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Ein richtiges Wochenende mit Mistwetter *PIC*

jesko, (vor 4931 Tagen)

war das endlich mal wieder, zumindest am Sonnabend. Da lacht das Herz, wenn man selbst nach einer kurzen Exkursion die Jacke zum Trocknen aufhängen und die Schuhe mit Zeitung ausstopfen muss. Das lässt auch für unsere Gegend, in der dem Winter wieder mal gleich der Sommer zu folgen schien – und das alles bei wenig Wasser von oben, hoffen, dass sich auch bei den Pilzen bald etwas tun möge.

Nun, vor allem im Kleinen regt sich schon so einiges. Daher kommt hier meine Frühlingsmistwettercollage. Passend zum Mistwetter gab’s auch Mistpilze, sogar in rosa! Aus den mit Amphiporthe leiphaemia überzogenen Stieleichenästen quollen frisch und munter und in großer Zahl die Buckeligen Zitterlinge (Tremella globospora), die dem armen Pyrenomyzeten zusetzen. Auch die eingesenkten Eichenrindenpilze (Colpoma quercinum), die wiederum den Eichen stark zu schaffen machen, sind kurz davor, ihre Becherlingsnatur zu offenbaren. Selbst die Xerotoleranten freuen sich, denn bei aller Toleranz wird man wohl zu einer ordentlichen Portion Nieselregen und Luftfeuchtigkeit kaum nein sagen können. So sieht es aus beim Ulmenknopfbecherchen (Orbilia carpoboloides), das sich mit den langbärtigen Gesellen (Lachnella villosa), die ihr graues Antlitz noch nicht preisgegeben haben, denselben Eutypella-geschädigten Ulmenast teilte. Und es tropfen die Regentropfen vom – ebenfalls geschädigten – Walnussast. Und hier darf auch mal geraten werden – was könnten die schwarzen Minivulkane am Walnussast wohl sein?

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Und noch ein gaaaanz kleines Rätsel *PIC*

jesko, (vor 4931 Tagen) @ jesko

Es geht um das kleine abgebildete Objekt. O je, schwierig! Schwierig? Wer sich die Collage angesehen und es richtig richtig drauf hat, für den dürfte die Sache zu knacken sein. Viel Spaß wünscht Jesko.

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Re: Ein richtiges Wochenende mit Mistwetter

Gernot, (vor 4931 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

ein paar mehr Hinweise könntest du zu den schwarzen Punkten aber schon geben. :-)

Das ganz kleine Rätsel gehört sicher zur Orbilia.

Schöne Grüße
Gernot

war das endlich mal wieder, zumindest am Sonnabend. Da lacht das Herz, wenn
man selbst nach einer kurzen Exkursion die Jacke zum Trocknen aufhängen
und die Schuhe mit Zeitung ausstopfen muss. Das lässt auch für unsere
Gegend, in der dem Winter wieder mal gleich der Sommer zu folgen schien –
und das alles bei wenig Wasser von oben, hoffen, dass sich auch bei den
Pilzen bald etwas tun möge.
Nun, vor allem im Kleinen regt sich schon so einiges. Daher kommt hier meine
Frühlingsmistwettercollage. Passend zum Mistwetter gab’s auch Mistpilze,
sogar in rosa! Aus den mit Amphiporthe leiphaemia überzogenen
Stieleichenästen quollen frisch und munter und in großer Zahl die
Buckeligen Zitterlinge (Tremella globospora), die dem armen Pyrenomyzeten
zusetzen. Auch die eingesenkten Eichenrindenpilze (Colpoma quercinum), die
wiederum den Eichen stark zu schaffen machen, sind kurz davor, ihre
Becherlingsnatur zu offenbaren. Selbst die Xerotoleranten freuen sich,
denn bei aller Toleranz wird man wohl zu einer ordentlichen Portion
Nieselregen und Luftfeuchtigkeit kaum nein sagen können. So sieht es aus
beim Ulmenknopfbecherchen (Orbilia carpoboloides), das sich mit den
langbärtigen Gesellen (Lachnella villosa), die ihr graues Antlitz noch
nicht preisgegeben haben, denselben Eutypella-geschädigten Ulmenast
teilte. Und es tropfen die Regentropfen vom – ebenfalls geschädigten –
Walnussast. Und hier darf auch mal geraten werden – was könnten die
schwarzen Minivulkane am Walnussast wohl sein?

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Re: Ein richtiges Wochenende mit Mistwetter

Ulysses, (vor 4930 Tagen) @ jesko

Hallo Jesko,

ohne näher auf Dein Rätsel einzugehen meinerseits eine Frage ;-)
Was würdest Du denn bzgl. der Häufigkeit von Tremella globospora sagen? Ich hatte die Art Anfang März hier bei mir in einem "Massenbestand" (deutlich über 1000 Fruchtkörper, auf/an/bei Diaporthe carpini), bislang war mir die Art jedoch mangels Funden nicht bekannt. Ist sie wirklich so selten, oder wird sie übersehen?

Schöne Grüße,
Josef

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Re: Ein richtiges Wochenende mit Mistwetter

jesko, (vor 4930 Tagen) @ Gernot

Hallo Gernot,

mit der Orbilia hast Du recht. Das kleine Mikrofoto zeigt die Konidien (bzw. eins) von Orbilia carpoboloides. Bis dahin hatte ich noch überhaupt keine Erfahrungen mit Orbilia-Konidien gemacht (und ja auch nur sehr wenig mit Orbilia selbst). Im normalen Präparat vom Apothecium wird man wohl auch kaum Konidien finden. Doch am Sonnabend fielen mir beim Versuch, das zu bestimmen, was da sonst noch so am Ulmenast war, immer wieder diese Teile auf, und mir kamen Orbilia-Konidien in den Sinn. Und das passte dann auch. In Zukunft werde ich es sicherlich öfter versuchen, kompliziertere Orbilia-Bestimmungen mit Hilfe der Konidien abzusichern. Mal schauen.

Was die schwarzen Vulkänchen am Juglans-Ast angeht – dieses „Rätsel“ verdient sicherlich alles andere als das Prädikat geistreich. Die Bezeichnung Vulkan findet man ja immer mal wieder für die schwarzen Haufen von aus der Rinde hervorbrechenden dunklen Konidien i.d.R. von Diaporthales-Anamorphen. Als besonders auffällig hätte ich da Stegonosporium pyriforme an Acer oder eben Melanconium (cf. stromaticum) an Carpinus im Sinn. Da wir nun Walnuss haben, drängt sich als Lösung des Rätsels natürlich Melanconium juglandinum auf. Dazu passen die Konidien auch. Den massiven Befall in einer Juglanspflanzung mit Einschlag hatte ich bereits im Januar entdeckt, allerdings war am Sonnabend auch mein zweiter Versuch, die zugehörige Theleomorphe (wäre Melanconis carthusiana) zu finden, erfolglos ausgegangen. Ich bleib mal dran...

Viele Grüße,
Jesko

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Re: Ein richtiges Wochenende mit Mistwetter

jesko, (vor 4930 Tagen) @ Ulysses

Hallo Josef,

mit der Häufigkeit bzw. ihrer Beurteilung ist’s ja so eine Sache, da spielen vor allem auch subjektive Faktoren mit hinein. Spontan fielen mir da drei ein:

1. Räumliche und zeitliche Häufigkeitsschwankungen (und dadurch – subjektiv bedingt – nicht verallgemeinerbare Beurteilungen): Es wird wohl jedem einleuchten, dass Arten gebietsweise häufig sein und in anderen Gebieten (fast) fehlen können. Oft können wir das ganz gut begründen (Boden, Klima, Substrat usw.), in vielen Fällen können wir aber nur spekulieren oder tappen ganz und gar im Dunkeln. Ebenso ist es in der Zeitdimension. Da könnte auch so etwas wie epidemiologische Dynamik mit allen unmittelbaren und mittelbaren Folgen eine Rolle spielen. Denken wir etwa an die Epidemien von Ophiostoma ulmi/Ophiostoma novo-ulmi (Ulmensterben). Leipziger Pilzfreunde, die schon länger dabei sind, haben mir berichtet, dass in den Siebzigerjahren, also nach dem zweiten Ulmensterben, der Ulme als Substrat bevorzugende Laubholzrasling (Hypsizygus ulmarius) in den einst ulmenreichen Leipziger Auwäldern zwar nicht häufig, aber dennoch keineswegs ungewöhnlich war und sogar als Speisepilz gesammelt wurde. In den über fünfzehn Jahren, in denen ich mich in denselben Auwäldern herumtreibe, habe ich diese Art hier nie gesehen noch von einem Wiederfund gehört. Und das, obwohl Ulmen und Ulmentotholz hier noch immer ganz gut vertreten ist.

2. Nachweisbarkeit: Zur Beurteilung der Häufigkeit stützen wir uns ja in aller Regel auf den Nachweis über Fruktifikationen, d.h. wir erfassen Beobachtungen von Fruchtkörpern. Dabei werden natürlich Arten wie etwa Fomitopsis pinicola oder Ganoderma lipsiense, die ganzjährig mit großen, auffälligen Fruchtkörpern zu beobachten sind, deren Bestimmung nur geringe morphologische Kenntnisse erfordert, viel häufiger erfasst als etwa Arten mit sehr kleinen und vielleicht im Verborgenen wachsenden Fruchtkörpern mit kleinem Zeitfenster für die Nachweisbarkeit und hohem Bestimmungsaufwand.

3. Blickfeld/Relationen: Was aus der Perspektive des allgemein interessierten Pilzfreunds/Mykologen seltene Arten sind, gilt für den Gattungsspezialisten oft als recht häufig bzw. gut verbreitet, denn ein Gattungsspezialist hat aufgrund seines eingeschränkten Blickfelds ganz andere Relationen. Selten sind für ihn solche Arten, die europa- oder weltweit nur wenige Male gefunden wurden oder gar nur von einer einzigen Kollektion bekannt sind.

Zu Tremella globospora wäre aus meiner Sicht entsprechend festzustellen, dass sie in Gebieten mit Diaporthe-anfälligen Laubbäumen sicherlich häufiger ist, dass es eine in Massenfruktifikationen zwar auffällige, aber doch eher kleine Art ist, die man bei guter Feuchtigkeit suchen muss und deren Bestimmung nicht ganz so einfach ist. Innerhalb der Gattung Tremella gehört sie sicherlich nicht zu den ungewöhnlichen Arten, da gäbe es andere ...

Viele Grüße,
Jesko