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Russula-Verwandlungskünstler *PIC*

Fiedelmaxe, (vor 4519 Tagen)

Liebe Pilzfreunde,
Hier ein kleiner Beitrag zur erstaunlichen Farbvariabilität bei den Täublingen.
Alle vier Aufnahmen entstanden kürzlich innerhalb einer guten Woche am selben Standort (extensiv genutzte Wiese in WI-Frauensteiner Obstbau/Weinberglage bei Populus tremae/ Ouercus) im Umkreis von ca. 10 m.Es erscheint auf den ersten Blick so, als handele es sich dabei um 3-4 Arten; nach meinen bescheidenen (makroskopischen) Ermittlungen handelt es sich aber tatsächlich wohl um eine einzige Art, höchstwahrscheinlich Russula medullata/columbaria , den Ockersporigen Speisetäubling.

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Ein zeitgleich auf der Nachbarwiese unter Quercus gefundener Täubling, den ich spontan als R.heterophylla verdächtigte, wurde einer Vergleichsuntersuchung unterzogen.

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Hier die Makromerkmale:

R.columbaria:
- Hutfarben jeweils stark durchmischt/ gescheckt, von grün über bläulichviolett bis zu bräunlich-beige alle möglichen Schattierungen.
-Hut glatt, feucht etwas schmierig

Huthaut bis zur Hälfte abziehbar.
-feste Trama mit in allen Teilen mildem Geschmack, in den Lamellen z.T. ein winziger Hauch Schärfe;
-Lamellen von weißlich bis blass Cremefarben mit z.T. lachsfarbenen/orangenen Reflexen (1.Bild),
am Stiel (und auch etwas weiter weg vom Stiel) deutlich gegabelt und querverbunden, an Lactarius acerrimus erinnernd

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-Stiel weiß, voll, aber durchweg markig-weich (auf Druck etwas wie Schaumgummi), im inneren alt wattig.
-Sporenpulver hellocker, IIIa-b (Romagnesi) bzw. 40Y 10M (nach PDS Bd 6)

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Eisensulfat-Reaktion sehr zögerlich (nach einigen Minuten) und relativ schwach orange-gräulich, bald wieder ausblassend ; Guajak blaugrün. (Leider Bilder nicht tauglich..)

R. heterophylla:
-Hut bronzefarben/olivgrünlich, etwas matt, Huthaut kaum abziehbar
Lamellen weißlich bis gelblich, alt an den Schneiden etwas bräunlich; am Stielansatz deutlich gegabelt.

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Trama sehr fest/kompakt, besonders im Stiel auffällig hart
Stiel weiß, sehr kräftig, eher kurz
Sporenpulver reinweiß mit einem winzigen Anflug von creme
Trama mit Eisensulfat innerhalb von Sekunden kräftig lachsorange verfärbend und so bleibend, Guajak olivgrün, Anilin gelblich.

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Als neutrale Beobachter beteiligt: Russula ionochlora ..

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und die Äskulapnatter(Zamenis longissimus ), der diese schönen sonnigen Wiesenbiotope am Rand der Rheingauer Weinberglage anscheinend auch zusagen.

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Für alle Korrekturen /Ergänzungen bin ich wie immer sehr dankbar.

Beste Grüße,

Sebastian

Re: Russula-Verwandlungskünstler

jesko, (vor 4519 Tagen) @ Fiedelmaxe

Hallo Sebastian,

für Russula medullata sehen die etwas mickrig aus, aber rein von den Bildern her kann man es freilich nicht sagen. Der Standort bei Populus tremula würde natürlich passen, aber den teilt sich R. medullata mit anderen Griseinae wie atroglauca oder subterfurcata, wahrscheinlich auch sublevispora. Die Frage wäre, ob Deine Spp-Angabe nach Romagnesi-Code zuverlässig ist. Atroglauca hätte in der Tat etwas helleres Sporenpulver, doch zwischen subterfurcata und medullata wird man anhand des Sporenpulvers nicht sicher unterscheiden können (habe meine per Sequenzierung bestätigten subterfurcata immer mit IIIa notiert). Oft stehen auch gerade bei Zitterpappel mehrere Arten durcheinander, die man im Feld kaum auseinanderkriegt, außerdem hast Du ja auch noch Eiche am Standort...
Mit dem Mikroskop wäre medullata als eine der morphologisch am besten festgelegten Griseinae relativ leicht festzuklopfen.
Heterophylla weist im Unterschied zu in Frage kommenden Griseinae weißes Sporenpulver und biegsame, nicht splitternde Lamellen auf und ist zudem völlig mild (bei den Griseinae ist der Geschmack der Lamellen junger Fruchtkörper stets schärflich).

Viele Grüße,
Jesko

Re: Russula-Verwandlungskünstler *PIC*

Fiedelmaxe, (vor 4519 Tagen) @ jesko

Hallo Sebastian,
für Russula medullata sehen die etwas mickrig aus, aber rein von den Bildern
her kann man es freilich nicht sagen. Der Standort bei Populus tremula
würde natürlich passen, aber den teilt sich R. medullata mit anderen
Griseinae wie atroglauca oder subterfurcata, wahrscheinlich auch
sublevispora. Die Frage wäre, ob Deine Spp-Angabe nach Romagnesi-Code
zuverlässig ist. Atroglauca hätte in der Tat etwas helleres Sporenpulver,
doch zwischen subterfurcata und medullata wird man anhand des
Sporenpulvers nicht sicher unterscheiden können (habe meine per
Sequenzierung bestätigten subterfurcata immer mit IIIa notiert). Oft
stehen auch gerade bei Zitterpappel mehrere Arten durcheinander, die man
im Feld kaum auseinanderkriegt, außerdem hast Du ja auch noch Eiche am
Standort...
Mit dem Mikroskop wäre medullata als eine der morphologisch am besten
festgelegten Griseinae relativ leicht festzuklopfen.
Heterophylla weist im Unterschied zu in Frage kommenden Griseinae weißes
Sporenpulver und biegsame, nicht splitternde Lamellen auf und ist zudem
völlig mild (bei den Griseinae ist der Geschmack der Lamellen junger
Fruchtkörper stets schärflich).
Viele Grüße,
Jesko

Hallo Jesko, danke für deine aufschlussreiche und ausführliche Stellungnahme; R. subterfurcata und sublevispora waren mir bis dato tatsächlich völlig unbekannt, in meiner Literatur kommen sie nicht vor; ist medullata übrigens doch der aktuell gültige Name ?
Das mit den verschiedenen Arten war halt auch mein erster Gedanke, und besonders die hellgrünlichen Exemplare auf dem ersten Bild (in der Tat auch kleiner als die übrigen) wuchsen deutlich näher zu Quercus als zu Populus, während die anderen sich mehr um zweitere scharten.
Zum Sporenpulver: ich habe die Farbe noch mal verglichen (hab das Blatt noch, war von den hellgrünlichen Teilen)und komme eigentlich exakt auf IIIa/b nach Romagnesi; ich habe auch die Sporentafel nach "Pilze der Schweiz" verglichen, dort ist atroglauca aufgeführt (30Y5M) und das ist in der Tat zu hell, medullata (40Y10M) passt dort exakt. Die anderen hatten nur sehr unzureichend ausgesport, aber heller war die Farbe m.E. auch dort in keinem Fall. Hab noch ein Vergleichsbild von einem der anderen mit heterophylla, aber nicht sonderlich gut zu erkennen.
Leider stoße ich halt immer wieder auf meine (mikroskopier-) Grenze, da hab ich irgendwann mal einen Berg Exsikkate nachzuarbeiten...

Beste Grüße Sebastian

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Re: Russula-Verwandlungskünstler

jesko, (vor 4518 Tagen) @ Fiedelmaxe

Hallo Sebastian,

wenn Du magst, kann ich ja mal in Deine Sachen reinmikroskopieren. Da ich jedoch von Griseinae-Mischkollektionen bei Espe ein Liedchen singen kann, wäre es optimal, nur einzelne Fruchtkörper zu untersuchen, d.h. jeweils einen idealreifen Fruchtkörper mit Foto und (unvermischtem) Sporenabwurf. Sporenpulver im hellen Dreierbereich würde wie gesagt auf medullata oder subterfurcata hinauslaufen, die beiden wären mikroskopisch sehr leicht unterscheidbar. Sollte freilich atroglauca dazukommen, dann ist die Unterscheidung von anderen, wegen der Eiche potentiell an diesem Standort vorkommenden Arten nicht unbedingt möglich. Ob sie näher bei Espe oder Eiche stehen, ist im Übrigen einigermaßen irrelevant, solange beide Bäume in der Nähe sind. Dabei kann der Abstand zum eigentlichen Mykorrhizapartner auch locker sagen wir mal 50 m überschreiten.
Wenn Täublinge nur schwach sporen, würde ich empfehlen, sie auf einer Glasplatte aussporen zu lassen, da kann man dann das Sporenpulver mit minimalen Verlusten zusammenkratzen und noch die Farbe beurteilen.
Zu den Namen/Arten: Der Name R. columbaria wird eigentlich kaum gebraucht und ist in der Vergangenheit auch nicht einheitlich gebraucht worden. Ohne jetzt genauer nachgeschaut zu haben, würde ich vermuten, dass weder die Beschreibung einigermaßen eindeutig ist noch ein Typus existiert. Der Name müsste also erst einmal typisiert werden, aber wohl am besten im Sinne (und damit als Synonym) von grisea, um keine weitere nomenklatorische Verwirrung zu stiften. Die Originalbeschreibung von R. medullata ist hingegen unter den bekannten europäischen Griseinae eindeutig zuzuordnen, außerdem gibt es einen Typus, und in der aktuellen Literatur wird stets dieser Name für die betreffende Art gebraucht.
R. subterfurcata ist eine „gute Art“, jedoch insofern ein Problem, als dass sie vermutlich meist fehlgedeutet wurde. Die einzige sichere Abbildung in der Literatur findet sich in einem Artikel von Pidlich-Aigner. Ich weiß nicht, was Sarnari abbildet, vermute aber, dass das was anderes ist. Die in Pilze der Schweiz abgebildete Kollektion würde ich auf den ersten Blick für faustiana halten.
R. atroglauca wurde von Einhellinger als Birkenbegleiter beschrieben, aber Einhellinger vermutete bereits eine Bindung an Pappel. Ich selbst habe die im Übrigen keineswegs seltene Art nie ohne Pappel gefunden. Das Problem bei atroglauca ist jedoch u.a., dass ihre Merkmale, ibs. Hutfarbe und Form der Huthauthaare, in Wirklichkeit weit variabler sind als von Einhellinger beschrieben und sich zum Teil mit nahe verwandten Arten überlappen, sodass Einhellingers Formel „Hutfarbe von parazurea, Huthaut von anatina und Sporen von grisea“ oft nicht funktioniert.

Viele Grüße,
Jesko