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Re: Tintlinge - Coprinus - Teil 3

Andreas 2, (vor 8349 Tagen) 490 Beiträge @ Kazuya

Hallo Kazuya,

zunächst ein Kompliment an dich, für deine regelmäßigen, kurzweiligen und interessanten Berichte. Mit dem vorgestelten C. domesticus habe ich aber ein paar Probleme und bin mir nicht sicher, ob es sich bei deiner Abb. wirklich um diese Art handelt. Verdächtig scheinen mir die Lamellen, das ausschließlich weißliche Velum sowie das Basalscheibchen. Auch dein Hinweis, dass die Lamellen nicht (kaum) zerfließen, kann ich nach meiner Erfahrung nicht bestätigen. Wenn natürlich die Mikromerkmale stimmen sollten (vergleiche mal mit: http://www.tham-thueringen.de/ unter Pilzkunde / „Coprinus ellisii und Abgrenzung zu C. domesticus“ oder mit: http://www.homepages.hetnet.nl/~idakees/), wären einige deiner Hinweise neue Erkenntnisse für mich.
Eine makroskopische Bestimmung ist mir in der Domesticusgruppe leider noch nie gelungen, dagegen ist sie meiner Meinung nach, mikroskopisch recht einfach und relativ sicher möglich.

Zu. C. micaceus möchte ich ergänzend noch auf die Stielbereifung hinweisen, die sich vor allem an jungen Frk. meist gut mit Lupe zu erkennen gibt. Ein wichtiges Merkmal zur Abgrenzung nahe stehender Sippen!

Auch von mir an alle einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

Gruß Andreas

Hallihallo,
hier nun ein dritter Teil aus der „Serie“ TINTLINGE (Coprinus), indem die
Arten Coprinus domesticus, Coprinus lagopus, Coprinus latisporus und
Coprinus micaceus abgebildet und beschrieben werden. In der letzten Folge,
die an Silvester erscheinen wird, werden noch 4 weitere Tintlinge
vorgestellt. Danach ist ein Beitrag über „MUSCHELINGE – Pilze ohne Stiel“
geplant.
1) Die Arten
Ein etwas weniger bekannter Tintling ist der Haus-Tintling (Coprinus
domesticus). Die Fruchtkörper werden mit einer Hutbreite von über 50 mm
schon recht groß, vor allem wenn man die Art mit oft sehr kleinen
Verwandten vergleicht. Der Hut ist anfangs fast walzenförmig bis
zylindrisch, breitet sich dann aber rasch breitkegelig bis glockig aus und
ist im Alter meist flach ausgebreitet. Die Oberfläche ist radialfurchig
bis –rillig und mit weißglimmerigen Körnchen bedeckt, die im Alter
verschwinden können. Dort, wo sich die Radialfurchung befindet, ist der
Hut mausgrau bis graubraun, während die glatte „Kappe“ im Zentrum hasel-
bis orangebräunlich ist. Die Lamellen sind anfangs weißlich bis
grauweißlich, färben sich aber mit zunehmendem Alter grau bis schwarzgrau.
Sie sind fast frei bis schmal angeheftet und zerfließen nicht oder nur an
der Randpartie, wobei diese oftmals einreißt. Der Stiel ist zylindrisch
und basal mit einer kleinen Knolle versehen. Oberflächlich ist er
weitgehend weiß bis weißlich, nur gegen die Basis bisweilen auch
cremeockerlich und fein weißlich überfasert. Die Basis zeigt auffällige
Merkmale: Zum einen ist sie oft stark abgesetzt und sogar mit einer
umlaufenden Kante versehen und zum anderen findet man dort häufig einen
rostbraunen Myzelfilz, den man auch Ozonium nennt. Dieser Myzelfilz
durchwuchert bisweilen ganze Partien des Substrates und ist auch bei
anderen Tintlingen nicht ungewöhnlich (z.B. Coprinus radiatus). Der
Haus-Tintling kann zwar auch an verfaultem, feuchtliegendem Holz innerhalb
oder um Wohnungen herum vorkommen, doch bevorzugt er grundsätzlich
abgestorbene, entrindete und meist größere Strünke oder teils vergrabene
Stämme. Er scheint nicht selten zu sein, doch bestehen Verwechslungen mit
vielen anderen Tintlingen, vor allem mit C. xanthotrix, der sich durch
kleinere Fruchtkörper und vor allem durch sein Vorkommen vorwiegend auf
kleineren Ästchen unterscheidet. Nach Beachtung der Merkmale, vor allem
der oft deutlich abgesetzten Knolle dürfte der Haus-Tintling eher leicht
bestimmbar sein.
Haus-Tintling – COPRINUS DOMESTICUS (Bolt.: Fr.) Gray

Sehr viel bekannter und ebenso häufig ist der Glimmertintling (Coprinus
micaceus). Sein Hut erreicht kaum mehr als 30 mm Breite und etwa 25 mm
Höhe, er ist zunächst kegelig bis glockig und später breitglockig bis
ausgebreitet. Die Oberfläche ist vor allem jung fein glimmerig-körnig,
wodurch die Art ihren Namen erhalten hat. Sie ist außerdem deutlich
radialriefig bis streifig und zentral orangebräunlich, während alles
drumherum anfangs hellbräunlich, später jedoch vom Rand her zunehmend
graubraun gefärbt ist. Die Lamellen sind anfänglich cremefarben, dann vom
Rand her schwarz und letztlich im ganzen schwarz gefärbt. Sie sind fast
frei bis schmal angeheftet. Der zylindrische Stiel ist anfangs auf
bräunlichem Grund feinfaserig bis körnig, später kahl. Die Basis ist
leicht verdickt und etwas weißfilzig. Den Glimmertintling findet man
häufig an Stämmen geschwächter oder abgestorbener Laubbäume, gerne an Erle
(Alnus), daher in Erlenbrüchen recht gut verbreitet, aber auch an Buche
(Fagus) oder Eiche (Quercus), auch an vergrabenem Holz, an Wurzeln usw.
Die Erscheinungszeit reicht vom April bis in den November hinein.
Glimmertintling – COPRINUS MICACEUS (Bull.: Fr.) Fr.

mit besten Grüßen,
Kazuya

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