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Problem mit Stummelfüßchen *PIC*

DieterB, (vor 9006 Tagen)

Hallo zusammen,

vorgestern hab ich an einem Waldrand in einem völlig vermoderten Baumstumpf die Stummelfüßchen gefunden. Die Lamellen haben tatsächlich so eine kräftig orange-ocker Farbe wie auf dem Foto. Der größte Fruchtkörper war 2cm im Durchmesser mit feinfilziger Hutoberseite (sieht man auch auf dem Foto). Die Hyphen haben Schnallen. Im Quetschpräparat eigentlich keine Sporen in Zahl, lediglich 3 fast kreisrunde feinwarzige Gebilde von 4,5 µm waren zu sehen. Ich hab das zunächst für die dazugehörigen Sporen gehalten und deshalb gedacht, es sei Crepidotus applanatus. Gestern konnte ich das Abwurfpulver betrachten, das genau die gleiche Farbe hat wie die Lamellen. Und da sieht mann dann Sporen in der Größe 2,7-3,3 x 6,3-7 µm (in Wasser). Ca. 85% der glatten Sporen sind völlig symmetrisch bananenförmig gekrümmt, (der Rest gleichförmige gerade Stäbchen) also nicht spindelig, oval, deutlich tailliert oder sonstwie unregelmäßig. Nur ganz wenige haben so eine angedeutete Auszipfelung. Zu keinem der Sporenbilder im Breitenbach/Kränzlin paßt die Form. Lieg ich da mit Crepidotus völlig falsch? Oder sind bei Crepidotus Abwurfsporen grundsätzlich formuntypisch?

Für Euere Hilfe bin ich dankbar.

Viele Grüße
Dieter

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Re: Problem mit Stummelfüßchen

Peter, (vor 9006 Tagen) @ DieterB

Sieht auf den ersten Blick wie der Orangeseitling aus.

(Ich bin nicht ganz sicher, ob er Phyllotopsis nidulans heißt.)

Grüße

Peter

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War auch mein erster Gedanke. *oT*

Georg, (vor 9005 Tagen) @ Peter

- kein Text -

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Re: Problem mit Stummelfüßchen

Harry, (vor 9006 Tagen) @ DieterB

Hallo zusammen,
vorgestern hab ich an einem Waldrand in einem völlig vermoderten Baumstumpf
die Stummelfüßchen gefunden. Die Lamellen haben tatsächlich so eine
kräftig orange-ocker Farbe wie auf dem Foto. Der größte Fruchtkörper war
2cm im Durchmesser mit feinfilziger Hutoberseite (sieht man auch auf dem
Foto). Die Hyphen haben Schnallen. Im Quetschpräparat eigentlich keine
Sporen in Zahl, lediglich 3 fast kreisrunde feinwarzige Gebilde von 4,5 µm
waren zu sehen. Ich hab das zunächst für die dazugehörigen Sporen gehalten
und deshalb gedacht, es sei Crepidotus applanatus. Gestern konnte ich das
Abwurfpulver betrachten, das genau die gleiche Farbe hat wie die Lamellen.
Und da sieht mann dann Sporen in der Größe 2,7-3,3 x 6,3-7 µm (in Wasser).
Ca. 85% der glatten Sporen sind völlig symmetrisch bananenförmig gekrümmt,
(der Rest gleichförmige gerade Stäbchen) also nicht spindelig, oval,
deutlich tailliert oder sonstwie unregelmäßig. Nur ganz wenige haben so
eine angedeutete Auszipfelung. Zu keinem der Sporenbilder im
Breitenbach/Kränzlin paßt die Form. Lieg ich da mit Crepidotus völlig
falsch? Oder sind bei Crepidotus Abwurfsporen grundsätzlich formuntypisch?
Für Euere Hilfe bin ich dankbar.
Viele Grüße
Dieter

Hallo Dieter,

Dein Bild erinnert mich sehr stark an das überaus seltene safranblättrige Krüppelfüßchen ( Crepidotus crocophyllus ). Was allerdings nicht passt, sind die glatten, bananenförmig gekrümmte Sporen. Die drei, fast kreisrunden feinwarzigen Gebilde sind die Sporen. Dein erster Gedanke war also richtig. In Verbindung mit den schnallentragenden Hyphen kann es eigentlich nichts anderes sein als C. crocophyllus.

Glückwunsch Dieter, es gibt bisher nur sehr wenige deutsche Funde dieser doch auffällig gefärbten Art.

Gruß

Harry

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Re: Problem mit Stummelfüßchen

Klaus, (vor 9006 Tagen) @ DieterB

Glückwunsch, Dieter! Toller Pilz, toller Fund!
Die Bestimmung hat Harry ja schon vorgenommen. Vom Safranblättrigen Stummelfüßchen (Crepidotus crocophyllus)gibt es auch nicht gerade viele Abbildungen. Eine schöne befindet sich in Erhard Ludwigs genialem Pilzkompendium I. Dort wird die Art mit "sehr selten (in Deutschland 1 Fund); wohl wärmeliebende Art" bezeichnet. Als Substrate gibt er Buche, Hainbuche, Esche und Ulme an, selten auch Nadelholz. Dort kann man auch weitere Literaturhinweise finden.
Nochmals Glückwunsch, und ich bin schon auf deine nächsten Funde gespannt.
Schöne Grüße aus dem westlichen Münsterland
Klaus

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Re: Problem mit Stummelfüßchen

DieterB, (vor 9006 Tagen) @ Klaus

Die Bestimmung hat Harry ja schon vorgenommen. Vom Safranblättrigen
Stummelfüßchen (Crepidotus crocophyllus)gibt es auch nicht gerade viele

Hallo und Danke an die Bestimmungshelfer!

Seid mir nicht böse, aber irgendwie mag ich nicht an C.crocophyllus glauben (schön wärs ja), sondern eher an Peter´s Phyllotopsis nidulans. Das liegt an den Sporen. Der Pilz hat auf dem Blatt wirklich eine große Menge Sporen abgeworfen. Zusammengekratzt war das ein richtiges Häufchen. Ich hab sie als bananenförmig beschrieben, den Maßen nach etwa doppelt so lang wie breit. Bananenförmig ist etwa so wie nierenförmig, und genau so sind in meinem Buch (Bon, Pareys Buch der Pilze) die Sporen vom Orangenseitling beschrieben und die Maße stimmen auch etwa. Ich hab ein Exsikkat und die Sporen aufgehoben. Vielleicht kann ich am Donnerstag (ich bin leider von Mo - Mi nicht hier) noch mal einige frische besorgen (wenn sie noch da sind). Wenn jemand Interesse hat, schicke ich dann gerne was.

Viele Grüße
Dieter

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Re: Problem mit Stummelfüßchen

Wolfgang F., (vor 9006 Tagen) @ DieterB

Hallo und Danke an die Bestimmungshelfer!
Seid mir nicht böse, aber irgendwie mag ich nicht an C.crocophyllus glauben
(schön wärs ja), sondern eher an Peter´s Phyllotopsis nidulans. Das liegt
an den Sporen.

Hi Dieter,

richtig so! Fang' nur nicht an, mykologischen Altmeistern (wie Klaus und Harry) "aus der Hand zu fressen", sondern verlaß Dich auf Deine Beobachtungen. Und denen könntest Du schnell noch 2 Argumente für den Orangeseitling hinzufügen:

(1) Der Orangeseitling wächst meist auf Fichtenholz, das Stummelfüßchen meist auf Laubholz. Vom Bild sieht das Substrat für mich wie Fichte aus - was sagst Du?

(2) Der Orangeseitling hat keine Cheilocystiden, das Stummelfüßchen hat unförmig keulige Cheilocystiden. Was hast Du gefunden?

Wolfgang

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Phyllotopsis nidulans *PIC*

DieterB, (vor 9001 Tagen) @ Wolfgang F.

(2) Der Orangeseitling hat keine Cheilocystiden, das Stummelfüßchen hat
unförmig keulige Cheilocystiden. Was hast Du gefunden?
Wolfgang

Hallo zusammen,

um das abzuschließen, hab ich heute noch mal einen Fruchtkörper geholt und angeschaut. Cheilocystiden hab ich nicht gefunden. Der Geruch ist ziemlich streng, ob nach verfaulendem Kohl, kann ich mangels Erinnerung nicht sagen.

Ich hab auch noch ne Aufnahme gemacht, auf der man etwas mehr sieht.

Danke nochmals und viele Grüße
Dieter

[image]

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Re: Problem mit Stummelfüßchen

Klaus, (vor 9005 Tagen) @ DieterB

Hallo und Danke an die Bestimmungshelfer!
Seid mir nicht böse, aber irgendwie mag ich nicht an C.crocophyllus glauben
(schön wärs ja), sondern eher an Peter´s Phyllotopsis nidulans. Das liegt
an den Sporen. Der Pilz hat auf dem Blatt wirklich eine große Menge Sporen
abgeworfen. Zusammengekratzt war das ein richtiges Häufchen. Ich hab sie
als bananenförmig beschrieben, den Maßen nach etwa doppelt so lang wie
breit. Bananenförmig ist etwa so wie nierenförmig, und genau so sind in
meinem Buch (Bon, Pareys Buch der Pilze) die Sporen vom Orangenseitling
beschrieben und die Maße stimmen auch etwa. Ich hab ein Exsikkat und die
Sporen aufgehoben. Vielleicht kann ich am Donnerstag (ich bin leider von
Mo - Mi nicht hier) noch mal einige frische besorgen (wenn sie noch da
sind). Wenn jemand Interesse hat, schicke ich dann gerne was.
Viele Grüße
Dieter

Hallo Dieter,
mittlerweile glaube ich auch, dass du gut daran tust, mir nicht zu glauben. Dann hör schon eher auf das, was Wolfgang schreibt. Irgendwie passte die Sporenform einfach zu gut, und dann noch so ein seltenes Ding! Aber ich fürchte, da war der Wunsch eher Vater des Gedanken. Auch wenn ich mir beide Abbildungen im Pilzkompendium ansehe, ist Ph. nidulans nicht gerade unpassend. Aber Wolfgang hat schon recht, dass evtl. vorhandene oder fehlende Zystiden leicht eine der beiden Arten ausschließen lassen. Ich fürchte mal, dein Pilz wird keine haben. Das wirst du aber sicher leicht selbst feststellen können. Wenn nicht, kannst du mir gerne was von deinem Fund zuschicken.
Schöne Grüße
Klaus

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Re: Problem mit Stummelfüßchen

Harry, (vor 9004 Tagen) @ DieterB

Hallo und Danke an die Bestimmungshelfer!
Seid mir nicht böse, aber irgendwie mag ich nicht an C.crocophyllus glauben
(schön wärs ja), sondern eher an Peter´s Phyllotopsis nidulans. Das liegt
an den Sporen. Der Pilz hat auf dem Blatt wirklich eine große Menge Sporen
abgeworfen. Zusammengekratzt war das ein richtiges Häufchen. Ich hab sie
als bananenförmig beschrieben, den Maßen nach etwa doppelt so lang wie
breit. Bananenförmig ist etwa so wie nierenförmig, und genau so sind in
meinem Buch (Bon, Pareys Buch der Pilze) die Sporen vom Orangenseitling
beschrieben und die Maße stimmen auch etwa. Ich hab ein Exsikkat und die
Sporen aufgehoben. Vielleicht kann ich am Donnerstag (ich bin leider von
Mo - Mi nicht hier) noch mal einige frische besorgen (wenn sie noch da
sind). Wenn jemand Interesse hat, schicke ich dann gerne was.
Viele Grüße
Dieter

Hallo Dieter,

recht hat Wolfgang, seine eigenen Beobachtungen zu mißachten und sogenannten " mykologischen Altmeisten " zu folgen, kann schon mal an der Wand enden. Ich war da wohl etwas zu euphorisch, und habe deinen mikroskopischen Beobachtungen zu wenig Beachtung geschenkt. Die von dir beschriebeben Sporen passen in der Tat nicht zu dem seltenen Krüppelfüsschen, wohl aber zum Orangeseitling. Ich glaube jetzt auch das deine Suche nach Zystiden leider vergebens sein wird.

Nichts desto Trotz, Phyllotopsis nidulans ist ja auch ein nicht gerade ein häufiger Pilz. Obwohl in meiner saarländischen Ecke einige Fundpunkte verzeichnet sind, habe ich das Teil noch nie in Natura bewundern dürfen.

Bye Harry

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Re: Problem mit Stummelfüßchen

Thilo, (vor 9005 Tagen) @ DieterB

Hallo zusammen,
vorgestern hab ich an einem Waldrand in einem völlig vermoderten Baumstumpf
die Stummelfüßchen gefunden. Die Lamellen haben tatsächlich so eine
kräftig orange-ocker Farbe wie auf dem Foto. Der größte Fruchtkörper war
2cm im Durchmesser mit feinfilziger Hutoberseite (sieht man auch auf dem
Foto). Die Hyphen haben Schnallen. Im Quetschpräparat eigentlich keine
Sporen in Zahl, lediglich 3 fast kreisrunde feinwarzige Gebilde von 4,5 µm
waren zu sehen. Ich hab das zunächst für die dazugehörigen Sporen gehalten
und deshalb gedacht, es sei Crepidotus applanatus. Gestern konnte ich das
Abwurfpulver betrachten, das genau die gleiche Farbe hat wie die Lamellen.
Und da sieht mann dann Sporen in der Größe 2,7-3,3 x 6,3-7 µm (in Wasser).
Ca. 85% der glatten Sporen sind völlig symmetrisch bananenförmig gekrümmt,
(der Rest gleichförmige gerade Stäbchen) also nicht spindelig, oval,
deutlich tailliert oder sonstwie unregelmäßig. Nur ganz wenige haben so
eine angedeutete Auszipfelung. Zu keinem der Sporenbilder im
Breitenbach/Kränzlin paßt die Form. Lieg ich da mit Crepidotus völlig
falsch? Oder sind bei Crepidotus Abwurfsporen grundsätzlich formuntypisch?
Für Euere Hilfe bin ich dankbar.
Viele Grüße
Dieter

Das ist ganz sicher Phyllotopsis nidulans, ein schöner und ziemlich seltener Spätherbst- bis Frühjahrspilz an Laub- oder Nadelholz. Übrigens: den kann man auch "blind" bestimmen, weil er ziemlich übel nach vergammelndem Kohl riecht, meist schon in frischem Zustand, stärker noch alt und beim Trocknen.

Vorfrühlingsgrüße
Thilo