor sich hin.

Die Sporenmasse sind 8,6-10,6 x 2,3-2,6µm.

Danke für die fixe Antwort!
Jürgen

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Re: Mollisia atlantica?

Klaus, (vor 5403 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas,

wenn ich 'Mönchengladbach' lese, werde ich natürlich hellhörig. Die Art steht ja auch auf HAns' Seite. Frage nur: Handelt es sich dabei immer noch um einen sogenannten nom.prov. oder ist der Pilze mittlerweile schon (unter möglicherweise anderem Namen) im IF gelandet?

Danke schonmal und schöne Grüße gen Osten
Klaus

Hallo Jürgen,
könnte durchaus sein, die art wurde auch schon in Deutschland gefunden
(Mönchengladbach, Hessen). Aber atlantisch scheint sich trotzdem zu sein.
Du solltest mal die Becherchen langsam abtrocknen lassen udn schauen, wie
sich die Farbe verändert. Sporenmaße wären auch ganz gut ;-))
beste Grüße,
Andreas

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Re: Mollisia atlantica?

Andreas ⌂, (vor 5403 Tagen) @ Klaus

Hallo Andreas,
wenn ich 'Mönchengladbach' lese, werde ich natürlich hellhörig. Die Art steht
ja auch auf HAns' Seite. Frage nur: Handelt es sich dabei immer noch um
einen sogenannten nom.prov. oder ist der Pilze mittlerweile schon (unter
möglicherweise anderem Namen) im IF gelandet?
Danke schonmal und schöne Grüße gen Osten
Klaus

Hallo Klaus,

ist immer noch ein nom. prov.
Ich möchte die Art gerne publizieren, zusammen mit einer weiteren scheinbar atlantisch-mediterranen Art aus Frankreich, bin aber leider seit einem Jahr nicht dazu gekommen, weil ich meine wenige Zeit für solche Sachen zumeist mit irgendwelchen DGfM-Streitereien verschwende.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Mollisia atlantica? *PIC*

Jürgen Endres, (vor 5403 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas!

Die Fruchtschicht wird beim Trocknen ein wenig heller, aber nicht dramatisch...

Im Anhang Bilder nach einer Stunde im Freien und nach 2 Stunden.

Beste Grüsse
Jürgen

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Re: Mollisia atlantica?

Ingo Wagner, (vor 5403 Tagen) @ Andreas

Du solltest mal die Becherchen langsam abtrocknen lassen udn schauen, wie
sich die Farbe verändert. Sporenmaße wären auch ganz gut ;-))
beste Grüße,
Andreas

Hi Andreas!

Wie müsste sich denn die Farbe verändern, dass man was in Richtung atlantica schlussfolgern könnte?

Hallo Jürgen!

Interessanter Pilz. Kannst du noch einen intakten Ascus abbilden/vermessen und was zu den Endzellen am Rand sagen? Sicherlich so in etwas 2-zellig und keulig, oder?
Achtest du mal drauf, ob die Septierung der Sporen (in der Größe der freischwimmenden septierten) auch in den Asci zu sehen ist, bei denen sich die Sporen 2-reihig oben am Ascus drängen?

Bloß so, falls ich den auch mal finde.
Ach ja, und die Größe des größten Apos würde ich gern noch wissen, so für die geistige Vorstellung.

VG Ingo W

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Re: Mollisia atlantica? *PIC*

Jürgen Endres, (vor 5403 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo!

Danke für Dein Interesse!

Die Endelemente des Excipulum sind ein paar kurze Zylinder mit einem Ei als Endglied. Man könnte auch sagen eine mehrfach sepierte Keule. Im Endglied ist eine Blase oder ein Tropfen. Die Endglieder messen mit schöner Regelmässigkeit 12µm in der Länge. Naja, sieht man ja alles im Bild unten.

Der Fruchtkörper in der Mitte, der grösste, misst 1,8mm im Durchmesser.

Das mit den Asci ist ein Problem...
Und zwar lege ich eine Scheibe auf den Träger und gebe Wasser dazu und dann entladen sich alle reifen Asci. Nicht explosionsartig, aber doch sehr zügig. Von Wasserzugabe bis alle leer dauert das vielleicht 30 Sekunden. Das Bild ganz unten zeigt, wie das dann aussieht.
Ich habe zweimal mein Wasser gewechselt (destiliertes, und den Pinsel saubergemacht. Das Wasser und die Pilze haben beides Zimmertemperatur. Ich weiss nicht woran das liegt.
Jedenfalls bleiben keine reifen, intakten Asci mit Sporen darin übrig.
Man kann sepierte Sporen in defekten Asci erkennen aus denen der Turgor durch eine Verletzung entwichen ist. Und es gibt ein paar Asci mit Turgor und Sporen drin. Da sind die Sporen aber nicht sepiert, weil noch nicht reif. (Beides Asci und Sporen). Einen unreifen Ascus habe ich gemessen. 68µm. Die Länge der reifen Asci würde ich auf 70-75µm schätzen.

Heute habe ich Sporen mit Tröpfchen darin gefunden.(Ein anderer Fruchtkörper).
Ölgehalt also eher 0-1.

Eine Frage an Dich: Wieviele Mollisia bestimmst Du so das Jahr über? Ich meine: Die Dinger kann man ja das ganze Jahr über im fünf-Minuten-Takt einsammeln. Wie wählst Du aus, welche davon Du aufsammelst und untersuchst. Untersuchst Du überhaupt noch welche?
Welche Auswirkungen hat es auf Deine Psyche wenn Du das vierhundertundachte Mal Mollisia lividofusca mikroskopisch bestimmst? Denkst Du Dir: "Oh, prima! Nur noch 92 bis zur 500."
Oder hast Du vielleicht schon bei der Nummer 20 aufgehört?

Schöne Grüsse
Jürgen

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Re: Mollisia atlantica?

Ingo Wagner, (vor 5403 Tagen) @ Jürgen Endres

Hallo Jürgen!

Nimm mal einfach Leitungswasser, dann spucken die Asci sich möglicherweise nicht gleich leer.
Durch meine Fragen will ich eigentlich nur ausschließen, dass es sich nicht doch auch um eine M. cinerea handeln könnte im Vorkeimstadium.

Dein Pilz sieht aber natürlich perfekt fit aus, gleichmäßig geformte Sporen, schöne Vakuolen.
Wenn du sagst, Turgor vorhanden und ausgeschleuderte Sporen septiert, reicht mir das. Die Sporen wären außerdem für cinerea auch ein Quentchen zu spindelig und zu gerade.
Insofern wirklich interessant.
Hast du die Kristalle auch später wieder gesehen?

Zu deinen Mollisia-Psychoeinfluss-Fragen:

Den gibt es natürlich bei Mollisia besonders, und es ist von meiner Seite aus nicht empfehlenswert, alle im 5-Minuten-Takt aufgefundenen Mollisien sofort und hintereinander bestimmen zu wollen.
Natürlich wähle ich meist die, von denen ich denke, dass es was anderes sein könnte, als die mir bereits +- bekannten.

Ein weiteres Kriterium ist (aber nicht nur bei Mollisia), ich bevorzuge die Becher, bei denen ich mir beim Substrat sehr sicher bin, und am schönsten sind natürlich Kollektionen von jung bis alt, von eingerollt bis ausgebreitet und von trocken bis feucht, um die Spannweite gleich mit festzuhalten.

Mollisien habe ich dieses Jahr gar nicht viel bestimmt, vielleicht 4 oder 5.
Andere Gattungen frustrieren mich inzwischen unter Umständen sogar mehr. Bei Mollisia hat man ja inzwischen den schönen Grundstock von Zotto und Andreas. Man darf halt nicht denken, dass damit alle gefundenen einen Namen bekommen können, dann schmeiße ich mit provisorischen um mich und freue mich dann, wenn ich ihn genau so, wie schon dokumentiert, wiederfinde.

Welche Auswirkungen hat es auf Deine Psyche wenn Du das vierhundertundachte
Mal Mollisia lividofusca mikroskopisch bestimmst? Denkst Du Dir: "Oh,
prima! Nur noch 92 bis zur 500."

Ganz im Gegenteil, bis man eine Art gut kennt und weiß, was normal ist und was eher die Ausnahme, aber dennoch sein kann, braucht es ziemlich viele Untersuchungen. Ich nutze dann das Becherchen einfach, um früher gemachte Auslegungen zu bestätigen oder wieder in Frage zu stellen.

VG Ingo W

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Re: Mollisia atlantica? *PIC*

Jürgen Endres, (vor 5402 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo!

Ich sehe was Du mit der M.cinerea Bemerkung meinst. Die beiden Arten unterscheiden sich augenscheinlich nur durch diese eine Sporensepte und ein bischen der Sporenform.

Ich wollte es heute nochmal mit Leitungswasser versuchen, da bemerke ich, daß ich das kleine Hölzchen mit atlantica auf der Stereolupe liegen gelassen habe. Total vertrocknet...

Also habe ich in meiner Dose nach weiteren Hölzchen mit Mollisia-Vorkommen gekramt. Hab eines gefunden und was wars? ...M.cinerea!! Sporen ohne Septe und pummelig wurstförmig.
Da wurde ich dann schon ein bischen unsicher...
Auf der Rückseite von diesem Holzstück war aber nochmal eine Gruppe von Mollisia und da hatten die Sporen wieder eine Septe!

Tja, wie soll ich das jetzt beschreiben?

Der Schnitt durch cinerea hat perfekt ausgesehen, so wie immer. So wie man es auf Deiner Seite sieht. Leuchtende Paraphysen durchsetzt mit kerzengeraden, prallen Asci mit zum Abschuß zusammengedrängten Sporen.

Der Schnitt durch atlantica in der frischen Gruppe war so wie ich es schon in der alten Gruppe beklagt habe: Ein unordentliches Gewirr aus Paraphysen und vermutlich leeren Ascusschläuchen. Und überall freie septierte Sporen...
Das Leitungswasser hat da leider keinen grossen Unterschied gemacht. Auch zwischen grösseren Fruchtkörpern und Baby-Apos gab es da keine Unterschiede.

Ich hab das Problem einfach mit der brachialen Methode gelöst: Beeilen.

Scheibe auf Träger, Wasser drauf, Deckel drauf, andrücken, Öl drauf, Träger unters Mikro, absenken, suchen, Ascus fokussieren, Knipse ans Okular halten und abdrücken in 30 Sekunden.

Die paar Asci, die ich so festhalten konnte sind sicher keine Vorzeigeexemplare, aber als "Beweisstücke" dürften sie es tun.

Ein Kristallvorkommen habe ich wieder gefunden in der Nähe des unteren Excipulums. Bin mir nicht sicher ob die innen oder aussen (Sand) waren. Ich werden morgen nochmal gezielt über der Anwuchsstelle nach Kristallen suchen. Also eine Scheibe direkt aus der Mitte eines Fruchtkörpers herausschneiden...

Danke für den kurzen Einblick in Deine Psyche ;-) Ich werde versuchen Deine Auswahlmethoden zu beherzigen, vor allem die Sache mit dem Substrat...

Kann es sein, daß atlantica sich so seltsam bei der Untersuchung verhält, weil da schon irgendein komischer Frostschaden vorliegt? Daß atlantica weniger frostresistend ist als cinerea?

Schöne Grüße
Jürgen

P.S. Das daumengrosse Holzstück auf dem sowohl M.cinerea und M.atlantica wachsen beherbergt ausserdem noch ein paar Exemplare von Lachnum impudicum und eine grosse Gruppe von klein, braun, haarig, unbestimmt. Eine kleine, morsche Schatztruhe! ;-)

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Mollisia atlantica *PIC*

Andreas ⌂, (vor 5402 Tagen) @ Jürgen Endres

Hallo Ingo, hallo Jürgen,

anbei mal ein paar Bilder zu dieser Mollisia atlantica.
Ich war mittlerweile drei Mal im Frühjahr am Atlantik bei den Asco-Tagen, und jedes Mal war dies die häufigste Mollisia. Ich meine sie inzwischen ganz gut zu kennen, kann sie aber makroskopisch wohl von cineera trennen, nicht aber von "olivaceocinerea"

Ich sehe was Du mit der M.cinerea Bemerkung meinst. Die beiden Arten
unterscheiden sich augenscheinlich nur durch diese eine Sporensepte und
ein bischen der Sporenform.

Nein, sie unterscheiden sich deutlich in der Sporenform- und größe (jedenfalls für Mollisia deutlich ....) und sie unterscheiden sich in der Apothezienfarbe beim Abtrocknen.

Ich wollte es heute nochmal mit Leitungswasser versuchen, da bemerke ich, daß
ich das kleine Hölzchen mit atlantica auf der Stereolupe liegen gelassen
habe. Total vertrocknet...

Und welche Farbe haben die Apothezien jetzt?

Also habe ich in meiner Dose nach weiteren Hölzchen mit Mollisia-Vorkommen
gekramt. Hab eines gefunden und was wars? ...M.cinerea!! Sporen ohne Septe
und pummelig wurstförmig.
Da wurde ich dann schon ein bischen unsicher...
Auf der Rückseite von diesem Holzstück war aber nochmal eine Gruppe von
Mollisia und da hatten die Sporen wieder eine Septe!

M. cinerea und lividofusca hatte ich ebenso schon gemeinsam auf einem Holzstück, wie auch M. fusca und lividofusca, sowie M. fusca und M. rosae

Kann es sein, daß atlantica sich so seltsam bei der Untersuchung verhält,
weil da schon irgendein komischer Frostschaden vorliegt? Daß atlantica
weniger frostresistend ist als cinerea?

WENN atlantica ihren Namen zurecht trägt, dann dürfte sie kaum frostresistent sein. Das ist ja gerade ein Merkmal des atlantischen Klimas: warme feuchte Winter. Im Gegensatz zu den kalten, trockenen des Kontinetalklimas.

Anbei nun einige Bilder meiner Kollektionen.

Zunächst Bild 1 zeigt die typischen Apothezien, wie ich sie immer wieder gefunden habe. Einheitlich grau, ohne besonderen Rand, ziemlich flach, tellerförmig, und vor allem beim Abtrocknen schnell creme bis cremegelb werdend. Bild 1 dürfte aber ein Stadium sein, in dem schon eine gewisse Abtrocknung da ist. Man beachte das Farbspektrum der dunklen jungen Fruchtkörper (wie Pyrenopeziza) bis zu den gelblichen ...
Substrat ist Ruscus, wo die Art konstant zu finden ist, wenn man sich in diese extrem stacheligen Gebüsche traut (Lederhandschuhe!)

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Bild 2 zum Vergleich die von mir so genannte M. olivaceocinerea, deren Excipulum mit KOH für meinen Blick deutlich grüner wird als bei den anderen Arten. Die Sporen sind größer als bei cinerea und vor allem das Abtrocknungsverhalten geht stark ins gelbliche, genau wie bei M. atlantica. Sporen sind aber natürlich nicht septiert.
Beachtet auch hier das erstaunliche Farbspektrum!

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Bild 3 zeigt eine Kollektion, bei der ich M. cinerea vermutet hätte, die aber ganz eindeutig ebenfalls M. atlantica darstellt. Substrat ist ein Zapfen von Pseudotsuga.

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Bilder 4 und 5 zeigen meine mäßig erfolgreichen Versuche durchs Okular zu knipsen. Nicht schön, aber leidlich erkennbar. Sporen bereits im turgeszenten Ascus septiert. Abgeschossene Sporen nahezu ausschließlich septiert. Nicht septierte Sporen würde ich auf unreife zerbrochene/zerquetschte Asci zurückführen.

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Bild 6 zuletzt noch zeigt meine Zeichnung der (zukünftigen) Typuskollektion, von der auch eine Kultur gelungen ist, bei der sich eine schöne Phialophora-Nebenfruchtform gebildet hat.

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Die Kollektion von Hans Bender aus Mönchengladbach ist für mich ebenfalls zweifelsfrei M. atlantica.
Hermine Lotz-Winter hat mir vor einem Monat oder so eine Kollektion aus der Frankfurter Gegend zugeschickt, die vermutlich ebenfalls M. atlantica ist. Vielleicht ist der milde nasse Winter gerade eine gute Zeit, nach der Art uz suchen (immer vorausgesetzt, es ist wirklich eine atlantische Art ...). Bei hermines Fund weichen die Aopthezien allerdings durch verlängerte Randfasern an der Margo ab, die ich bisher bei meinen Kollektionen nie beobachten konnte. Sonst sehe ich keine Unterschiede, aber das ist schon auffallend mit den Dandhaaren, schon makroskopisch.

beste Grüße,
Andreas
beste Grüße,
Andreas

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Re: Mollisia atlantica

Ingo Wagner, (vor 5402 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas!

Na, dann mal vielen Dank für den Beitrag. Das ist doch mal was, vielleicht kommt auch Hans` Bild noch dazu, gefragt habe ich ihn schon.
Dann ist fast alles zusammen, was man braucht für einen Vergleich.

Hallo Jürgen!

Kann es sein, daß atlantica sich so seltsam bei der Untersuchung verhält, weil : da schon irgendein komischer Frostschaden vorliegt? Daß atlantica weniger
frostresistend ist als cinerea?

Ich halte eigentlich cinerea auch nicht gerade für frostresistent. Vielleicht sind es trotzdem nur verschiedene Reifegrade.
Ich weiß ja nicht, ob deine Kollektion auch junge Apos hat. Wenn die natürlich auch so schnell "auspacken", muss man sich eine andere Erklärung einfallen lassen.

VG Ingo W

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Re: Mollisia atlantica *PIC*

Ingo Wagner, (vor 5402 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo!

Im Anhang Hans Benders Kollektion von Mollisia atlantica.
Danke, Hans!

Sollte tatsächlich alles bisher gezeigte das gleiche darstellen, wird diese Mollisia wohl makroskopisch wieder mal schwerlich zu greifen sein.
Fehlt eigentlich bloß noch Hermines Bild. Wenn die "zottlig" war, wird sie wohl nochmal anders aussehen.

VG Ingo W

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Re: Mollisia atlantica *PIC*

Jürgen Endres, (vor 5401 Tagen) @ Andreas

Hallo!

Ich habe nochmal kurz nach Kristallen gesucht und eine Anlagerung an der äusseren Seite des Excipulums gefunden. Also wars eher Schlamm.

Danke für die ausführlichen Informationen, Andreas!

Und welche Farbe haben die Apothezien jetzt?

Ich habe mittlerweile die ursprüngliche Gruppe zweimal eintrocknen lassen und dann verzweifelt versucht wieder anzufeuchten und beim letzten mal Austrocknen hat sich die Fruchtschicht schliesslich komplett verabschiedet. Kann man "verfault" sagen? Bei einigen Exemplaren hatte ich freien Blick auf die Innenseite des schwarzen Excipulums.
Also habe ich die frische Gruppe fotographiert und dann austrocknen lassen. Die wuchs gut geschützt in einer Rille und so hats ein wenig gedauert.
Die Bilder unten zeigen die Gruppe frisch und nach neun Stunden.

Ich habe noch ein Sporenbild dazugetan. Man kann auffällig häufig Tröpfchen in der Nähe der Septe erkennen, so wie in Andreas Zeichnung.

Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!
Jürgen

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Re: Mollisia atlantica

Ingo Wagner, (vor 5401 Tagen) @ Jürgen Endres

Hallo Jürgen!

Schön! Auf jeden Fall scheint der auffällig weiße Rand auf den Anfangsbildern keine große Bedeutung zu haben.

Kann man "verfault" sagen?

Mmm, weiß nicht, Fäule ist, glaube ich, eine Zersetzung durch Fremdorganismen.

Mir fällt im Präparat immer sowas wie eine Selbst-Zersetzung auf, als erstes verschwinden die Asci.
Natürlich ist in solch löcherig-fruchtschichtigen Bechern auch immer viel Fremdes unterwegs, aber ob gerade diese Organismen für das "Vergehen" verantwortlich sind oder ob man die Fäulnis-Verursacher überhaupt mikroskopisch sehen kann??
Fragen über Fragen.

VG Ingo W

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Re: Mollisia atlantica

Andreas ⌂, (vor 5401 Tagen) @ Jürgen Endres

Hallo!
Ich habe nochmal kurz nach Kristallen gesucht und eine Anlagerung an der
äusseren Seite des Excipulums gefunden. Also wars eher Schlamm.
Danke für die ausführlichen Informationen, Andreas!
Ich habe mittlerweile die ursprüngliche Gruppe zweimal eintrocknen lassen und
dann verzweifelt versucht wieder anzufeuchten und beim letzten mal
Austrocknen hat sich die Fruchtschicht schliesslich komplett
verabschiedet. Kann man "verfault" sagen? Bei einigen Exemplaren
hatte ich freien Blick auf die Innenseite des schwarzen Excipulums.
Also habe ich die frische Gruppe fotographiert und dann austrocknen lassen.
Die wuchs gut geschützt in einer Rille und so hats ein wenig gedauert.
Die Bilder unten zeigen die Gruppe frisch und nach neun Stunden.
Ich habe noch ein Sporenbild dazugetan. Man kann auffällig häufig Tröpfchen
in der Nähe der Septe erkennen, so wie in Andreas Zeichnung.
Ich wünsche euch einen schönen Sonntag!
Jürgen

Hallo Jürgen,

die sind immer noch zu feucht ;-)) Also schön langsam weitertrocknen lassen. Wenn man nicht grad in Regenperioden sammelt, hat man meist schon draußen am Substrat feuchtere und trockenere Apothezien. Jedenfalls sieht man am zweiten Bild (wenn man das so interpretieren möchte *grins*) schon eine Tendenz zum cremegelb abtrocknen, zumindest bei einem der Apothezien.

Die Sporen sind allerdings schon sehr typisch. Auffallend zylindrisch (im Gegensatz zu den gebogenen von z.B. M. cinerea und M. lividofusca, wo immer eine Längsseite der Spore stärker gebogen ist als die andere) und alle septiert und immer mit diesen kleinen Tröpfchen im Bereich der Septe (und hie und da in den Polen zusätzlich).

Ich frag Hermine nachher mal an, ob ich ihre Bilder noch dazu stellen kann.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Mollisia atlantica *PIC*

Jürgen Endres, (vor 5401 Tagen) @ Andreas

Hallo Andreas!

die sind immer noch zu feucht ;-)) Also schön langsam weitertrocknen lassen.

Hier ein Bild der Gruppe nach 20 Stunden.

Ich denke, daß die kleineren Apos so freundlich waren arttypisch abzutrocknen, während die grösseren einfach den Geist aufgegeben haben (Löcher in der Fruchtscheibe).

Jürgen

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Re: Mollisia atlantica *PIC*

Jürgen Endres, (vor 5401 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo!

Schön! Auf jeden Fall scheint der auffällig weiße Rand auf den Anfangsbildern
keine große Bedeutung zu haben.

Ich habe mir auch Gedanken gemacht, über die grossen Unterschiede zwischen den Bildern von mir, Andreas und Hans.
Ich habe einige Spekulationen angestellt welche pysikalische, optischen und biologischen Zusammenhänge zu diesem weissen Rand geführt haben. Da ich aber von keinem dieser Gebiete wirklich eine Ahnung habe, mache ich das was in diesem garstigen Spruch empfohlen wird, den die heutige Jugend abundzu verwendet: Ich halte einfach mal die Fresse :-)

Nur soviel: Beide Gruppen wuchsen am selben Stamm und haben von mir vor dem ersten Foto die gleiche Behandlung erfahren (Rein in Dose, raus aus Dose, Knips).
Unterschied: die dunkle Gruppe wuchs irgendwo in einer Rille, während die weissgerandeten irgendwo über eine Kante wuchsen.

Ausserdem denke ich nicht, daß ich eine prächtig entwickelte, kerngesunde und also typische Kollektion gemacht habe. Aber das ist dann schon wieder Spekulation.
Wie Du schon gesagt hast: Es braucht viele, viele Aufsammlungen und Untersuchungen um zu erkennen, was typisch ist und was "sein kann".

Schöne Grüsse
Jürgen

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