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Re: Pilze im Krimi

Toffel, (vor 4890 Tagen) @ Pilzmann

Hallo Peter,

1. Wenn das hitzelabile Gyromitrin verdampft, ist es dann
noch chemisch vollständig bzw. wirkfähig oder zerfällt es schon beim
Kochen in den zitierten Raketentreibstoff oder anderes und wird dann
komplett harmlos?

was da in der Luft ist, ob Gyromitrin oder MMH weiß ich nicht, vielleicht auch eine Mischung aus beidem. Aber im Körper ist ja beides giftig. Fest steht jedenfalls, dass die Dämpfe beim Kochen zu Vergiftungen führen können. Es ist schon vorgekommen, dass der Koch eines Lorchelgerichtes, der selber nichts verzehrt hat, vergiftet wurde, während seine Gäste die Pilze ohne Folgebeschwerden zu sich nehmen konnten.

2. Gesetzt den Fall, eine der beiden ersten Möglichkeiten trifft zu, kann der
eine oder andere Stoff über die Lunge und über das Blut so in die Leber
geraten, dass er dann wie behauptet tödlich wirkt?

Vergiftungen durch Einatmen treten vor allem bei schlechter Belüftung bei der Zubereitung auf. Ich habe bisher nur von eher leichten Vergiftungen gelesen. Tödliche Folgen halte ich daher zumindest für unwahrscheinlich.

3. Die Frühjahrs-Gift-Lorchel wird immer noch von etlichen Menschen
zubereitet und verzehrt (vor allem wohl in Skandinavien). Warum sterben
die immer mal wieder vorkommenden Todesopfer nicht primär an Leberversagen
durch Raketentreibstoff, sondern ganz hundsordinär am „handelsüblichen“
Nierenversagen – Haben die in ihrer Küche schlicht das Atmen vergessen
oder gibt es vor allem in Schweden ein Gesetz, dass Kochen nur bei
geöffnetem Fenstern bzw. Durchzug erlaubt?

Vergiftungen durch Einatmen machen sicher keinen großen Teil aller Vergiftungsfälle durch die Frühjahrslorchel aus. Dennoch ist es aber ein interessanter Effekt. Die Todesopfer dürften hauptsächlich auf roh verzehrte und ungenügend vorbereitete Pilze zurückzuführen sein. Die Wirkungsweise der Giftstoffe der Frühjahrslorchel ist bis heute nicht vollständig verstanden. Vermutungen reichen von variierenden Giftmengen in verschiedenen Fruchtkörpern über eine unterschiedliche Hitzeeinwirkung bei der Zubereitung bis hin zu allergischen Reaktionen. Es scheint auch so, dass die letale Dosis und die Menge, die keine Beschwerden hervorruft, nah beieinander liegen, was den Verzehr - auch entsprechend behandelter Fruchtkörper - zum oft assoziirten "Russisch Roulette" macht.

Und warum stirbt 4. „Floppy“, der riesenhundige, ausgestopfte Sympathieträger
der Sendung, nicht beim Kochen am Einatmen der Dämpfe, sondern ganz
gewöhnlich an seiner Fresssucht und trotzdem am selben, gleichen Tag (wie
seine Dampf atmende Meuchlerin), obwohl die Vernichtung einer Hundniere
durch in den Speisetrakt aufgenommenes Gyromitrin auch mal mindestens 3
Tage und länger dauern dürfte wie bei unsereinem?

Dass der Hund angelockt und ihm die Pilze verfüttert wurden, war nötig, um die Schuld der Mutter nachzuweisen. Andernfalls hätte sie ja möglicherweise ohne derart böse Hintergedanken Speisemorcheln sammeln wollen, die sie statt Fleisch ihrer Schwiegertochter in spe dem Essen beigemengt hat. Folglich hätte sie die Pilze nur verwechselt. Es wird, soweit ich das mitbekommen habe, nicht erwähnt, dass beide dem Gift am gleichen Tag ausgesetzt wurden. Sie könnte den Hund also schon einige Tage zuvor vergiftet haben. Dann wäre der Junge aber schon früher zum Tierarzt gegangen. Besser wäre es gewesen, wenn beide erst einige Tage nach Aufnahme des Gifts gestorben wären. Man hat wohl die Wirkdauer bei beiden verkürzt, um die Dramatik zu steigern und weil es dann womöglich erst recht keiner geglaubt hätte.

Viele Grüße
Steffen

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