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Täubling unter Birke *PIC*

Boris71, (vor 5212 Tagen)

Hallo zusammen,

meine kleine Stadtwiese mit den 3 Birken steht gerade voll von Täublingen. Vom der angefragten Art stehen dort mindestens 50 Stück auf 3 qm.
Mein Beschreibungsversuch:
Geruchlos, mild (auch noch nach längerem Kauen), Hut bis zu 10 cm, in der Mitte eher hellbraun, nach außen hin dunkel gräulich werdend (wobei ich meine, auch einen gaaanz leichten Grünschimmer am Rand zu erkennen - kommt auf den Fotos aber wohl nicht rüber), Huthaut ca. zur Hälfte abziehbar, splitternde Lamellen, Begleitbaum nur Birke.
Chemische Hilfsmittel stehen mir nicht zur Verfügung.
Lässt sich dennoch etwas zur Art sagen?

Danke und VG,

Boris

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Re: Täubling unter Birke

Gulistan ⌂, (vor 5212 Tagen) @ Boris71

Hallo Boris,

Russula parazurea wäre eine Möglichkeit.

L. Gr.

Christiane

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Re: Täubling unter Birke

Boris71, (vor 5212 Tagen) @ Gulistan

Russula parazurea wäre eine Möglichkeit.

Hallo Christiane,

danke für Deine Antwort. Hab das mal darauf hin verglichen - und das kommt eigentlich sehr gut hin!

VG, Boris

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Re: Täubling unter Birke

Gábor, (vor 5212 Tagen) @ Boris71

danke für Deine Antwort. Hab das mal darauf hin verglichen - und das kommt
eigentlich sehr gut hin!

----

Hallo Boris,

woran hast Du das erkannt?
Bzw. weshalb denkst Du, dass es nicht z.B. auch R. ionochlora oder aber auch R. columbicolor sein könnte?

Die Bilder im Internet können übrigens auch mal falsch bestimmt worden sein...

LG, Gábor

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Re: Täubling unter Birke

Boris71, (vor 5212 Tagen) @ Gábor

woran hast Du das erkannt?
Bzw. weshalb denkst Du, dass es nicht z.B. auch R. ionochlora oder aber auch
R. columbicolor sein könnte?

Hallo Gabor,

natürlich bin ich mir nicht sicher - und schon mal gar nicht bei den Täublingen.
Beim Papageientäubling lese ich, dass sich das Fleisch unter der Huthaut violett verfärbt - das konnte ich bei meinen Exemplaren nicht feststellen.
Auch eine gräuliche bis rosaliche Tönung - wie beim Taubenblauen Täubling beschrieben - war nicht sichtbar.

Aber das soll wirklich nichts heißen. Ich bin für jeden Tipp / Hinweis dankbar!

VG, Boris

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Re: Täubling unter Birke

Thüringer-Holz, (vor 5212 Tagen) @ Boris71

Hi Boris,

das ist Russula parazurea Jul. Schäff. 1931

LG Felix

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Re: Täubling unter Birke

Bernd Miggel, (vor 5211 Tagen) @ Boris71

Hallo Gabor,
natürlich bin ich mir nicht sicher - und schon mal gar nicht bei den
Täublingen.
Beim Papageientäubling lese ich, dass sich das Fleisch unter der Huthaut
violett verfärbt - das konnte ich bei meinen Exemplaren nicht feststellen.
Auch eine gräuliche bis rosaliche Tönung - wie beim Taubenblauen Täubling
beschrieben - war nicht sichtbar.
Aber das soll wirklich nichts heißen. Ich bin für jeden Tipp / Hinweis
dankbar!
VG, Boris

Hallo Boris,

die Fleischfarbe unter der abgezogenen Huthaut nachzuschauen ist wichtig: R. parazurea ist dort eindeutig grau!
Schade, dass du weder die Sporenpulverfarbe hast noch mikroskopieren kannst, oder?
Sonst könnte man eine eindeutige Bestimmung wagen.

Viele Grüße
Bernd

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Re: Täubling unter Birke

Boris71, (vor 5211 Tagen) @ Bernd Miggel

Hallo Boris,
die Fleischfarbe unter der abgezogenen Huthaut nachzuschauen ist wichtig: R.
parazurea ist dort eindeutig grau!
Schade, dass du weder die Sporenpulverfarbe hast noch mikroskopieren kannst,
oder?
Sonst könnte man eine eindeutige Bestimmung wagen.
Viele Grüße
Bernd

Hi Bernd,

Fleischfarbe und Sporenpulverfarbe bekomme auch ich als Laie noch hin :-)
Werde also morgen nochmal nachschauen, ob noch ein paar Exemplare dort stehen - allein schon, um mich bei der Bestimmung weiter zu trainieren.

VG, Boris

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Re: Täubling unter Birke

Boris71, (vor 5211 Tagen) @ Thüringer-Holz

Hi Boris,
das ist Russula parazurea Jul. Schäff. 1931
LG Felix

Hi Felix,

danke für die Bestätigung vom größten Russulaexperten in diesem Forum (und wahrscheinlich auch darüber hinaus)!

VG, Boris

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Habitatnachfrage

jesko, (vor 5211 Tagen) @ Gábor

Hallo Gábor,

da parazurea ja bei Birke recht typisch wäre, wollte ich nur mal neugierig nachfragen, ob Du ionochlora oder "columbicolor" (sagen wir doch gleich grisea, denn auf eine Nuance in der Sporenpulverfarbe sollte man keine Art aufbauen) von reinen Birkenstandorten kennst.
Ionochlora sähe ich bei Fagaceaen, Hainbuche, Linde, Fichte, grisea bei den erstgenannten Laubbäumen. Warum sollen die nicht auch mit Birke können, nur habe ich es noch nie gesehen bzw. zuverlässig gelesen/gehört.

Viele Grüße,
Jesko

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Re: Habitatnachfrage

Boris71, (vor 5211 Tagen) @ jesko

Hallo Gábor,
da parazurea ja bei Birke recht typisch wäre, wollte ich nur mal neugierig
nachfragen, ob Du ionochlora oder "columbicolor" (sagen wir doch
gleich grisea, denn auf eine Nuance in der Sporenpulverfarbe sollte man
keine Art aufbauen) von reinen Birkenstandorten kennst.
Ionochlora sähe ich bei Fagaceaen, Hainbuche, Linde, Fichte, grisea bei den
erstgenannten Laubbäumen. Warum sollen die nicht auch mit Birke können,
nur habe ich es noch nie gesehen bzw. zuverlässig gelesen/gehört.

Hi Jesko,

ich bin - was Täublinge angeht - ein völlig unbeschriebenes Blatt. Demnach kann ich Dir nicht sagen, ob mir ionochlora oder columbicor auch schon bei Birke über den Weg gelaufen ist.
Im aktuellen Fall kann ich nur sagen, dass definitiv ausschließlich Birke der Begleiter ist.
Erstaunlich finde ich aber allemal, was auf diesem kleinen Stückchen Wiese alles wächst. Ich hatte letztes Jahr zu genau diesem Standort einen Beitrag "Birkenpilz-Invasion" geschrieben. Beitrag 214820

Um genau die selbe Wiese (genauer gesagt ca. 2 Meter links von der ersten Birke) handelt es sich im aktuellen Täubling-Fall.
Auf diesem Fleckchen habe ich auch schon gefunden:

-Tricholoma fulvum (Gelbblättriger Ritterling) (massenhaft)
-Amanita rubescens (Perlpilz) (massenhaft)
-Xerocomellus chrysenteron (Rotfußröhrling) (jeweils ca. 10-15 Stück)
-Laccaria laccata (Rötlicher Lacktrichterling) (auch immer 20-30 Exemplare)
-und noch mindestens 3 weitere Russula spec.

Ein - wie ich finde - bemerkenswertes "Myzel-Zusammenkommen" :-))

VG, Boris

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Re: Täubling unter Birke

Bernd Miggel, (vor 5210 Tagen) @ Boris71

Hi Bernd,
Fleischfarbe und Sporenpulverfarbe bekomme auch ich als Laie noch hin :-)
Werde also morgen nochmal nachschauen, ob noch ein paar Exemplare dort stehen
- allein schon, um mich bei der Bestimmung weiter zu trainieren.
VG, Boris

Hallo Boris,
da habe ich mich falsch ausgedrückt. Ich wollte sagen, wenn du die Möglichkeit hättest zu mikroskopieren, dann könntest du noch ein paar Dinge nachschauen: Die Huthaut müsste Dermatozystiden haben, das Sporenornament müsste deutlich netzig sein.
Viele Grüße
Bernd

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Re: Habitatnachfrage

jesko, (vor 5210 Tagen) @ Boris71

Hallo Boris,

solche mykorrhizareichen synanthropen Standorte sind nicht ungewöhnlich (da findet man oft mehr als mitten im Wald), und parazurea passt auch gut in dieses Habitat. Hast Du "Laccaria laccata" mikroskopisch überprüft? Hier wären eher proxima oder tetraspora (ungleich häufiger als laccata!) vorstellbar.

Andere typische Täublinge in sochen Habitaten wären übrigens exalbicans, aeruginea und versicolor. Auch velenovskyi und nitida könnte ich mir vorstellen.

Viele Grüße,
Jesko

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Re: Habitatnachfrage *PIC*

Gábor, (vor 5210 Tagen) @ jesko

: da parazurea ja bei Birke recht typisch wäre, wollte ich nur mal neugierig
[quote]nachfragen, ob Du ionochlora oder "columbicolor" (sagen wir doch
gleich grisea, denn auf eine Nuance in der Sporenpulverfarbe sollte man
keine Art aufbauen) von reinen Birkenstandorten kennst.
Ionochlora sähe ich bei Fagaceaen, Hainbuche, Linde, Fichte, grisea bei den
erstgenannten Laubbäumen. Warum sollen die nicht auch mit Birke können,
nur habe ich es noch nie gesehen bzw. zuverlässig gelesen/gehört.
[/quote]
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Hallo Jesko,

an ionochlora streng unter Birke kann ich mich so nicht mehr genau erinnern.

Was jedoch R. parazurea anbelangt, kenne ich ihn typischerweise von sandigen Standorten unter Eichen in der Südheide.

Hier bei Köln finde ich sie auch schon mal im Fichtenwald mit eingestreuten Jungbuchen:
[image]

oder auch als Stadtpilz unter Linde in einer Allee:
[image]

LG, Gábor

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Re: Habitatnachfrage

Frank 61, (vor 5210 Tagen) @ Gábor

Hallo,
bei mir im Altenburger Land ist parazurea einer der häufigsten. Oft im Eichen-dominierten Hochwald aber auch im Bergbauvorwald unter Birke und Pappel; einmal sogar im Kiefernforst. Also recht flexibel.
Viele Grüsse Frank

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Re: Täubling unter Birke

Boris71, (vor 5210 Tagen) @ Bernd Miggel

die Fleischfarbe unter der abgezogenen Huthaut nachzuschauen ist wichtig: R.
parazurea ist dort eindeutig grau!

Hi Bernd,

hab heute nochmal nachgeschaut und einem die Haut abgezogen: Mehr grau geht nicht :-)
Es kommen auch noch viele frische nach (obwohl es bei uns seit gestern richtig sonnig und warm ist - oder vielleicht gerade deswegen?!).
Außerdem explodieren dort auch gerade die Perlpilze. Habe dort vorgestern 10 Stück für die Pfanne geerntet (ich finde sie übrigens total lecker!) und dabei nur 2 Minis stehen gelassen - und heute stehen dort wieder mindestens 30 Stück! Die sind morgen erntereif... :-))

VG, Boris

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Re: Habitatnachfrage

Boris71, (vor 5210 Tagen) @ jesko

Hast Du "Laccaria laccata" mikrospischüberprüft?

Hi Jesko,

nein, hab ich natürlich (mangels Mikroskop) nicht. Aber dennoch bin ich mir ziemlich sicher, dass sie es sind. Um den Beweis anzutreten (oder auch die Widerlegung) müssen wir wohl aber noch so lange warten, bis sie dieses Jahr wieder wachsen (noch ist nix zu sehen)...

Ich gebe Bescheid, wenn ich sie wieder sichte! Ist ja nur 20 Meter quer über die Straße ;-))

VG, Boris

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Re: Habitatnachfrage

jesko, (vor 5210 Tagen) @ Gábor

Hallo Gábor und Frank,

die ökologischen Vorlieben von parazurea würde ich auch so bestätigen (relativ breites Spektrum an Laub- und Nadelbäumen) und dahingehend ergänzen, dass sie in "normalen" Laubwäldern (Carpinion) gern an birkendominierten Standorten vorkommt. Felix hat sie in Belgien übrigens in einem reinen Silberpappelbestand gehabt. Bemerkenswert ist ebenfalls, dass parazurea ein echter Kalkflieher ist: große Russulologen, die zumeist in Kalkgebieten gesammelt haben, kannten diese regional absolut häufige Art nur schlecht!

Viele Grüße, Jesko

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Re: Täubling unter Birke

Bernd Miggel, (vor 5210 Tagen) @ Boris71

Hi Bernd,
hab heute nochmal nachgeschaut und einem die Haut abgezogen: Mehr grau geht
nicht :-)
Es kommen auch noch viele frische nach (obwohl es bei uns seit gestern
richtig sonnig und warm ist - oder vielleicht gerade deswegen?!).
Außerdem explodieren dort auch gerade die Perlpilze. Habe dort vorgestern 10
Stück für die Pfanne geerntet (ich finde sie übrigens total lecker!) und
dabei nur 2 Minis stehen gelassen - und heute stehen dort wieder
mindestens 30 Stück! Die sind morgen erntereif... :-))
VG, Boris

Hallo Boris,

wenn so viele "parazurea" nachwachsen, dann müsste dir eigentlich die typisch mehlig-schorfige Hutbereifung vieler Fruchtkörper auffallen. Dieses Merkmal kann man immer wieder beobachten.

Viele Grüße
Bernd

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Re: Täubling unter Birke

Thüringer-Holz, (vor 5209 Tagen) @ Bernd Miggel

Hallo Bernd,

die mehlig-schorfige Hutbereifung ist leider kein konstantes Merkmal bei R.parazurea, auch die Sporenpulverfarbe sowie die Huthautstruktur sind variabler als in jedem Russula Werk angegeben. Außerdem wird wohl R.parazurea aus den Griseinae ausgegliedert. Erste öffentliche Ergebnisse zur Revision der Subsektion Griseinae auf dem Russulales Workshop im August....

Beste Grüße Felix

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Re: Täubling unter Birke

Bernd Miggel, (vor 5209 Tagen) @ Thüringer-Holz

Hallo Bernd,
die mehlig-schorfige Hutbereifung ist leider kein konstantes Merkmal bei
R.parazurea, auch die Sporenpulverfarbe sowie die Huthautstruktur sind
variabler als in jedem Russula Werk angegeben. Außerdem wird wohl
R.parazurea aus den Griseinae ausgegliedert. Erste öffentliche Ergebnisse
zur Revision der Subsektion Griseinae auf dem Russulales Workshop im
August....
Beste Grüße Felix

Hallo Felix,

danke für die Info, man lernt immer wieder dazu.
Was mich interessieren würde: welcher Taxonom will R. parazurea aus den Griseinae ausgliedern und mit welcher Begründung?

Viele Grüße
Bernd

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Re: Täubling unter Birke - und Perlpilz-Invasion *PIC*

Boris71, (vor 5209 Tagen) @ Boris71

Hallo zusammen,

wie avisiert, hab ich heute geerntet. Die ganze Wiese stand voller Perpilze! Und es stehen noch etliche Minis rum.
Auch Russula parazurea war noch zahlreich vertreten, wenn auch bereits mit ein paar Trockenschäden (hier war es heute gefühlte 40 Grad...).
Anbei ein kleiner Bildermix.
Auf dem letzten Bild (in der Schüssel) sind ca. 30 Perlpilze (waren übrigens im Hut völlig madenfrei) - und 1 Birkenpilz. Sollte aber leicht sein :-))

VG, Boris

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Re: Täubling unter Birke

jesko, (vor 5209 Tagen) @ Bernd Miggel

Hallo Bernd,

Was mich interessieren würde: welcher Taxonom will R. parazurea aus den
Griseinae ausgliedern und mit welcher Begründung?

Neben Felix bekenne ich mich schuldig und sage, man könnte es morphologisch einfach damit begründen, dass die Sporen von parazurea so netzig sind, wie sie bei einer Griseinae nicht sein dürfen. In Wirklichkeit liegen einer solchen Überlegung natürlich (unveröffentlichte) molekularbiologische Ergebnisse zugrunde, für die Felix in der Summe viele Wochen im Labor zugebracht hat.

Viele Grüße, Jesko

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Re: Täubling unter Birke

Bernd Miggel, (vor 5208 Tagen) @ jesko

Hallo Bernd,
Neben Felix bekenne ich mich schuldig und sage, man könnte es morphologisch
einfach damit begründen, dass die Sporen von parazurea so netzig sind, wie
sie bei einer Griseinae nicht sein dürfen. In Wirklichkeit liegen einer
solchen Überlegung natürlich (unveröffentlichte) molekularbiologische
Ergebnisse zugrunde, für die Felix in der Summe viele Wochen im Labor
zugebracht hat.
Viele Grüße, Jesko

Hallo Jesko, hallo Felix,

diese molekularbiologischen Untersuchungen finde ich sehr interessant und habe auch von anderen Mykologen davon gehört. Als Hobby-Pilzkundler sehe ich diese Dinge aber auch mit einem weinenden Auge, da ich befürchte, dass die Pilze für "einfache Leute" viel von ihrem Reiz verlieren könnten.

Viele Grüße
Bernd

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Re: Täubling unter Birke

jesko, (vor 5208 Tagen) @ Bernd Miggel

Hallo Bernd,

diese molekularbiologischen Untersuchungen finde ich sehr interessant und
habe auch von anderen Mykologen davon gehört. Als Hobby-Pilzkundler sehe
ich diese Dinge aber auch mit einem weinenden Auge, da ich befürchte, dass
die Pilze für "einfache Leute" viel von ihrem Reiz verlieren
könnten.

ich bin auch "nur Hobbymykologe" (bei "Hobbymykologen" handelt es sich nach meiner Einschätzung allerdings keineswegs um eine Gattung, die sich mit "einfache Leute" umschreiben ließe, ich glaube eher, für Außenstehende wäre etwa ein Attribut wie "ein bisschen durchgeknallt" noch eines der harmloseren).

Molekularbiologische Untersuchungen, die am Ende übrigens von "Profis und Amateuren" sozusagen Hand in Hand durchgeführt werden müssen, da die Profis allein nicht genug sammeln können, geben einfach die Chance, bei der Bestimmung von einigen Pilzgruppen nicht nur gewissermaßen Kaffeesatzleserei zu betreiben. So sieht es nämlich derzeit z.B. bei den Griseinae oder auch bei den Scheidenstreiflingen aus. Selbst bei häufigen Arten, die gut bekannt sein müssten, liegt die morphologische Fehlbestimmungsquote oft deutlich über 50%. Ziel von molekularbiologisch unterstützten Untersuchungen ist es natürlich, eine Situation zu erreichen, in der die Arten morphologisch bestimmbar sind, indem man herausfindet, welche morphologischen Merkmale infraspezifisch konstant und damit für die Bestimmung zuverlässig sind und welche eben nicht.

Soll die supraspezifische Taxonomie (Aufstellung von Serien, Sektionen, Gattungen, Familien usw.) die natürliche Ordnung (d.h. Abstammung) widerspiegeln, so sind auch hier die Möglichkeiten der Morphologie einfach beschränkt, und durch die Sequenzierung erfahren wir eben viel leichter und zuverlässiger, ob parazurea eine echte Griseinae ist oder nicht, ob etwa aeruginea eine Griseinae oder Ilicinae ist (bzw. ob die Ilicinae überhaupt eine eigene Subsektion darstellen) usw.
Und wie es sich auf die Morphologie umgebrochen darstellen dürfte, das habe ich ja schon angedeutet: Die Sporen der Griseinae sind fast isoliertwarzig (z.B. medullata) bis partiell subretikuliert (z.B. grisea) und niemals komplett subretikuliert bis ausgesprochen retikuliert wie bei parazurea.

Viele Grüße, Jesko

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Re: Täubling unter Birke

Bernd Miggel, (vor 5208 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko.

"bisschen durchgeknallt", nicht schlecht!
Danke für deine ausführlichen Erläuterungen, es wird spannend bleiben.

Viele Grüße
Bernd