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Re: Zur Nomenklatur Deines EgerlingsSchirmpilzes

Andreas ⌂, (vor 8452 Tagen) 8.003 Beiträge @ Gerd-A

Hallo Kazuya, Gerd und alle anderen

in Bild 1 (übrigens , wie die anderen auch hervorragend)

Dem kann ich nur zustimmen!

bezeichnest Du den

"Weißseidiger Egerlingsschirmling" als "SERICEOMYCES
SERENUS". Dieser Gattungsname hat mich schon arg gewundert.
Eine Überprüfung im Abbildungsverzeichnis (eigentlich mein
"Evangelium", nach dem ich Namen akzeptiere) zeigte, das diese
Art neuerdings nicht mehr in der Gattung "LEUCOAGARICUS"
untergebracht wird: SERICEOMYCES Heinemann 1978 SEIDENSCHIRMLING
....
serenus (Fr. 1874) Heinemann 1978 Heller S.

So neu ist das nicht, auch im MOSER ist die Gattung Sericeomyces enthalten.

[...]

Fazit: - CANDUSSO beurteilt das anders (da gehört die Art weiterhin zu
LEUCOAGARICUS), und das kann ich (wenn ich die Jahreszahlen anschaue)
gemäß Prioritätsprinzip auch Nachvollziehen.

Fast alles wird von anderen auch mal anders beurteilt ;-)
Mit dem Prioritätsprinzip hat das allerdings nichts zu tun, sondern nur mit der Auffassung, ob Sericeomyces eine eigenständige Gattung ist oder ob man diese Arten innerhalb von Leucoagaricus führen soll (s.u.)

- Jetzt bin ich total neben der Rille: Soll ich weiterhin einfach die Namen
aus dem Abbildungsverzeichnis übernehmen, oder bequeme Ausnahmen (habe
mich an Leucoagaricus -und einem alten Zirkusgaul bringt man nur schwer
neue Kunststücke bei- gewöhnt) zulassen.
- Unabhängig davon, welcher Name nun korrekt ist, werde ich wohl
"widerwillig" auf "SERICEOMYCES" mit Zusatz (=
LEUCOAGARICUS)umsteigen, denn eine "wohl definierte und von jedem
einsehbare Referenz (Abbildungsverzeichnis)" ist wohl das kleinere
Übel.
- Werde natürlich trotzdem (leider Ital.) mir die Begründung von CANDUSSO
anschauen.

Grund für die verschiedenen Bezeichnungen sind wie erwähnt unterschiedliche Auffassungen bei der Gattungsabgrenzung. Die einen sehen die Sericeomyces-Arten als generisch getrennt von Leucoagaricus, die anderen eben nicht. Wie immer gibt es für beide Auffassungen Gründe und letztlich kann die Entscheidung nur jeder für sich selber versuchen zu fällen - oder sich nach einem ihm angenehmen Buch richten. Das kann ja ruhig das Abbildungsverzeichnis sein (*grins*), aber auch das ist natürlich nicht die Bibel und unsere Entscheidungen können sicherlich genauso kontrovers diskutiert werden wie wenn wir uns andersherum entschieden hätten .....

Derzeit ist es wohl so, dass "die Holländer", "die Skandinavier" und Candusso/Lanzoni Sericeomyces nur als Untergattung innerhalb Leucoagaricus sehen. Dies wird offenbar auch durch DNA-Untersuchungen von VELLINGA bestätigt. "Die Franzosen" halten weiter an einer Eigenständigkeit fest, dem ich mich in der Ba.-Wü.-Flora angeschlossen habe, weil mir die HDS-Struktur und die allgemeine Erscheinung hinreichende Gründe dafür schienen.

Man kann bzgl. der Schirmlinge auch darüber diskutieren, ob Pulverolepiota pulverulenta nicht doch eine Cystolepiota ist, was Huijser/Vellinga ebenso vehement verteidigen wie Migliozzi dagegen ist.
Oder ob Echinoderma nicht mit Cystolepiota congenerisch ist ....
Oder ob Melanophyllum nicht mit Cystolepiota congenerisch ist oder gar in die Familie Agaricaceae gehört .....
Oder ob Vellinga recht hat, die Safran-Schirmlinge nun zu Chlorophyllum zu ziehen (Chlorophyllum rachodes, aber weiterhin Macrolepiota procera) .....
Oder ob Limacella zu den Amanitaceae gehört (Moser u.a.), zu den Lepiotaceae (meine Auffassung) oder zu den Tricholomataceae (die wahrscheinlich beste Lösung) ....
Ob Macrolepiota puellaris nun Leucoagaricus nympharum heißen soll ....
Wo die Gattungsgrenze zwischen Leucoagaricus und Leucocoprinus zu ziehen ist (z.B. die Gruppe um badhamii) ....

Und so weiter und so weiter.
Und das schöne ist ja - keine kann wirklich was beweisen, sondern nur möglichst plausibel argumentieren ;-)

Beste Grüße,
Andreas

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