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Re: Gabeltrichterling. von Kazuya

Markus S, (vor 8729 Tagen) 110 Beiträge @ Notizbrettbildservice

Salü Kazuya

Gratulation auch mal von meiner Seite zu Deinen immer sehr interessanten Beiträgen!

Zum Beitrag "Gabeltrichterling" möchte ich Dir jetzt aber eine Frage stellen:

Wo siehst Du die "Gabel"? Ich habe schon des öftern den Kaffebraunen Gabeltrichterling (P. cyathiformis) näher angeschaut, und habe bis jetzt die Gabelung der Lamellen höchst selten gesehen :-( (obwohl das ja eigentlich typisch sein sollte).
Auch auf Deinen Bildern ist diese erwähnte Gabelung nicht ersichtlich. Stell doch mal eine Makroaufnahme einer gegabelten Lamelle eines Gabeltrichterlings ins Forum (wenn Du eine findest). Die Anfänger unter den Forumsteilnehmern wären Dir sicherlich dankbar.

Gruss Markus

Hallo,
ich hoffe, dass euch mein letzter Beitrag mit dem kleinen Reisigbecherchen
gefallen hat. Mir kam zu Ohren, dass so manch ein Amateur bzw. Laie nicht
mit meinem "Fachchinesisch" klarkommt. Dem weis ich abzuhelfen,
indem ich von jetzt ab einfach alle unverständlichen Wörter aus dem
lateinischen erkläre.
Ich hätte zudem sämtliche Skizzen zur Verfügung stehen, die ich nach belieben
einfügen könnte (z.B. Lamellentrama, Zystidenformen etc.). Wenn euch das
recht ist, so kann ich diese bei schwierigen Beiträgen gerne hinzufügen.
Doch kommen wir zum nächsten Beitrag. Er handelt um einen Trichterling, der
eigentlich gar keiner ist: Gabeltrichterling (Pseudoclitocybe). Clitocybe
ist die Trichterlingsgattung, in der sich weit über 100 Arten in ME
befinden. Das Wort pseudo- bedeutet soviel wie "falsch" und
bezeichnet in Kombination mit Clitocybe also einen falschen Trichterling.

Die Gattung beinhaltet in ME 3 Arten, die sich durch schnallenlose Septen,
amyloide Sporen und durch gegabelte Lamellen von den richtigen
Trichterlingen deutlich abheben. Septen sind Querwände, die verhindern,
dass sich die Zellen innerhalb der Hyphen mehr als 2-mal teilen. Auf Grund
des Platzmangels (bei der Teilung) entsteht ein seitlicher Auswuchs, den
man als Schnalle bezeichnet. Fachleute unterscheiden sogar verschiedene
Schnallen (Wirtelschnallen, Bügelschnallen usw.). Doch das dürfte zu
chinesisch werden. Deshalb schnell zu den Sporen. Amyloid sind Sporen, die
sich in Jod-Reagenzien blau verfärben. Die Lamellen sind dann gegabelt,
wenn sie sich in Richtung Stiel oder zum Hutrand hin teilen. Sie können
somit durchaus einer Gabel ähneln.

Der häufigste der Gattung ist der Kaffeebraune Gabeltrichterling (P.
cyathiformis). Kennzeichnend ist der milchkaffeefarbene (trocken) bzw.
schokoladenbraune (feucht) Hut, der bis 100 und mehr mm breit werden kann
und in der Mitte immer deutlich vertieft ist. Die Lamellen sind hellgrau
und laufen sichelförmig herab. Der Stiel ist berindet und eher dünn,
hellbraun bis graubraun gefärbt und weist an der Basis Rhizomorphen auf,
also weiße Faserbündel bestehend aus Hyphen.

Der Pilz scheint recht häufig zu sein. Er erscheint vorzugsweise im Herbst
auf Rindenmulch, unter Gebüsch oder auch im Wald.
Viele Grüße,
Kazuya

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