Pilze Pilze Forum
Erweitert

2 Fragen zu gestern

Robert Blau, (vor 8428 Tagen)

Moin zusammen!

Ich habe gestern ein paar mir bekannte "gute" Waelder im Thueringer Wald besucht. Im Gegensatz zu anderen Gebieten Deutschlands geht es hier erst richtig los mit den Pilzen (bzw. seit ca 1 Woche). Sehr artenreich sind aber selbst die feuchten Waelder bzw Stellen noch nicht. Und der Großteil der Waelder - eben die ganzen mehr oder weniger ebenen Nadelwaelder ohne Moosbewuchs - sind noch knochentrocken und nur mit Glueck an grasigen Wegraendern mit Pilzen gesegnet (wenn nicht vorher jemand da war). Schade vor allem daher, dass mein Steinpilzwald ein Suedhang ist. Im zugehoerigen ehemaligen Steinbruch fanden sich aber wieder Fliegenpilze, die quasi direkt aus dem Stein wachsen. Sehr imposant!
Etwas geschockt war ich, als vor meinem regelmaessig ertragreichsten Wald schon 4 Autos parkten. Und das an einem Werktag gegen 13 Uhr...mehr als 1 Auto ausser meinem hatte ich da noch nie gesehen. Nunja, alle Koerbe wurden voll, da will ich nicht klagen.

2 Fragen bleiben nach der ganzen Pilzputzerei:

1.) Wird noch in Zweifarbigen Flocki und normalen Flocki unterschieden? (habe da gestern erstmals bewusst drauf geachtet und prompt beide Varianten gefunden)

2.) Aus meinen Birkenpilzen wurde ich nicht vollends schlau. Alle Merkmale sprachen fuer den stinknormalen Birkenpilz Leccinum Scabrum. Jedoch heisst es da beim Fleisch immer "nicht verfärbend". Nun, teilweise zeigten Schnittflaechen an den Stielbasen aber eine intensive Blaufaerbung (nicht alle). Die Veraerbung tritt ggf. erst nach einer Weile auf. Und einige Exemplare zeigten nach Stiellängsschnitt ein paar blassrosa bzw. blasslila Verfaerbungen. Gefunden wurden die Pilze in einer Tannenschonung mit vereinzelt eingesprengten Birken auf saurem Boden. Die Hüte sind grau bis graubraun, Röhren creme bis hellgrau, auf Druck bäunlich. Was koennte es sein?

Eintrag gesperrt
4 Aufrufe

1 Antwort

Thomas Pruß, (vor 8428 Tagen) @ Robert Blau

Moin Robert,
zu deiner ersten Frage kann ich nichts sagen – für mich gibt es den Flockenstieligen und den Netzstieliegen Hexenrörhling.
Zu Frage 2: versuch’s mal mit dem Buntfärbenden Birkenpilz (Krombholziella (=Leccium) variicolor. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass du den gefunden hast. Er verfärbt im Hut gern rötlich an der Stielbasis blau bis blaugrün. Ist auch essbar.
Denkbar wäre auch der Gelbe Raufuß (K. crocipodia), der aber wärmeliebend ist und recht selten.
Schönes langes Pilzwochende
Thomas

Eintrag gesperrt
4 Aufrufe

@ Thomas, dem kann ich nur zustimmen! *oT*

Joachim, (vor 8428 Tagen) @ Thomas Pruß

- kein Text -

Eintrag gesperrt
4 Aufrufe

Re: 1 Antwort

Robert Blau, (vor 8428 Tagen) @ Thomas Pruß

Moin Robert,
zu deiner ersten Frage kann ich nichts sagen – für mich gibt es den
Flockenstieligen und den Netzstieliegen Hexenrörhling.
Zu Frage 2: versuch’s mal mit dem Buntfärbenden Birkenpilz (Krombholziella
(=Leccium) variicolor. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass du den gefunden
hast. Er verfärbt im Hut gern rötlich an der Stielbasis blau bis blaugrün.
Ist auch essbar.

Danke fuer die Besaetigung. Ich habe damit schon etwas geliebäugelt gehabt. Allerdings hatte ich den nur in 1 meiner Buecher gefunden (Daehnke 1200) und da passte die Beschreibung zum Hut nicht richtig (der ist Glatt, weder gefurcht noch narbig), der Stiel wird aeußerlich nicht grüngelblich bei befassen und es gab nur lokale Blaufaerbungen und nicht bei allen Exemplaren (ich gehe davon aus, dass alle zur selben Art gehoeren). Wenn keine andere Art solches Verhalten zeigt, passts dann doch.

Schönes langes Pilzwochende

Danke, ebenso! Mal sehen, ob Samstag frueh noch was zu holen ist ;)

Gruss, Robert.

Eintrag gesperrt
4 Aufrufe

Ganz so einfach ist es nicht!

Jürgen, (vor 8428 Tagen) @ Robert Blau

Wenn der Hut grau bis graubraun und ohne helle Flecken oder Narben war, dürfte es eher der "Wolligfüßige" Birkenpilz, Leccinum brunneogriseolum, sein. Der sollte außerdem jung rein weiße bis blassgraue, wollige Stielschüppchen haben.

Empfehlenswerter Link (dort zu den Bildern weiterklicken):
http://www.bioimages.org.uk/HTML/T52880.HTM

Leccinum variicolor, der auch an sauren, oft moorigen Standorten wächst, hat schon jung dunkle Stielschuppen. Ebenso der "echte" Birkenpilz, der eher maronen- bis gelbbraunen Hut hat, i. d. R. kein Blau an der Stielbasis aufweist und gerne an auch an offenen, grasigen Stellen wächst.
Hinzu kommen Unterschiede in der Huthautstruktur, der Sporengröße und der chemischen Reaktion auf Eisensulfat.

Die Birkenpilz-Systematik ist für Einsteiger nicht ganz so einfach. Nach Dähncke sollte man nicht unbedingt gehen, da die Taxonomie teils veraltet, die Arten aber auch teilweise falsch bestimmt sind. Aber zumindest Leccinum scabrum und Leccinum variicolor bildet sie typisch und im auch im aktuellen Verständnis richtig ab.

Gruß, Jürgen

Eintrag gesperrt
6 Aufrufe

Re: Ganz so einfach ist es nicht!

Robert Blau, (vor 8428 Tagen) @ Jürgen

Der sollte außerdem jung rein weiße bis
blassgraue, wollige Stielschüppchen haben.

Gute Link. Die Bilder passen gut, nur die Stielschuppen sind/waren eher normal. Sprich schwarz, gegen Basis dichter werdend.

Nach
Dähncke sollte man nicht unbedingt gehen, da die Taxonomie teils veraltet,
die Arten aber auch teilweise falsch bestimmt sind. Aber zumindest
Leccinum scabrum und Leccinum variicolor bildet sie typisch und im auch im
aktuellen Verständnis richtig ab.

Naja, das Buch war halt preiswert ;) Und bis ins letzte Detail muss ich auch nicht alles wissen, aber man ist halt neugierig und lernt gerne dazu.

Ich denke, ohne Foto (keine Digicam, die meisten sind eh schon verspeist, der Rest grad im Dörrgerät) wird es kein genaues Ergebnis geben. Falls wir Samstag wieder dort sind, werde ich mich bemuehen, ein (analoges) Foto zu machen und spaeter zu digitalisieren.

Beste Gruessem Robert.

Eintrag gesperrt
4 Aufrufe

Re: Ganz so einfach ist es nicht!

Jürgen, (vor 8428 Tagen) @ Robert Blau

Hallo Robert,

sorry, war nicht so sehr als Kritik gedacht - Dähncke ist ohne Zweifel ein hervorragendes Pilz(foto)buch, aber halt nicht die alleinige Referenz.

Falls du nachsuchst, solltest du bei deinen Birkenpilzen auf die Farbe der Stielschuppen bei den Jungpilzen achten; ältere dunkeln gerne nach, vor allem auch beim Anfassen.

Viel Spaß,
Jürgen

Eintrag gesperrt
4 Aufrufe

Re: Ganz so einfach ist es nicht!

Robert Blau, (vor 8426 Tagen) @ Jürgen

Hallo Robert,
Falls du nachsuchst, solltest du bei deinen Birkenpilzen auf die Farbe der
Stielschuppen bei den Jungpilzen achten; ältere dunkeln gerne nach, vor
allem auch beim Anfassen.

Leider war heute nur noch ein fast vollkommen von Schnecken verzehrtes Exemplar zu finden. Daher keine weitere Bestimmung moeglich. Aber ich fahre sicher bei Gelegenheit nochmal hin.
Ich musste heute uebrigends feststellen, dass der Wald frueher mal eine Birkenschonung war. Die wurde abgeholzt, es stehen Unmengen Stubben rum, alle nur faustdick. Aufgeforstet wurden Tannen, wobei ein paar vermickerte Birken ueberlebten.