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Kleine (blöde) Mycena *PIC*

Klaas, (vor 5390 Tagen)

Hallo zusammen,

diese niedlichen Mycenchen ziehen mich in letzter Zeit magisch an - dummerweise leide ich auch hierbei,
wie in so ziemlich allen anderen Gattungen, arg unter Ahnungslosigkeit.

Höchst wahrscheinlich können andere im Forum die Kleinen anbei aus dem Stehgreif bestimmen, ich
verbringe Stunden damit und komme zu nichts...

Die Kerlchen stammen vom letzten Wochenende, eine meiner Lieblings-Ruderalstellen mit schätzungsweise
3 Kubikmeter aufgehäuftem, bemoostem Geäst nahe eines Kalksteinbruchs. Darin und in der Umgebung wachsen
im Winter hübsche rote Becher (aber auch sonst schöner anderer Krimskrams).

Nadelholz kann ich ausschließen, ein daumendicker Zweig im Haufen, das wars aber auch schon mit den
möglichen Angaben zum morschen Substrat. Bei jedem Versuch lande ich in der Sektion Hiemales - sofern
ich mich dabei nicht jedes Mal verfliege, gibts darin ja nicht allzu viele. In der HDS sehe ich keine warzigen Hyphen
(oder deute alle laienhaften HDS-Schnitte falsch), trotzdem bleibt eigentlich nur M. speirea übrig. Oder?
Kann auch gut sein, dass ich mich wie so oft im Kreis drehe oder völlig auf dem Holzweg bin.
Irgendwie hatte sich makroskopisch unter speirea etwas völlig anderes in meinem Kopf festgesetzt, viel
dunkler, omphalina-artiger.
Miserable Mikros sind beigefügt, ich hab nix besseres...

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Noch etwas Beifang aus nächster Nähe - ganz schön früh dieses Jahr:

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Ciboria caucus - Kätzchen-Stromabecherling

Sonst viel früher, aber endlich mal frisch und reif durchmikroskopiert und guten Gewissens bestimmt:

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Sarcoscypha coccinea - Scharlachroter Kelchbecherling

Viele Grüße
Klaas

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Re: Kleine (blöde) Mycena

Ingo Wagner, (vor 5390 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas!

dummerweise leide ich auch hierbei,
wie in so ziemlich allen anderen Gattungen, arg unter Ahnungslosigkeit.

Wenn du nicht immer so negativ von dir plaudern würdest!!
Deine Bilder, Mikros und Beiträge sind erstklassig und eine Augenweide.

Deine Mycena passt gut zu M. speirea (Bogenblättriger Helmling). Die kann auch was brauner oben drauf sein, das stimmt, dazu muss man aber immer auch die Lichtverhältnisse sehen: wenig Licht = wenig braun.

Auch die Form ist sehr typisch, das bereifte am Stiel, die bräunliche Stielbasis und natürlich die etwas herablaufenden Lamellen.

Noch omphaloider sieht die nicht aus. Sie kann aber auf dünnsten Ästchen wachsend (oft meist in Gewässernähe) in der Laubschicht auch länger- und geradstielig und regelmäßiger in der Hutform sein (meist nicht im Winter!).

Was mir immer wieder auffällt: sie wächst immer im Zusammenhang mit Rinde, entweder dünne berindete Ästchen in der Laubschicht oder ablösende Rinde von dickerem Substrat, dann gerne auch aus Hohlräumen heraus.

Meine letzten Bilder stelle ich nicht noch mal ein, verlinke ich einfach:
http://www.customcostumes.de/schwammer/forum/showthread.php?tid=2066&highlight=speirea

Ich würde nochmal an der Lamellenschneide nach den Cheilos suchen, die sehen ähnlich aus wie die am Stiel und sind eigentlich sehr typisch für die Art.

Wieder sind meine Einschätzungen rein privat und entbehren möglicherweise sämtlicher mykologischer Grundlage.

VG
Ingo W

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Re: Kleine (blöde) Mycena

Andreas ⌂, (vor 5390 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

also ich würde bei der plöden Müzena eher mal bei Hemimycena schauen. Oder vielleicht sogar bei Marasmius. Für ne echte Mycena schauen mir die etwas zu weiß und entferntblättrig aus. Für Mycena speirea halte ich die nicht.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Kleine (blöde) Mycena

Ingo Wagner, (vor 5390 Tagen) @ Andreas

Hallo Klaas,
also ich würde bei der plöden Müzena eher mal bei Hemimycena schauen. Oder
vielleicht sogar bei Marasmius. Für ne echte Mycena schauen mir die etwas
zu weiß und entferntblättrig aus. Für Mycena speirea halte ich die nicht.
beste Grüße,
Andreas

Hallo!

Jetzt wird das ganze interessant.
Cheilos sind natürlich immer wichtig, deshalb würde ich trotzdem damit anfangen.

Farbe weiß für Mycena ist doch kein Problem, speirea gibt es sogar angeblich in dieser Farbe.
Fällt m. E. nach flach, da der Hutscheitel schon braun wird.

Ich finde M. speirea sehr gut, und werde natürlich total niedergeschlagen sein, wenn Andreas hier nur entfernt recht haben sollte.

Also Klaas, tu was!

VG Ingo W

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Re: Kleine (blöde) Mycena

Lothar, (vor 5334 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Kollegen,
ich würde das auch für Mycena speirea halten.
LG von Lothar

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Re: Kleine (blöde) Mycena

HARZPILZCHEN, (vor 5390 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas

Sehr schöne Bilder wieder. Deine Mycena mitsamt Mikros erinnern mich wieder an meine letztens gefundene Mycena.

Beitrag 218069

LG Hartmut

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Re: Kleine (blöde) Mycena *PIC*

interhias ⌂, (vor 5390 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

blödes Schwammerl, habe ich mir damals auch gedacht, als ich schon beim Präparieren dieser 2010er Kollektion kläglich gescheitert bin.

Der Gernot hat mir damals, glaub ich, draufgeholfen, und so bin ich auf M. speirea gekommen. Inzwischen habe ich sie öfter gesehen, die Teile scheinen teuflisch variabel zu sein, je nach Substrat. Die hier fotografierte Kollektion aus Tirol ist deiner zumindest habituell nicht ganz unähnlich.

Trotzdem schadet es sicher nicht, mal in anderen Gattungen zu stöbern. Bei diesen weißlichen Winzlingen weiß man nie ...

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Mehr Infos hier.

Grüße aus München
Hias

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Zwischenstand *PIC*

Klaas, (vor 5389 Tagen) @ Klaas

Hallo und herzlichen Dank an alle für die Meinungen und Infos hier und per Mail!
Irgendwie kommt zeitlich immer alles anders als geplant... beim Versuch gestern
Abend ergab sich für mich nicht viel Neues, Sporen zum Testen der Jodreaktion
waren überhaupt keine mehr zu finden. Die größeren FK sind etwas überständig,
es wachsen aber ein paar kleine nach, mal sehen.

Die älteren FK sind sehr nachgedunkelt, von weiß kaum noch eine Spur, zur Hutmitte
hin gehen sie nun ins Bräunliche.

Da mir die Lamellen wie Andreas auch sehr weit entfernt vorkamen, hatte ich meine
Fühler auch schon und nun erneut in Richtung Marasmius und Hemimycena ausgestreckt,
in den Gattungen sind meine Quellen aber sehr begrenzt.
Allerdings findet man auch zur speirea Abbildungen mit Lamellen, die meinen sehr
ähnlich sehen.
Kurzum: Ich tendiere immer mehr zu M. speirea, beweisen kann ichs aber nicht.

Zu den Cheilos: Ich dachte eigentlich, das auf der ersten ersten Montage links oben
wären welche. Jetzt bin ich unsicher, ob das auf der zweiten angehängten Montage
überhaupt welche sind. Wenn ja, sind sie oft auch gegabelt.

Vielleicht kann man irgendetwas auf dem Bild erkennen, was verwertbar ist.
(Ich bekomme mit meiner Ausrüstung/Präpariertechnik einfach keine gescheiten Fotos hin.
Zudem werde ich mit der nervigen Okular-Adaption langsam aber sicher auf einem Auge blöd.)

Ich probiers heute Abend nochmal.

Danke und Grüße
Klaas

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Re: Zwischenstand

Andreas ⌂, (vor 5389 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas,

ich bin mittlerweile auch ziemlich überzeugt, dass Ingo recht hat und dass es sich um Mycena speirea handelt.

beste Grüße,
Andreas

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Re: Zwischenstand

Ingo Wagner, (vor 5388 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas!

Zu den Cheilos: Ich dachte eigentlich, das auf der ersten ersten Montage
links oben
wären welche. Jetzt bin ich unsicher, ob das auf der zweiten angehängten
Montage
überhaupt welche sind. Wenn ja, sind sie oft auch gegabelt.

Das lässt sich jetzt eher schlecht beurteilen. Das sich apikal gabelnde Element könnte zur Not auch ein Jung-Basidium sein, aber sonst, die welligen, sich nach oben verschmälernde sind Cheilo-Zystiden.
Und genauso sind viele Elemente auf der 2. Montage sicher welche. Die sind zu erkennen, weil sie zwar +-zylindrisch bis keulig sind, aber immer irgendwie mit leicht richtungswechselnden Knicken oder wellig, eben vom Prinzip her wie die Pileos.

Dabei ist es nicht ungewöhnlich, dass sie auch kleine knollige Nasen, grobe Verzweigungen oder "Basidien-Doubles" bilden.

Ich finde übrigens nicht, dass Mycena speirea besonders variabel im Aussehen ist. Eben 1. gerad- und längerstielig, wenn auf Zweigen in der Laubschicht wachsend oder 2. kurz- und krummstielig, wenn zwischen der Rinde herauswachsend.
Oft hat er noch ein +-dezentrales Buckelchen auf dem Hut und meist wächst er mit diesem unregelmäßigem Hutrand. Wechselnde Braunintensität ist Lichtsache.

VG Ingo W

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Endstand - M. speirea

Klaas, (vor 5387 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo an alle,

ich lege den Fall nun ad adcta, die vergehenden FK zeigen mir nichts Neues mehr. Ich bezweifle, dass die nachwachsenden noch richtig reif werden,
ist bei mir meistens so mit Blätterpilzchen.
Mit meiner üblichen Bestimmungs-Sicherheit bis höchstenfalls 95% ehre ich die Kleinen postum mit dem Namen Mycena speirea.

In chronologischer Reihenfolge danke ich Piwo und Ingo für die hilfreichen Daten, Andreas für die Erinnerung daran, an zweifelhaften Bestimmungen
noch mehr zu zweifeln, Harzi und Hias für die zusätzlichen Infos!

Ingo: Deine wie immer tollen Erläuterungen zum Pilz und den Aufnahmen dazu versuche ich mir zu merken, hoffentlich bleibt wenigstens ein Teil davon hängen...

Beste Grüße
Klaas

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Re: Endstand - M. speirea

Ingo Wagner, (vor 5387 Tagen) @ Klaas

Mit meiner üblichen Bestimmungs-Sicherheit bis höchstenfalls 95% ehre ich die
Kleinen postum mit dem Namen Mycena speirea.

Hallo Klaas!

Woran scheitern eigentlich die restlichen 5%? Suchst du noch reifere Sporen?
Die Sporen auf deinem Cheilo-Bild sehen eigentlich fertig aus, normalerweise müssten dir da auch ausgefallene am apikalen Stiel begegnet sein.

Gibt es noch irgendwas, was nicht passt? Du hast doch nun alles.

Übrigens ist mir bisher noch kein ähnlicher Helmling untergekommen mit braunem Runzelbuckel und etwas herablaufenden Lamellen.

Man kann maximal solche beschriebenen Formen wie fo. camptophylla oder fo. candida im Hinterstübchen behalten, wobei ich da mehr auf der skeptischen Seite zu finden bin und denke, der eine hat zu lange in der Schachtel gelegen, der andere zu wenig Licht bekommen.
Sieht man übrigens auch am Referenzbild im "Robich" für die Form candida: die Stiele sind für einen normal entwickelten Helmling viel zu lang, bei dem würde ich eher denken, dass er aus dem Dunklen hervorgekrochen ist.

VG Ingo W

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Re: Endstand - M. speirea

Klaas, (vor 5386 Tagen) @ Ingo Wagner

Hallo Ingo,

reife Sporen gab es anfangs ausreichend, auch am Stiel, wie Du schreibst.
Die passen ja. So ein paar mikroskopische Dinge hätte ich eben gerne noch besser sehen oder
deuten können.
Robich hab ich nich - insofern blieb ich bis zum Lesen Deiner Nachricht von Formen der Art
verschont... ;)

Außerdem sind 95% jede Menge (für mich) - bedenkt man, dass ich mit nur 50% Eigenkapital an den
Start ging, weitere 50% als Zuschuss erhielt und dafür am Ende nur 5% in meinen Unsicherheitspott
gelegt habe.

In einem völlig anderen Biotop traf ich heute wieder auf die Kleinen, mit den inzwischen
erhaltenen Tipps gelang die Bestimmung vor Ort schon zu 96% sicher. (Sofern dann auch noch
die Mikros passen, schaffe ich irgendwann vielleicht noch die 99...)

Einen schönen Restsonntag wünscht
Klaas

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Re: Endstand - M. speirea

Ingo Wagner, (vor 5386 Tagen) @ Klaas

Hallo Klaas!

In einem völlig anderen Biotop traf ich heute wieder auf die Kleinen, mit den

Den kann man eigentlich biotopmäßig gar nicht so recht festlegen.
Im Sommer-Halbjahr mehr an schattigen Standorten, oft Gewässernähe, im Winter einfach nur Laubholz, wenn ich recht hätte, immer sehr dünnes Holz oder irgendwie in Verbindung mit Rinde.

VG Ingo W