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Re: Abkürzung

Andreas ⌂, (vor 5335 Tagen) 8.003 Beiträge @ Stephan Weißer

Hallo,

Als fo. bezeichnet man

eine Forma wird grundsätzlich und ausschließlich mit "f." abgekürzt. Alle anderen Abkürzungen wie "fo.", "fma." oder "fa." sind nicht Code-konform (auch wenn sie eine Neubeschreibung nicht ungültig machen würden) und jeder Revisor einer Publikation würde eine andere Schreibweise als "f." anstreichen.
Also bitte Russula cyanoxantha f. pelteraui.

Russula
cyanoxantha fo. peltereaui ist z. B. für einen Frauentäubling untypisch
grün, alles andere jedoch stimmt mit der typischen Form überein. Ein solch
grünhütiges Exemplar stammt aus einem Myzel, das auch ganz gewöhnliche
violette Exemplare hervorbringt, wächst also im Idealfall mit der
typischen Form durcheinander.

Hmmm, das finde ich ein bischen eine gewagte These. Kannst Du denn beweisen, dass an dem Standort nicht zwei verschiedene Myzelien vorkommen? Eines der var. pelteraui und eines der var. cyanoxantha? Andere Pilzarten wachsen ja auch oft durcheinander, warum soll das immer gerade bei nahe verwandten Taxa ein Argument gegen die Eigenständigkeit sein?
Ich kenne durchaus auch Standorte, da kommen jahraus-jahrein nur flaschengrüne Frauentäublinge. Nie einer mit violett und nie ein gelbgrüner. Wie soll ich das werten? Scheint mir allem Anschein nach in diesem Myzel genetisch fixiert zu sein, also doch immerhin eine gute Varietät, oder? Mal ketzerisch gefragt ....

Im Gegensatz dazu stammt eine var. aus einem Myzel, das immer nur solche
untypischen Wuchsformen hervorbringt (z. B. Tricholoma saponaceum var.
lavedanum), nie aber typische. Und wenn diese var. in mindestens drei
Merkmalen nicht mit der typischen Wuchsform übereinstimmt, kann man schon
mal versuchsweise eine andere Art daraus machen.

Diese "Regelung", in wievielen Merkmalen ein Taxon von einem anderen abweichen muss, damit es eigenständig sein darf, ist ein bischen naiv. Es geht zum einen nämlich immer davon aus, dass wir in der Lage wären, alle Merkmale einer Art zu erfassen. Und das sind wir halt nicht immer. Es gibt genügen Beispile für kryptische Arten, die sich molekular hinreichen deutlich unterscheiden, aber man hat (noch) keine morphologischen Merkmale zur Unterscheidung gefunden. Das mit einem "da siehste mal, was für ein Unfug der ganze Molekularkram ist" abzutun, wäre ignorant.
Zum anderen sollte dann aber auch dazu gesagt werden, dass es sich um nicht korrelierte Merkmale handeln soll. Und dies ist nicht immer leicht fest zu stellen. Die Merkmale "wächst auf Sandboden" und "Stiel wurzelnd" sind sehr wahrscheinlich korreliert, denn der Stiel wurzelt eben WEIL der Pilz im Sandboden wächst. Würde der selbe Pilz auf Lehm fruktifizieren, dann würde er keine Stielwurzel bekommen (Beispiel Amanita excelsa - Amanita spissa).
Andererseits kann ich mir durchaus vorstellen, dass ich bei einer Art auch nur ein einziges klares Merkmal finde, dass sie von den nächst verwandten abgrenzt, und ich würde das Taxon trotzdem als Art ansehen. Wenn ich einen Sommersteinpilz finde, der beim Durchschneiden tiefblau verfärbt, dann isses keiner, auch wenn ich kein einziges weiteres Unterscheidungsmerkmal finde. Natürlich vorausgesetzt, das Blauen ist konstant in diesem Myzel über verschiedene Fruktifikationsperioden!

Naja, über das Thema kann man sichen wochenendenlang streiten. Schade finde ich aber das oft dieser Tenor rüberkommt, dass alle die Neubeschreiber das wegen ihres persönlichen Egos machen und dass ein Großteil davon eh Humbug ist und so weiter. Dem ist zu 99% nicht so.

beste Grüße,
Andreas

P.S.: @Stefan, bitte betrachte das jetzt nicht alles als direkt gegen dicht gemünzt, es passte nur recht gut zu deinem Beitrag. Will sagen, ich unterstelle dir keineswegs die angesprochenen Dinge!

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