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Hygrocybe viola *PIC*

RalfD, (vor 5392 Tagen)

Wie Ihr meinem Profil entnehmen könnt, beschäftige ich mich noch nicht sehr lange ernsthaft mit der Mykologie. Seit meiner Kindheit aber streife ich durch die Wälder meiner Heimat, oft auf Knien bei der Suche nach Schmetterlingsraupen und Käfern, die ich Jahrzehntelang untersucht habe.
Dabei stößt man auch auf so manches mykologische Kleinod, oft ohne zu wissen, welche Art man vor sich hat.
So ging es mir mit Hygrocybe viola, die mir schon des öfteren wegen ihrer schönen Farbe und der grazilen Gestalt aufgefallen war.

Erst seit Sommer 2010 habe ich begonnen, mich etwas genauer mit der Welt der Pilze zu befassen. Und seit Mitte letzten Jahres habe ich Björn Wergen kennengelernt, der mir kräftigst bei der Bestimmung unter die Arme greift und von dem ich auch sonst sehr viel lernen kann.

Jedenfalls präsentierte sich mir letztes Jahr erneut eben jener hübsche Kleinpilz, grad durch einen Sonnenstrahl zum leuchen gebracht, für ein nettes Foto.

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Als Björn dieses Foto sah, war er natürlich sofort alarmiert. Dass dieser Pilz in meiner Heimat nicht besonders selten ist, traf auf Skepsis, die ich jedoch bei folgenden Exkursionen recht schnell zerstreuen konnte.

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(Foto B.Wergen)

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(Foto B.Wergen)

Nun liegt es mir fern, hier eine wissenschaftliche Abhandlung mit mangelndem mykologischem Wissen verfassen zu wollen. Jedoch eine Beschreibung der Fundumstände und -orte traue ich mir durchaus zu. Vielleicht als Anregung und Unterstützung, dass dieser Pilz möglicherweise auch an anderen Stellen häufiger gefunden wird.

Wir konnten den Pilz an drei verschiedenen Lokalitäten finden. An einer Lokalität an drei verschiedenen Fundorten in Höhenlagen zwischen 160 und 220m ü.NN. Wir fanden sie ausschließlich an Wegböschungen, Abbruchkanten oder, in einem Fall, am Erdreich des Wurzeltellers einer umgestürzten Eiche. Die Fundorte befinden sich in Mischwäldern mit vorherrschend Buche und eingestreuten Eichen- und Fichtenbeständen an gut beschatteten Stellen. Der Boden ist hier als sauer anzusprechen, von lehmig, kleiiger Konsistenz und weitgehend frei von Humus. Eine Vergesellschaftung mit speziellen Moosen oder Gräsern konnte nicht festgestellt werden. Die Bodenbeschaffenheit ist fest, keinesfalls erodierend, wie es an Böschungen oft der Fall ist. H.viola stand nie exponiert, sondern immer an irgendwelchen Unregelmäßigkeiten der Böschungsebene. Sei es am Rand von Mauselöchern, unter Wurzelüberhängen oder kleinen Abbrüchen. Und hier auch immer im oberen bis mittleren Bereich einer Böschung oder Kante, nie am Fuß selbiger. Zweimal konnten wir sie am oberen Rand einer Traktorspur finden. Hier in den Profilabdrücken der Reifen. Der erste dokumentierte Fund gelang Ende September. Der letzte, durch darauf aufmerksam gemachte Sammlerkollegen, Ende Dezember.

Interessant ist noch die Beobachtung, dass wir H.viola an zwei Lokalitäten zusammen mit Microglossum viride finden konnten, die hier wohl einen ähnlichen Standort bevorzugt.

Hier einige Fundortbeispiele.

Bachböschung, oberer Rand, in einer kleinen Kuhle.

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Beidseitig an einem umgestürtzten Wurzelteller, jeweils in Vertiefungen.

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Standort von H.viola gemeinsam mit M.viride

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Ausschnitt von obigem Fundort

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H.viola am Rande einer Aushöhlung in der Böschung

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Zu bemerken wäre noch, dass H.viola trotz der scheinbar plakativen Farbe, insbesondere im Schatten, alles andere als augenfälig ist. Die kleine ist ser gut getarnt und man muss schon den Blick konditionieren und genau hinschauen.

Vielleicht, wenn jemand in seinem Gebiet ähnliche Konditionen vorfindet, stellen sich auch dort Funde ein. Dies zu fördern ist Ziel dieses Berichtes.

Natürlich ist klar, dass diese Beobachtungen rein subjektiv sind und sich auf das beschriebene Gebiet und den untersuchten Zeitraum beziehen.

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Re: Hygrocybe viola

Jürgen aus D, (vor 5392 Tagen) @ RalfD

Hallo Ralf,
schöner Beitrag eines tollen Pilzes und willkommen in diesem Forum.
Wir sehen uns.

Gruß Jürgen

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Re: Hygrocybe viola

Andreas ⌂, (vor 5392 Tagen) @ RalfD

Hallo,

sehr schöne Dokumentation, die zum sofortigen Nachsuchen anregt!
Solche Biotope gibt es theoretisch in jedem zweiten Wald, sollte man meinen. Selbst wenn ich Microglossum viride noch als Zeiger nehme, dann sollten dennoch reichlich potentielle Fundorte in den saureren, nährstoffarmen Buchenwäldern zu finden sein.

Allerdings scheint die Verbreitung streng atlantisch zu sein, vielleicht sind Eure Funde (die ja meines Wissens die einzigen in Deutschland sind), die westlichsten Vorposten des Areals? Bisher Bekannt aus Spanien, Frankreich, Belgien, Niederlande, Großbritannien und Dänemark - sowie Deutschland natürlich jetzt.

Übrigens vermutet auch BOERTMANN, dass es sich bei der Art vermutlich nicht um eine Hygrocybe handelt, sondern eher um eine Omphalina oder Arrhenia. Es wäre schön, wenn Ihr mal Material zum Sequenzieren sammeln könntet. Bernd Oertel hätte bestimmt Interesse oder könnte entsprechende Interessenten vermitteln.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Hygrocybe viola

RalfD, (vor 5392 Tagen) @ Jürgen aus D

Hallo Ralf,
schöner Beitrag eines tollen Pilzes und willkommen in diesem Forum.
Wir sehen uns.
Gruß Jürgen

Hallo Jürgen,

Danke für die netten Zeilen. Ich hoffe doch, dass wir uns mal wiedersehen. Leider lässt Sarcoscypha noch auf sich warten.

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Re: Hygrocybe viola

RalfD, (vor 5392 Tagen) @ Andreas

Hallo,
sehr schöne Dokumentation, die zum sofortigen Nachsuchen anregt!
Solche Biotope gibt es theoretisch in jedem zweiten Wald, sollte man meinen.
Selbst wenn ich Microglossum viride noch als Zeiger nehme, dann sollten
dennoch reichlich potentielle Fundorte in den saureren, nährstoffarmen
Buchenwäldern zu finden sein.
Allerdings scheint die Verbreitung streng atlantisch zu sein, vielleicht sind
Eure Funde (die ja meines Wissens die einzigen in Deutschland sind), die
westlichsten Vorposten des Areals? Bisher Bekannt aus Spanien, Frankreich,
Belgien, Niederlande, Großbritannien und Dänemark - sowie Deutschland
natürlich jetzt.
Übrigens vermutet auch BOERTMANN, dass es sich bei der Art vermutlich nicht
um eine Hygrocybe handelt, sondern eher um eine Omphalina oder Arrhenia.
Es wäre schön, wenn Ihr mal Material zum Sequenzieren sammeln könntet.
Bernd Oertel hätte bestimmt Interesse oder könnte entsprechende
Interessenten vermitteln.
beste Grüße,
Andreas

Danke Andreas.

Material stellen wir gerne zur Verfügung, wenn sie nächstes Jahr wieder erscheint. Ist vorgemerkt.

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Re: Hygrocybe viola

Helmut, (vor 5392 Tagen) @ RalfD

Servus beisammen,

ein sehr hübsches und auffallendes Schwammerl. Deshalb konnte ich mich auch erinnern, es schon mal gesehen zu haben. Die Art war im November 2010 schon einmal in irgendeinem Forum vorgestellt worden (weiß nicht mehr genau in welchem). Jedenfalls hat der Finder (Hias) den Pilz auch auf der Homepage des Münchner Pilzvereins dokumentiert:
http://www.pilze-muenchen.de/fundberichte/2010/11-06-taubenberg.html

Gruß

Helmut

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Re: Hygrocybe viola

KARL, (vor 5391 Tagen) @ RalfD

Hallo Ralf

Toll, dass Du diesen Fund so ausführlich darstellst. Ich bin gespannt,
ob neben den bayrischen Funden, auf die Helmut hingewiesen hat, noch
weitere deutsche Fundmeldungen auftauchen.
Mal wieder ein Beispiel dafür, wie sehr eine zentrale bundesweite
Kartierung fehlt. Man kann nur hoffen, dass die DGfM das irgendwann
mal auf die Reihe kriegt.

LG Karl

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Re: Hygrocybe viola *PIC*

interhias ⌂, (vor 5391 Tagen) @ RalfD

Hallo Ralf,

wie Helmut schon geschrieben hat, haben wir den Pilz im November 2010 auf einer Exkursion des Münchner Pilzvereins im Voralpenland (Taubenberg) gefunden.

Deine Angaben zu seinen bevorzugten Wuchsorten kann ich nur bestätigen. Bei uns war es eine Wegböschung (lehmig). Ich glaube allerdings nicht, dass der Boden dort sauer ist, höchstens oberflächlich. Seinerzeit hat uns die Ähnlichkeit mit Omphalina lilacinicolor (Pilzkompendium, Bd. 1, 55.18, äußere Fk) stutzig gemacht.

Hier die Fotos:

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[image]

Grüße aus München
Hias

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Re: Hygrocybe viola

Andreas ⌂, (vor 5391 Tagen) @ interhias

Hallo,

Deine Angaben zu seinen bevorzugten Wuchsorten kann ich nur bestätigen. Bei
uns war es eine Wegböschung (lehmig). Ich glaube allerdings nicht, dass
der Boden dort sauer ist, höchstens oberflächlich.

Ja, das schreibt auch BOERTMANN, dass die Art auf sauren wie auf basischen Lhemen vorkommen soll.

Nicht ganz klar ist nicht nur die Abgrenzung zu Omphalina lilacinicolor (die aber doch recht anders gefärbt sein soll der Beschreibung nach - wer weiß was LUDWIGs Bild wirklich ist?), sondern auch ob die dänische "Kollektion" (1 Fruchtkörper), die BOERTMANN in der 1. Auflage von Hygrocybe beschreibt, dasselbe ist wie das was er in der 2. Auflage beschreibt. Der langstielige Habitus ist anders, die Sporen sind etwas anders und außerdem soll der dänische Fruchtkörper 2-sporige und schnallenlos (!) gewesen sein. Auch scheint mir die gezeichnete Sporenform der 1. Auflage, mit den zuspitzenden Sporenenden deutlich anders zu sein als in der 2. Auflage die breit abgerundeten.

Fragen über Fragen .....

beste Grüße,
Andreas

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Re: Hygrocybe viola

RalfD, (vor 5391 Tagen) @ Andreas

Hallo,
Ja, das schreibt auch BOERTMANN, dass die Art auf sauren wie auf basischen
Lhemen vorkommen soll.
Nicht ganz klar ist nicht nur die Abgrenzung zu Omphalina lilacinicolor (die
aber doch recht anders gefärbt sein soll der Beschreibung nach - wer weiß
was LUDWIGs Bild wirklich ist?), sondern auch ob die dänische
"Kollektion" (1 Fruchtkörper), die BOERTMANN in der 1. Auflage
von Hygrocybe beschreibt, dasselbe ist wie das was er in der 2. Auflage
beschreibt. Der langstielige Habitus ist anders, die Sporen sind etwas
anders und außerdem soll der dänische Fruchtkörper 2-sporige und
schnallenlos (!) gewesen sein. Auch scheint mir die gezeichnete Sporenform
der 1. Auflage, mit den zuspitzenden Sporenenden deutlich anders zu sein
als in der 2. Auflage die breit abgerundeten.
Fragen über Fragen .....
beste Grüße,
Andreas

Ich vergaß noch etwas über die Geselligkeit zu schreiben. Wir fanden H.viola an zwei Fundorten als Einzelexemplar. An einem Fundort waren es vier Fruchtkörper im Abstand von mindestens einem Meter zueinander. An der Baumwurzel waren es zwei Fruchtkörper, einer am Rand des Wurzelballens und einer an der Ausrisskante, also ebenfalls weit getrennt. Lediglich an der Bachböscung standen vier Exemplare auf einer Fläche von ca. 50x50 cm, aber auch deutlich getrennt.

Da drei der Fundorte quasi vor meiner Haustüre liegen, werd ich in diesem Jahr ein verstärktes Augenmerk darauf legen und natürlich auch Proben zur Verfügung stellen. Das allerdings spärlich und gezielt, da die Anzahl der Fruchtkörper ja durchaus begrenzt ist.

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Re: Hygrocybe viola

Felis, (vor 5391 Tagen) @ RalfD

Hallo Ralf,

schöne und informative Doku. Wir freuen uns schon auf unser nächstes Treffen.
Bis dahin
LG Petra und Werner

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Re: Hygrocybe viola

Svampskogen, (vor 5391 Tagen) @ KARL

Als Vorbild könntet ihr hier die Schweiz nehmen ;-) --> www.swissfungi.ch

Gruss Svampskogen

Hallo Ralf
Toll, dass Du diesen Fund so ausführlich darstellst. Ich bin gespannt,
ob neben den bayrischen Funden, auf die Helmut hingewiesen hat, noch
weitere deutsche Fundmeldungen auftauchen.
Mal wieder ein Beispiel dafür, wie sehr eine zentrale bundesweite
Kartierung fehlt. Man kann nur hoffen, dass die DGfM das irgendwann
mal auf die Reihe kriegt.
LG Karl

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Re: Hygrocybe viola

Lothar, (vor 5334 Tagen) @ RalfD

Hi Ralf und Björn,
geiler Pilz! Der steht auch schon lange vergeblich auf meiner Wunschliste. Noch nie gesehen. Glückwunsch von Lothar