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Tinten-Maroni

Till, (vor 4413 Tagen)

Hallo, Gemeinde,

der Schwarzblauende Röhrling (Boletus pulverulentus) ist bei uns im Voralpenland weit verbreitet und wird, wie ich auf Pilzwanderungen für Gartenbauvereine etc. immer wieder feststelle, von vielen Sammlern gerne mitgenommen und gegessen.
Probleme hatte ich immer schon mit dem deutschen Namen, der kein einprägsamer "Volksname" ist und von Anfängern meist ganz schnell vergessen wird.

Kürzlich meldete sich auf einer solchen Wanderung eine ältere Dame und sagte, diese Art habe schon ihre Großmutter gesammelt und als "Tinten-Maroni" bezeichnet, und so heiße der Pilz bei ihr in der Familie und im Dorf schon immer.

Mir gefällt dieser Name sehr gut, und ich habe ihn gleich bei der nächsten Führung ausprobiert. Und siehe da - "Tinten-Maroni" konnten sich die Leute merken, auch und gerade die Kinder.

Was haltet ihr davon (bzw. von der hochdeutschen Version "Tinten-Marone"? Oder kennt ihr andere "Volksnamen" für den Pilz?

LG, Till

Re: Tinten-Maroni

Gábor, (vor 4412 Tagen) @ Till

Hallo Till,

die von Dir vorgeschlagene Wortschöpfung könnte ich befürworten, wenn ich denn nun sowohl den Schwarzblauenden als auch den Maronenröhrling zu den Dickröhrlingen zählen könnte.
Weil ansonsten täuscht die Begrifflichkeit doch eine enge Verwandschaft der beiden Arten vor, die womöglich so nicht gegeben ist, finde ich zumindest.

LG, Gábor

Re: Tinten-Maroni

Till, (vor 4412 Tagen) @ Gábor

Hallo, Gábor,

Dein Einwand ist sicher berechtigt, aber strenggenommen müsstest Du dich dann auch gegen die Verwendung des Namens "Stinkmorchel" aussprechen ...

Till

Hallo Till,

die von Dir vorgeschlagene Wortschöpfung könnte ich befürworten, wenn ich
denn nun sowohl den Schwarzblauenden als auch den Maronenröhrling zu den
Dickröhrlingen zählen könnte.
Weil ansonsten täuscht die Begrifflichkeit doch eine enge Verwandschaft der
beiden Arten vor, die womöglich so nicht gegeben ist, finde ich zumindest.
LG, Gábor

Re: Tinten-Maroni

Gernot, (vor 4412 Tagen) @ Till

Hallo Till,

ich finde ja hingegen, dass "Schwarzblauender Röhrling" eigentlich ein recht einfacher, passender und einprägsamer Name ist - vor allem, wenn man den Pilz direkt vor den Leuten durchschneidet und so die starke Verfärbung demonstriert.

Ich bin selber kein großer Freund von solchen "Volksnamen", da die Pilzsammler bei weiterem Interesse an einer Art weder in ihrem Pilzbuch noch im Internet unter einem solchen Namen fündig werden. Ideal wäre es m. E. wohl, den Leuten sowohl den allgemein verwendeten deutschen Namen, als auch den "leichter zu merkenden Volksnamen" mitzugeben, mit dem Hinweis, dass letzterer eben eigentlich kaum gebräuchlich ist.

Schöne Grüße
Gernot

Hallo, Gemeinde,
der Schwarzblauende Röhrling (Boletus pulverulentus) ist bei uns im
Voralpenland weit verbreitet und wird, wie ich auf Pilzwanderungen für
Gartenbauvereine etc. immer wieder feststelle, von vielen Sammlern gerne
mitgenommen und gegessen.
Probleme hatte ich immer schon mit dem deutschen Namen, der kein einprägsamer
"Volksname" ist und von Anfängern meist ganz schnell vergessen
wird.
Kürzlich meldete sich auf einer solchen Wanderung eine ältere Dame und sagte,
diese Art habe schon ihre Großmutter gesammelt und als
"Tinten-Maroni" bezeichnet, und so heiße der Pilz bei ihr in der
Familie und im Dorf schon immer.
Mir gefällt dieser Name sehr gut, und ich habe ihn gleich bei der nächsten
Führung ausprobiert. Und siehe da - "Tinten-Maroni" konnten sich
die Leute merken, auch und gerade die Kinder.
Was haltet ihr davon (bzw. von der hochdeutschen Version
"Tinten-Marone"? Oder kennt ihr andere "Volksnamen"
für den Pilz?
LG, Till

Schmelzkrustenporling

Till, (vor 4412 Tagen) @ Gernot

Hallo, Gernot,

das mit der "Gebräuchlichkeit" ist so eine Sache. Ich habe das ja getestet, indem ich den schwedischen Namen "Trollhand" bei einer Übersetzung ins Deutsche gleich übernommen habe. (Wie soll man das nennen? Einen "importierten Volksnamen"?) Frag mich nicht, wie Hypocreopsis lichenoides früher bei uns genannt wurde, das müsste ich nachschauen - heutzutage hört man bei uns nur "Trollhand" (wenn man überhaupt mal was von dem Pilz hört).

Also, man kann mit etwas Geduld und publizistischer Unterstützung durchaus auf die Änderungen bestimmter deutscher Namen hinwirken. Mein Traum, eine eingängige Alternative für "Rotrandiger Schichtporling" zu finden, hat sich leider bisher nicht erfüllt. Der Pilz ist halt nur in einem bestimmten Stadium rotrandig und im Herbst, wenn die meisten Pilzführungen stattfinden, oft nicht mehr. Da steht man dann vor einem solchen Teil und hat - wenn man Glück hat! - noch so einen blassgelben Streifen am Rand. Meistens ist alles Grau in Grau. Und dann erklär vor 30 Laien mal das "rotrandig" (oder die "Schicht") ... Ich war schon mal bei "Schmelzkrustenporling" (im Gegensatz zur verkohlenden Kruste des Zunderschwamms, wenn man ein Zündholz dranhält). Das ist zwar kein "Volksname", sondern eine Kopfgeburt von mir, die aber immerhin ein typisches Merkmal des Pilzes in allen Entwicklungsstadien beschreibt. Sicher, schön ist der Name auch nicht, das gebe ich zu ... Aber damit befindet er sich ja in bester Gesellschaft.

Alles Gute!
Till

Hallo Till,

ich finde ja hingegen, dass "Schwarzblauender Röhrling" eigentlich
ein recht einfacher, passender und einprägsamer Name ist - vor allem, wenn
man den Pilz direkt vor den Leuten durchschneidet und so die starke
Verfärbung demonstriert.
Ich bin selber kein großer Freund von solchen "Volksnamen", da die
Pilzsammler bei weiterem Interesse an einer Art weder in ihrem Pilzbuch
noch im Internet unter einem solchen Namen fündig werden. Ideal wäre es m.
E. wohl, den Leuten sowohl den allgemein verwendeten deutschen Namen, als
auch den "leichter zu merkenden Volksnamen" mitzugeben, mit dem
Hinweis, dass letzterer eben eigentlich kaum gebräuchlich ist.
Schöne Grüße
Gernot

Re: Schmelzkrustenporling

Gernot, (vor 4412 Tagen) @ Till

Hallo Till,

ja, das von dir geschilderte Problem kennt wohl jeder, der schon ein paar mal Gruppen von Anfängern geführt hat. Die deutschen Namen nehmen halt oft Bezug auf ein kennzeichnendes Merkmal einer Art, das aber natürlich nicht immer ausgeprägt sein muss. Man könnte in viele Fällen zahlreiche neue Namen "erfinden", um alle möglichen Entwicklungsstadien und häufig vorkommende Wachstumsvarianten, die von "typischen" Fruchtkörpern einer Art abweichen, abzudecken. Bei Boletus pulverulentus ist die typische schwarzblaue Verfärbung hingegen immer ausgeprägt und auch leicht vor den Leuten zu demonstrieren - deshalb sehe ich jetzt nicht unbedingt die Notwendigkeit, einen kaum bekannten "Volksnamen" einzuführen, der in keinem Pilzbuch aufscheint, wenn bereits ein passender und gebräuchlicher deutscher Name existiert.

Natürlich muss man auch sagen, dass die deutschen Namen ja schließlich und endlich der Kommunikation und Wissensvermittlung dienen und so freilich jeder Name, der diese fördert, seine Berechtigung hat.

Schöne Grüße
Gernot

Hallo, Gernot,
das mit der "Gebräuchlichkeit" ist so eine Sache. Ich habe das ja
getestet, indem ich den schwedischen Namen "Trollhand" bei einer
Übersetzung ins Deutsche gleich übernommen habe. (Wie soll man das nennen?
Einen "importierten Volksnamen"?) Frag mich nicht, wie
Hypocreopsis lichenoides früher bei uns genannt wurde, das müsste ich
nachschauen - heutzutage hört man bei uns nur "Trollhand" (wenn
man überhaupt mal was von dem Pilz hört).
Also, man kann mit etwas Geduld und publizistischer Unterstützung durchaus
auf die Änderungen bestimmter deutscher Namen hinwirken. Mein Traum, eine
eingängige Alternative für "Rotrandiger Schichtporling" zu
finden, hat sich leider bisher nicht erfüllt. Der Pilz ist halt nur in
einem bestimmten Stadium rotrandig und im Herbst, wenn die meisten
Pilzführungen stattfinden, oft nicht mehr. Da steht man dann vor einem
solchen Teil und hat - wenn man Glück hat! - noch so einen blassgelben
Streifen am Rand. Meistens ist alles Grau in Grau. Und dann erklär vor 30
Laien mal das "rotrandig" (oder die "Schicht") ... Ich
war schon mal bei "Schmelzkrustenporling" (im Gegensatz zur
verkohlenden Kruste des Zunderschwamms, wenn man ein Zündholz dranhält).
Das ist zwar kein "Volksname", sondern eine Kopfgeburt von mir,
die aber immerhin ein typisches Merkmal des Pilzes in allen
Entwicklungsstadien beschreibt. Sicher, schön ist der Name auch nicht, das
gebe ich zu ... Aber damit befindet er sich ja in bester Gesellschaft.
Alles Gute!
Till
Hallo Till,

Re: Tinten-Maroni

Birgit, (vor 4412 Tagen) @ Till

Hallo Till

Kürzlich meldete sich auf einer solchen Wanderung eine ältere Dame und sagte,
diese Art habe schon ihre Großmutter gesammelt und als
"Tinten-Maroni" bezeichnet, und so heiße der Pilz bei ihr in der
Familie und im Dorf schon immer.
Mir gefällt dieser Name sehr gut, und ich habe ihn gleich bei der nächsten
Führung ausprobiert. Und siehe da - "Tinten-Maroni" konnten sich
die Leute merken, auch und gerade die Kinder.

Mir gefällt der Name auch sehr gut und er ist sicher sehr einprägsem. Ich würde ihn auch bei meinen Führungen gerne verwenden, wenn es Boletus pulverulentus denn bei uns häufig gäbe.

Bei Führungen für absolute Laien stosse ich oft schon mit dem Namen Maronenröhling (statt Braunkappe) an die Grenzen, die Volksnamen sind da einfach gängiger. Die Leute sind so erschlagen von den ganzen Namen und Arten, dass es gerade wichtig ist einprägsame Namen zu finden oder einprägsame Eselsbrücken oder Merkhilfen dazu parat zu haben. ich denke immer noch mit Vergnügen an den "willigen Molchling" von Walter Pätzold.

liebe Grüße

Birgit

Nicht zu vergessen der Rennende Bübling ;-) owt *oT*

Tintling, (vor 4412 Tagen) @ Birgit

- kein Text -

Re: Nicht zu vergessen der Rennende Bübling ;-) ow

Peter Reiter, (vor 4412 Tagen) @ Tintling

und den "Schnatterstieligen Neckling"

Oder den Scholligen Weidling :-) *oT*

Gábor, (vor 4411 Tagen) @ Tintling

- kein Text -

Re: Stichten Feinpilz, Raronen Möhrling, ;-) *oT*

saibling, (vor 4411 Tagen) @ Tintling

- kein Text -

Re: Tinten-Maroni

Tintling, (vor 4412 Tagen) @ Till

Was haltet ihr davon (bzw. von der hochdeutschen Version
"Tinten-Marone"? Oder kennt ihr andere "Volksnamen"
für den Pilz?
LG, Till

Guten Morgen Till,

den Namen finde ich gut und einprägsam und habe ihn gleich eingearbeitet: http://tintling.com/pilzbuch/arten/c/Cyanoboletus_pulverulentus.html

Wie man sehen kann, wird er in diversen anderen Ländern ebenfalls sinngemäß als Tintenpilz bezeichnet.

LGvK