Die Sprache ist schuld
Hallo, Gesprächspartner -
da ist mal wieder die Sprache schuld. Wir quartieren problemlos die Flechten aus unserem Pilz-Bewusstsein aus, weil sie einen eigenen Namen haben (und nicht z. B. "Thalluspilze" oder weiß ich wie heißen.) Umgekehrt lassen wir uns wider besseres Wissen die Myxetozoa nicht wegnehmen, weil sie seit alters her eben Schleim"pilze" genannt werden. Im Beratungsalltag hat jeder von uns seine Erklärungsformel dafür, dass Stinkmorcheln keine Morcheln sind - aber auch hier ist die Sprache mächtiger als viele gut gemeinte Aufklärungsversuche ...
War nur mal nebenbei so ein Gedanke ...
Gruß, Till
Hallo Thomas,
natürlich, denn es ist ja ein Ascomycet. Wie nahezu alle anderen Flechten
auch.
Im Normalfall ist bei einer Flechte der Ascomycet mit einer Alge
vergesellschaftet. Sarea resinae hat zwar keinen Algenpartner, ist
aufgrund seiner gesamten Merkmale aber so eng mit lichenisierten
Ascomyceten verwandt, dass man die Art eben zu den Flechten stellt.
"Die Flechten" sind letzlich nicht anderes als Pilze mit einer
besonderen Ernährungsform. Eine 100% saubere Trennung zwischen Flechten
und Pilzen ist nicht möglich. Sie sind auch systematisch mitten im Reich
der Pilze angesiedelt
Witzigerweise erscheint es vielen überraschend, das Flechten Pilze sein
sollen, und traditionell werden sie auch von Lichenologen bearbeitet, die
nur selten "richtige" Pilze kennen - so wie wir Pilzler uns auch
nur selten mit Flechten auskennen. Dagegen ist es für jeden einleuchtend,
dass die Schleimpilze von den Pilzlern bearbeitet werden - obwohl die ja
überhaupt nicht zu den Pilzen gehören ....
beste Grüße,
Andreas